Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Diffeomorphismus » Mittwoch 5. November 2014, 14:11

Moin,

dann schreibe ich auch mal was zum Thema: Ist Campnotus ligniperdus eine Art, welche man Einsteigern in die Ameisenhaltung empfehlen sollte? Ich denke nicht. Meine Meinung basiert sowohl auf eigenen Erfahrungen (auch wenn die nach einem Jahr noch nicht allzu groß sind), sowie diversen Themen in den Foren.

Unabhängig von der Frage, wie einfach C. ligniperdus zu halten ist, muss berücksichtigt werden, dass das Wachstum dieser Art äußerst schleppend ist. Gerade wenn man nur mit der Königin beginnt, wird man in den ersten 1-2 Jahren kaum größere Aktivität haben. Aber doch genau das ist es doch, was sich die meisten Einsteiger vorstellen und wünschen: Ameisen die die oft liebevoll gestaltete Anlage erkunden.
In Anbetracht dieser Tatsache könnte man dem Einsteiger eben zu einer größeren Kolonie raten, aber auch hier zeigen sich, die Foren waren diesen Sommer voll von solchen Fällen, erhebliche Schwierigkeiten in der Haltung. Kolonien die schon im Juni, Juli oder August auf Wintermodus schalten, das ominöse „Totlaufen“ etc. Diese Art scheint, obwohl einheimisch, doch gewisse Ansprüche zu haben. Genauere diesbezügliche Diskussionen findet man in allen Foren.

Nun zu meiner persönlichen Erfahrung: Zwei Königinnen, äußerst imposante und schöne Tiere, dieser Rossameisen-Art ließ ich diese Jahr gründen. Beide hatten, als ich sie bekam schon Brut. Anfangs verlief alle planmäßig, bis die Entwicklung der Larven irgendwann einfach aufhörte, und das schon irgendwann im Juni/Juli. Machte ich etwas falsch? Ich experimentierte mit höherer und niedrigerer Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Kein Erfolg. Wenn nicht in den Foren von vielen ähnlichen Fällen die Rede gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass ich irgendetwas falsch mache, aber so blieb das Verhalten ein Rätsel. Die „Ausbeute“ war somit recht mager: Insgesamt nur eine Arbeiterin bei zwei gründenden Königinnen. Hätte ich nicht noch weitere Kolonien gehabt, bei denen es etwas zu sehen gibt, hätte meine Faszination für Ameisenhaltung sicherlich etwas gelitten. Viele Einsteiger würden sie womöglich sogar an den Nagel hängen.

Allerdings ließ ich auch noch zwei weitere Camponotus-Arten gründen; C. cruentatus und C. nicobarensis, also eine südeuropäische und eine asiatische Art. In beiden Fällen verlief die Gründung weitaus erfolgreicher. Zwar gab es bei der cruentatus-Kolonie anfänglich auch ein paar Probleme, allerdings verlief die Entwicklung danach vollkommen unproblematisch und, vor allem weitaus schneller, als ich es erwartet hatte. Mit den Puppen die momentan vorhanden sind, werden es bis zur Winterruhe ca. 25 Arbeiterinnen werden. Nun muss ich aber auch sagen, dass die Aktivität so einer kleinen Kolonie noch sehr gering ist und vor allem Nachts stattfindet. Daher wäre einem Einsteiger auch bei dieser Art eher zu einer größeren Kolonie zu raten, womit auch mögliche Probleme in der Gründungsphase ausgeschlossen werden. Als klaren Vorteil gegenüber einheimischen Arten sehe ich, dass die Winterruhe verkürzt ist (3-4 Monate) und die Ameisen während dessen weiterhin im (unbeheizten) Zimmer gehalten werden können.
Bei den C. nicobarensis verlief die Gründung mit Abstand am unkompliziertesten. Vor fast genau 4 Monaten erhielt ich eine Königin mit drei Arbeiterinnen; heute geht dessen Zahl stark auf die 100 zu (die Muße zum genauen Zählen habe ich momentan nicht). Das Wachstum dieser Art ist wirklich unglaublich. Damit verbunden ist natürlich ein hoher Futterbedarf und somit auch eine hohe Aktivität auch bei noch kleinen Kolonien. Allerdings ist diese Art vorwiegend dämmerungs- bzw. nachtaktiv. Aber auch die Aktivität am Tage nimmt mit steigender Arbeiterinnenzahl immer mehr zu. Dazu kommt, ein Grund warum ich mich für diese exotische Art entschieden habe (denn ich sehe mich nach einem Jahr auch immer noch als Anfänger), dass sie anspruchslos sind, und das in allen Belangen. Eine Wärmequelle für die kälteren Monate und genügend Futter, mehr braucht es nicht. Mich persönlich hat diese Art bislang vollkommen überzeugt. Daher würde ich jedem Einsteiger empfehlen sich etwas näher mit dieser Art zu befassen und sie in die engere Auswahl zu nehmen.
Das sind meine persönlichen Erfahrungen. Bei anderen sieht es vielleicht vollkommen anders aus. Immerhin handelt es sich um lebende Tiere, die auch ohne direktes Verschulden des Halters einfach mal sterben können. Aber die Tendenzen in den Foren und im Austausch mit anderen Haltern bestätigen eher mein persönliches Empfinden.

Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, mit welcher Art er beginnt. Unsere Aufgabe in den Foren ist es aber, ihn auf Anfrage objektiv über Vor- und Nachteile der jeweiligen Arten zu beraten; dabei sollten persönlich Präferenzen keine Rolle spielen.

Beste Grüße,
Diffeomorphismus
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon eastgate » Mittwoch 5. November 2014, 15:38

Trailandstreet hat geschrieben:Sicher bleibt, dass Camponotus ligniperdus keine Anfängerart ist.

Wenn man Anfängerart mit "Ist die erste Ameisenart, die jemand hält" definiert, würde ich dir glatt zustimmen.

Ich kann mit meinen Erfahrungen bestätigen, dass die Haltung von Camponotus ligniperdus durchaus knifflig sein kann.
Ich selbst hatte eine junge Kolonie aus Süddeutschland bekommen (das muss 2007 oder 2008 gewesen sein) und bin an der Haltung fast verzweifelt. Zwar hatte ich bereits mit anderen Arten gute und erfolgreiche Erfahrungen gesammelt, aber vor allem das langsame Koloniewachstum und die damit verbundene Unsicherheit, dass irgendetwas falsch gemacht wird, hatte mich wahnsinnig gemacht. Immerhin kann man ja gute Haltungsbedingungen am Koloniewachstum festmachen. Wächst eine Kolonie nur sehr langsam, ist nicht einfach zu sehen ob die Haltungsbedingungen gut sind oder etwaige Veränderungen in den Haltungsbedingungen zum Erfolg führen.
Es gibt einige exotische Ameisenarten, bei denen ich sagen würde, dass sie einfacher zu halten sind.

Letztlich würde ich einem Anfänger eine andere Art empfehlen, auch wenn man Camponotus ligniperdus sicher auch zu den "einfacher" zu haltenden Arten zählen kann.

Gruß
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon fehlfarbe » Donnerstag 6. November 2014, 19:35

Ich bin 2010 mit einer kleinen Camponotus ligniperdus Gründerkolonie eingestiegen und würde mich immer wieder so entscheiden. Damals hab ich mich für sie entschieden, weil sie u.a. als Einsteigerart empfohlen wurden und eine beachtliche Körpergröße erreichen können. Außerdem war ich sehr von Toblins Haltungsbericht angetan. Probleme gab es bis auf Schimmel und dem typischen Totlaufen keine. Das Koloniewachstum ist zwar um einiges geringer als z.B. bei Lasius niger aber C. ligniperdus holt man sich doch auch nicht wegen der Koloniegröße und dem Wuselfaktor, sondern weil man sie aufgrund ihrer Größe gut beim sozialen Verhalten (Brutpflege, Trophallaxis usw.) beobachten kann.
Den Vorteil gegenüber exotischen (Camponotus) Arten würde ich jetzt vor allem in den Anschaffungskosten sehen. Entweder gibt man 5-10€ für eine Gründerkolonie aus oder man fängt sich selbst eine Gyne beim Schwarmflug. Das war's. Keine Heizmatte, kein Insektenfutter, das man im Winter kaufen muss. Und die Winterruhe kann man mit Arenabau vertreiben :)
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon hormigas » Freitag 7. November 2014, 15:37

fehlfarbe hat geschrieben:Außerdem war ich sehr von Toblins Haltungsbericht angetan.


Ja ein schöner Bericht, und es waren 6 Jahre erfolgreiche Haltung! Man sieht wie schnell es ein Ende haben kann.
Echt schade!

LG
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Reber » Montag 25. Juni 2018, 17:22

Im AF gibt es eine interessante Diskussion, die weiteren Aufschluss darüber geben könnte, warum der Einstig in die Ameisenhaltung mit Camponotus ligniperda auch noch scheitert. Ein(?) Ameisenhändler soll in grösserer Zahl unbegattete und mit Puppen "gepushte" Königinnen verkaufen: Es schlüpfen in der Folge viel zu grosse Arbeiterinnen (Majore) aus den zugesetzten Puppen und aus der Brut der Königin nur Männchen. Auch könnte es ein Hinweis darauf sein, warum es oft zu Brutfrass oder Konflikten in jungen Kolonien Kommt.

Hier geht's zum Faden: Betrug als Ursache vieler Gründungsprobleme?
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Emse » Montag 25. Juni 2018, 18:49

Reber hat geschrieben:Im AF gibt es eine interessante Diskussion, die...

Wesentlich interessanter und aufschlussreicher (unter Nennung von Klarnamen etc.) war die dortige Diskussion, bevor sie von Erne "bereinigt" wurde.

In einem anderen AF-Thread deutet übrigens der User Sebanristian an, dass der selbe Shop (dessen Namen man in diesem Zusammenhang lieber nicht öffentlich nennen sollte) das Wasser in seinen Reagenzglasnestern (zumindest zeitweise) mit einem Fungizid (gegen Schimmel) versetzt haben soll. Was einigen der darin verkauften Ameisen(gynen) (sofern die Aussage stimmt!) tatsächlich nicht gut getan haben könnte...

Zum Nachlesen: Anti-Schimmel Mittel in den Wassertank
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Serafine » Montag 25. Juni 2018, 23:03

Colophonius hat geschrieben:Desweiteren kommt bei C. ligniperdus ein scheinbar unerklärliches Phänomen hinzu: Sie laufen sich tot.
Dieses mysteriöse Phänomen tritt immer wieder auf, in Ameisenforen gibt es zahlreiche Hilferuf-Threads in denen die Halter -u.a. auch ich- berichten, dass die Arbeiterinnen plötzlich anfangen, wie wild durch das Formicarium zu rennen und schließlich zu sterben.
Während man bei den meisten sterbenden Kolonien relativ sicher eine Ursache ausmachen kann (zu warm, zu kalt, kein Wasser, zu viel Wasser), ist mir nicht bekannt, dass jemand einen Lösungsansatz für das Totlaufen gefunden hat.

Ich hatte zeitweise ein ähnliches Problem mit meinen Camponotus barbaricus. Das "totlaufen" ist ja ein natürliches Verhalten von sterbenden oder alternden Camponotus-Ameisen, die versuchen sich vom Primärnest zu entfernen (bei den Ameisen sichern die Seniorinnen die Außengrenzen), bei mir ließ sich das durch das anschließen einer Plastikbox mit Sandboden und einem RG-Nest komplett abstellen (ca. 1,5m Schlauch zwischen Primär-Arena und Box). Seitdem ich die zusätzlichen Boxen angeschlossen habe (mittlerweile sind es neben den Simants-Nestern und dem 60x30-Antstore-Becken noch 3 Plastikboxen mit RG-Nestern) sehe ich praktisch überhaupt kein totlaufen mehr - die Ameisen sterben entweder im Nest und werden rausgetragen oder sie sitzen in einem der Außenposten und sichern die "Außengrenze" bis sie tot umkippen. Auch die Lebenserwartung der einzelnen Ameisen scheint sich dadurch erhöht zu haben.
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 26. Juni 2018, 08:05

Deine Beobachtung @Serafine, könnte wohl auch ein Hinweis darauf sein, dass die ja durchaus großen Ameisen auch große Territorien beanspruchen, auch wenn sie zahlenmäßig jeder Wegameise hinterherhinken.
Man sollte sich bei der Haltung wohl auch überlegen, welchen "Auslauf" man ihnen gönnen kann.
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Reber » Dienstag 26. Juni 2018, 12:03

Es wird jetzt ein bisschen Off-Topic: Aber das Totlaufen kann man auch bei den kleinen Arten (sowohl von der Körpergrösse, als auch von den Kolonien her) beobachten. Mir ist das sowohl bei Camponotus lateralis als auch bei Colobopsis truncata (syn. Camponotus truncatus) aufgefallen. Gerade die alten Colobopsis-Arbeiterinnen liefen zum Teil stundenlang Kreise in einem Verbindungsschlauch, ehe sie starben. Allerdings gingen sie nicht dem Schlauch hin und her, sondern dem Radius entlang an der Aussenwand, wie im Hamsterrad. Bei ersten Mal habe ich den Schlauch entfernt und die Arbeiterin in die Arena gepustet. 30 Minuten später lief sie wieder ihre Kreise am gleichen Ort...

Zurück zum Thema: Ich habe mich gefragt, wie ein Ameisenhändler zu massenweise unbegatteten Königinnen kommt. Mir sind eigentlich zwei Möglichkeiten in den Sinn gekommen. Er kennt grosse Untersteinnester, bei denen er die alaten Gynen oder sogar die Puppen absammeln kann, ohne den Schwarmflug abwarten zu müssen. Oder er hält selber (eine) grosse Kolonien(n), die Jahr für Jahr Königinnen hervorbringt. Die könnte er dann einfach aus dem Becken absammeln. Bei fast 20 Euro pro Stück würde sich sowas ganz schön lohnen...
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 26. Juni 2018, 12:08

Totlaufen von Arbeitern würde aber heißen, dass die Gründung wohl schon geklappt haben muss, wenn nicht gepusht wurde.
Ich versuche aber gerade, mich zu erinnern, wieviele Gründungen mir bekannt sind, bei denen nur Männchen geschlüpft wären.
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Serafine » Dienstag 26. Juni 2018, 12:35

Trailandstreet hat geschrieben:Deine Beobachtung @Serafine, könnte wohl auch ein Hinweis darauf sein, dass die ja durchaus großen Ameisen auch große Territorien beanspruchen, auch wenn sie zahlenmäßig jeder Wegameise hinterherhinken.
Man sollte sich bei der Haltung wohl auch überlegen, welchen "Auslauf" man ihnen gönnen kann.

Ich verstehe ohnehin nicht wie man glauben kann, dass sich große Ameisen dauerhaft in einem Becken (am besten noch in einem kleinen 30x20cm-Becken) halten lassen. Zumal man in der Haltung doch auch mit Schlauch super tricksen kann - einfach den Schlauch 3x ums Becken wickeln schon hat man jede Menge Laufstrecke - und Vinylschlauch kostet jetzt echt nichts (selbst Arenabecken kann man mit Plastikboxen für weniger als 10€ pro Becken herstellen. 15€ wenn man 0,2mm-Metallgaze braucht - sieht nicht super hübsch aus, aber erfüllt den Zweck).

Reber hat geschrieben:Zurück zum Thema: Ich habe mich gefragt, wie ein Ameisenhändler zu massenweise unbegatteten Königinnen kommt. Mir sind eigentlich zwei Möglichkeiten in den Sinn gekommen. Er kennt grosse Untersteinnester, bei denen er die alaten Gynen oder sogar die Puppen absammeln kann, ohne den Schwarmflug abwarten zu müssen. Oder er verfügt über (eine) grosse Kolonien(n), die Jahr für Jahr Königinnen hervorbringt. Die könnte er dann einfach aus dem Becken absammeln. Bei fast 20 Euro pro Stück würde sich sowas ganz schön lohnen...

Oder man sammelt einfach alles ein was einem über den Weg läuft und wirft es in ein großes Becken - bei Bedarf fischt man dann eine beliebige Königin und ein paar Arbeiterinnen heraus. Bei einigen klappt die Gründung ja auch, es ist nicht so dass alle Gynen Probleme machen, das ist mehr ein Ameisen(begattungs)roulette, bei dem der Empfänger das Risiko trägt.
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Emse » Dienstag 26. Juni 2018, 13:32

Serafine hat geschrieben:
Reber hat geschrieben:Zurück zum Thema: Ich habe mich gefragt, wie ein Ameisenhändler zu massenweise unbegatteten Königinnen kommt. Mir sind eigentlich zwei Möglichkeiten in den Sinn gekommen. Er kennt grosse Untersteinnester, bei denen er die alaten Gynen oder sogar die Puppen absammeln kann, ohne den Schwarmflug abwarten zu müssen. Oder er verfügt über (eine) grosse Kolonien(n), die Jahr für Jahr Königinnen hervorbringt. Die könnte er dann einfach aus dem Becken absammeln. Bei fast 20 Euro pro Stück würde sich sowas ganz schön lohnen...

Oder man sammelt einfach alles ein was einem über den Weg läuft und wirft es in ein großes Becken - bei Bedarf fischt man dann eine beliebige Königin und ein paar Arbeiterinnen heraus. Bei einigen klappt die Gründung ja auch, es ist nicht so dass alle Gynen Probleme machen, das ist mehr ein Ameisen(begattungs)roulette, bei dem der Empfänger das Risiko trägt.


https://www.ameisenforum.de/massen-kolo ... 50374.html
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Re: Camponotus ligniperdus für Anfänger geeignet?

Beitragvon Merkur » Dienstag 26. Juni 2018, 14:37

Ich hatte gerade ein paar Sätze zu dem Thema geschrieben. Doch Emse hat tatsächlich gleich den Thread entdeckt, auf den sich meine Erinnerung bezieht. Er ist, nebenbei, durchaus lesenswert. Schuld war wieder mal Merkur, also ich. :crazy:

Das ist mein gerade verfasster Text:
Von jenem Händler gab es in einem Forum (edit: Das war also im eusozial-Forum) mal ein Bild mit zahllosen Gynen von Camponotus ligniperda in einem Behälter, in den er nach eigenen Angaben auch viele Puppen eingefüllt hatte. Da die Metadateien zum Foto lesbar waren, habe ich später mal die Gelegenheit genutzt, auf der Durchreise den Ort nach den angegebenen Koordinaten aufzusuchen. Es war ein Nadelwaldgebiet in der Oberpfalz (?), wo C. ligniperda zu erwarten ist.
Ich selbst habe noch nie einen Massenschwarm einer Camponotus gesehen. Hölldobler & Maschwitz haben 1965 nahe Würzburg den Abflug von C. herculeanus vom Nest beschrieben und experimentell festgestellt, dass die Männchen zuerst ausfliegen und dabei ihr Mandibeldrüsensekret abgeben. Dieses stimuliert die Gynen zum gleichzeitigen Abflug. (Hölldobler & Wilson 1990: "The Ants", S. 151).
Über große Zahlen entflügelter Gynen der beiden Camponotus-Arten an bestimmten Orten wurde in den Foren immer mal wieder berichtet. Anscheinend gibt es eine Art „Treffpunkte“, an denen die Tiere sich jedes Jahr treffen. Kennt man einen solchen Ort, kann ein Händler dort bei geeigneten Schwarmbedingungen recht zuverlässig die Gynen einsammeln (lassen). Vielleicht werden gelegentlich auch verhängte Paare noch vor der Spermaübertragung getrennt; das würde erklären, dass ein Teil der verkauften Tiere eben unbegattet sind, was durch zugesetzte Arbeiterinnen(-puppen) kaschiert werden könnte.
Doch das sind Spekulationen. Näher käme man der Sache durch Sezieren eines Teils der zum Verkauf stehenden Gynen. Bei den großen Tieren ist das ganz leicht zu machen. Verkaufen, und ggf. Ersatz liefern, oder die Kunden auf mögliche Haltungsfehler hinweisen, ist wohl die einträglichere Alternative.

MfG,
Merkur
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