Binnendünen in der Oberrheinebene bei Darmstadt

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Binnendünen in der Oberrheinebene bei Darmstadt

Beitragvon Merkur » Dienstag 12. Januar 2021, 15:53

Einst war der Oberrheingraben von Basel bis Mainz eine Schwemmebene mit zahllosen Gewässern, Altrheinarmen, der Neckar strömte parallel zum Rhein, der Main gesellte sich hinzu,
und viele kleinere Flüsschen und Bäche gliederten die Landschaft. Etwas höhere Bereiche waren dicht bewaldet. Flugsand, während der letzten Eiszeit aus den Flussbetten geweht, wurde in der Ebene
abgelagert, wo er recht ausgedehnte Binnendünen bildete. Heute ist die Region dicht besiedelt, die Gewässer sind kanalisiert oder trocken gelegt, die meisten Flächen sind entwaldet und dienen
dem Anbau von Gemüse, vor allem auch Spargel, während die Siedlungen die höher gelegenen Bereiche erobern. Nur wenige der Dünen sind noch erhalten und heute als Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Am sonnigen Sonntag (10. Jan.) haben wir einen solchen Bereich, die Griesheimer Düne (südl. von Darmstadt) abgewandert.
Vor 30-40 Jahren war ich da öfter, als das Gelände noch frei zugänglich war. Es gab interessante Ameisen, eine größere Zahl von Nestern der Wiesen-Waldameise (Formica pratensis), Solenopsis fugax,
Tetramorium cf. caespitum und vieles andere. Die sind vermutlich auch noch vorhanden, doch wurden große Teile der Dünenlandschaft mit Elektrozäunen abgesperrt, weil man Esel darauf angesiedelt hat:
Sie sollen die seltenen Arten der Sandflora fördern. Die folgenden Bilder mögen einen Eindruck vermitteln:

1-NSG-Griesh.Düne_393.jpg
Einige Meter hoch sind die Dünen. Die Kiefern haben schwer zu kämpfen.
2-NSG-Griesh.Düne_394.jpg
Auf den freien Flächen grasen Esel.
3-NSG-Griesh.D.Esel-395.jpg
Im Hintergrund eine Aufforstungsfläche.
4-NSG-Gr.Düne-Esel_396.jpg
Nette Tiere, die auch von Spaziergängern fleißig fotografiert wurden.
5-NSG-Gr.Düne_398.jpg
Bei sinkender Sonne wirkt alles besonders plastisch.
Auffällig ist, dass inzwischen die zwar vereinzelt stehenden, aber früher prächtigen Waldkiefern arg geschädigt sind. Grundwasserabsenkung dank Wasserentnahme
für die angrenzenden Großstädte dürfte die Ursache sein. Viele Bäume sind abgestorben, manche davon vom Sturm gefällt. Man lässt der Natur ihren Lauf. Es ist ein recht großes NSG,
doch meist sieht man bereits die Siedlungen am Horizont. Nach Osten begrenzt der Odenwald das Blickfeld, und an den Grenzen des NSG beginnt abrupt die Landwirtschaft.
Das sieht dann u.a. so aus:

6-Gr.Düne-Erdbeerf._397.jpg
Gerüste für Folientunnel über Erdbeerbeeten
Im Frühjahr bedecken sie Erdbeerkulturen so weit das Auge reicht. Daneben erstrecken sich jetzt im Winter öde Spargelfelder und abgeräumte Gemüseäcker.
Man muss froh sein, dass wenigstens die Naturschutzinseln in dieser Landschaft noch eine Erinnerung an die ursprünglichen Verhältnisse bewahren. :roll:
MfG,
Merkur
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