Hobbyist Ant Keeping Myths

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Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Merkur » Donnerstag 13. April 2017, 11:39

(Mythen in der Hobby-Ameisenhaltung)

Zu dem Thema wird im fc-formiculture Forum heftig und teilweise erfreulich kritisch diskutiert:
http://www.formiculture.com/topic/5175- ... entry57520

Es sind umfangreiche Beiträge und bereits eine lange Diskussion, aber sie sprechen Themen an, zu denen ich schon lange nichts mehr sagen mag (Stress, Futterinsekten einfrieren oder überbrühen, Ameisen im Licht halten oder Nest verdunkeln, Materialien fürs Formikar sterilisieren oder nicht, das Fehlen von exakten Vergleichsversuchen zu den jeweils favorisierten Alternativen, Nutzen der Bhatkar-diet, …).
In deutschsprachigen Foren wurde bereits viel und oft darüber diskutiert, doch stets werden die Themen zerredet, gut begründete Lösungen mit anekdotischen Gegenbeispielen entkräftet, letztlich Verwirrung geschaffen.
Dennoch lohnt es sich, den Thread zu lesen!

So wird z.B. angesprochen, dass die bekannte und viel verwendete Bhatkat-diet völlig nutzlos sei. Immerhin dazu gibt es eine vergleichende Untersuchung nach wiss. Maßstäben: Buschinger, A., Pfeifer, E.(1988): Effects of nutrition on brood production and slavery in ants (Hymenoptera, Formicidae). Ins. Soc. 35, 61-69., hier referiert.
Doch dazu muss man halt auch jenseits der Foren nach wiss. Veröffentlichungen suchen!
Wobei zu bedenken ist, dass es kaum Untersuchungen gibt, die speziell eine Optimierung der Haltung von Ameisen zum Ziel hat. In aller Regel bearbeitet man eine Fragestellung, zu deren Lösung eine geeignete Haltungstechnik entwickelt werden muss. – In unserem Beispiel wollte ich wissen, weshalb wir bei Raubzugexperimenten mit sklavenhaltenden Ameisen zu grundsätzlich anderen Ergebnissen kamen als eine Arbeitsgruppe, die in Kanada ähnliche Versuche mit verwandten Sklavenhaltern betrieb: In unseren konventionell mit Honigwasser und Mehlkäfer-Puppen gefütterten Völkern blieben die geraubten Wirtspuppen praktisch durchwegs am Leben und wurden zu adulten Sklaven-Arbeiterinnen, bei der „Konkurrenz“ wurde ein Großteil der geraubten Brut gefressen. Die sehr wahrscheinliche Ursache war Proteinmangel in der Bhatkar-diet!

MfG,
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Re: Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Teleutotje » Donnerstag 13. April 2017, 15:10

When you want to read the original article of the "Bhatkar diet" you can find the pdf here:
http://journals.fcla.edu/flaent/article/view/56586
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Re: Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Merkur » Freitag 14. April 2017, 16:22

Was ganz in Vergessenheit geraten zu scheint:

Die Bhatkar-diet ist in Hölldobler & Wilson (1990, S. 632) beschrieben. Nach der Anleitung zu deren Anfertigung folgt ein einschränkender (!) Abschnitt, der (übersetzt und mit Hervorhebungen durch mich) folgenden Inhalt hat:
„Die meisten insektivoren Ameisenarten gedeihen mit dieser Diät, wenn sie dreimal wöchentlich damit gefüttert werden, zusammen mit Stückchen von frisch abgetöteten Insekten, so wie Mehlwürmern (Tenebrio), Schaben (Nauphoeta) und Heimchen, die in kleinen Portionen angeboten werden. Sind die Ameisen räuberisch, geht es ihnen besonders gut, wenn sie Zugang zu Flaschen mit Drosophila-Kulturen haben, wobei flugunfähige Mutanten zu bevorzugen sind. Alternativ können die adulten Drosophila eingefroren und in der Arena verstreut werden, wo die Ameisen sie finden können.“

Leider haben auch einige professionelle Myrmekologen den Zusatz übersehen. Oft liest man, dass sie ihre Ameisen mit einer „Standard-Diät“ (Bhatkar & Whitcomb, 1970) gefüttert haben. Einige Male erhielt ich auf Anfrage mündlich oder brieflich die Antwort, dass man „natürlich“ Insektenteile zugefüttert habe. (Das sind Korrespondenzen, die gegen 25 Jahre zurückliegen und nicht in einem Computer gespeichert sind. Ich bitte um Verständnis, dass ich nun nicht Dutzende von Aktenordnern durchblättern mag, um genauere Angaben machen zu können).

Die Angaben zur Zusammensetzung der Bhatkar-diet ist in Hölldobler & Wilson (1990) abgewandelt und sehr vereinfacht: Enthalten seien 1 Gramm Vitamine und 1 gr Mineralien und Salze. Nicht erwähnt sind Zusätze von künstlichen Aroma-und Farbstoffen sowie Konservierungsmitteln.
Im Original von Bhatkar & Whitcomb finden sich dagegen exakte Angaben zur Zusammensetzung der verwendeten Vitamin-Mineral-Kapseln (Herstellerangaben!).

Bhatkar-diet.jpg
Original-Bjatkar-diet
Doch schränken die Autoren direkt ein, dass „die exate Rolle der Vitamine und Minerale nicht bekannt ist, doch wenn in einer Reihe von Versuchen diese Kapseln weggelassen wurden, war die Diät definitiv weniger zufrieden stellend.“
Ich muss erwähnen, dass es uns bereits 1988 nicht mehr gelang, Die von B.&W. 1970 verwendeten Vitaminpillen (McKesson Bexel) aus den USA zu bekommen. Verschiedene Fabrikate, die wir als Alternativen in Erwägung zogen, enthielten bestimmte Vitamine in extrem unterschiedlichen Dosierungen, in einem Fall war die Menge eines Vitamins in einer Pille 10.000 mal (zehntausend!) größer als in einer anderen.

Bei diesem Grad an möglicher „Genauigkeit“ und Reproduzierbarkeit sowohl der Ergebnisse von B. & W. als auch anderer Forscher, die diese („Standard“-!) Diät benutzt haben, kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln. :roll:
B.& W. haben 30 Ameisenarten mit ihrer Diät im Labor gehalten („reared“). Nur mit Prenolepis imparis und Lasius neoniger gelang es nicht, Geschlechtstiere aufzuziehen. „Bei 17 Arten war der Fortpflanzungserfolg weit höher als bei Ernährung mit jeder anderen Diät.“ - Es ist nicht angegeben, welche anderen Diäten das waren. Auch fehlt jegliche Angabe über die Dauer der Haltung: Ob sich Geschlechtstiere aus in der Haltung abgelegten Eiern entwickelt haben, oder ob man aus dem Freiland Völker mit bereits großen Larven entnommen und diese bis zum Puppenstadium hat aufziehen lassen. Keine Angaben zur Anzahl der Wiederholungen mit den einzelnen Arten.
Aber: „Fünf Arten wurden mit der Diät nur mit Schwierigkeiten gehalten. Doch mit „proper care“ wurden fortlaufend Geschlechtstiere erhalten.“ Darunter waren, man staune: Die Heeresameise Neivamyrmex opacithorax, und Trachymyrmex septentrionalis,eine der „niederen“ Attini!

„So kann eine, auch noch im Ansatz miserable, Veröffentlichung über Jahrzehnte Unheil stiften.“ – Das schrieb ich im Ameisenwiki bereits im Mai 2006!
In dem laufenden Thread im Fc-formiculture Forum wird wieder einmal festgestellt, dass die wiss. Ameisenforschung für die Ameisenhaltung wenig oder nichts Brauchbares liefere. :crazy:
Aber gerade am Beispiel der m.o.w. künstlichen Diäten zeigt sich, dass die Ameisenhaltung sich doch sehr wohl aus den wiss. Veröffentlichungen bedient. Was fehlt, ist die kritische Auswahl dessen, was man übernehmen oder ablehnen sollte! :(

MfG,
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Re: Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Merkur » Freitag 14. April 2017, 19:39

Noch ein aktueller Beitrag aus dem Thread:
http://www.formiculture.com/topic/5175- ... s/?p=57774
("Formicarius": "there needs to be a clear cut between Mymecology and hobbyist ant keeping")

So weit ist man also im formiculture-Forum inzwischen gediehen: Man diskutiert die Meinung, dass eine klare Trennung von Myrmekologie und Ameisenhaltung notwendig sei.
In der Tat haben sich ja die wissenschaftlich arbeitenden Myrmekologen fast alle längst zurückgezogen, aus deutschen ebenso wie amerikanischen Foren, wobei viele sich schon gar nicht mit den Halterproblemen abgeben mochten und mögen. Ich kann die Kollegen nur zu gut verstehen! :roll:

MfG,
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Re: Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Teleutotje » Samstag 15. April 2017, 00:12

Ach Professor. If you see all who participates in that discussion.... One of the reasons I did quit that forum. I left most forums except two of them because of this type of people.... But the meanest are those of a Dutch forum. Some members there hate it now that all my posts are deleted now, they were the most interesting parts of those discussions....

This forum here is still one of the best now that some are gone...
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Re: Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 15. April 2017, 08:43

I did not even realize, that you are such a bad guy there Marc.
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Re: Hobbyist Ant Keeping Myths

Beitragvon Teleutotje » Samstag 15. April 2017, 09:40

Oh yes, as bad as I can be!!!

But it is funny.... While one of them is saying that science is "bad" and should stay out of this kind of forums, surprice, one gives a link to this topic, started by our dear Professor, for more scientific information... And that science-"hater" is linked to one of the people he "hates"... But he shows how much he cares about his ants,... doesn't care to keep them the best he can do! Pfffffff!
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