Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

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Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Meve » Samstag 30. Juli 2016, 13:46

Hallo zusammen,


ich bin mal auf eure Arten- und Ortskenntnis angewiesen.
Für meine Doktorarbeit suche ich Vorkommen der Art Formica cinerea/fuscocinerea.

Die Art F. fuscocinerea ist ursprünglich vermutlich in der Alpenregion beheimatet und scheint sich seit einigen Jahren in den Süden Deutschlands vorzudringen.
Besonders in München fällt die Art durch ihr aggressives Verhalten auf Spielplätzen und in Parkanlagen auf.
Leider ist die Art weitgehend unerforscht und viele offene Fragen stehen im Raum.
In meine Arbeit an der Uni Bayreuth möchte ich daher die Ökologie und auch das Ausbreitungspotential der Art untersuchen.
Ich suche daher Vorkommen von F. fuscocinerea und/oder F. cinerea. Beide Arten sind kaum bis nicht voneinander zu unterscheiden, weshalb ich beide Arten suche.
Um die Arten untersuchen zu können, muss ich sie erstmal finden. Mir sind bereits einige Punkte bekannt, aber je größer der Datensatz, umso eher kann man richtige Schlüsse ziehen.
Ich würde mich daher sehr freuen, wenn ihr mir eine Nachricht zukommen lasst, falls ihr gute Fundorte kennt.

Woran erkenne ich die Art?

Die Art ist ca. 6mm groß und dunkelgrau/schwarz mit einem silbrigen Schimmer (besonders auf dem Gaster).
Sie ist also deutlich größer als Lasius.

Woran kann ich sie von F. fusca unterscheiden?

F. fusca ist dunkler und oftmals etwas gedrungener. Aber vor allem erkennt man sie durch ihr Verhalten.
Versucht man F. fusca zu fangen so macht sie sich möglichst schnell aus dem Staub. F. cinerea und fuscocinerea rennen nur selten davon und greifen eher an.

Wo finde ich Kolonien der Art?

Besonders im urbanen Gebiet ist die Art zu finden. Sie scheint eine Vorliebe für sandige oder steinige Nistplätze zu haben und ist daher oft an Straßenrändern, Gehwegen, Parkanlagen, Spielplätzen oder in Gärten zu finden.
Sie fällt besonders dadurch auf, dass sie ihr Nest sehr aggressiv verteidigt und man in Nestnähe schnell und individuenstark angegriffen wird. Ganz pauschal: wird man im Grünen von mittelgroßen dunkeln Ameisen belästigt, dann denkt bitte an mich.

Was mache ich wenn ich Vorkommen kenne oder entdecke?

Bitte schickt mir eine private Nachricht.
Bitte mit einer möglichst genauen Fundortbeschreibung wie etwa GPS-Punkt mit Zusatz wie am Baumstamm der Birke etc. Oder eine genaue Ortsangabe.
Ich müsste sie eigenständig finden können.

Was passiert wenn ich dir ein Vorkommen nenne?

Ich werde diesen Herbst und nächstes Jahr noch einige Sammelreisen in (Süd-)Deutschland, Österreich und der Schweiz durchführen. Vor Ort werde ich zumeist nur wenige (5 bis 20) Ameisen entnehmen.
Sollte der Ort bestimmten Kriterien entsprechen werde ich vielleicht auch einen Teil der Kolonie entnehmen. Da die Ameisenarten sehr volksstark und polygyn sind, bedeutet dies also nicht das Aus für die Kolonie.
Natürlich werde ich immer auf möglichen örtlichen Schutz oder Vorwarnlisten achten!


In der Hoffnung auf viele Nachrichten verbleibe ich mit
vielen Dank und vielen Grüßen

Michael
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Meve
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Boro » Samstag 30. Juli 2016, 18:50

Hallo Meve!
Ich denke es wäre besser, bei den gesuchten Arten eine räumliche Suchbeschränkung vorzunehmen. "Süddeutschland" oder "Österreich" sind in diesem Fall unermessliche Räume, die niemand mit Fundmeldungen abdecken kann. Das erwähnte "München" wäre eher zu bearbeiten. Ich könnte dir z. B. nur von Kärnten eine ganze Reihe von Fundorten mitteilen, allerdings nur v. F. fuscocinerea; F. cinerea und F. selysi sind hier selten, die Suche wäre jene nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen. In D soll F. cinerea streckenweise häufig vorkommen, dafür fehlt F. fuscocinerea vereinfacht gesagt nördlich des Alpenvorlandes. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang das Buch von B. Seifert über die Ameisenfauna in Mittel- und Norddeutschland.
F. fuscocinerea ist jedenfalls eine interessante Art, die neben den ursp. Lebensräumen in den letzten Jahrzehnten versiegelte Flächen in den Städten teilweise in großer Dichte als Sekundärlebensraum in Anspruch nimmt.
L.G.
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Boro
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Meve » Sonntag 31. Juli 2016, 13:45

Hallo Boro,

ich habe tatsächlich bewusst den Suchradios möglichst groß gewählt, da ich für meine Fragestellung nicht möglichst viele Fundorte in einem bestimmten Gebiet suche, sondern möglichst das gesammte Vorkommensgebiet von F. fuscocinerea abdecken möchte.
Nach F. cinerea suche ich nur weil sie so schlecht von F. fuscocinerea zu unterscheiden ist und ich die genaue Bestimmung im Labor durchführen werde.

Da ich schon länger mit Ameisen arbeite ist mir der Seifert (2007) doch sehr vertraut. Ich kann jedoch berichten, dass ich die Art auch außerhalb des Alpenvorlandes oder des von Seifert beschriebenen Verbreitungsgebietes gefunden habe.

Ich würde mich sehr über die Fundorte in Kärnten freuen! So weit südlich bin ich noch nicht vorgestoßen.

Viele Grüße,

Michael
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Reber » Montag 1. August 2016, 02:51

Hallo Meve,

sehr interessant, da helfe ich dir gerne! Arten aus der cinerea-Gruppe (bestimmen kann ich sie selber leider nicht) kommen in der Schweiz mit schöner Regelmässigkeit vor. Aus dem Stegreif: In Bern lebt eine "mittelgrosse" Kolonie auf Teilen des Bremgartenfriedhofs. Entlang der Berner und Freiburger Flüsse Sense, Sodbach und Ärgera gibt es z.T. riesige Kolonien. Im Wallis (der Kanton ist ein wirkliches Ameisen-Paradies) sind mir ebenfalls grosse Vorkommen entlang der Borgne d Arolla und der Rohne bekannt...

Genaue Daten schicke ich dir gerne per PN. Auch könnte ich einige "Probeexemplare" einsammeln und zuschicken!
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Boro » Montag 1. August 2016, 15:02

An der Drau in Südkärnten gibt es viele Vorkommen v. F. fuscocinerea, auch in der Stadt Klagenfurt an vielen Stellen. Ich kann die Örtlichkeiten hier gar nicht aufzählen (mit geogr. Koordinaten), das würde zu weit führen. Wenn du aber an einer besonderen Lokalität in Kärnten Interesse haben solltest, kann ich dir das über PN mitteilen. Hier nur 2 Beiträge, die sich mit der Art beschäftigen:
viewtopic.php?f=48&t=237
viewtopic.php?f=48&t=488
Liebe Grüße
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Boro
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Hoffer » Dienstag 2. August 2016, 11:21

Hallo Meve!

F. fuscocinerea

Google Koordinaten:
48.226781, 16.410478

Wien, Donauinsel

Eine Superkolonie, die ich schon seit mehreren Jahren beobachte. Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, hat sie sich ziemlich ausgebreitet und an ihrem Ausbreitungshöhepunkt, vor 2 Jahren, beinahe die gesamte "Halbinsel" (gib die Koordinaten in Google Maps ein und du weißt was ich meine) bevölkert. Hunderte wenn nicht tausende Nesteingänge...! Habe damals zum ersten Mal eine Superkolonie mit eigenen Augen gesehen. Man konnte keine 3 Sekunden am selben Ort stehen, ohne von ihnen attakiert zu werden... Bis auf Tetramorium sp. und Lasius niger in den Randbereichen, wurden alle anderen Ameisenarten verdrängt. Vor allem die zuvor recht häufig vorkommenden Serviformica- Arten hatten keine Chance. Seit 2 Jahren schrumpft ihre Dominanz in diesem Gebiet. Ihre damalige starke Ausbreitung hat sie meiner Meinung nach einem starken Hochwasser zu verdanken, welches die Halbinsel mit Schotter und Sand bedeckt hat. Genau so vermute ich, dass ihre schwindende Dominaz mit dem jetzigen Zuwachsen des Habitats zu tun hat... Aber auf jeden Fall eine sehr, sehr interessante Art!

Liebe Grüße aus Wien und viel Erfolg bei deiner Arbeit,

Hoffer.
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Reber » Sonntag 4. Dezember 2016, 14:49

Aus reiner Neugier: Hat es sich an den von mir angegebenen Fundstellen tatsächlich um eine der vermuteten Arten gehalten? Und kommen in der Schweiz beide Arten vor?
LG Reber
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Meve » Montag 5. Dezember 2016, 10:49

Hallo Reber,

ich konnte bisher leider nur die Kolonie am Friedhof in Bern beproben. Diese Tiere sind F. fuscocinerea.
Alle weiteren Fundorte kann ich erst nächstes Jahr anfahren.

Viele Grüße,

Meve
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Reber » Montag 5. Dezember 2016, 13:39

Vielen Dank Meve, das ist sehr interessant! In Bern ist es also Formica fuscocinerea, dann gibt es hierzu Klarheit, was mich persönlich sehr freut. Wegen der Breitengradangaben im Seifert bin ich früher davon ausgegangen, dass es sich um F. cinerea handeln müsste - das hab ich dann aber wohl deutlich missinterpretiert. Zudem ist mir letzthin diese "kommentierte Liste der frei lebenden Ameisen (Hymenoptera : Formicidae) in der Schweiz", von Neumeyer und Seifert untergekommen. Da werden F. fuscocinerea Vorkommen fürs Mittelland und die Alpennordflanke erwähnt, F. cinerea hingegen fehlt auf der Liste gänzlich...

Wünsche dir bei deinem Projekt weiterhin viel Erfolg!
LG Reber
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Re: Fundorte von F. cinerea/fuscocinerea

Beitragvon Boro » Montag 5. Dezember 2016, 21:32

Zur Verbreitung der cinerea-Gruppe kann ich aus eigener Erfahrung nur von den Vorkommen in Südösterreich berichten. Weit verbreitet gibt es F. fuscocinerea. F. selysi und F. cinerea sind selten und fehlen bereits im Osten v. Österreich. Zur Bestimmung braucht man immer Nestserien, mindestens 10 Stück pro Nest und ein gutes Bino.
1. F. selysi ist nocht recht gut zu bestimmen, da sind es vor allem Behaarungsmerkmale ("Pelzige Sklavenameise"). Ich konnte sie bisher nur vereinzelt im Bereich von Wildwasserflüssen in Südkärnten finden und eindeutig bestimmen; sie können auch direkt im Flussbereich, etwa auf größeren Schotterinseln vorkommen, die Art ist relativ überflutungstolerant. Einmal war ich Zeuge einer Auseinandersetzung mit F. fuscocinerea. Ich bin ziemlich sicher, dass die Art wegen der stets starken Dominanz v. F. fuscocinerea so selten ist.
2. F. cinerea ist schwer zu bestimmen, da kommt man nicht immer auf ein eindeutiges Ergebnis. Seifert beschreibt die Unterschiede zu F. fuscocinerea auf S. 181 gut. B. Seifert hat eine meiner Proben über Vermittlung v. H. C. Wagner bestimmt und kam dabei zum Ergebnis F. cinerea mit dem Hinweis, dass eine Hybridisierung mit F. fuscocinerea nicht ganz auszuschließen sei. Bei uns gilt sie als ausgesprochen südliches Element, wahrscheinlich als Einwanderer aus Friaul/Italien, dort ist lt. Wagner diese Art deutlich häufiger als F. fuscocinerea. Die Art wurde bisher nur am Ende eines möglichen Einwanderungskorridors aus Friaul (Val Canale & Canal del Ferro, bei uns kurz: Kanaltal, entspricht etwa dem Verlauf der Autobahn von Villach nach Udine) gefunden. Wegen möglicher Konkurrenz durch F. fuscocinerea kommt sie bei uns im lichten Trockenwald unweit der Widlflüsse vor (Erico-Pinetum). In Südtirol ist sie häufiger und lebt dort auch im urbanen Bereich.
3. F. fuscocinerea ist bei uns fast allgegenwärtig und kann andere Ameisenarten bedrängen, bekriegen und auch ausrotten (z. B. Manica rubida oder C. ligniperda sowie C. vagus !!!). Sie wurde zum Kulturfolger, d. h. wenn bei uns eine Art aus der cinerea-Gruppe im Stadtrandbereich od. in der Stadt am Rande versiegelter Flächen vorkommt, kann man mit fast 100% iger Sicherheit sagen: F. fuscicinerea.
Bei den Gynen ist die Trennung v. F. cinerea u. F. fuscocinerea ganz schwierig oder besser unmöglich (Kommentar v. B. Seifert auf S. 188).
Die Frage einer möglichen Hybridisierung zw. den 3 Arten bleibt offen und wurde meines Wissens bisher nicht speziell untersucht.
L.G. Boro
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