Milben

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Re: Milben

Beitragvon Aeo » Samstag 10. Februar 2018, 15:19

Hallo Steffen!

Vielen Dank für den wertvollen Tipp mit den Eukalyptusblättern!

Gestorben sind von anfang an immer wieder Arbeiterinnen, auch bevor ich mit der Behandlung mit Eukalyptusblättern begonnen habe. Die ganz frischen Blätter habe ich als Ganzes ohne sie zu knicken/knüllen in die Box gelegt. Die Kolonie lief gerne darüber. Ab und zu entstanden Wassertropfen auf den Blättern die sehr gierig von den Arbeiterinnen weggetrunken wurden.
Die durchgetrockneten Blätter habe ich dann im Mixer kurz zerkleinert. Das kann natürlich auch zuviel sein. Aber allzu hoch denke ich ist die Giftigkeit nicht, es sterben im Verhältnis sehr wenige Arbeiterinnen. Die Leichen werden einige Zeit lang rumgeschleppt (zu wenig Laufstrecke angeboten) und dann hinter den Reagenzglasnestern direkt auf/zwischen die zerkleinerten Eukalyptusschnipsel gelegt. Die Blattteilchen werden auch in die Nester getragen und an die Eingänge gelegt.
Wahrscheinlich sind sie mittlerweile auch ausgedünstet und nicht mehr ganz so toxisch.

Da ich eh geplant habe die Box zu reinigen, bzw, die Kolonie in eine gereinigte Box umzusetzen, werde ich diese nochmal mit ganzen getrockneten Blättern auslegen.


Hallo Merkur,
Dein Einwurf ist natürlich nicht unberechtigt.
Den Gedanken hatte ich auch und habe die frischen Zweige nach dem Kauf in der Badewanne kräftig abgebraust. Ob alle möglicherweise vorhandenen Pestizide entfernt wurden kann ich nicht feststellen. Habe das Risiko in Kauf genommen, für mich war die Milbenplage in dem Moment bedrohlicher.


Als ich die Kolonie (und die Ersatzkolonie) bekam sah es so aus als wäre es hoffnungslos. Aber jetzt sieht die Kolonie ganz gesund aus. Die neuen Eierpakete lassen erahnen wie rapide sie demnächst wachsen wird.
Ich bleibe am Ball und schreibe auch hier wenn es neue Infos gibt. :)

Grüße
Aeo
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Re: Milben

Beitragvon Merkur » Samstag 10. Februar 2018, 17:34

Neues zu Antennophorus und anderen Milben an Ameisen und deren Brut

Die Lebensweise der Antennophorus-Milben hat mich neugierig gemacht. Doch außer sehr vielen Beiträgen zur Systematik und Taxonomie sowie Vorkommen adulter Milben auf den Wirtstieren fand ich leider nichts Passendes!
Einige sehr gute Bilder sind online, so dieses:

1-LR8HBH6HRRPHRR2HZR6HUZ4L9Z9HFH8LHR9HUZ6HBHMH4ZSL6ZHLGZXLUZUHFHXLRRXL4Z7LAZSLCH.jpg
Antennophorus auf dem Kopf einer Formicine
Copyright © 2013 Edward L. Ruden.
Mite on ant 2 - Antennophorus -
Sandia Mountains, Bernalillo County, New Mexico, USA
May 12, 2013, Size: 1.03 mm
Kopiert aus:
https://bugguide.net/images/raw/LR8/HBH ... AZSLCH.jpg

Weitere Suche förderte interessante Befunde über andere Gattungen aus der Verwandtschaftsgruppe der Mesostigmata, Uropodina zutage. Vor allem:
Es gibt Arten, deren Jugendstadien sich an Larven bzw. auch bereits eingesponnenen Vorpuppen von Ameisen INNERHALB der Kokons entwickeln!

Ein Beispiel ist eine Milbe bei südostasiatischen Heeresameisen der Gattung Leptogenys aus Malaysia:
Adrian Brückner, Hans Klompen, Andrew Iain Bruce, Rosli Hashim, Christoph von Beeren (2017): Infection of army ant pupae by two new parasitoid mites (Mesostigmata: Uropodina). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29038753

2-peerj-05-3870-g001.jpg
Macrodinychus sp. auf Puppe der Wirtsameise
Mit dem Parasitoiden Macrodinychus infizierte Puppe der Wirtsameise. Die Kokons sind undurchsichtig, aber in Alkohol wird der Parasit sichtbar (Pfeil).

Abstract
A great variety of parasites and parasitoids exploit ant societies. Among them are the Mesostigmata mites, a particularly common and diverse group of ant-associated arthropods. While parasitism is ubiquitous in Mesostigmata, parasitoidism has only been described in the genus Macrodinychus. Yet information about the basic biology of most Macrodinychus species is lacking. Out of 24 formally described species, information about basic life-history traits is only available for three species. Here we formally describe two new Macrodinychus species, i.e. Macrodinychus hilpertae and Macrodinychus derbyensis. In both species, immature stages developed as ecto-parasitoids on ant pupae of the South-East Asian army ant Leptogenys distinguenda. By piercing the developing ant with their chelicera, the mites apparently suck ant hemolymph, ultimately killing host individuals. We compare infection rates among all studied Macrodinychus species and discuss possible host countermeasures against parasitoidism. The cryptic lifestyle of living inside ant nests has certainly hampered the scientific discovery of Macrodinychus mites and we expect that many more macrodinychid species await scientific discovery and description.
Keywords: Army ants, Myrmecophile, Parasite, Anactinotrichida, Pupal infection, Macrodinychus extremicus, Macrodinychus vietnamensis, Mites, Malaysia, Acari

Ein weiteres Beispiel ist eine “Vampirmilbe” bei der invasiven Paratrechina longicornis (longhorn crazy ant, eine der „Verrückten Ameisen“) aus Mexiko:
Lachaud, J. P., Klompen, H., & Pérez-Lachaud, G. (2016) : Macrodinychus mites as parasitoids of invasive ants: an overlooked parasitic association. Scientific Reports 6: 29995. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4956750/

3-Macrodinychus-multispinosus.jpg
Macrodinychus multispinosus
a-e: Entwicklung der Milbe, die ektoparasitisch an der Ameisenpuppe saugt, innerhalb des Kokons. Andere Bilder zeigen,
dass die Saugtätigkeit kleine, braune Narben hinterlässt. Bildtafel aus: http://dailyparasite.blogspot.de/2016/1 ... nosus.html
Macrodinychus multispinosus developmental stages and progressive morphological changes of the ant host pupa.

(a) Feeding mite larva anchored (see arrow) on the underside of the third left coxa of a worker pupa; (b) mite protonymph on half-depleted ant host gaster; (c) mite deutonymph on an almost empty host gaster; (d) host gaster totally occupied by the fully grown deutonymph; (e) teneral pigmented adult mite on fully drained, unviable host worker pupa. Photos: H. Bahena Basave.
(Während die Milbenstadien heranwachsen wird der Inhalt der Ameisen-Gaster entleert, bis (in d) die ausgewachsene Deutonymphe sie voll ausfüllt. Die leere Ameisenpuppe (e) ist tot.

Solche Milben erinnern an charakteristische Schäden bei Ameisen in der Haltung, wo aus unerfindlichen Gründen Puppenkokons aufgerissen und die toten Vorpuppen oder unreifen Puppen entsorgt werden. (Ich meine, so etwas u. a. bei Myrmecia sp. gelesen zu haben).
Auf jeden Fall sollte man als Halter bei vorzeitigem Exitus von Kokonpuppen diese sorgfältig unter der Lupe kontrollieren, ob Spuren von Milbenbefall zu erkennen sind!

MfG,
Merkur
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Re: Milben

Beitragvon Aeo » Dienstag 20. November 2018, 23:32

Hallo an alle!

Wollte mich nach langer Zeit mal wieder melden und von der milbenbefallenen Kolonie berichten.

Durch den Therapieversuch wurden die Milben lange Zeit gut von den Ameisen ferngehalten. Zwischendurch glaubte ich sogar sie komplett erledigt zu haben. Durch Umzug etc. hatte ich dann nicht mehr allzuviel Zeit mich der Kolonie intensiv zu widmen. Ich habe sie versorgt, aber nicht mehr so beobachtet.

Vor 2-3 Wochen fielen mir wieder ein paar stärker mit Milben befallene Arbeiterinnen auf. Gestern hatte ich endlich Zeit mir das Ganze mal genauer anzusehen.
Es sind sooo viele Milben da dass ich drauf und dran war die eh kleine Kolonie zu überbrühen.
Beim Lüften des Zimmers wichen etliche Ameisen aus dem Nest in die nächste, wärmere Box, hielten sich dort eine Weile in einer Ecke auf. Als sie wieder in ihr Nest zurückkehrten ließen sie dort einen ganzen Haufen(!) dieser kleiner Viecher zurück. Das war ein wirklich ekliger Anblick.


Die Behandlung war ein toller Erfolg, aber offensichtlich konnten nicht alle Milben vertrieben werden und haben sich wieder ausgebreitet. Dass es neue Milben sind kann ich ausschließen, habe immer jegliches Futter frisch überbrüht bevor ich damit die Kolonie gefüttert habe.


Bin gerade am Überlegen was ich mit der Kolonie nun mache.
Immerhin leben sie noch, haben auch Brut in allen Stadien. Wirklich gewachsen ist das Volk jedoch nicht.
Vielleicht nochmal, aber diesmal noch viel länger behandeln?

Grüße
Aeo
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Re: Milben

Beitragvon Reber » Freitag 23. November 2018, 18:50

Danke für den Bericht. Wenn die Milben so hartnäckig sind, würde ich an deiner Stelle einmal einen Versuch mit Oxalsäure für die Imkerei wagen: Im Frühjahr könntest du z.B. einen Teil der Ameisen von der Kolonie trennen und im Freien, in einem gelüfteten Gefäss mit z.B. einem Schwammtuch oder im Zuckerwasser die Säure anwenden. Also entweder die Säure auf ein Schwammtuch träufeln (normalerweise würde man das mit Ameisensäure machen, aber die dürfte zu aggressiv sein) oder eine Schale mit versetzten Zuckerwasser anbieten und dieses einige Tage im Gefäss lassen. Du müsstest unbedingt die Sicherheitsvorgeben und den Gesundheitsschutz beachten!
Wenn die Ameisen die Behandlung überleben und sie die Milben tötet, hätte man ein "neues" Mittel gegen diese Plage. Ich selber wende das Mittel immer direkt bei meinen Bienen an, die Säure wird mit Zucker vermischt und direkt auf die Bienen geträufelt. Die Bienen säubern sich selber und lecken das versetzte Zuckerwasser sogar auf. Die Milben sterben (aber es kommt im Frühling zu einer Re-Invasion der Milben von aussen).

Ob die Ameisen Oxalsäure Aushalten, müsste man halt einfach mal untersuchen. Das könnte ich mal machen. Allerdings haben meine Ameisen - zum Glück - keine Milben.

Alternativ würde ich an deiner Stelle die Kolonie überbrühen, weil mir das Risiko zu gross wäre, dass die Milben andere Kolonien anstecken.
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Re: Milben

Beitragvon Aeo » Samstag 24. November 2018, 18:26

Hallo Reber!

Danke für Deinen Tipp!
Ja, es geht um die Tetramorium bicarinatum. ;)
Es ist meine einzige Kolonie, und tatsächlich hänge ich sehr an Ihnen.
Da ich sie (bis auf Luftlöcher mit extrem feiner Gaze) quasi luftdicht halte, kann ich garantieren das keine einzige Ameise, und sehr wahrscheinlich auch keine Milbe aus diesen Boxen entkommt.

Oxalsäure war ja schonmal ein Thema hier, aus diesem Grund hatte ich geschroteten Sesam als Bodengrund in den Boxen ausgestreut. Das ist sicher nicht das Selbe als Deine vorgeschlagene Behandlung, hatte aber Erfolg. Wahrscheinlich muss ich diese Behandlung einfach länger durhführen.

Im Freien... gut belüftet... lieber nicht mit der Kolonie! Dann überbrühe ich sie lieber.
Ich werde es nochmal mit Sesam versuchen. :)

Gruß
Aeo
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