Leptothorax goesswaldi

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Leptothorax goesswaldi

Beitragvon Boro » Freitag 20. Juli 2018, 08:14

Anlässlich des GEO-Tages der Artenvielfalt 2017 im Kärntner Biosphärenpark Nockgebiet (Österreich) wurde Gösswalds Schmalbrustameise (Leptothorax goesswaldi) gefunden. Über den GEO-Tag habe ich bereits hier berichtet: viewtopic.php?f=46&t=1653&p=14608&hilit=Biosp%C3%A4hrenpark+Nockberge#p14608.
Der Fund ist sensationell, da es sich um den 1. Fund für Österreich und den weltweit 7. Fund handelt!
Die Veröffentlichung erfolgte im eben erschienen Band von Carinthia II/1. Teil (2018) im Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten. Der Artikel stammt von Dr. H. C. Wagner, dem Autor der "Ameisen Kärntens" aus 2014.
Kurz zum Fundort:
Nahe dem Gipfel der Eisentalhöhe (2180 m), "deutlich über der Baumgrenze" (ohne nähere örtliche Bezeichnung) in einem Unterstein-Nest.
Zur interessanten Biologie der sozialparasitischen Art: https://link.springer.com/article/10.1007/BF02222937
L.G.
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Boro
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Re: Leptothorax goesswaldi

Beitragvon Merkur » Freitag 20. Juli 2018, 09:08

Hallo Boro,
Das oder die Exemplar(e) würde ich ja gerne mal sehen. Ob sich da was machen lässt? - An sich war die Art in Österreich zu erwarten. Oder sind in dem Artikel in Carinthia II/1gute Bilder?
Im AWiki hatte ich einen bebilderten Beitrag gepostet: https://ameisenwiki.de/index.php/Leptothorax_goesswaldi
S. a. hier im AP: viewtopic.php?f=50&t=79&start=780#p13484
Bisher wohl unveröffentlicht sind Funde aus Dänemark (J. Bittcher), in denen zu meiner Freude auch das eigenartige Verhalten gegenüber den Wirtsköniginnen (Antennen-Amputation) bestätigt werden konnte.
Schließlich kommt die Art auch in Südschweden vor: P. Douwes et al. (2012): Nationalnyckeln till Sveriges flora och fauna. Steklar: Myrorgetingar. Hymenoptera: Formicidae-Vespidae. ArtDatabanken, SLU, Uppsala. Seite 102.
Der Band (382 Seiten, reich bebildert) enthält alle 133 nordischen Arten von Ameisen, Dolchwespen (Scoliidae) und Wespen. Bestimmungsschlüssel für alle Arten in Englisch sind enthalten. (Ausführlichere Besprechung hier).

MfG,
Merkur
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Re: Leptothorax goesswaldi

Beitragvon Boro » Freitag 20. Juli 2018, 14:04

Ich habe mit dem Autor Kontakt aufgenommen um nähere Umstände zu erfahren. Ich war damals auf der Eisentalhöhe nicht dabei, wäre aber auch an erstklassigen Makros sehr interessiert. Warten wir einmal ab.....
L.G.
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Re: Leptothorax goesswaldi

Beitragvon Teleutotje » Freitag 20. Juli 2018, 15:25

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Re: Leptothorax goesswaldi

Beitragvon Boro » Mittwoch 25. Juli 2018, 10:37

Ich habe die entsprechende Seite aus der Publikation herauskopiert und stelle sie hier ein. Nachdem der Beleg dem Senckenberg-Museum Übertragen wurde (leg. H. C. Wagner, vid. B. Seifert), wird es vermutlich keine Makro-Aufnahmen davon geben. Aber immerhin, ein sehr interessanter und seltener Fund, Erstfund für Österreich. Sohn Roman hat keine Fotos gemacht, weil der Fund erst später erkannt und determiniert wurde.
L.G.

Wagner H.C. et al. 2018 Entomologica Austriaca 25: 95-144
130
Gösswalds Schmalbrustameise (Leptothorax goesswaldi) neu für Österreich
(Herbert C. Wagner)
Der Biosphärenpark Nockberge war bislang myrmekologisch kaum untersucht. So konnten
im Zuge des vierten ÖEG-Insektencamps trotz der geringen Artenzahl von 16 einige
bereits aus anderen Teilen Kärntens bekannte Arten (Wagner 2014) neu für den Biosphärenpark
Nockberge gemeldet werden: Harpagoxenus sublaevis, Lasius niger, L. umbratus,
Myrmica sulcinodis und Temnothorax nigriceps.
Jenseits der Baumgrenze ist die Kärntner Ameisendiversität bekanntlich gering (Wagner
2014). In einem von Kalkfelsen durchsetzten alpinen Weiderasen südlich der Gipfelregion
der Eisentalhöhe (P9) fanden wir in südexponierter Lage reichlich Untersteinnester von
Myrmica sulcinodis, M. lobulicornis, Leptothorax acervorum und Formica lemani (leg. K.
Spiß & H.C. Wagner; Abb. 5). Hier nach myrmekologischen Besonderheiten zu suchen
schien wenig vielversprechend, doch ließ die hohe Nestdichte von L. acervorum (Abb. 21)
auf Sozialparasiten hoffen. In 6 Nestern derselben fanden wir auch Geschlechtstiere, wobei
sich unter dem Stereomikroskop ein dealates Weibchen (das Symbol wurde nicht kopiert, Bem. Boro) als auffallend langhaarig (Länge des
längsten Haares am Kopfhinterrand 16,4 % der Kopflänge) und damit schließlich heterospezifisch
erwies. Es zeigte einen kleinen Parasitendorn, eine tiefe mediane Einbuchtung
im Clypeus, einen kurzen Kopf (Kopflänge = 793 ?m, Kopfbreite = 753 ?m, Mikrometer Boro) und fein
runzelige Kopfskulptur. Diese Merkmalskombination spricht für einen Sensationsfund:
Leptothorax goesswaldi (det. H.C. Wagner, vid. B. Seifert)! Damit wurde neben dem Harpa
(Harpagoxenus sublaevis; P1) eine weitere auf L. acervorum angewiesene sozialparasitische
Ameisenart für die Nockberge entdeckt. Der wertvolle Beleg ist im Senckenberg Museum
für Naturkunde Görlitz aufbewahrt. Die Eisentalhöhe ist der weltweit siebente Fundort
dieser Art. Nachweise von L. goesswaldi, wohl einer der seltensten Ameisenarten Europas,
liegen bisher aus Frankreich (Buschinger & Klump 1988), der Schweiz (Kutter 1967),
Norwegen (Ødegaard et al. 2015), Schweden (Douwes et al. 2012) und Kazakhstan
(Schultz & Buschinger 2006) vor. Neu für Österreich! Diese seltene permanent parasitische
Schmalbrustameisenart produziert keine eigenen ?? (Arbeiterinnen, Bem. Boro) mehr (Buschinger &
Klump 1988). Sie ist dafür bekannt im Zuge der Kolonieübernahme der Königin des
Wirtsnests die Antennen abzubeißen, wodurch diese ihre ?? (Arbeiterinnen)nicht mehr um Futter
anbetteln kann und nach 2-4 Wochen verhungert (Buschinger & Klump 1988). Permanent
sozialparasitische Ameisenarten sind aufgrund ihrer verborgengen Lebensweise
und der geringen Dichten schwierig nachzuweisen, allerdings gelten sie als Indikatoren
für langfristig naturnahe Lebensbedingungen und stabile Wirtspopulationen (Schulz
1995, Seifert 2007).
(Schade, habe keine Ahnung, warum einige Symbole nicht kopiert wurden)
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Re: Leptothorax goesswaldi

Beitragvon Teleutotje » Mittwoch 25. Juli 2018, 13:39

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