Trophallaxis als Mittel zur Kommunikation

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Trophallaxis als Mittel zur Kommunikation

Beitragvon Emse » Sonntag 27. Januar 2019, 14:20

Der NZZ-Artikel ist zwar schon etwas älter (Januar 2017), verdient m.E. aber trotzdem eine Erwähnung. Ausschnitte daraus:

Bisher hielt man das gegenseitige Füttern von Mund zu Mund bei Insekten - Throphallaxis genannt - für eben dies: Die reine Weitergabe von Nährstoffen und Enzymen. [..] Das könnte bedeuten, dass die Arbeiterinnen über die Menge des von ihnen abgegebenen Wachstumshormons auf den jeweiligen Bedarf an neuen Arbeiterinnen reagieren und die Koloniegrösse regulieren. Im Sommer benötigt der Ameisenstaat beispielsweise mehr grosse Arbeiterinnen, die auf Nahrungssuche gehen. [..] Ausserdem fanden sich im Speichelmix 49 langkettige Kohlenwasserstoffe. Dass solche Moleküle von Ameise zu Ameise weitergegeben werden, war zwar bekannt. Allerdings liess sich in früheren Studien nicht unterscheiden, ob die Kohlenwasserstoffe über Körperkontakt oder über den Speichel übertragen werden, so die Forschenden. Diese Moleküle tragen zum charakteristischen Duft der Ameisenkolonie bei, durch den sich die Mitglieder untereinander erkennen. [..] Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich hinter der Trophallaxis nicht nur Nahrungsweitergabe, sondern eine Form der direkten Kommunikation verberge, [..] / Ganzer Artikel: https://www.nzz.ch/panorama/ameisen-geb ... -ld.138838

Paper: https://elifesciences.org/articles/20375
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Emse
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Re: Trophallaxis als Mittel zur Kommunikation

Beitragvon Merkur » Sonntag 27. Januar 2019, 14:59

Ein wenig musste ich schmunzeln beim Lesen der komplizierten Methoden der Probengewinnung. :)
In den Jahren um 1965 arbeitete R. Paulsen als Doktorand am Gößwald-Institut in Würzburg. Klar, auch er konnte bei sich fütternden Waldameisen nichts von dem übertragenen Tröpfchen abzapfen.
Und beim Drücken der Gaster, wer weiß, was da alles mit hoch kommt? (In der Arbeit wird das geklärt, was heute mit verfeinerten Analysemethoden möglich ist).
Die Lösung bestand darin, die sachte festgehaltene Ameise mit einem menschlichen Haar an den Mundwerzeugen so zu kitzeln, dass sie ganz natürlich Kropfinhalt regurgitierte.
Gewusst wie; und in alter Literatur ist doch einiges Brauchbare zu finden. :)

MfG,
Merkur
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Re: Trophallaxis als Mittel zur Kommunikation

Beitragvon Emse » Sonntag 27. Januar 2019, 18:14

Merkur hat geschrieben:Ein wenig musste ich schmunzeln beim Lesen der komplizierten Methoden der Probengewinnung. :)

Zu den in Lausanne angewendeten Verfahren ("Ameisenspuck sammeln"), übersetzt:
[..], mussten die Forscher einen Weg finden, Ameisenspucken zu sammeln. Das war keine leichte Aufgabe. Beispiele für Trophallaxie kommen schnell vor und sind unmöglich vorherzusagen, was eine abwartende Haltung unmöglich macht, schrieben die Forscher in eLife. Zuerst versuchte das Team, die Trophallaxie zu veranlassen, indem es eine Ameisenzuckerlösung fütterte und sie vorübergehend von seinen Freunden isolierte, ein Zustand, der mehr Ameisen dazu veranlasste, sich die Spucke zu teilen. Aber diese Methode war immer noch wenig ergiebig und war anfällig für potentielle Störvariablen, die Forscher schrieben: Die Speichelflüssigkeit könnte durch Zuckerzufuhr oder Isolationseffekte verändert werden.

Also hat das Team einen anderen Ansatz gefunden. Sie betäubten die Ameisen vorübergehend mit Kohlendioxid und drückten sie dann sanft aus, um etwas Spucke auszuspritzen. Sie verglichen diese Flüssigkeit mit den geringen Mengen an Speichel, die sie durch die Saccharose-Methode gesammelt hatten, und mit dem Inhalt des Amins und der zirkulierenden Flüssigkeit, um sicherzustellen, dass das, was sie sammelten, die gleiche orale Flüssigkeit war, die während der Trophallaxis ausgetauscht wurde. [..] / Quelle: https://allscienceglobe.com/3819-for-an ... ation.html

Merkur hat geschrieben:[..] Die Lösung bestand darin, die sachte festgehaltene Ameise mit einem menschlichen Haar an den Mundwerzeugen so zu kitzeln, dass sie ganz natürlich Kropfinhalt regurgitierte. [..]

Raffiniert! ;)
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