Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Hier können allgemeine Fragen zum Thema Ameisen, sowie zu europäischen Ameisenarten gestellt werden.

Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Campino » Donnerstag 24. Juli 2014, 03:06

Hallo,

ich war am 5. Juni wandern im Fichtelgebirge. Der Gipfel des Ochsenkopfs liegt ca. bei 1000m und genau dort fand ich meine Camponotus ligniperdus Gyne.

Etwa 2 Tage später lag sie einen kleinen Eierhaufen in ihrem Reagenzglas. Bald darauf schlüpften auch die ersten Larven.
Bis dahin lief alles wie gewohnt...

Wir haben jetzt den 24. Juli und die Larven wachsen nun seit ca. 4 Wochen nicht mehr. Sie haben einen kleinen Wachstumsschub gehabt, das war es aber.

Das ganze erinnert mich an die Vorbereitungen zur Winterruhe. Ob das was damit zu tun hat, dass es auf 1000m Höhe schneller kälter wird und dies völlig normal ist?! Das heißt dann aber auch das diese Gynen ca 10-11 Monate ohne Nahrung auskommen müssen und nach der Winterruhe die Larven aufziehen muss.

Die Temperatur liegt bei ca. 24 Grad und sie ist, wie gesagt, in einem Reagenzglas untergebracht.
Zusätzlich habe ich sie vor etwa einer Woche mit einem Heimchen gefüttert, welche sie auch dankend annahm.
Die Larven werden dennoch nicht größer.

Was haltet ihr davon?
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Re: Camponotus ligniperdus Winterruhe

Beitragvon Boro » Donnerstag 24. Juli 2014, 08:13

Die fehlende Weiterentwicklung der Brut ist sicher keine Vorbereitung auf die Winterruhe. Das hat auch nichts mit der Höhenlage des Fundortes zu tun, in den Alpen kommen schöne Populationen noch deutlich höher vor. Ich vermute, dass es sich um die Haltungsbedingungen handelt, die nicht optimal sein dürften. Da gibt es viele Möglichkeiten, vom Rg, Dunkelheit(?), Feuchtigkeit bis zur Temperatur (Tagesschwankung?) etc.
Hier gibts eine gute Beschreibung der Art: http://ameisenwiki.de/index.php/Camponotus_ligniperdus
L.G.
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Re: Camponotus ligniperdus Winterruhe

Beitragvon Campino » Donnerstag 24. Juli 2014, 11:25

Das komische dabei ist, dass sich Formica rufibarbis, cinerea, Lasius niger und Themnothorax sp. genau an der gleichen Stelle liegen, in den genau gleich präperierten Rg's. Diese Kolonien entwickeln sich sich völlig normal.
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Re: Camponotus ligniperdus Winterruhe

Beitragvon Reber » Donnerstag 24. Juli 2014, 12:07

Bei Camponotus ligniperdus geht die Entwicklung schon langsamer voran, als bei anderen europäischen Arten und die Tiere zeigen Phasen, in denen man denkt, dass überhaupt nichts läuft (kleine Kolonien verlegen ihre Aktivitäten oft in die Nacht).

Trotzdem wäre es hilfreich, wenn du noch genaue Angaben zur Unterbringung und zu den Haltungsparametern machen könntest.

Dass die Gyne ein Heimchen angenommen hat, deutet auch nicht gerade auf ein "Winterruheverhalten" hin. Hast du gesehen, ob sie die Larven auch damit füttert? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass grosse Futterinsekten oder Spinnen zwar oft eingetragen werden, dann aber im Nest vertrocknen oder vergammeln. Falls das zutrifft, kannst du es mit kleinsten Futtertieren (Miniheimchen oder Fruchtfliegen) versuchen, die werden praktisch immer angenommen und verfüttert.
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Re: Camponotus ligniperdus Winterruhe

Beitragvon Campino » Donnerstag 24. Juli 2014, 12:16

Das Heimchen war kein Zeichen der Winterruhe, ich habe es nur veruscht sie damit zu unterstützen, da ich kein Wachstum erkennen konnte. Ich habe das Heimchen zerteilt und sah, wie sie diese schlürfte.

Zu den Haltungsparameter:

Abgedunkeltes Reagenzglas mit Wassertank und mit Watte verschloßen
Tagestemperatur: ca. 24 Grad
Nachttemperatur: ca. 20 Grad
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Re: Camponotus ligniperdus Winterruhe

Beitragvon Reber » Donnerstag 24. Juli 2014, 13:05

Ich meinte nur, wenn die Gyne auf "Winterruhe" umgestellt hätte, hätte sie auf das Heimchen verzichtet.

Die Parameter scheinen zu passen, da würde ich nichts daran ändern. Die Art gründet ja claustral, da muss mit einer noch langsameren Entwicklung gerechnet werden, als wenn man zufüttert. Wenn die Gyne erst am ca. 7. Juni Eier gelegt hat, würde ich mir noch keine Gedanken machen und ihnen etwas Zeit lassen...

Könnte es übrigens sein, dass die Königin dazwischen Brut gefressen hat?
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [Juli]

Beitragvon Campino » Donnerstag 24. Juli 2014, 13:24

Das diese Art eine gewisse Zeit braucht stimmt, es ist auch nicht das erste mal, dass ich diese Art gründen lasse.
Aber knapp 40 Tage vom Ei bis zur kleinen Larve ist einfach zu lange. Irgendetwas scheint einfach nicht zu stimmen.

Das sie ihre Brut frisst, kann ich soweit ich weis, nicht bestätigen. Es sind auch relativ viel Larven, aber sie wachsen eben nicht.
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [Juli]

Beitragvon NIPIAN » Donnerstag 24. Juli 2014, 14:31

Hoi


da die Art einen endogenen Rhythmus aufweist und seit Generationen auf dem Ochsenkopf überlebt, gehe ich davon aus, dass sie an einen kürzeren Aktivitätszeitraum bei niedrigeren Durchschnittstemperaturen und höheren Tagestemperaturschwankungen hat, als Artvertreter in Lebensräumen auf bspw. 300 - 500 Höhenmetern gewöhnt sind.
Die Daten hier http://www.webcam-fichtelgebirge.de/wet ... leckl.html, sind Wetterdaten von Fleckl, 2 km südlich des Ochsenkopfes auf etwa 750 m ü. NN.
Die Daten hier http://www.bayernwetter.de/meteoochs.htm sind die Wetterdaten am Ochsenkopf selbst.
Wenn es irgend geht, sollten die Zyklen imitiert werden.

Ist die Watte, die den Wassertank abtrennt, sicher nicht zu fest eingedrückt? In dem Fall könnte die Feuchtigkeitszufuhr abgeschnitten sein.
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [Juli]

Beitragvon Campino » Dienstag 5. August 2014, 23:05

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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Reber » Mittwoch 6. August 2014, 01:03

Ja, die Angelegenheit scheint weite Kreise zu ziehen. Meine Camponotus ligniperdus haben zwar noch einige grosse Larven. Sie haben ihre Aktivität jetzt aber auch deutlich verringert, hocken tagsüber meist im Nest und tragen kaum mehr Proteine ein.

Eine Hypothese / mögliche Erklärung liefert Merkur hier im "KFKA":

Woher „wissen“ die Ameisen, wann im Sommer/Herbstes Zeit ist, die Brutproduktion zu beenden?
Die beste Hypothese ist, dass nach Produktion einer gewissen Brutmenge, Auftauchen von Jungarbeiterinnen (und evtl. Geschlechtstieren), das „Jahressoll“ erfüllt ist. Abhängig vom Temperaturverlauf seit der letzten Winterruhe ist das früher oder später erreicht. Zu frühes Auswintern, permanente Haltung in optimalen Temp.- und Futterbedingungen (ohne die kalten, nahrungsarmen Schlechtwetterperioden im Freiland!) führen dazu, dass das Jahressoll zu früh erfüllt ist. Die Kolonien werden inaktiv und bereiten sich auf den Winter vor, auch wenn es draußen noch Hochsommer ist!
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 6. August 2014, 08:32

Klingt einleuchtend. Warum sollte auch eine größere Menge Brut entstehen, die vielleicht gar nicht mehr aufgezogen werden kann. Gerade eben bei Arten, die ohne Brut überwintern. Offenbar gibt doch mehr ein innerer Rhythmus die Perioden dafür an.
Das hat sich möglicherweise in der Evolution auch so bei den Tieren durchgesetzt, die eben einem Jahreszeitlichen Rhythmus unterworfen sind.
Nicht nur bei Ameisen....
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Merkur » Mittwoch 6. August 2014, 11:06

Hallo Trailandstreet,
Gerade eben bei Arten, die ohne Brut überwintern
Die einheimischen Camponotus-Arten überwintern alle mit Larven! - Nur damit kein Missverständnis entsteht. ;)

MfG,
Merkur
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 6. August 2014, 12:18

Aha, wieder was dazu gelernt. Aber Eier legen hören sie frühzeitig auf?
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon hormigas » Mittwoch 6. August 2014, 12:37

Ich kann mir schon auch vorstellen, dass die hohen Temperaturen der letzten Zeit das Ameisenleben in der Haltung allgemein beeinflusst hat. Die Nester sind ja nicht unter der Erde und auch ein zurückziehen in kühlere Nestschichten war nicht möglich. Zumindest denke ich mir das bei meinen Ameisen.

Wie sieht denn die Brutentwicklung in der Natur aus? Vielleicht sind diese langen Ruhephasen ja normal.
Immerhin wird dieses Phänomen in mehreren HB´s beschrieben.

LG
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon fehlfarbe » Mittwoch 6. August 2014, 17:53

Meine Camponotus ligniperdus macht auch seit ein paar Tagen auf Winterruhe. Ein paar wenige Puppen waren noch da, ansonsten gibt's nur kleine Larven und ein Großteil der Arbeiterinnen hockt regungslos im Nest. Die letzten zwei Jahre haben sie sich aber auch so verhalten. Anfang/Ende August wurde nur noch Honig angenommen.
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Murkamur » Mittwoch 6. August 2014, 19:02

Wor haben unsere Mitte Mai aus dem Kuehlschrank geholt.
Seit vier Wochen haben auch wir hier in Moskau Temperaturen ueber 30Grad.
Also, bei uns kann von Winterruhe noch keine Rede sein, Futter (Zuckerwasser und Insekten) und Wasser wird aktiv eingetragen.

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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Merkur » Donnerstag 7. August 2014, 09:25

@Murkamur:
"... Mitte Mai aus dem Kuehlschrank geholt." - Das erklärt es doch: Die meisten Ameisenhalter wintern ihre Tiere bereits Ende März aus, also sechs Wochen früher. Entsprechend sind die Völker früher "fertig" mit ihrem Jahresprogramm. :)

Merkur
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Murkamur » Freitag 8. August 2014, 08:01

Merkur,
einverstanden.

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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Xeras » Freitag 8. August 2014, 08:15

Da stellt sich für mich die Frage ,wie lange man eigentlich die kleinen in Winter Modus halten kann ohne dass es ihnen schadet ?

MfG Xeras
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Re: Camponotus ligniperdus - Winterruhe? [im Juli]

Beitragvon Boro » Freitag 8. August 2014, 08:37

Ich kenne das Problem, als ich noch einige Camponotus-Kolonien hielt, setzte ebenfalls vor allem bei C. ligniperdus Inaktivität ein - allerdings erst Anfang September. In der Natur kann man die großen Camponotus-Arbeiterinnen immer noch bis in den Oktober hinein beim Furagieren sehen, aber auch eher vereinzelt.
Der Grund für die frühe Inaktivität in der Haltung liegt eindeutig in den schon oben erwähnten oft optimalen Bedingungen: stets hohe Temperatur u. reichlich Nahrung.
Ich würde jetzt selbstverständlich nicht an eine langsame Einwinterung denken! Ich hielt damals meine Kolonien bei gemäßigten Temperaturen wie bisher. Hin und wieder erschien dann noch eine Arbeiterin um Nahrung od. Feuchtigkeit aufzunehmen. Mitte Okt. wurde dann eingewintert.
L.G.
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