Messor capitatus: thelytoke Parthenogenese

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Messor capitatus: thelytoke Parthenogenese

Beitragvon Merkur » Mittwoch 13. Dezember 2017, 18:25

Ein User im AF hat kürzlich einen Thread von 2012 ausgegraben, in dem ich seinerzeit berichtet hatte, dass Arbeiterinnen von Messor capitatus Eier legen können, aus denen sich nicht Männchen, sondern weitere Arbeiterinnen entwickeln:
https://www.ameisenforum.de/thelytoke-p ... 46338.html
(Genauer gesagt stand das auch schon mal 2003 im damaligen Ameisenforum, ist jetzt aber wohl nicht mehr zugänglich; entdeckt und beschrieben wurde es bereits 2000).
Dank Boro fand diese Eigenschaft von M. capitatus auch Eingang in die „Artenbeschreibung“ im AF: https://www.ameisenforum.de/messor-capi ... ml#p172421

Die Originalarbeit von Grasso & al. (2000): Thelytokous worker reproduction and lack of Wolbachia infection in the harvesting ant Messor capitatus. – Ethology Ecology & Evolution 12, 309-314. Hier einzusehen: https://bio.kuleuven.be/ento/pdfs/gwmlmbeee2000.pdf

Die bereits früher geäußerte Anregung für Halter von Messor capitatus möchte ich hier mal wiederholen, denn ich halte es für ein wirklich interessantes Experiment, wenn man ohnehin ein großes Volk sein eigen nennt:

Man nimmt eine Anzahl von Arbeiterinnen aus dem Volk, möglichst ohne Eier und Larven, und hält sie in einem kleinen, schlichten Formikar bis Eier erscheinen und bis diese sich zu Adulten entwickelt haben.
Nachdem jüngere Arbeiterinnen generell besser entwickelte Ovarien haben als alte, empfiehlt es sich, die Arbeiterinnen für das Experiment aus dem Stammnest zu entnehmen, wenn die Arbeiterinnen-Aufzucht in vollem Gang ist.
Auch sollte man nicht nur furagierende Außendienst-Tiere entnehmen, sondern Arbeiterinnen aus dem Nest nehmen: Die jüngeren, mit voll entwickelten Futtersaftdrüsen, befinden sich dort als Brutpflegerinnen!
In der Originalarbeit wurden Versuchsgruppen aus je 350 Arbeiterinnen gebildet (die aus Freilandnestern entnommen wurden)-
Nach ca. 1 Monat erschienen Eier in den Versuchsgruppen, bei 25 °C und üblicher Fütterung.
Rund 55 Tage danach schlüpften Arbeiterinnen, wonach sich die Eiablagerate vergrößerte.
In den folgenden 10Monaten entstanden gegen 200 Arbeiterinnen, aber keine Männchen. Erst später wurden dann auch einige Männchen neben weiteren Arbeiterinnen aufgezogen. Durch Sezieren von Arbeiterinnen wurde gezeigt, dass sie keine Receptacula besaßen, dass also aller Nachwuchs auf Parthenogenese beruhte.
(Die im Titel erwähnten Wolbachia-Bakterien spielten bei dem Versuch keine Rolle; sie waren in den Versuchstieren nicht nachzuweisen).

Vielleicht kann doch mal der eine oder andere Halter von Messor capitatus das Experiment nachstellen? :)

MfG,
Merkur
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