Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich?

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Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich?

Beitragvon meth_576 » Donnerstag 24. Juli 2014, 22:43

Hallo,

hat jemand schonmal versucht eine Pleometrose vom Lasius umbratus mit Lasius niger durchzuführen?

Der Plan ist eine Gründung in Pleometrose durchzuführen. Sind die ersten Pygmäen da wird die Lasius niger entfernt.
Sie soll mit zufütterung neu gründen, dass sollte meiner Erfahrung nach keine Probleme geben.

Ich habe vor etwa einer Woche je eine Gyne umbratus und niger gefangen, herabgekühlt und zusammengesetzt.
Soweit scheinen sie sich gut zu verstehen, aber ich konnte noch nicht beobachten ob die niger Gyne die andere füttert.
Ist das nicht der Fall wird die Lasius umbratus sicher verhungern bis die ersten Pygmäen da sind.
Bei Lasius flavus konnte ich nach zufüttern von Gynen, die im Pleometrose gründeten, feststellen, dass diese sich gegenseitig fütterten.

Meine Frage ist die:
Hat das schonmal jemand versucht?
Ich muss zugeben, dass ich nach kurzer, erfolgloser Suche im Netz aufgegeben habe. Daher ist mir nicht bekannt ob Erfahrungsberichte vorliegen.

Wie schätzt ihr die Erfolgswahrscheinlichkeit ein?
Im letzten Jahr sind mir zwei Gynen bei regulären Gründungsversuch eingegangen. Allerdings hatte ich die Arbeiterinnen (niger) im Garten gefangen und nicht herabgekühlt.
Ich denke es war fast vorprogrammiert dass es nicht klappt. Naja man lernt dazu :)

Danke schonmal.
Schöne Grüße
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meth_576
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Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich?

Beitragvon Trailandstreet » Freitag 25. Juli 2014, 11:12

L niger kann man unter Umständen in Pleometrose gründen lassen. Geht aber über kurz oder lang meistens schief. Ich glaub ehrlich gesagt nicht, dass sie die andere Gyne füttert, da sie ja wenn, dann eine andere Gyne neben sich hat, die sie nicht füttern muss.
Evtl wäre L flavus die bessere Wahl, aber da könnte es das gleiche sein.

edit:
In Pleometrose gründende Gynen, die normalerweise claustral gründen, füttern eigentlich nur gemeinsam die Brut. Warum sollten sie sich gegenseitig füttern?
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Re: Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich

Beitragvon meth_576 » Freitag 25. Juli 2014, 13:26

Ja, das hatte ich mich auch gefragt.
jede Gyne kämpft selbst ums überleben, warum sollte sie die anderen füttern?
Deshalb habe ich oben geschildert, dass ich das schon mal bei Lasius flavus beobachtet habe.
Bei Lasius flavus macht dieses Verhalten auch Sinn, da das Volk polygyn bleibt.
Füttern sich Lasius niger gegenseitig würde das bedeuten, dass sie einen Zukünftigen Kontrahenden helfen.

Aber: Die Auswahl welche Gyne überlebt wird von den Arbeiterinnen getroffen.
Es kann daher für die Art Lasius niger vorteilhaft für das Überleben sein wenn viele der Gynen durchkommen und danach die geeignete Gyne von den Pygmäen selektiert wird.

Aber es ist ehr zweifelhaft, dass sich Lasius niger Gynen gegenseitig füttern, deshalb meine Frage ob dies schonmal beobachtet wurde.

Schöne grüße
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Re: Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich

Beitragvon Reber » Freitag 25. Juli 2014, 13:42

Zur Sache selbst, kann ich nichts gesichertes sagen, ich habe es nie ausprobiert.
Ich bin aber schon sehr verwundert, dass sich die Gynen gegenseitig akzeptieren! Lasius umbratus dringt ja normalerweise selbständig in Kolonien ihrer Wirtsameise ein und tötet dort die Gyne selber (oder "lässt" sie von den Wirtsameisen umbringen). Sie wird dort sofort von den Wirtsameisen gefüttert. Ich bezweifle, dass sie genug Reserven hat, um die ersten Pygmäen zu erleben...
Ich könnte mir darum vorstellen, dass eine Gründung mit einigen weisellosen L. niger mit Brut (die ja später von der L. umbratus gefressen wird) erfolgesversprechender verlaufen sollte.
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Re: Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich

Beitragvon Trailandstreet » Freitag 25. Juli 2014, 13:46

Nachdem laut den bekannten Bereichten Pleometroseversuche mit Lasius niger eher scheitern, denk ich nicht, dass das vorkommt.
Ich würd ihr lieber noch Puppen aus einer Kolonie besorgen. Vielleicht hast Du ja welche im Garten oder so.
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Re: Pleometrose von Lasius niger und Lasius umbratus möglich

Beitragvon Merkur » Freitag 25. Juli 2014, 15:30

Jetzt muss ich doch mal das Fläschchen mit den Wermutstropfen auspacken. ;)

Zuerst mal: Meines Wissens hat das noch niemand versucht, eine parasitische und eine selbständig gründende Lasius in „Pleometrose“ gründen zu lassen. Zumindest kenne ich kein Literaturzitat, und kann mich auch nicht erinnern, dass jemand in einem der Foren darüber berichtet hätte. Wäre insofern „Neuland“.

Aber: Wie sicher ist es denn überhaupt eine Lasius umbratus-Gyne? Könntest Du mal ein Bild von den beiden Gynen zeigen? – Falls es eine der anderen parasitischen Chthonolasius-Arten ist, wäre L. niger auch nicht die geeignete Wirtsart.

So habe auch ich Bedenken, ob der Versuch gelingen kann. Besser wäre es in jedem Fall, einige Parallelversuche zu machen.

Zur Pleometrose
von Lasius niger gibt es einige Veröffentlichungen bereits aus den Jahren 1904 und 1913 (v. Buttel-Reepen), 1928 (Eidmann) usw., bis 1965 (Gaspar). Allen gemeinsam ist das Ergebnis: Die Gynen pflegen (putzen, belecken, …) sich gegenseitig, versorgen gemeinsam die Eier und Larven, und bei Erscheinen der ersten Arbeiterinnen beginnen sie sich zu bekämpfen. Die Arbeiterinnen „ergreifen die Partei der Stärkeren“, bis nur noch eine Königin übrig bleibt. (Manche Gynen flüchten aus der Gründungskammer und irren zur Unzeit (Spätsommer, Herbst) am Boden umher. Das hat zu der falschen Annahme geführt,dass L. niger-Gründerköniginnen auf Nahrungssuche gehen.)

In einer Diplomarbeit (B. Mura 1973, Uni Bonn, 137 Seiten) wurde die Nahrungsverteilung innerhalb solcher Gynen-Gruppen (1 Monat nach Hochzeitsflug und Vergesellschaftung von je 5 Gynen, noch keine Arbeiterinnen, 10 Wiederholungen) mittels radioaktiv markierten Honigwassers untersucht:
Bereits nach 24 Stunden hatte die jeweils eine gefütterte Gyne alle anderen mit ihrem radioaktiven Kropfinhalt versorgt.

Die Frage nach dem Sinn dieser Futterverteilung ist insofern ziemlich akademisch, als bei L.niger in der Natur kaum je eine so große Gruppe von Gynen zusammen gründet, und als dort niemand eine der Gynen füttert. Das Ergebnis der Versuche ist also eher ein Artefakt als ein Hinweis auf evtl. natürlich vorkommendes Verhalten.

MfG,
Merkur
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