Einheimische oder Exoten?

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Einheimische oder Exoten?

Beitragvon broll0815 » Mittwoch 27. Januar 2016, 13:35

Hallo, ich halte ja selbst zwei einheimische Camponotus Arten und habe mir kürzlich auch welche aus Afrika zugelegt.
Meiner Meinung nach sind die Afrikanischen wesentlich leichter in der Haltung. Da sie keine Winteruhe benötigt, und daher bei falscher oder zu trockenen Überwinterrung keine Verluste zu beklagen sind. Auch ist das Wachstum wesentlich schneller.
Hat noch wer Erfahrungen dazu?
Weil meist wird von Händler ja immer zu einheimischen geraten, weil sie leichter in der Handhabung sein sollen.

Gruß Broll0815
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broll0815
 

Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Steffen Kraus » Mittwoch 27. Januar 2016, 13:57

Hallo Broll815,
nun ja, die Frage ist berechtigt. Aber wo fängt es an? Ich persönlich finde die Beratung sehr wichtig, da sollte der Händler, Ahnung von beiden haben, ob exotische oder einheimische Ameisen.
Bei solch einer Beratung, stellt sich dann auch heraus, welche Wünsche der Kunde hat und welche Haltung ihm möglich ist.
Deshalb sollte man nicht einfach im Internet bestellen und sich dann wundern, wenn es nicht funktioniert. Das ist besser für den Geldbeutel und die Tiere!
Welche Vorteile oder Nachteile es hat, exotische Ameisen oder einheimische Ameisen zu halten, zeigen ja viele Halteberichte.
Gruß Steffen
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,,es ist nicht wichtig, was andere denken wenn man kommt, es ist wichtig was sie denken, wenn man geht!
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon broll0815 » Mittwoch 27. Januar 2016, 14:44

Hallo Steffen. Da hast du ja absolut recht. Beratung ist überaus wichtig, dass du welche hast und ordentlich berätst, weiss ich. Das selbe gilt auch für den ein oder anderen Händler.
Aber wenn ein Händler einem die teurere empfiehlt, weil sie besser zu einem passt, wirkt das meist wie eine Verkaufsmasche. Und ein großer Teil der Halter, informieren sich eh nicht genügend.
Meine Frage ging eher an Halter die auch schon beides gehalten haben und deren Erfahrung damit.
Meine Meinung ist halt, dass gerade die Arten, die aus sehr warmen trockenen Gebieten kommen, wesentlich besser als Anfang geeignet sind, da die klimatischen Werte wesentlich besser einzuhalten sind.
Von den Kosten her sind einheimische natürlich sicher günstiger, ob Anschaffung oder Strom.

Gruß Broll0815
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 27. Januar 2016, 14:48

Man sollte vielleicht auch bedenken, welche Haltungsbedingungen man bei sich zuhause bewerkstelligen kann.
Manche wohnen in einer dauerwarmen Neubauwohnung. Ein passender Ort für die Überwinterung fehlt vielleicht oder ist immer noch zu warm. Da bieten sich wirklich eher Exoten oder zumindest Südländer an.
Meine Messor stehen das ganze Jahr über in einem Büro/Hobbyraum/Atelier, das wird im Winter kaum geheizt und erreicht locker auch mal Temperaturen um die nur 10°. Das bietet sich hier eigentlich ganz gut an.
Meine Einheimischen sind in der Gründung auch meist dort auf einem Regel zu finden, ansosnten stehn sie auf dem Flur davor, in einer Vitrine.
Im Wohnzimmer, das auch im Winter ausreichend geheizt wäre, hab ich bisher noch keinen Platz gefunden um mir tropische Exoten zulegen zu können. So hat eben jeder seine Möglichkeiten für die Unterbringung.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Reber » Donnerstag 28. Januar 2016, 00:09

Die gestellte Frage „Einheimische oder Exoten zum Einstieg“ lässt sich so abstrakt nicht beantworten!
Ich möchte hier trotzdem einige Argumente aufzählen, die für "einheimisch" sprechen (Ausnahmen bestätigen dann wohl die Regel ;) ).

Die oben bereits erwähnten Wünsche und Bedürfnisse des Halters werden in der Regel letztendlich sowieso den Ausschlag geben – abwägen sollte man meiner Meinung nach unabhängig davon in jedem Fall grob zwischen:
- dem Risiko für Halter und Umwelt
- der Aussicht auf Erfolg
- dem Budget

Fangen wir hinten an, beim Budget: Auch wer sich ein Hobby grundsätzlich „leisten“ kann, muss oft aufs Geld schauen. Die Art selber macht dabei selten den Braten "feiss".
Aber man muss sich auch die Frage stellen, was die Art zusätzlich verlangt: An Futter, an Nest und Arena, an Platz, zeitlichem Aufwand und an technischen Hilfsmitteln!

In der Regel kommt man mit Einheimischen günstiger weg!
Man kann sie im Frühjahr und im Sommer gratis einsammeln und praktisch ohne technische Hilfsmittel halten. Die meisten sind keine Futterspezialisten und können – zumindest in den Anfangsjahren – von „Wiesenplankton“ und Zucker/Honig ernährt werden. Im Winter machen sie Pause, die Kolonien wachsen oft eher langsam und der Halter kann sich mit dem Wachstum der Kolonie entwickeln. Die Überwinterung ist keine Hexerei, man darf die Tiere nur nicht vergessen. Gerade Gründerkolonien können in einem Reagenzglas mit Wassertank praktisch „idiotensicher“ überwintert werden. Futter muss im Winter nicht beschafft werden. Technische Hilfsmittel (Heizungen, Luftbefeuchter etc.) sind in der Regel nicht nötig.

Erfolg: „Einsteigerarten“ haben sich bei den Tierhaltern aller Sparten etabliert. Nicht umsonst, wie ich meine! Dieses Prädikat erhalten nur die besonders zähen Arten einer Familie. Dass sie viel unvermeidlichen Anfängerfehler verzeihen, heisst natürlich nicht, dass diese Arten wirklich anspruchslos und unverwüstlich sind.
Sie kommen aber meist mit einem breiten Spektrum an klimatischen Bedingungen zu recht und nehmen unterschiedliche Nahrung und Behausung an. Sie sind also schneller zufriedenzustellen als vergleichbare Arten. Bei uns in Mitteleuropa kommen einige dieser „Generalisten“ vor.
Um Fehler zu vermeiden oder korrigieren zu können, ist es für Einsteiger wichtig, dass sie auf das Wissen von anderen Haltern zurückgreifen können. Es macht also Sinn mit einer Art zu beginnen, von der bereits einige ausführliche Haltungsberichte existieren. Und erfahrene Halter, mit denen man sich austauschen kann.
Wer ist da besser geeignet, als Lasius niger, die Ameise von nebenan? ;)

Bezüglich Risiko für den Halter und die Umwelt haben schon wieder die Einheimischen Arten die Nase vorn – aber nur ganz bestimmte: Das kleinste Risiko für die Umwelt stellen Ameisen dar, die in der Nähe des Haltungsortes persönlich eingesammelten werden. Es droht weder Invasion noch Faunenerfälschung oder die Verschleppung von Krankheiten und Parasiten. Wenn der Ausbruchsschutz einmal überwunden wird, ist es meist halb so schlimm. Allfällige Geschlechtstiere kann man ohne schlechtes Gewissen am offenen Fenster schwärmen lassen.
Das hört aber schon bei einheimischen Ameisen auf, die nicht aus der näheren Umgebung stammen. Zwar ist praktisch ausgeschlossen, dass sie invasiv werden. Aber bei der Verschleppung von Krankheiten oder Parasiten und der intraspezifischen Faunenverfälschung können sie genau so viel Schaden anrichten, wie exotische Arten.

Bezüglich Risiko für den Halter sind einheimische und exotische „Schadameisen“ gleichermassen zu nennen, mir denen man grundsätzlich nicht anfangen sollte. Also Ameisenarten, die in unseren Breiten häufig als „Hausameisen“ auftreten, sich also in den menschlichen Behausungen dauerhaft festsetzen und entsprechend lästig ausfallen können. Natürlich sollte man auch nicht mit Arten beginnen, die besonders schmerzhaft stechen etc.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon broll0815 » Donnerstag 28. Januar 2016, 08:47

Hallo Reber.

Mir ging es eigentlich um Camponotus Arten aus Afrika, oder halt noch die Messor Arten. Habe mich auf diese bezogen, da ich dort einheimische, wie auch die Exoten halte, und daher den direkten Vergleich habe.
Das diese hier in Deutschland invasiv werden, halte ich für ausgeschlossen.
Klar habe einheimische den Vorteil kostengünstig zu seien, aber nur der Kosten wegen ist es nicht gleich eine geeignete Anfänger Art.
Zur intraspezifischen Faunaverfälschung: Bei allen Lebewesen ist frisches Erbgut wichtig für einen gesunden Genpool, wieso bei Ameisen nicht? Nur weil eine Art, die aus Berlin kommt, in den Alpenregionen entfleucht, passiert doch nichts schlimmes. Wenn sie nicht so winterhart ist, wird sie nicht überleben, und wenn sie sich beim Schwarmflug vermehrt, würden ihre Nachkommen, die diese Eigenschaft mit übernehmen würden auch eingehen. Würde daher kein Problem darstellen.
Das Aussetzen nicht einheimischer Arten halte ich auch für absolut falsch, aber selbst hier werden wesentlich mehr Insekten von weltweiten Warenhandel verschleppt, als es die doch noch recht kleine Gemeinde der Ameisenhalter tun könnte.
Ich bin halt der Meinung, dass gerade die aus Afrika stammenden Camponotus und Messor trotz benötigter Wärmequellen wesentlich einfacher in der Haltung sind, da sie anspruchslos in bei der Nahrung sind und auch die Nestfeuchte wesentlich geringer ist als bei einheimischen Arten, solange sie aus den Trockengebieten kommen. Dies senkt auch die Gefahr durch Milben Befall. Denn gerade das vergessen der Kolonie im Winter, und der Milbenbefall, sind, wenn man in den Foren und bei Facebook schaut, die häufigsten Todesarten bei Kolonien von Anfängern.

Endschuldigt die schlechte Rechtschreibung, aber meine Finger sind zu groß für meine Handy Tastatur, werde mich heute Abend auch nochmal genau zu weiteren deiner Punkte äußern.

LG Broll0815
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Zuletzt geändert von Reber am Donnerstag 28. Januar 2016, 12:47, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: RS korrigieren die Mods ohne grosses Aufsehen. Also kein Problem, solange nicht mutwillig. LG Reber
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 28. Januar 2016, 09:40

Sicher sind Exoten, die gerade ein Regenwaldklima bevorzugen nicht so einfach in der Haltung. Neben dem Equipement muss man auch noch die nötige Erfahrung im Umgang damit mitbringen. In so einem Fall würde ich aber einen langjährigen Terrarianer nicht mehr unbedingt zu den Anfängern zählen. Der weiß hoffentlich, was er sich da antut.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Merkur » Donnerstag 28. Januar 2016, 10:43

@ broll0815:

Auf die Gefahr hin, dass ich mich zum X-ten Male wiederhole:
Zur intradpezifischen faunaverfälschung. Bei allen Lebewesen ist frisches Erbgut wichtig für einen gesunden genpool, wieso bei Ameisen nicht? Nur weil eine Art die aus Berlin kommt , in den alpenregionen entfleucht, passiert doch nichts schlimmes. Wenn sie nicht so winterhart ist, wird sie ihn nicht überleben, und wen sie sich beim schwarmflug vermehrt, würden ihre Nachkommen, die diese Eigenschaft mit übernehmen würden , auch eingehen. Würde dich daher kein Problem darstellen.

Kennst Du die Fachliteratur zu diesem Thema? – Es tut mir Leid, das immer wieder sagen zu müssen: Der „gesunde Menschenverstand“ versagt bei Themen, zu denen das Hintergrundwissen fehlt!-Was für z. T. über Generationen ingezüchtete, vom Aussterben bedrohte Zootiere gilt, "frisches Erbgut", gilt längst nicht so für Wildpopulationen, die innerhalb der Art oft zahlreiche lokal angepasste Populationen umfassen. Hier kann gebietsfremdes Erbgut sich sehr negativ auswirken!
Das aussetzen nicht einheimischer Arten , halte ich auch für absolut falsch, aber selbst hier , werden wesentlich mehr Insekten von weltweiten Warenhandel verschleppt, als es die doch noch recht kleine Gemeinde der ameisenhalter tuen könnte.

Auch dieses Argument ist leider abgedroschen und falsch: Der „Warenhandel“ verschleppt eine relativ kleine Auswahl von Arten, die ohnehin in der Nähe von Menschen bzw. deren Gütern (landwirtsch. Produkte, Holz, Zierpflanzen, …) leben und oft ohnehin als „Schädlinge“ bekannt sind.
Der internationale, interkontinentale Exotenhandel greift auf zahllose Arten zurück, die niemals mit sonstigen Handelsgütern zufällig verschleppt werden.
Weshalb wohl wurden offenbar bisher niemals Blattschneiderameisen „zufällig“ aus Amerika in subtropische und tropische Bereiche Asiens und Australiens verschleppt, wo sie ohne Zweifel überleben könnten? –In den dicht bevölkerten Gebieten Indonesiens oder Südchinas könnten dort als Heimtiere eingeführte und freigekommene Blattschneiderameisen katastrophale Schäden anrichten!
Weiterhin geht es nicht nur um tropische Exoten, sondern z.B. auch um ostasiatische Camponotus-Arten aus der unseren sehr ähnlichen Klimaregionen. Auch diese sind „Exoten“, die hier leben können (und oftmals für den Laien kaum von unseren einheimischen Arten unterscheidbar sind). Welche davon sich ansiedeln, heimische Arten verdrängen, evtl. schädlich werden können, lässt sich auch von Fachleuten nicht vorhersehen.

Ich engagiere mich inzwischen nicht mehr gegen die Exoten-Einfuhr: Gegen menschliche Uneinsichtigkeit ist kein Kraut gewachsen; der Kampf ist längst verloren. :( Allenfalls versuche ich noch, häufig vorgebrachte falsche Argumente aufzuzeigen.

MfG
Merkur
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon NIPIAN » Donnerstag 28. Januar 2016, 12:25

Hoi,

die Behauptung bezüglich der erfolgreicheren Haltung von nicht europäischen Arten gegenüber europäischen ist nicht belegt. Es wird aber deutlich hervorgehobener von jenen berichtet. Jedoch hat die Auszählung der Haltungsdauer anhand der Haltungsberichte ergeben, dass die meisten Ameisenvölker (>80%) innerhalb der ersten 36 Monate eingehen, oder die Haltungsberichte innerhalb des Zeitraums abbrechen. Mehr als 25% innerhalb der ersten sechs Monate. Die Frage ist also, wieviel Euro man in das Risiko investieren will. Die Haltungsberichte können von jedem selbst ausgezählt werden, um die Zahlen zu prüfen.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon broll0815 » Donnerstag 28. Januar 2016, 12:30

Hallo Merkur. Es tut mir sehr leid für dich, dass du dich wiederholen musst. Aber zu behaupten, dass mit der gesunde Menschenverstand und das Fachwissen fehlt, geht eindeutig zu weit. Zumal du mich nicht kennst, so wie ich dich nicht. Woher möchtest du etwas über meinen Sachverstand wissen, wenn du nichts über mich weisst?
Klar wenn wir von asiatischen Camponotus Arten sprechen, sieht das ganze Thema schon ganz anders aus, aber ich spreche hier von Camponotus und Messor Arten aus Afrika, die trockene Wüstenregionen bewohnen. Klar können in Asien ausgesetzte Blattschneider-Arten dort überleben und sich auch vermehren und großen Schaden anrichten. Da würde ich bestimmt nicht wiedersprechen.
Aber was uns die Evolution gelehrt haben sollte , ist das am Ende so oder so, sich der Stärkere durchsetzen wird (der besser Angepasste) das heißt nun nicht, dass ich es befürworte Blattschneider in Gebieten auszusetzen wo sie sich etablieren können.
Und zu besagten Thema: frisches Erbgut, da gibt es von unterschiedlichen Forschern verschiedene Meinungen zu. Es gibt nicht immer nur schwarz und weiss.
Und auch Biologen können sich schnell mal irren. Als sich in Australien die aus Asien stammende Wanderratte ausbreitete, eingeführt durch den damaligen kolonialen Schiffsverkehr, war es der Vorschlag vieler Biologen europäische Katzen auszuwildern, die diese Plage stoppen würden. Im Nachhinein ein fataler Irrtum, da diese sich nicht mit den flinken und sehr schlauen Ratten befassten, sondern mit den einheimischen Reptilien, die wesentlich ungeschickter in der Flucht waren als die Ratten.
Und ich als ich von den Genen sprach bezog sich das Ganze darauf das zum Beispiel eine Lasius niger die aus Berlin stammt, bestimmt noch zur gravierender Faunaverfälschung der Lasius niger, die in anderen Gebieten vorkommen zur Folge hätte. Die Evolution sucht sich meist das Bessere heraus um das Überleben zu sichern.
Der Mensch denkt in zu kleinen Maßstäben. Meist nur in der Zeitspanne seines eigenen Lebens. Eines Tages wird der Amerikanische Kontinent mit dem asiatischen Zusammenstoßen und es wird so den Arten möglich seien sich frei anzusiedeln, und auch da wird sich der besser Angepasste oder Stärkere durchsetzen.
Noch ein weiteres Beispiel: Der Gepard ist vom aussterben bedroht, wieso? Weil der Mensch seinen Lebensraum verkleinert, aber wir gehören ebenso zur Evolution, weil bei ihm durchschnittlich nur jeder achte jagtversuch von Erfolg gekrönt ist. Und dabei kommt es zu 50% dazu das ihm seine Beute von Löwen, Hyänen oder anderen Arten gestohlen wirt. Da er selten Gruppen über drei Tieren jagt und von der enormen Geschwindigkeit beim Jagen auch noch völlig erschöpft ist, kann er sich gegen diese ihm Rudel lebenden Kontrahenten schlecht zur Wehr setzten. Es ist also nicht immer der Mensch allein schuld. Es gab mal einen interessanten Artikel, den ich wenn ich zu Hause bin gerne mal raussuchen werde. Indem heißt es, dass es 1000mal mehr ausgestorbene Arten gibt, als zurzeit lebende Arten. Die genaue Zahl habe ich nicht mehr im Kopf, reiche ich aber nach.
Aussterben gehört also zu den einem unabdingbaren Prozent des Lebens.
Zu anderen Punkten werde ich mich heute Abend äußern.

Also Merkur bitte nicht so von oben herab reden. Ich möchte hier gern eine nette Diskussion führen, ohne dabei in Streit zu geraten. Das ist unnötig, und bringt einen auch nicht zur Einsicht.
Ich bin bestimmt nicht unbelehrbar, Fakten kann man nicht leugnen, aber bitte in einem anderem Ton.

Mit besten Grüßen Broll0815
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broll0815
 

Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Reber » Donnerstag 28. Januar 2016, 13:18

Nur kurz als Einwurf: Wenn man die Frage so abstrakt stellt wie du, dann schlägt das Pendel doch in der Mehrheit in Richtung einheimischen Arten aus. Geringere Kosten, geringeres Risiko, weniger technischer Aufwand.
Natürlich gilt das nicht für alle einheimischen Arten. Aber es gibt hier bekanntlich solche, die mindestens so unkompliziert zu halten sind, wie die von dir vorgeschlagenen Gattungen(!) aus Afrika (innerhalb derer es bestimmt gröbere Unterschiede gibt).

Ich würde also vorschlagen, man diskutiert besser weiter und im Einzelfall über konkrete Arten und deren Eignung als Einsteigerart - also ihre Vor- und Nachteile unter Einbezug der Halterwünsche.

Wenn du hier über Gene und (innerartliche) Faunenverfälschung diskutieren willst, schlage ich vor, dass du einen entsprechenden Diskussionsthread aufmachst. Es wäre zwar der gefühlte hundertste, aber da jedes andere Ameisenforum bereits einen hat, darf er hier eigentlich gar nicht fehlen :fettgrins:
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Colophonius » Donnerstag 28. Januar 2016, 13:23

NIPIAN hat geschrieben:
die Behauptung bezüglich der erfolgreicheren Haltung von nicht europäischen Arten gegenüber europäischen ist nicht belegt. Es wird aber deutlich hervorgehobener von jenen berichtet. Jedoch hat die Auszählung der Haltungsdauer anhand der Haltungsberichte ergeben, dass die meisten Ameisenvölker (>80%) innerhalb der ersten 36 Monate eingehen, oder die Haltungsberichte innerhalb des Zeitraums abbrechen. Mehr als 25% innerhalb der ersten sechs Monate. Die Frage ist also, wieviel Euro man in das Risiko investieren will. Die Haltungsberichte können von jedem selbst ausgezählt werden, um die Zahlen zu prüfen.



Auf die Gefahr hin, dass ich hier zielsicher mit dem Stock aufs Wespennest haue:
- woher hast du die Daten? Wieviele HBs hast du "ausgezählt"? Welche kamen in Betrachtung?

Aus meinen eigenen - auch nicht repräsentativen Erfahrungen, würde sich folgendes ergeben:

Sterberate der einheimischen Camponotus (2 Kolonien): 100%
Sterberate der exotischen Campotnotus (1 Kolonie): 0%.

Hilft jetzt zwar auch nicht weiter, ist aber vermutlich statistisch gesehen ähnlich wertvoll bzw. -los.

Gerechnet an meinen gesamten Kolonien komme ich zu diesem Ergebnis:

Überleben der Kolonien bis heute bzw. bis zur Abgabe bei exotischen Kolonien mit Gyne:
100%, bestehend aus:
Messor minor hesperius, Odontomachus bauri, Pheidole pieli, Pheidole spathifera, Camponotus substitutus.

Mit Ausnahme der Odontomachus, bei denen ich mir mangels Einsicht nicht ganz sicher sein kann, sind die Haltungsbedingungen wirklich unfassbar einfach. Bei meinen Messor muss ich im Prinzip nur einmal im Monat bisschen Körner reinwerfen und alle paar Wochen das Wasser erneuern. Defintiv die einfachste Art, die ich je gehalten habe.


Bei meinen einheimischen Kolonien habe ich:
C. herculeanus (Gyne verstorben), C. herculeanus (Gyne verstorben), T. nylanderi (Gyne verstorben) und eine L. niger, die sich nicht richtig entwickelte und dann ausgesetzt wurde. Weitergegeben habe ich: Myrmica rubra, aktuell gehalten wird noch F. fusca.
Da komme ich also zum Ergebnis, dass gerade mal 33% der einheimischen Kolonien hier gut überlebt haben.

_______

In der Summe kann ich sagen, dass die unkompliziertesten Arten für die Haltungsbedingungen Exoten waren. Vor allem die Messor sind relativ idiotensicher. Die aktuell schwierigsten Arten bei mir sind sicher die Odontomachus mangels Einblick und die F. fusca, da diese extrem schreckhaft sind.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon Steffen Kraus » Donnerstag 28. Januar 2016, 13:33

Hallo,
eigentlich sind das verschiedene Fragen, die Frage die in den wissenschaftlichen Bereich ging, wurde ja schon perfekt beantwortet. Nebenbei, finde ich nicht, daß dies von oben herab getan wurde.
Aber Senden und Empfangen, ist halt immer so eine Sache, es gibt halt immer mehrere Ebenen, eine Nachricht zu übermitteln.
Die andere Frage ging ja um Haltungserfahrungen mit Ameisen verschiedener Kontinente.
Nun, wenn man mal ganz ehrlich ist, hier gibt es nur Erfahrungen vorangegangener Halter (Halteberichte). Ob die jetzt positiv oder negativ, warum auch immer waren,
kann man nur als Hilfestellung sehen und keinesfalls als Betriebsanleitung. Es handelt sich hier um Lebewesen. Zusätzlich braucht es noch ein wenig Glück, damit es von Erfolg gekrönt ist.
Gruß Steffen
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon LynnLectis » Donnerstag 28. Januar 2016, 13:34

@ broll0815:

Du hast Merkur schlicht falsch verstanden. Er sagt, dass man in solchen Fällen eben nicht mit dem gesunden Menschenverstand weiterkommt, den er Dir also durchaus zuspricht, sondern dass Fachwissen vonnöten ist, was Merkur nun mal hat als Myrmekologe. Es geht hier nicht um eine Meinung, sondern um Faktenwissen.

Merkur hat geschrieben:Kennst Du die Fachliteratur zu diesem Thema? – Es tut mir Leid, das immer wieder sagen zu müssen: Der „gesunde Menschenverstand“ versagt bei Themen, zu denen das Hintergrundwissen fehlt!-Was für z. T. über Generationen ingezüchtete, vom Aussterben bedrohte Zootiere gilt, "frisches Erbgut", gilt längst nicht so für Wildpopulationen, die innerhalb der Art oft zahlreiche lokal angepasste Populationen umfassen. Hier kann gebietsfremdes Erbgut sich sehr negativ auswirken!
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon swagman » Donnerstag 28. Januar 2016, 15:36

broll0815 hat geschrieben:Hat noch wer Erfahrungen dazu?

Erfahrung? Genügend! Und da liegt auch der Hund begraben. Die Erfahrung macht es, nicht die Herkunft. Die Einteilung in Heimisch oder Exotisch macht keinen Sinn, da jede Art verschieden ist und eigene Ansprüche hat.
Leider hat sich in der Ameisenhaltung diese dämlich Unterteilung manifestiert wie in Beton gegossen. In keinem anderen Bereich der Tierhaltung wird dies so gehandhabt.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon LynnLectis » Donnerstag 28. Januar 2016, 15:45

swagman hat geschrieben:Die Einteilung in Heimisch oder Exotisch macht keinen Sinn, da jede Art verschieden ist und eigene Ansprüche hat.


Im Kontext der Haltungsschwierigkeit finde ich es auch unpassend, hat ja schon Reber angemerkt, wie sehr das von der Art abhängt. Dabei gleich so unterschiedliche Themen zusammenzuwürfeln, macht die Diskussion auch nicht gerade zielführend.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon NIPIAN » Donnerstag 28. Januar 2016, 16:04

Hoi,

@ Colophonius:
Auszählung der Haltungsberichte im AF bis etwas kurz vor Übernahme durch den Antstore. Ein Teil der Auszählung ist von den damaligen Usern mitgetragen und unter anderem in einem entsprechenden Thema gesammelt worden. Insgesamt sind deutlich über 300 Völker ausgezählt worden. Exemplarisch kann hier unter anderem Lasius niger gegen nicht-europäische Camponotus spp. vorgestellt werden:
Auszählung Lasius niger.PNG

Auszählung Camponotus spp. nicht-europäisch.PNG


Da ich denke, dass das hier ganz gut passt, lässt sich folgendes ableiten:
- Das Risiko, dass nicht-europäische Camponotus spp. innerhalb der ersten 12 Monate eingehen, oder auch deren Haltungsberichte ohne Grund beendet werden, ist in etwa so groß wie bei Lasius niger.
- nicht-europäische Camponotus spp. sind teurer als Lasius niger
Ergo: es ist eine Frage der persönlichen Vorliebe, wieviel Geld man mit welcher Wahrscheinlichkeit in den Sand setzen möchte^^.

Btw.: mein ältestes Volk ist etwas über 6 Jahre geworden und war bei mir Lasius niger. Allerdings habe ich auch einige Lasius niger-Völker deutlich früher verloren. Ich hatte zwei Camponotus sp. Völker von den Malediven, die mir nach knapp 6 Monaten eingegangen sind. Was lernen wir daraus? Nichts, es sei denn, wir fassen alle Haltungsberichte zusammen. Dann lernen wir daraus, dass die meisten Völker, egal woher sie stammen, innerhalb der ersten 12 Monate die Biege machen. Kann jeder selber nachzählen. Deshalb ist es im Übrigen so wichtig, wenn man ein Ameisenforum führt, die Haltungsberichte mit Start- und Endpunkt zu versehen.

Und ja, JEDER, der sich ein Ameisenvolk zulegt, denkt, er würde es nicht so machen, wie die anderen Halter zuvor - dass er einen Haltungsbericht vollständig verfasst und keine Haltungsfehler begeht. Das hat auch jeder in den letzten Jahren davor gedacht. Und schlussendlich ist mittels der Auszählung unter anderem oben aufgeführtes Ergebnis zustande gekommen.
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon broll0815 » Donnerstag 28. Januar 2016, 16:05

swagman hat geschrieben:Leider hat sich in der Ameisenhaltung diese dämlich Unterteilung manifestiert wie in Beton gegossen. In keinem anderen Bereich der Tierhaltung wird dies so gehandhabt.


Hallo swagman. Seit wann gibt es das in anderen Bereichen der Tierhaltung nicht? Man nehme mal alleine die Aquaristik. Dort gibt es schon seit den Fünfzigern feste Einteilungen in Herkunft, Schwierigkeitsgrad und auch eine Einstufung in Sachen Vergeseltschaftungstauglichkeit ist dort Standard

LG Broll0815
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon broll0815 » Donnerstag 28. Januar 2016, 16:43

Hallo , nipian. Schöne Statistik ist das. Aber leider völlig unbrauchbar.
Nur weil ein Haltungsbericht beendet, oder nicht weitergeführt wurde, bedeutet das nicht den Tod der Kolonie. Habe selber auch einige Berichte eingestellt, weil mir das Forum nicht gefallen hat, oder das Interesse an diesem Bericht nicht so hoch war, oder weil die Zeit und Lust fehlte.

LG Broll0815
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Re: Einheimische oder Exoten?

Beitragvon LynnLectis » Donnerstag 28. Januar 2016, 17:01

broll0815 hat geschrieben:Hallo , nipian. Schöne Statistik ist das. Aber leider völlig unbrauchbar.
Nur weil ein haltungsbericht beendet, oder nicht weitergeführt wurde, bedeutet das nicht den tot der Kolonie. Habe selber auch einige Berichte eingestellt, weil mir das Forum nicht gefallen hat, oder das Interesse an diesem Bericht nicht so hoch war, oder weil die Zeit und Lust fehlte.


Im Gegenzug kann es auch gut sein, dass jemand so tut, als würde seine Kolonie noch leben, obwohl sie längst hinüber ist, um sich keine Blöße zu geben. NIPIAN spricht ja nicht nur von vereinzelten Haltungsberichten, daher lassen sich schon brauchbare Tendenzen ablesen. In jeder Statistik gibt es eine Dunkelziffer.
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