Zwei Problemchen bei Lasius niger [Futtermenge, Müllhaufen]

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Zwei Problemchen bei Lasius niger [Futtermenge, Müllhaufen]

Beitragvon Isoroku78 » Dienstag 9. Juni 2020, 20:50

Moin!

Unlängst bin ich in die Ameisenhaltung eingestiegen. Um -trotz nachgerade kindlicher Begeisterung für die Sache- es erst einmal "ruhig" angehen zu lassen, habe ich mit einem kleinem (20cm*20cm*20cm) Formicarium und einer Lasius niger Kolonie (Königin +20 Arbeiterinnen) den Anfang gemacht. Ich glaube, dass meine Kolonie super Fortschritte macht:
Einsetzten des RG am 25.05.
Umzug der Königin ins Formicarium am 29.05.
Beim letzten "üblichen" Samstagcheck unglaublich viel Brut in allen Stadien (Volumenverhältnis Ameisen : Brut -> 2 : 1)

Zwei Dinge bereiten mir jedoch Kopfschmerzen

1. Der unstillbare Hunger

Als ich mich belesen hatte, hieß es immer: Wasser und Honigwasser uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen und ab zu zu ein Insekt reingeben. Unter der letzten Angabe habe ich so ein Gevich die Woche verstanden. Nach Reduzierung des Intervalls auf erst 4 Tage, dann 2 Tage und zuletzt täglich habe ich heute mal alles angeboten, was ich finden konnte: Zunächst zwei davon (https://de.wikipedia.org/wiki/Taufliegen) und gerade eine eine hiervon (https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Stubenfliege), die die Ameisen in der letzten halben Stunde auch noch ins Nest geschleppt haben. Letztere war auch das Standardfutterinsekt der letzen Wochen.
Mein Problem: Wie schon geschrieben: das war alles was ich heute in meiner Wohnung gefunden habe. Noch hat die Kolonie gerade einmal eine Größe von max. 30 Tieren... was fressen die denn alles, wenn's erstmal hunderte oder gar tausende Tiere sind. (Ich weiß, dass die Proteine der Futterinsekten ausschließlich für die Brut gedacht sind, aber je größer die Kolonie, desto mehr Brut wird es doch auch geben, einfach weil mehr Arbeiterinnen da sind, die sich um die Brut kümmern können, oder?
Habt ihr Tipps, wie ich mich auf diesen Bedarf vorbereiten kann? (Mehlwürmer fallen schon mal aus, da ich wirklich nicht jeden Tag Larven von Käfern trennen will!)

2. Eigenwillige Wahl der Müllhalde

Ich hatte erwartet, dass die Ameisen ihre Müllhalde in der letzten Ecke des Formicariums einrichten werden. Leider schmeißen die ihren Unrat im wahrsten Wortsinn direkt vor die Haustür, mitten auf dem Weg zu Wasser und Futter.
Ändern die das nochmal, vielleicht, wenn die Kolonie größer wird? Das ist ja wie im Mittelalter, wo die Leute auch auf die Straße gesc***sen haben? Kann man sie dazu vielleicht "überreden" z.B. mit bestimmten Gerüchen?

Danke im Voraus!

MfG!

Iso.

Edit: kleinere sprachliche Verbesserungen
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Isoroku78
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Re: Zwei Problemchen bei Lasius niger

Beitragvon Reber » Mittwoch 10. Juni 2020, 11:09

Hallo Isoroku78,
willkommen im Ameisenportal!

Den Einstieg in die Haltung erst einmal ruhig und vor allem mit Lasius niger anzugehen, ist m.M.n. genau die richtige Entscheidung! Tolle Ameisen, die auch einmal Anfängerfehler verzeihen, reativ schnell wachsen und bei denen immer etwas los ist im Nest und in der Arena. Nicht zu vernachlässigen ist bei grösseren Kolonien der Ausbruchsschutz.

Zum unstillbaren Hunger:

Bei einer Kolonie deiner Grösse (30 Arbeiterinnen) reicht eine Proteinfütterung von 2x die Woche. Von z.B. ein bis. zwei Stubenfliegen. Wenn sie mehr verwerten, dann kannst du schon mehr geben, anfangs gibt es so mehr Brut, aber irgendwann landen die Insekten fast unangetastet, vertrocknet auf dem Müll - die Ameisen verfüttern nur noch das „Filetstücke“. Das Selbe passiert auch, wenn du unterschiedlich beliebte Insekten reichst, z.B. gleichzeitig Mehlwürmer und Fliegen, dann werden - bei Sättigung - nur noch die Fliegen genommen.

Zu berücksichtigen ist die unterschiedliche Entwicklung von Volk zu Volk. Ich hatte vor drei Jahren zwei Königinnen im am selben Ort eingesammelt, mutmasslich vom gleichen Schwarmflug und Volk. Während es die eine Ende Jahr auf ca. 80 Arbeiterinnen brachte, wuchs das andere Völklein gerade mal auf 20 Arbeiterinnen. Bei gleichen Haltungsbedingiungen! Der Trend setzte sich auf in den Folgejahren fort, dann bei angepasster Proteinfütterung.

Ich hatte letztes Jahr eine Lasius cf. niger Kolonie, mit ca.1500 Tieren (inzwischen verschenkt). Die nahmen etwa 3-5 mittlere bis grosse Heimchen/Steppengrillen jeden zweiten Tag. Zwischendurch noch etwas Fruchtfliegen.

Also auch wenns über 1000 sind, sind sie gut zu versorgen, einfach nicht alleine mit Beifang aus dem Haus. Du kannst dir überlegen selber Futtertiere zu züchten oder sie in einer Zoohandlung zu kaufen. Geeignet sind z.B. flugunfähige Stuben- und Fruchtfliegen, Schaben, Steppengrillen und Heimchen etc.

Die Futtertiere kannst du einfrieren, tiefgekühlt lagern und nach und nach in den gewünschten Mengen verfüttern. Bei Lebendhaltung musst du die Futtertiere entsprehend versorgen und gut auf den Ausbruschschutz achten, Schaben und (zirpende) Heimchen will man lieber nicht frei im Haus. Die flugunfähigen Terflies sind da ganz unproblematisch. Hier gibt es wissenswertes zu den geeigneten Futtertieren.


Zur Wahl der Müllhalde

Deine Vermutung ist richtig, sobald die Kolonie eine bestimmte Grösse erreicht hat, wird der Müllhaufen in einer abgelegnene Ecke eingerichtet. Belibet sind auch offene Honigwasserschälchen, die mit Müll abgedeckt werden. Es gibt auch Kolonien, die sind nicht so ordentlich, keine Ahnung warum. Jungkolonien von Lasius niger sind bei mir nie ordentlich, sie neigen in der Box sogar dazu, den Nesteingang mit vertrockneten Proteinresten zu verengen una lassen alles was sie nicht eintragen können, an Ort und Stelle liegen...
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Re: Zwei Problemchen bei Lasius niger [Futtermenge, Müllhauf

Beitragvon Isoroku78 » Samstag 13. Juni 2020, 15:01

Moin!

Zunächst: vielen Dank für die Antwort!
Ich habe meine Kolonie gestern satt bekommen. Ich wollte mal ausprobieren wo das Limit liegt. Es gab noch zwei Fruchtfliegen, eine kleine Stubenfliege und gestern eine größere Fliege (keine Stubenfliege). Damit ist in dieser Woche bei 5 Fruchtfliegen, 3 Stubenfliegen und einem teilzerlegten Brummer die Sättigungsgrenze erreicht.
Danke für den Link zum Futtertierthread. Am besten gefällt mir die Idee mit dem Drohnenschnitt, da sollte ich nach der Winterruhe den Proteinbedarf gedeckt bekommen und ich muss nicht mehr mit der Patsche durch die Wohnung jagen. Für diese Saison wird, wie Du so schön schreibst, der "Beifang" aus der Wohnung reichen, bei 2x Fliegendreingabe die Woche.
Dann bin ich gespannt, wann die Ameisen eine neue Mülldeponie aufmachen, noch lagert alles mehr oder weniger vor der Haustür; einschließlich der arg zerfledderten Fliege von gestern. Hier kam's wohl zu der von Dir erwähnten Entnahme der Filetstücke, denn zerfleddert hin oder her... es ist immer noch als Fliege (mit etwas Wohlwollen) erkennbar.

MfG!

Iso.
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Isoroku78
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