intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

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intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon broll0815 » Donnerstag 28. Januar 2016, 22:33

Da ja in meinem letztem Beitrag auf die intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung) hingewiesen wurde, würde ich mal gerne erfragen, ob und wo es dazu einen Nachweis gibt.
Oder handelt es sich hier nur um Vermutungen? Habe soweit noch nichts Konkretes gefunden.

Gruß Broll0815

[EDIT durch NIPIAN, der Originalpost ist etwas weiter unten, oder gleich hier zu finden.]
Das Thema ist bereits mehrfach angesprochen worden. Es findet sich in der Wissenschaft erstmals auch unter "neo-Bergmannian rule" James 1970 (http://www.bio.fsu.edu/James/Ecology%201970.pdf), oder auch "James rule" Blackburn et al. 1999 (Geographic gradients in body size: a clarification of Bergmann's rule. BIODIVERSITY RESEARCH), hier aber noch nicht unter dem Forschungsaspekt der Homogenisierung. Dieser folgt erst später, Beispiel für intraspezifische Homogenisierung bei Ameisen, jedoch als "genetic variation" beschrieben:
The significance of latitudinal variation in body size in a Holarctic ant, Leptothorax acervorum - Jürgen Heinze, Susanne Foitzik, Birgit Fischer, Tina Wanke and Vladilen E. Kipyatkov, Universität Regensburg, Ratisbon, Bavaria, Germany Ecography (Impact Factor: 4.77). 05/2003; 26(3):349 - 355. DOI: 10.1034/j.1600-0587.2003.03478.x
The relationship between multiple mating by queens, within-colony genetic variability and fitness in the ant Lasius niger - E. J. Fjerdingstad, P. J. Gertsch and L. Keller - Journal of Evolutionary Biology Volume 16, Issue 5, pages 844–853, September 2003
Auch in der Bienenhaltung wird man auf den Gedankengang aufmerksam:
http://imkerforum.nordbiene.de/viewtopic.php?t=1834
http://landbiene.iphpbb3.com/forum/9485 ... ne-t2.html
In der Pflanzenwelt kennt man das Prinzip zur Genüge, es wird jedoch in speziellen Merkmalen in entgegengesetzer Richtung angewendet - siehe z.B. Orchideen -> Blütenvielfalt.
http://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/b ... huetze.pdf
Im Rahmen von molekulargenetischen Untersuchungen werden gerne "Internal transcribed spacer" zur Differenzierung intraspezifischer Variabilitäten herangezogen. Die Ausprägung der Merkmale sind über spezielle Eigenschaften der (Epi-)Genetik möglich, die aber nicht unmittelbar über ITS vermittelt werden.
[/EDIT]
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Re: intraspezifische Homogenisierung ( Faunenverfälschung)

Beitragvon Merkur » Freitag 29. Januar 2016, 10:54

https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=Intraspezifische+Homogenisierung

https://www.antstore.net/forum/viewtopi ... =7&t=16556

http://ameisencafe.de/cafe/index.php/Th ... %E2%80%9C/ (hierin mein letztes Wort zu dem Thema)

search.php?keywords=Intraspezifische+Homogenisierung

996-Cheetah-gähn.jpg
Cheetah, gähnend
Bitte lesen, sich selbst ein Bild machen. Wiederholung der Diskussionen m. E. überflüssig.
MfG,
Merkur
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Re: intraspezifische Homogenisierung ( Faunenverfälschung)

Beitragvon LynnLectis » Freitag 29. Januar 2016, 11:13

NIPIAN hat auch einmal einen Link dazu gegeben. Das Thema wurde hier im AP schon oft diskutiert, normalerweise sollte man zuerst über die Suchfunktion prüfen, ob das Thema nicht schon besteht, wird jedenfalls in vielen Foren als Regel angegeben, damit nicht unzählige Doppelthreads entstehen:
http://rsbl.royalsocietypublishing.org/ ... .0819.full
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Re: intraspezifische Homogenisierung ( Faunenverfälschung)

Beitragvon broll0815 » Freitag 29. Januar 2016, 11:40

Ein sehr schönes Paper, aber redeten wir nicht von Ameisen?
Bei den von Merkur angegeben Quellen, fehlt mir ein handfester Beweis dafür, ich kann da bisher nur eine Vermutung drinne sehen. Und man kann eine Vermutung ja nicht als Wahrheit verkaufen.
LG Broll0815
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Re: intraspezifische Homogenisierung ( Faunenverfälschung)

Beitragvon swagman » Freitag 29. Januar 2016, 14:04

@ LynnLectis
Auf den Link bezogen, es handelt sich hierbei nicht um intraspezifische Homogenisierung. Geschlechtstiere, welche von der parasitierenden neuen Königin ausgehen, haben deren Genpool und dieser stammt wie die Königin aus der näheren Umgebung des parasitierten Nestes. Da mischt sich also nichts was sich nicht sowieso mischt. (Ausser die Geschlechtstiere dieser Art paart sich nicht mit Geschlechtstiere aus anderen Nestern.)
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon LynnLectis » Freitag 29. Januar 2016, 15:46

Nein, "intraspezifisch" bedeutet "zwischen den Arten", kannst Du sogar bei Wikipedia nachlesen, sollte also bekannt sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Interspez ... eziehungen
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon Reber » Freitag 29. Januar 2016, 16:17

Nein Lynn, intraspezifisch meint hier "innerartlich". Wie z.B. die "intraspezifische Konkurrenz".

Faunenverfälschung meint: Die Veränderung der Fauna insbesondere durch das absichtliche Aussetzen von Tierarten, die in einem Gebiet nicht vorkommen. Es ist bereits eine Faunenverfälschung, wenn eine an sich im Lande vorkommende Art in Regionen ausgesetzt wird, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommt.

Das geht auch innerartlich, oder eben "intraspezifisch" wenn z.B. Unterarten, Variationen (Farbe, Grösse, Anpassung...) u.ä. aus einem anderen Gebiet dort freigelassen werden, wo andere Unterarten, Variationen u.ä. sich entwickelt/durchgesetzt haben.
Es besteht die Gefahr, dass die ausgesetzten Tiere die lokale Population der einheimischen Unterart an der unvermischten Weiterexistenz hindert (sie sich vermischen = Homogenisierung), schwache Populationen sogar ersetzt/auslöscht.

Ein Beispiel: Der Färberfrosch Dendrobates tinctorius kommt in verschiedenen Farbvarianten vor, die in der Natur in unterschiedlichen Biotopen leben, die z.T. voneinander "getrennt" sind (durch natürliche Hindernisse: Flüsse, Berge, Savannen...). Diese Variationen sind mitunter so ausgeprägt, dass die blaue Morphe Dendrobates tinctorius azureus lange als eigene Art galt. Sie ist aber eben, wie spätere Untersuchungen gezeigt haben, nur eine Farbvariante.

Wenn ich jetzt in einem Gebiet wo nur die Blaue Variation lebt, Tiere der Gelben Variante aussetze oder umgekehrt....
Bild Bild: Wikipedia
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon LynnLectis » Freitag 29. Januar 2016, 16:25

Ja, darauf wollte ich hinaus. Zur Faunenverfälschung gibt es auch viel Material bei Wikipedia, ist also auch hinlänglich bekannt und gehört letztlich zum Allgemeinwissen: https://de.wikipedia.org/wiki/Neobiota

Reber hat geschrieben:Das geht auch innerartlich, oder eben "intraspezifisch" wenn z.B. Unterarten, Variationen (Farbe, Grösse, Anpassung) u.ä. aus einem anderen Gebiet dort freigelassen werden, wo andere Unterarten, Variationen u.ä. sich durchgesetzt haben.
Es besteht die Gefahr, dass die ausgesetzten Tiere die lokale Population der einheimischen Unterart an der unvermischten Weiterexistenz hindert, schwache Populationen sogar ersetzt/auslöscht.


Das Problem ist ja eigentlich nicht die Farbvielfalt, sondern die genetische Angepasstheit einer Art an eine Region, welche durch die intraspezifische Homogenisierung gefährdet wird, d. h. solche Arten werden dadurch - wie Du ja auch sagst - in ihrem Überleben letztlich gehindert und ausgelöscht. Außerdem werden zusätzlich heimische Arten durch nichtheimische Arten in deren unguten Wechselwirkung ebenfalls gefährdet, weswegen das Problem nicht nur innerhalb der Arten (intraspezifische Homogenisierung), sondern durchaus auch zwischen den Arten (interspezifische Wechselwirkung) zu sehen ist. So wurden bereits viele Camponotus-Arten in Südfrankreich gefährdet durch die nichtheimischen invasiven Arten.

Doppelpost zusammengeführt von Reber
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon Reber » Freitag 29. Januar 2016, 17:11

as Problem ist ja eigentlich nicht die Farbvielfalt, sondern die genetische Angepasstheit einer Art an eine Region, welche durch die intraspezifische Homogenisierung gefährdet wird, d. h. solche Arten werden dadurch - wie Du ja auch sagst - in ihrem Überleben letztlich gehindert und ausgelöscht.


Ja, ich wollte auch nur ein allgemein verständliches Beispiel machen und Farbvariationen sind halt so schön sichtbar und tauglich innerartliche Unterschiede zu kennzeichnen. Eine spezielle Angepasstheit oder andere Unterschiede fallen ja oft nicht auf. Bei Ameisen schon gar nicht.

Nochmal zur Faunenverfälschung: Wie sich eine derart durch den Menschen verursachter "Gen-Austausch" auswirkt (positiv, negativ). Beziehungsweise ob er überhaupt gelingt (Tiere müssen sich zuerst einmal halten) und sich längerfristig durchsetzt, ist für mich erst einmal egal!
Es genügt mir volkommen zu wissen, dass sich das Aussetzen von Tieren, die nicht aus der unmittelbaren Umgebung stammen, nachteilig auf die natürlich in dieser Umgebung vorkommenden Tiere auswirken kann! Auf die eigene Art, sowie auf andere Arten.

Es käme doch auf`s selbe raus, wenn das Britische Eichhörnchen Sciurus vulgaris leucourus von der europäischen Unterart Sciurus vulgaris uscoater verdrängt würde, statt (wie es tatsächlich der Fall ist) durch eine andere Art der Gattung: Dem Grauhörnchen Sciurus carolinensis. Am Schluss ist die Unterart verschwunden!
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon swagman » Freitag 29. Januar 2016, 17:17

LynnLectis hat geschrieben:Nein, "intraspezifisch" bedeutet "zwischen den Arten", kannst Du sogar bei Wikipedia nachlesen, sollte also bekannt sein: https://de.wikipedia.org/wiki/Interspez ... eziehungen

Schau noch mal genau hin, du schreibst intraspezifisch, verlinkst aber einen Artikel zu interspezifischen Wechselbeziehungen.
Der kleine Unterschied macht hier alles aus.
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon LynnLectis » Freitag 29. Januar 2016, 17:31

Reber hat geschrieben:Ja, ich wollte auch nur ein allgemein verständliches Beispiel machen und Farbvariationen sind halt so schön sichtbar und tauglich innerartliche Unterschiede zu kennzeichnen. Eine spezielle Angepasstheit oder andere Unterschiede fallen ja oft nicht auf. Bei Ameisen schon gar nicht.


Ich denke, für einen Halter, der sich noch nie damit befasst hat, werden solche Farbkombinationen kein Problem darstellen, sondern vielleicht sogar als positive Vielfalt begrüßt. Abgesehen davon, dass auch die Farbgebung mit der Angepasstheit zu tun hat und sich Exemplare einer Art, die auch farblich möglichst optimal an die regionale Umgebung angepasst sind, sich eher durchsetzen und auf diese Weise regionale Farbunterschiede innerhalb derselben Art erklärt werden können, sind es eben viele andere unsichtbare Eigenschaften, welche bei regional angepassten Arten verlorengehen durch die intraspezifische Homogenisierung und somit ihr Überleben gefährdet.

@swagman: Im Artikel kommen beide Begriffe vor. Aber stimmt, ich habe es zuerst zu wenig deutlich unterschieden, es aber später nachgeholt.
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon Hopfensack » Freitag 29. Januar 2016, 20:54

Mhhh dazu hab ich eine Frage ....Ab wann wird eine Farbvariante bzw eine " Lokale Abweichung " in der Evolution zu einer neuen Art?
Wie setzt die Wissenschaft diese Grenzen fest?
Gibt es dazu ein bestimmtes Gesetz, dass ein bestimmte Prozentzahl der Gene verändert sein muss? :?:
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon Merkur » Freitag 29. Januar 2016, 22:09

Was ist eine Art? - Darüber könnte man leicht ein Buch von 500 Seiten schreiben, und über die Frage wurden bereits Tausende von Seiten geschrieben!
Als Schüler habe ich noch gelernt: “Was sich paart ist eine Art“. Im Studium habe ich erfahren, dass das falsch ist: Für Fossilien und für parthenogenetische Formen ist das nicht zu bestimmen, und F1-Arthybriden können steril sein (Maultier).
Es gibt leider keine allgemein akzeptierte Artdefinition!

Dafür gab es in den vergangenen Jahrzehnten reichlich „Modeströmungen“.
So hat man noch in den 1950er Jahren bei Waldameisen bis zu 4-gliedrige Namen erfunden, Bsp. Formica rufa rufopratensis minor (das entspricht etwa der heutigen Formica polyctena, schloss aber auch die polygyne Form von Formica rufa ein).

Dann gab es eine Phase, wo man Unterarten schlicht zu einer Art zusammengeworfen hat.
Später musste man dann wieder ehemalige Unterarten zu Arten aufwerten. Das ist heute weitgehend der Fall.- Und ich schreibe jetzt nur über Ameisen!
Die heute als Arten geführten Hügelbauenden Waldameisen, insbesondere F. rufa, polyctena, lugubris, paralugubris, aquilonia und pratensis könnte man auch als Unterarten von F. rufa werten, wie das lange der Fall war!
Wie Dr. Seifert in etlichen Arbeiten minutiös untersucht hat, hybridisieren sie alle m. o. w. untereinander! Nicht zuletzt ist das wohl durch die kleinräumige Struktur der Kulturlandschaft bedingt, wo oft ehemals große Waldgebiete (bevorzugt von F. polyctena besiedelt) immer mehr zerschnitten und aufgelöst werden, so dass es mehr Waldränder (Vorzugshabitat von F. rufa) gibt. Damit wächst die Gelegenheit zur Hybridisierung.

Zu Deiner Frage, Hopfensack: Die ja noch junge Molekulargenetik bemüht sich, Artgrenzen an einem bestimmten Prozentsatz unterschiedlicher Gene in einem Teil des Genoms der verglichenen Taxa festzumachen. Bis jetzt wird das allenfalls als Hilfsmittel eingesetzt. Wie seit eh und je werden Arten morphologisch beschrieben, und zumindest bei Insekten kann man die oft zahlreichen Exemplare doch nur nach morphologischen Kriterien bestimmen.
Die crux dabei sind intraspezifische Polymorphismen. Nicht von ungefähr wurden zahlreiche Ameisenarten nach Einzelexemplaren beschrieben, bis sich z.B. herausstellte, dass Art a nur die Soldatenkaste von Art b ist. ;)

Ab wann wird eine Variante zur Art? – Für den Morphologen dann, wenn sie sich in ein paar Merkmalen konstant von den nächst ähnlichen Populationen unterscheidet und wenn es kaum noch Zwischenformen gibt. Übereinstimmung herrscht darüber, dass Arten in räumlicher (und damit in Fortpflanzungs-) Isolation entstehen. Dazu muss die „neue“ Art irgendwelche Mechanismen entwickeln, die eine Wiedervereinigung mit der Ausgangsform verhindern (das kann z.B. eine unterschiedliche Paarungszeit im Lauf des Tages sein, oder ein leicht abgewandeltes Sexualpheromon). So etwas ist von außen ebenso wenig zu erkennen wie die Toleranz z.B. gegenüber hohen oder niedrigen Temperaturen.

Bei Pflanzen gibt es noch weitere Komplikationen. Mein Primel-Beispiel habe ich nur gewählt, weil man hier mühelos erkennen kann, wie ein "Schwarm" von Hybriden entsteht. -Ich bin übrigens sicher, dass diese Hybriden fertil sind und sich sowohl mit den Ausgangsformen als auch untereinander fruchtbar weiter vermehren können. Schließlich "lebt" diese Population in meinem Garten seit ca. 30 Jahren,und ich kenne mindestens zwei weitere solche Hybridschwärme in Würzburg. - Die trockenen Standorte sprechen dafür, dass die heimische Ausgangsform Primula veris ist.

Leider ist das Ganze recht schwierig, und die Wissenschaftler sind sich darüber noch längst nicht einig!

MfG,
Merkur
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon NIPIAN » Sonntag 31. Januar 2016, 14:13

Hoi,

das Thema ist bereits mehrfach angesprochen worden. Es findet sich in der Wissenschaft erstmals auch unter "neo-Bergmannian rule" James 1970 (http://www.bio.fsu.edu/James/Ecology%201970.pdf), oder auch "James rule" Blackburn et al. 1999 (Geographic gradients in body size: a clarification of Bergmann's rule. BIODIVERSITY RESEARCH), hier aber noch nicht unter dem Forschungsaspekt der Homogenisierung. Dieser folgt erst später, Beispiel für intraspezifische Homogenisierung bei Ameisen, jedoch als "genetic variation" beschrieben:
The significance of latitudinal variation in body size in a Holarctic ant, Leptothorax acervorum - Jürgen Heinze, Susanne Foitzik, Birgit Fischer, Tina Wanke and Vladilen E. Kipyatkov, Universität Regensburg, Ratisbon, Bavaria, Germany Ecography (Impact Factor: 4.77). 05/2003; 26(3):349 - 355. DOI: 10.1034/j.1600-0587.2003.03478.x
The relationship between multiple mating by queens, within-colony genetic variability and fitness in the ant Lasius niger - E. J. Fjerdingstad, P. J. Gertsch and L. Keller - Journal of Evolutionary Biology Volume 16, Issue 5, pages 844–853, September 2003
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In der Pflanzenwelt kennt man das Prinzip zur Genüge, es wird jedoch in speziellen Merkmalen in entgegengesetzer Richtung angewendet - siehe z.B. Orchideen -> Blütenvielfalt.
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Im Rahmen von molekulargenetischen Untersuchungen werden hierzu gerne "Internal transcribed spacer" zur Differenzierung intraspezifischer Variabilitäten herangezogen. Die Ausprägung der Merkmale sind über spezielle Eigenschaften der (Epi-)Genetik möglich, die aber nicht unmittelbar über ITS vermittelt werden.

Damit auch dem zukünftig Suchenden das Finden der relevanten Information erleichtert wird, habe ich die Antwort in den Startpost editiert. Damit entfällt die Scrollarbeit.
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon Phil » Sonntag 31. Januar 2016, 15:20

Dieser folgt erst später, Beispiel für intraspezifische Homogenisierung bei Ameisen:
The significance of latitudinal variation in body size in a Holarctic ant, Leptothorax acervorum - Jürgen Heinze, Susanne Foitzik, Birgit Fischer, Tina Wanke and Vladilen E. Kipyatkov, Universität Regensburg, Ratisbon, Bavaria, Germany Ecography (Impact Factor: 4.77). 05/2003; 26(3):349 - 355. DOI: 10.1034/j.1600-0587.2003.03478.x
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Und wo in den zitierten Studien geht es um eine intraspezifische Homogenisierung? Ich habe beide gelesen, aber nichts darüber gefunden.

Grüße, Phil
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon NIPIAN » Sonntag 31. Januar 2016, 15:26

Hoi,

"genetic variation" = Variationsbreite genetischer Information zu einem Zeitpunkt; die Funktion von "intraspezifische Homogenisierung" beschreibt die Abnahme der Variationsbreite über die Zeit. Je größer die "intraspezifische Homogenisierung", desto geringer die "genetic variation".

Auch das ist bereits mehrfach thematisiert worden.
Das ist simple Recherche, dazu benötigt man noch nicht einmal einen Studentenausweis.
Ich habe es sicherheitshalber noch dazueditiert.

(...)

Persönliche Note und OT-Folgebeiträge entfernt von Reber.
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Re: intraspezifische Homogenisierung (Faunenverfälschung)

Beitragvon Merkur » Freitag 26. Januar 2018, 13:04

„Intraspezifische Hybridisierung“ und andere Folgen der An- und Umsiedlung gebietsfremder Organismen:

http://www.bafg.de/DE/05_Wissen/02_Vera ... cationFile
"Zur Problematik von Umsiedlungen ‐ am Beispiel von Eidechsenpopulationen ‐ Allgemeine und spezielle Aspekte."
Michael Veith, Ulrich Schulte. Biogeographie, Universität Trier
3. Ökologisches Kolloquium, Bundesamt für Gewässerkunde Koblenz, 19./20. September 2013

Eine ausgesprochen interessante und lesenswerte Darstellung, die auf Umsiedlungen von Reptilienpopulationen basiert. Doch die Bedenken und Kritikpunkte sind teilweise vergleichbar mit den Argumenten gegen die absichtliche oder fahrlässige Freisetzung gebietsfremder Ameisen!
(Der Beitrag eröffnet auch Einblicke in die bedauerliche Verschwendung öffentlicher Mittel für gut gemeinte, aber unsachgemäß geplante und durchgeführte Aktionen im Natur- und Artenschutz)

Ein Beispiel:
Umsiedlung in ein besetztes Habitat …scheidet gänzlich aus.
• Langfristig ist i.d.R. kein demographisch positiver Effekt zu erwarten.
• „Import“von Pathogenen denkbar.
• Unter Umständen „Aufbrechen“ ko‐adaptierter Genkomplexe durch
Vermischung, und in dessen Folge eventuell Auszuchtdepression
(„outbreeding depression“) ?
MfG,
Merkur
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