Verfrühte Frühlingsboten?

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Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Merkur » Freitag 12. Januar 2018, 18:18

Vorgestern (10. Jan.18) flog eine Hummelkönigin (Bombus terrestris) bei uns im Garten, um die Mittagszeit bei 11°C und zeitweilig Sonne.

Gestern, (11. Jan.) entdeckte ich gegen 10:00 beim Hochfahren des Garagentors direkt auf der Betonschwelle ein Weibchen des Bergmolchs. Es war gut genährt und unbeschädigt, wenn auch weit weg vom Teich (der ist auf der Rückseite des Hauses). Habe das Tierchen in der Nähe vom Teich in niedere Vegetation entlassen. (Unsere Molche sind allerdings ja bei passender Gelegenheit den ganzen Winter über auf Nahrungssuche).

Heute gegen 14:00 bei 6°C und Bewölkung krabbelte eine Lasius cf. brunneus-Arbeiterin an einem Rosenstrauch im Garten hoch. Ich war beim Schneiden der Rosen und konnte sie mit den dicken Handschuhen nicht greifen. Aber nach dem Farbeindruck war es wohl diese Art.

Der Witterungsverlauf wird immer merkwürdiger. Wohl dem, der eine gute Innere Uhr hat:
Gerade für die Hummel bedeutet das Umherfliegen eine enorme Energieverschwendung, denn es blüht ja noch nichts, wo sie nachtanken könnte! Und auch die Lasius hat wohl vergeblich nach Blattläusen und Honigtau gesucht. :roll:

Man kann nur hoffen, dass nicht noch ein massiver Kälteeinbruch kommt! (Heuer möchte ich mal wieder Äpfel ernten)

MfG,
Merkur
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon swagman » Sonntag 14. Januar 2018, 12:22

Hallo Merkur.

Bei mir im Garten blüht Helleborus niger und wurden während der warmen Tage auch schon reichlich von Honigbienen angeflogen.
Allerdings ist das Nahrungangebot derzeit wirklich noch sehr begrenzt. Zudem wir der Winter noch lange nicht vorbei sein.
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Reber » Sonntag 14. Januar 2018, 19:29

Gestern ist mir die erste blühende Schlüsselblume in meiner Nachbarschaft aufgefallen. Allerdings ein absoluter Ausnahmefall. Die Rasen der umliegenden Siedlungen sind mit den Pflanzen durchsetzt und uns sonst blüht nichts.

Dass Bienen, die den Winter ja in einer wärmenden Traube verbringen, vereinzelt Ausflüge (Reinigungsflüge) unternehmen, sobald es Sonnig und über 10°C wird ist die Regel. Um den Bienenstand habe ich ebenfalls Christ- bzw. Schneerosen und Winterlinge angepflanzt - meine blühen leider noch nicht. Aber die Pflanzen sind bestimmt eine willkommen Nahrungsquelle für "Frühaufsteher".

Hummelköniginnen sind ebenfalls in der Lage, sich und ihre Brut zu wärmen und sie fliegen schon/noch bei kühlerem und schlechterem Wetter als die Honigbienen... Hoffen wir, dass das warme Wetter für sie nicht zur Todesfalle wird...
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Boro » Donnerstag 18. Januar 2018, 18:19

In den Nachrichten höre ich gerade vom Sturmtief in Holland und Norddeutschland.......
Heute gab es bei uns den ersten wirklich schönen Tag seit langem: wolkenlos, eine leichte Föhnbrise aus W, 8°C; diese Situation habe ich ausgenützt um nach ersten möglichen Frühlingsboten zu suchen, nicht weit: hinauf auf 700-800 m, nur 4°und nirgends Schnee, den gibts schon länger nicht mehr. Nun, viel war nicht los, ein paar Arbeiterinnen von F. polyctena und F. pratensis auf den jeweiligen Nesthügeln. Das ist aber normal, die findet man fast immer.
Bei meinen morgendlichen Wanderungen mit dem Hund habe ich festgestellt, dass man im Wald seit etwa 2 Wochen Vogelgezwitschter hören kann, bis dahin war es eigentlich stumm. Heute habe ich den ersten Specht bei seiner Zimmermannsarbeit gehört...........erste Anzeichen, dass es bald "los" geht!
L.G.
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Reber » Mittwoch 24. Januar 2018, 21:32

24. Januar 2018: Während in höheren Lagen das ganze Land in Schneemassen versinkt, hält im Mittelland der Vorfrühling Einzug. Die Handy-Bilder stammen von heute Mittag:
Haselblüht.JPG
Hasel-"Kätzchen"

Die Hasel (Corylus avellanna) ist eine der ersten einheimischen Pollenlieferanten. Dass die Sträucher bereits Ende Januar blühen, ist nichts aussergewöhnliches. Obwohl die Stauden so weit (sie stauben bei Berührung) sind und bei den Bienen starker Flugbetreib herrschte, konnte ich noch keine Bienen an den Blüten sehen und auch keine gelben Pollenhöschen bei den Heimkehrerinnen.
Bienen Januar 2.JPG
Bienen am Flugbrett
Bienen Januar.JPG
Katze hilft.JPG
"Kätzchen" am Flugbrett


Soweit wäre also alles normal. Eher ungewöhlich - und ein erneuter Hinweis auf den deutlich zu warmen Januar - ist dagegen die Tatsache, dass bereits Schneeglöckchen, Schlüsselblumen und sogar Märzglöckchen (Leucojum vernum) blühen - und sogar von ersten Wildbienen besucht werden!

Wildbiene am 24 januar.JPG
Wildbiene an Märzgöckchen am 24.1.2018
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Reber » Sonntag 28. Januar 2018, 18:25

Heute, 28. Januar, über 10 °C, in der Sonne deutlich mehr. Krokusse, Schneeglöckchen und Winterlinge blühen... Und die ersten Ameisen (Formica fuscocinerea) fouragieren auf Bäume.
Krokusse.JPG
Formica fuscocinerea.JPG
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Merkur » Dienstag 30. Januar 2018, 10:59

Lasius cf. brunneus und Lasius fuliginosus sind "aufgewacht"!

Gestern, 29. Jan. 2018, fand ich in anderen Foren Hinweise auf eine Lasius-Art, wahrscheinlich L. brunneus (evtl. auch L. emarginatus, nach den Bildern nicht unterscheidbar), die im südlichen Oberrheingebiet bereits an Bäumen hochlief, und auf Lasius fuliginosus, die ebenfalls bereits an dem von ihr bewohnten Baum aktiv war. Sehr früh im Jahr!
Edit: Heute gegen Mittag, bei Sonne, fliegt die erste Xylocopa violacea (Blaue Holzbiene) bei uns im Garten (Südhessen, Reinheim).

Und jetzt, vom Nachmittag, kommen die Frühlingsbilder:

1-Hamamelis-G-277.jpg
Hamamelis
Die Zaubernuss im Garten ist voll erblüht!

2-Syrphide-BG-284.jpg
Syrphide
Auf den Krokussen sammeln neben Honigbienen auch schon Schwebfliegen.

3-Galanthus-BG-288.jpg
Galanthus
Da hat es uns nicht gehalten: Rasch zum Botanischen Garten!
Die üppige Fülle von Schneeglöckchen erfreut jedes Jahr von Neuem!

4-Eranthis-BG--292.jpg
Eranthis hyemalis
Und wirklich zauberhaft ist die große Wiese mit den Winterlingen!

5-Sciurus-BG-290a.jpg
Sciurus
Das Eichhörnchen genießt die Sonne. Es scheint hier allerdings noch
Plastikfolie für den Kobel zu sammeln?

MfG,
Merkur
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Re: Verfrühte Frühlingsboten?

Beitragvon Reber » Dienstag 30. Januar 2018, 22:37

Was sich aus dem Thema hier schon erahnen liess, ist nun "amtlich". Wärmster Januar seit Messbeginn (im Mittelland):

Der Januar 2018 dürfte sich als der wärmste seit Messbeginn in die Geschichtsbücher einreihen. Dank einer milden letzten Januarwoche hielten sich die Temperaturwerte auf Rekordniveau oder legten sogar nochmals ein bisschen zu.

Es werden Rekorde gebrochen, die teils sehr lange Zeit zurückliegen, wie beispielsweise jener von Genf aus dem Jahr 1834 oder aus Luzern aus dem Jahr 1921. Je nach Messstation werden die bisherigen Rekorde um ein Grad übertroffen.

(...)

Auf dem Säntis z.B. lag laut Meteonews die durchschnittliche Temperatur zwischen 1981 und 2010 bei minus 6,9 Grad. In diesem Jahr lag sie bei gerade mal minus 5,3 Grad.

Und die Messstation beim Flughafen Zürich kam auf einen Durchschnittswert von 5 Grad in diesem Jahr – im Vergleich zu 0,2 Grad im langjährigen Schnitt ein Plus von 4,8 Grad. Auch in Bern, Basel, Luzern oder St. Gallen wurden im Vergleich zu früheren Jahren über 4 Grad mehr gemessen.

https://www.bernerzeitung.ch/panorama/v ... y/15232846
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