Welche Motivation steckt hinter der Ameisenhaltung?

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Welche Motivation steckt hinter der Ameisenhaltung?

Beitragvon Krabbeltierfan » Samstag 23. November 2019, 15:41

Hey liebes Forum,

ich möchte mich mit euch über einen Aspekt der Ameisenhaltung austauschen, der mir bislang eher verborgen blieb. Ich möchte über unterschiedliche Motive für die Ameisenhaltung sprechen.
Für mich sind Ameisen einfach interessant. Eine Königin zu besitzen, für sie zu sorgen und nach mehreren Jahren eine große Kolonie zu haben ist einfach ein tolles Erlebnis. Ich habe über die Jahre natürlich einige Arten gehalten, bei nicht allen ist mir die Haltung gelungen. So wird die Liste der Arten länger, ich wurde klüger und sicherlich würde ich einiges heute nicht mehr tun, was ich einst tat. Immer jedoch war mein Motiv, für die Tiere zu sorgen und mich an ihrem Wohlergehen zu erfreuen. Und je länger ich die Tiere halte, desto mehr rückte für mich in den Fokus naturnahes Verhalten zu ermöglichen. Mein Motiv ist kein Trost für die Tiere, die es dabei nicht schafften. Ist mein Motiv legitim? Ich habe zumindest immer mein bestes für die Tiere gewollt. Und trotzdem bin ich dabei, aus Sicht der Tiere, sicherlich egoistisch.

Besonders im Zuge der unterschiedlichen Discordserver bin ich etwas aus meiner "Isolation" herausgetreten. Ich habe die Haltung von Ameisen nie komplett aufgegeben, auch als ich mich hier Jahre nicht zeigte. Ich hatte meine Kolonie und gut ist. Was brauchte ich noch? Und nun sehe ich Dimensionen des Ameisenhandels, die mich immer wieder aufs neue überraschen. Wie viele Shops, Privathändler und Ebayanzeigen es zu Ameisen gibt hat mich umgehauen. Was für Arten gehandelt, gehalten und zu welchen Preisen über den Tisch gehen. Arten, die ich aus der Welt der Foren lange als sehr selten und kaum zu bekommen ansah. Illegale Exporte aus China, Tiere aus Australien, Südamerika sind so häufig verfügbar, es ist nur eine Frage des Preises und des Willens, den Mausklick zu tätigen. Das klingt jetzt fast etwas kriminell, aber das ist es nicht. Nicht aus europäischer Sicht. Und ich habe mich gewundert, wo diese Nachfrage herkommt, wer diese Unmengen an Kolonien kauft. Und wo sie bleiben. Denn ganz ehrlich, es ist ein Nischenhobby. Es wächst stark durch YouTube und Co., doch es ist eines.

Und nun kommt der Punkt, auf den ich hinaus wollte. (Sry fürs ausholen): Die Sammelleidenschaft der Menschen. Die Eingangs beschrieben Erlebnisse mit einer Kolonie, für deren Wohlbefinden zu sorgen. Eine Bindung aufbauen, die Tiere gedeihen zu sehen. Es ist, es mag für jeden anders sein, in meinem Herzen gar nicht so viel Platz für so viele Kolonien. Das ist etwas, was ich bei vielen Haltern im Discord kaum bis gar nicht erkennen kann. Halter tauschen munter Kolonien, schicken sie umher. Leisten Ersatz durch Geld o. andere Tiere, falls mal eine Kolonie dabei draufgeht. Das sind nicht alle, und das Motiv der (guten)Haltung ist sicherlich bei allen vorhanden. Nicht ohne Grund sind naturnahe Formicarien, deren Einrichtung und die Geschichten darüber ein Evergreen der YouTubeszene. Ich frage mich manchmal nur, zu welchem Anteil dies bei einigen Haltern vorliegt. Denn zu besagten Evergreens gehört auch das Zelebrieren von Konsum: Diverse Unboxingvideos, Rundgänge bezüglich der unzähligen Arten, die man besitzt etc. Und das sind dann Teilweise Stapel von RG`s und Ferreroboxen.

Sicherlich: Ich habe auch den Wunsch nach neuen Kolonien. Ein ums andere mal sehe ich mich in der Versuchung, Tiere zu kaufen. Doch ich frage mich dann immer: Wozu? Was bringt mir die kurzfristige Freude über den Konsum? Wo komme ich hin, mit einer weiteren (in ein paar Jahren) riesigen Kolonie? Werde ich dadurch meinen anderen Tieren noch gerecht? Verdienen sie nicht meine volle Aufmerksamkeit?

Die Fragen muss jeder selbst beantworten. Doch ein ums andere Mal empfinde ich die Discordserver wie Tauschbörsen für Paninisticker. Wie leichtfertig, beliebig über Anschaffung, Tausch und Vergehen der Kolonien berichtet wird. Wie schnelllebig das ganze ist, wie oft es um Anschaffung geht, wie selten um die jahrelange Pflege und genaue Beobachtung, Geduld und Hingabe. Und wie jung das Publikum ist, was sich durch viele Arten oft auch profilieren will. So scheint es. 14 Jährige mit Blattschneidern und div. anderen Exoten, die "vor 1 1/2 Jahren schon mal Ameisen gehalten haben, dann aber keine Lust mehr hatten und nun wieder anfangen".

Und wie eingangs beschrieben: Ich habe Fehler in meiner Haltergeschichte gemacht. Und viele andere sicherlich auch. So wie diese Menschen auch. Und welche Motivation legitim ist, ob eine legitimer ist als die andere, das ist wohl Ansichtssache. Aber: Für mich muss zu aller erst die langfristige Sorge für das Tier im Mittelpunkt stehen. Und das sehe ich oft nicht. Ich habe das Gefühl, Ameisenhaltung war mal was für Liebhaber. Auch wenn es schon immer welche gab, die mehr Arten hielten als andere. Aber ist es das noch? War es das je? Wie seht ihr das? Als was für einen Halter identifiziert ihr euch? Welches Motiv leitet euch und warum?

Grüße
Krabbel

P.S.: Ich habe einen Kater und hatte leichte Schwierigkeiten gute Sätze zu formulieren. Bitte verzeiht etwaige Unzulänglichkeiten. :D
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Re: Welche Motivation steckt hinter der Ameisenhaltung?

Beitragvon Merkur » Sonntag 24. November 2019, 18:22

Hallo Krabbel,

Ein schönes Thema, auch wenn ich Ähnliches schon in anderen Foren gesehen habe: Es sollte immer mal wieder in Erinnerung gerufen werden! - Ich hoffe, dass noch andere User und Halter ihre Gesichtspunkte beitragen.

Was mich betrifft, so ist es ja bekannt, dass ich Ameisen aus beruflichen Gründen gehalten habe, viele Arten, viele Völker. Davor, als Schüler, hatte ich etliche andere Tiere in Terrarien und Aquarien. Die meisten waren aus der Natur (mageres Taschengeld; alte Aquarien gab es geschenkt, Terrarien und Vogelkäfige habe ich zum Teil selbst gebastelt, aus Kisten und unter Verwendung eines Metallbaukastens usw.). Die Fauna um Würzburg war damals (nach Kriegsende, ca. ab 1948) sehr reich. Zerbombte Ruinen, verwilderte Hausgärten, mit Schutt teils verfüllte Löschwasserbecken etc. lieferten Molche, Zauneidechsen, junge Dohlen und jede Menge Käfer, Raupen usw.. Wasserfrösche und Ringelnattern „fand“ man beim Baden am Main, Schlingnattern gab‘s in den Weinbergen, Erdkröten, Grasfrösche, Blindschleichen im stadtnahen Wald, und sogar Larven vom Feuersalamander konnte ich aus einer Quelle fischen und aufziehen. Enttäuschend waren ein paar gekaufte Vögel, Grünfink weibl. gab‘s für 2 DM, ein Pärchen Dompfaffen, die waren zu schnell totgepflegt (Wildfänge waren damals noch gestattet!). Wellensittich, Weiße Mäuse, Goldhamster, Meerschweinchen etc. liefen besser. Und auch in den Aquarien konnte ich so einige preisgünstige Arten züchten. - Es kam so einiges zusammen über die Jahre.

Aber ich gewann dabei trotz aller Kollateralschäden (die mir heute noch leidtun, und die mit guter Anleitung vermeidbar gewesen wären!), sehr viel Wissen und Erkenntnisse, die mir in Studium und Beruf dann äußerst nützlich waren! Es gab kein Internet, und die Zeitschriften für Aqua- und Terrarianer waren zu teuer. Beratung zur Haltung kam somit fast nur vom lokalen Tierhändler, und die war miserabel. Auch das war eine prägende Erkenntnis...

Im Studium geriet ich für eine Examensarbeit in ein Institut, in dem über Ameisen geforscht wurde, vor allem über Waldameisen. Ein paar glückliche Zufälle kamen zusammen, so dass ich bei den Schmalbrustameisen (Gattungen Leptothorax und Temnothorax) landete, und die haben mich sofort begeistert! Natürlich gab‘s die nicht zu kaufen. Man musste schon raus in die Natur um sie zu sammeln. Aber aufgrund der kleinen Völker konnte man viele davon gleichzeitig im Labor halten.

Und mit über die Jahre erarbeiteten Techniken gelang dann auch noch die Zucht über mehrere Generationen! - Ich kann nicht sagen, was mehr Freude bereitet hat, die Fülle toller wissenschaftlicher Ergebnisse, vor allem über Sozialparasitismus, zum Sexualverhalten und Königinnenpolymorphismus usw., oder das immer wieder großartige Erlebnis, wenn so ein Zucht- oder Kreuzungserfolg das erhoffte Ergebnis brachte. So waren Beruf und Hobby bei mir eng verknüpft.

Im Ruhestand habe ich die Ameisenhaltung allerdings aufgegeben: Man ist zu sehr „angebunden“. Schon eine Urlaubsvertretung wäre schwer zu finden, auch für die kleinen Völkchen. Mit richtig großen, Camponotus oder gar Blattschneidern, habe ich mich nie abgegeben, außer hie und da im Freiland. Im Garten habe ich ein paar interessante Arten; die sind gelegentlich zu sehen, und sie „halten“ sich selbst, haben sich da sogar von alleine angesiedelt. Man muss nur passende Strukturen anbieten, Steinmauern, flache Steine, passende Bäume mit Totholz etc..

„Ameisen als Spielzeug halten“, oder mit immer „tolleren“ Arten zu renommieren, das war und ist mir fremd.
Meine Motivation war also: Freude am Halten und Beobachten von Tieren allgemein. Zu den Ameisen kam ich durch eine Reihe von Zufällen, die sich letztlich als Glückstreffer erwiesen haben!

Nun hoffe ich, dass sich noch ein paar andere Ameisenfreunde zum Thema äußern!
MfG,
Merkur
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Re: Welche Motivation steckt hinter der Ameisenhaltung?

Beitragvon Teleutotje » Dienstag 26. November 2019, 00:26

For me, it’s not so much “to keep” ants but “how to come” to the study of ants… In 1981 I went to the university in middle Limburg and in the second year, spring break 1983, I and an other student had some long conversations with a Professor of Botany, Master in Zoology, and one of the 2 godfathers of our student-club DiP’s, Dissipoli Pouckii, nl. Prof. Van Poucke, about the science “Sociobiology”. At that moment sociobiology was still very young, born 7 years earlier, and still the central topic of debate. And having discussions with our professor of botany about the science of animal behaviour, great!!!

At a certain moment in our discussions, I asked the professor if he knew a good book about sociobiology and, off course, he knew one, “Sociobiology. The new synthesis.” by Edward O. Wilson. I started reading it, but I never completed the first part and, although I still have that book, I never returned to it. The problem, to many scientific words without translation. “So, maybe you can read the other book he wrote” the professor said, much easier qua language and qua subject, “The Insect Societies.” And so I did…

Since that moment ants filled much of my life and, after Nothomyrmecia, Dorylus (Anomma), Solenopsis and a few others, the social parasitic species became my “best friends”…

But why literature and not the real ants? Simply, before aug. 1994 I didn’t have the money to keep them, after aug. 1994, me and my future wife agreed not to keep ants… and so it stayed all those years. But yes, I never quit reading about those animals and I have already a big library about ants and their inquilines… and still working on my library is all I want to do. And reading the “damned books and articles”…
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Re: Welche Motivation steckt hinter der Ameisenhaltung?

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 4. Dezember 2019, 13:18

Im Hobbybereich würde ich sagen, liegt wohl die selbe Motivation vor, wie auch bei Aquarien- oder Terrarienliebhabern, die sich gerne ein möglichst abgeschlossenes System bauen um die darin lebenden Bewohner wenn es geht, in einer möglichst naturgetreuen Umgebung zu beobachten und deren Verhalten zu studieren.
Ich selbst finde mene Temnothorax immer wieder aufs Neue faszinierend, wie sie es innerhalb kürzester Zeit und mit enorm gernigem Aufwand schaffen, im Frühjahr die ganze Brut aufzuziehen und damit plötzlich für Enge im Nest sorgen.
Meine Messor schaffen es alle paar Monate immer mal wieder, alles umzugestalten und räumen auch mal gerne ihre Kornkammern wieder aus um selbst darin einzuziehen. Ebenso bearbeiten sie auch mal Gips und Porenbeton um dort ihr Nest zu erweitern. Auf jeden Fall ist dort, bis auf die paar Wintermonate, kaum Stillstand zu verspüren, was man bei manch anderen Terrarientieren nicht behaupten kann.
So gesehen ist in einem Formicarium immer was los und das spricht natürlich auch sehr dafür.

Nebenbei bemerkt bedarf es kaum aufwändiger Technik oder energiefressender Beheizung, sofern man keine Tropengäste beherbergt.

Was noch hinzukommt, ist wohl der Umstand, dass so ein Ameisenvolk im Prinzip nie wirklich "ausgewachsen" ist und man immer wieder noch Steigerungen beobachten kann.

Es gibt vieles, was dafür spricht, sofern man keine Abneigung gegen jegliches Krabbelgetier hegt, nur um mal ein paar Punkte zu nennen.
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Re: Welche Motivation steckt hinter der Ameisenhaltung?

Beitragvon Reber » Donnerstag 5. Dezember 2019, 12:05

Die Faszination von Ameisen begann bei mir schon in der früheren Kindheit. Warum die kleinen Wesen mich damals schon in ihren Bann gezogen haben, vermag ich heute gar nicht mehr zu sagen. Möglicherweise ihr massiges, wehrhaftes Auftreten gegen Störer und ihre beeindruckenden Konflikte untereinander.

Und es ist auch gar nicht so einfach zu sagen, warum sie mich bis heute begeistern. So etwas reflektiert man ja eigentlich nicht ständig, man «weiss» es einfach. Darüber nachdenken, tut man vielleicht höchstens, wenn man gefragt wird, warum man den gerade diesen speziellen «Haustiere» hält, die sich weder als «Kuscheltiere» noch als «Begleiter oder Freund» eignen, denen man weder Kunststücke noch Befehle beibringen kann. Aber diese Fragen kennt man auch als Halter von Reptilien und Amphibien etc.
Man macht dann um zu antworten einfach einen Vergleich auf, mit bekannteren bzw. akzeptieren «Haustieren» und beginnt die Vorteile heraus zu arbeiten: «Sie machen kein Lärm, haaren nicht, kommen auch einige Tage ohne Futter aus. Und es sind halt einfach wahnsinnig interessante Tiere, sie können z.B. …»

Und tatsächlich, selbst im Vergleich zu machen Exoten aus der Terraristik bieten Ameisen «Vorteile». Es handelt sich um Insekten, die uns Menschen irgendwie emotional immer etwas ferner bleiben als andere Tiere (für Stechmücken z.B. werden die modernen Menschen wohl nie so viel Sympathie aufbringen, wie für Wölfe). Bei Ameisen geht es - wenn überhaupt – anders herum mit der «sozialen Bindung» von Mensch und Haustier. Zur Gesellschaft hält sich die Tiere wohl niemand. Und was der eine Mensch noch bei einem Vogel nicht übers Herz bringt - ihn nämlich in einen Käfig einzusperren - fällt ihm bei Ameisen nicht sonderlich schwer. Das macht es so manchem leichter, Rückschläge in der Haltung zu verarbeiten oder sein Hobby gleich ganz zu entsorgen, wenn es ihm verleidet ist. Zynisch, ich weiss! Aber es macht es ehrlichgesagt auch mir leichter, Verantwortung für meine Haustiere zu übernehmen.

Ameisen sind vergleichsweise «dankbare» Haustiere, sie sind in der Regel auf kleinem Raum zu halten und ihre Grundbedürfnisse sind einfach zu befriedigen. Sie können in Reagenzgläsern eingefangen, versendet und anfangs sogar darin gehalten werden. Sie sind vergleichsweise günstig in der Anschaffung und dem Unterhalt, verzeihen Anfängerfehler (keine Regeln ohne Ausnahmen!) – und die Tiere legen ein Verhalten an den Tag, als kämen sie von einem anderen Planeten. Ein einzelnes Tier, das einen «Staat» gründet, einen Superorganismus bilden, sie haben eine auffällige Kommunikation untereinander, durchlaufen verschieden Entwicklungsstadien, bilden verschieden Kasten, verändern ihr Verhalten bei zunehmender Volksstärke. Sie legen Strassen an, klettern, graben, sammeln Körner, züchten Pilze, interagieren mit anderen Insekten (z.B. Blattläusen) jagen, sind ständig in Bewegung. Scheinbar natürlichstes Verhalten im Formicarium. Begeisternd!

Aber das beantwortet nicht die Frage nach dem «Warum» der Ameisenhaltung! Im Zentrum steht, meiner Meinung nach - wie Krabbel das bereits im Startpost betont hat - das menschliche Ego. Aber wie genau, das vermag ich nicht zu sagen. Ist es einfach das Interesse am Sammeln, am Besitzen, am Versorgen, am Lebewesen? Gruppenzwang, Nachahmung und «dazugehören wollen» sind beim Nischenhobby der Ameisenhaltung bestimmt nicht die Schlüsselreize. Dann vielleicht eher der Wunsch etwas spezielles zu tun, etwas, was nicht jeder macht? Aber dann wären die Ameisen Zufall? Das kommt zumindest bei mir nicht in Frage, das Interesse ist über die Jahrzehnte zu konstant geblieben. Ist es einfach wie bei anderen Haustieren auch? Sie lenken ab vom Alltagsstress und bescheren dem Halter (in der Regel) schöne neue Erlebnisse. Das kommt schon eher hin!

Es mag sein, dass auch wissenschaftliches Interesse den einen oder anderen dazu antreibt, sich die Tiere ins Haus zu holen. Aber Hand aufs Herz. Bei den wenigen Experimenten und neuen Erkenntnissen, die durch Hobbyhalter betreiben/erlangt werden, ist das eher eine Randerscheinung.

Natürlich wollen wir Ameisenhalter nichts Arges, wir wollen, dass es «unseren» Tieren gut geht, für sie sorgen, sie beobachten, sie anderen zeigen, Erfahrungen teilen. Aber ginge es allein darum, wären Schutz-, Hege- und Pflegemassnahmen und Exkursionen in der Natur weit aus zielführender. Es geht also schon darum, sich ein kleines Stück scheinbare «Natur» ins Wohnzimmer zu holen. Es zu besitzen. Es zu gestalten und zu hegen. Es zu zeigen. Ein Stück Regenwald - im Wohnzimmer, hinter Glas. Ein selbständiges Wesen – in Abhängigkeit und Gefangenschaft. Ein Lebewesen – im Internet bestellt, als Ware. Natürlich ist das alles widersprüchlich. Und es zeigt, es geht um mich – nicht um die Tiere!
Andererseits bin ich mir sicher, dass die Auseinandersetzung mit der Haltung im Heim und das Wissen, das man sich dazu aneignen muss, auch viele sensibilisiert für die Natur und was wir an ihr haben. So ist initiiert durch den Glaskasten zu Hause noch manchem Terrarianer klar geworden, dass es draussen Massnahmen braucht, für Biodiversität, Umweltschutz etc.

So kann ich gut mit diesen Widersprüchen leben.
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„Doch vor allen Dingen:
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möge dir gelingen.“
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