Radioaktive Strahlung und Mutation

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Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon fehlfarbe » Mittwoch 27. April 2016, 16:23

Hallo Leute,

das Thema Tschernobyl ist gerade wieder in aller Munde und in der taz gab es neulich einen interessanten Artikel über eine Insektenforscherin, die Mutationen bei Wanzen untersucht hat: https://www.taz.de/!5294934/

Gibt es dazu eigentlich auch Untersuchungen bei Ameisen? Wie wirkt sich radioaktive Strahlung auf deren Entwicklung aus?
Passenderweise habe ich vor einigen Wochen einen Geigerzähler gebaut und einige schwach radioaktive Gegenstände da (Uranglas, Glühstrumpf mit Thoriumnitrat). Reichen solche schwachen Strahler schon aus um Mutationen zu provozieren oder müssten die Strahlungsquellen mit der Luft oder Nahrung aufgenommen werden um länger im Körper zu verweilen?
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Re: Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon Merkur » Donnerstag 28. April 2016, 18:18

Hallo fehlfarbe,

Die Antwort könnte im Umfang an die Bibel herankommen! ;)

Ich denke, es wird am einfachsten sein, wenn Du mal bei Wikipedia nach den verschiedenen Strahlern suchst, Radioaktivität > Zerfallsarten (Alpha-,Beta-,Gammastrahlen) > Abschirmung und Reichweite > Gefährlichkeit.

Dann: Ionisierende Strahlung > Biologische Wirkung > wo Alphastrahler besonders im Körper Schäden hervorrufen können.

Insekten: https://de.wikipedia.org/wiki/Sterile-Insekten-Technik / Aktuell träumt man davon, die für die Übertragung des Zika-Virus verantwortlichen Mückenarten in Süd- und Mittelamerika damit zu bändigen. Usf.

Man hat in den USA mittels auf Türmen angebrachter starker Gamma-Strahler flächenhaft Ackerland bestrahlt und die Auswirkungen studiert (manchmal günstig für Pflanzenwuchs, bei anderen Dosen letal.

Auch Insekten wurden bestrahlt, in allen möglichen Variationen. Ich kann jetzt keine speziellen Arbeiten heraussuchen, aber was ich in Erinnerung habe: Ameisen und Schaben vertragen erheblich größere Dosen als der Mensch! Überspitzt ausgedrückt hat man damals gesagt, dass bei einer nuklearen Ausrottung der Menschheit (und natürlich vieler anderer Organismen) wahrscheinlich Ameisen, Schaben und Ratten übrig bleiben.

In einem Experient, das ich als junger Student mal machen „durfte“, haben Temnothorax unifasciatus-Königinnen ca. 500mal soviel Gamma-Strahlung überlebt wie die letale Dosis 50 für Menschen (die Dosis, bei der 50 % der Betroffenen sterben. Daten hatte man ja von Hiroshima und von Strahlenunfällen).
Das Institut hatte damals eine "Strahlenkanone" (eigentlich für Tumorbestrahlung in der Medizin gedacht) angeschafft, und dann hat man sozusagen auf gut Glück (oder Teufel komm' raus) damit herumgeschossen. :(
– Ob meine Temnothorax sterilisiert wurden, oder ob sie mutierten Nachwuchs produziert hätten, wurde nicht weiter untersucht: Man wusste damals, in den 1960er Jahren, noch nicht einmal, dass es ein bis zwei Jahre dauert, bis aus einem Ei eine Gyne wird. Und wie man solche Junggynen dann zur Paarung bringen könnte, weiß man bis heute nicht! In jedem Fall hätte es viele Jahre gedauert, bis man Mutationen hätte nachweisen können. :roll:

Ob also bei Ameisen kontrolliert Mutationen ausgelöst wurden, weiß ich nicht. Wegen der langen Generationendauer wäre das eben recht unergiebig. Mit Drosophila geht’s schneller.

So, jetzt höre ich mal auf; ich denke es reicht, um deutlich zu machen, dass Deine Fragen nicht so ganz kurz zu beantworten sind! ;)

MfG,
Merkur
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Re: Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon Emse » Freitag 29. April 2016, 12:07

Das w.w.w. bietet kaum Informationen zu dem Thema. Weder zu provozierten Mutationen von Ameisen unter Laborbedingungen, noch zu (erschwerten) Freilandbeobachtungen in verstrahlten Gebieten nach einem Reaktorunglück.

Hier aber ein kurzer (recht dürftiger) Auszug aus einem Dossier des VBIO, die Texte beziehen sich auf gemachte Freilandbeobachtungen in Tschernobyl und Fukushima: Wirkung von Radioaktivität auf Menschen, Tiere und Pflanzen

Mikroorganismen und Insekten zeigen im Unterschied zu Mensch, Tier und Pflanze keine negativen Folgen bei radioaktiver Bestrahlung. Thomas Jung vom Bundesamt für Strahlenschutz führt dies vor allem bei den Mikroorganismen darauf zurück, dass diese unseren Globus bereits zu Urzeiten bevölkerten, als hier noch lebensfeindlichere Bedingungen herrschten. Sie sind daher vermutlich besser in der Lage mit extremen Bedingungen - wie radioaktiver Belastung - zu leben.


Ob das wohl stimmt? :roll: :)
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Re: Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 30. April 2016, 12:57

Hm? Mit dem Löwenzahn fängt's an. Ob das schon die ersten Anzeichen sind?
Bild


LG Franz
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Re: Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon Merkur » Samstag 30. April 2016, 16:20

Hallo Trailandstreet,

Keine Sorge, das ist eine sog. Verbänderung. Sie wird oft durch Herbizide ausgelöst; hat nichts mit Radioaktivität oder Mutation zu tun.
Hier habe ich ein Bild von Yucatan, wo wir 2006 im Gelände einer Maya-Pyramide solche chemisch induzierten Wachstumsstörungen an einem
kletternden Kaktus (oder Euphorbie?) beobachtet haben. - Man muss dort mit allen Mitteln verhindern, dass die mühsam freigelegten Ruinen wieder zuwachsen.

Euphorb.Yucatan-3-010.jpg
Kaktus?
MfG,
Merkur
PS: https://de.wikipedia.org/wiki/Verb%C3%A4nderung Wikipedia nennt als Ursache auch "Mutation", die sogar bei Löwenzahn besonders häufig vorkommen soll. - Ich habe nur die Erfahrung gemacht, viele Male, dass so etwas gerade in der Nähe chemisch behandelter Flächen auftritt, also z.B. an Weg-und Straßenrändern, wo man das Unkraut "weggespritzt" hat. Das war bei uns über viele Jahre so, bis von der Wildkräuterflora an den Straßenrändern kaum noch etwas übrig war. Seit ein paar Jahren ist es wohl verboten. Jedenfalls wird wieder gemäht, und die Straßenränder blühen wieder! :)
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Re: Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 30. April 2016, 21:44

Danke Merkur ich hab mir zwar sowas schon gedacht, aber es passte ja grad nur zu gut dazu.


LG Franz
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Re: Radioaktive Strahlung und Mutation

Beitragvon fehlfarbe » Mittwoch 4. Mai 2016, 15:55

Hey Leute,

sorry für meine späte Antwort aber mein Laptop hat leider heimlich eine Flasche Bier getrunken, nicht vertragen und katert nun beim Reparaturservice aus :roll: Alkohol ist wohl nicht nur Gift für Gehirnzellen :D

Danke für den Input! Die SIT war mir schon vom Prinzip her bekannt, ich wusste allerdings nicht, dass das u.a. auch mit ionisierender Strahlung gemacht wird. Ich finde es erstaunlich, dass manche Lebewesen resistenter gegen ionisierende Strahlung sind, da der Prozess ja schon auf atomarer Ebene stattfindet und daher alle Lebewesen gleich betroffen sind. Es scheint da jedoch Unterschiede bei der Verarbeitung von veränderten Genmaterial zu geben oder wie funktioniert das? Das würde ja aber auch bedeuten, dass Mutation dadurch insgesamt besser unterdrückt werden?!

@Emse:
Mir kamen da auch die ersten Zweifel im Sommer 2010 auf Usedom :D

IMG_5714.JPG
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