In Richtung Überwinterung…

Hier können allgemeine Fragen zum Thema Ameisen, sowie zu europäischen Ameisenarten gestellt werden.

Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Reber » Montag 15. Dezember 2014, 02:35

Hallo Paul,
ich verstehe nicht ganz, wieso du denkst, du handelst entgegen dem Ratschlag von Merkur? Es ist m.E. absolut richtig, dass du deine Camponotus ligniperdus jetzt bei kalten Temperaturen in der Winterruhe hältst! In der Natur halten es die Tiere zur Zeit nicht anders. Die (nicht) Aktivität deiner Ameisen hast du von dem her auch ansolut richtig gedeutet. Lass sie doch einfach bis Ende März in dem Modus...
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Trailandstreet » Montag 15. Dezember 2014, 09:08

Das sehe ich auch so wie Reber. Natürlich ist jetzt Winter und damit mal vorerst Schluss mit großartigen Aktivitäten. Dass Larven vorhanden sind, sehe ich jetzt nicht als ein großes Problem an.
Mit Larven überwintern, ist auch kein Problem. nur Formica überwintert ohne Brut. Bei meiner Myrmica Gründerkolonie zB sind zwar die paar Larven, die sie noch hatten verschwunden, aber die haben wohl ihren Zweck als Vorrat erfüllt.
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon 14paul » Montag 15. Dezember 2014, 11:12

So erst mal muss ich mich entschuldigen weil ich zu blöd bin meinen eigenen Text mit korrekten Daten auszustatten. :crazy:

Also ich hab meine C. ligniperdus nun schon seit 1 MONAT und 2 WOCHEN im Kühlschrank.

Äh und könntet ihr bitte vergessen was ich im letzten Thread geschrieben habe :D. Ich glaub vom vielen lernen werde ich wirklich noch verrückt :crazy: .
(Mir ist 1000% klar, dass Mitte Dezember eine Zeit ist, wo jede in Österreich heimisch lebende Art schon längst in der Winterruhe sein sollte)

Trotz alledem habe ich tatsächlich eine Frage die hoffentlich nicht ganz so idiotisch ist wie meine letze Frage.....

Führt der endogene Rhythmus, wenn das Wetter sehr mild im Herbst ist (wie es dieses Jahr bei uns ist), dazu dass die Larven Energie verlieren, dadurch dass sie ihren Stoffwechsel nicht reduzieren können? Und falls diese Frage stimmen sollte, müssten wir als Halter, dann die Temperatur künstlich senken damit die Parameter perfekt stimmen oder sollte man es trotzdem bei den natürlichen Temperaturen belassen ? und sind konstante Temperaturen nicht besser, als schwankende?


Ich hoffe ihr könnt darüber hinweg sehen, dass mein Hirn gestern in anderen Spähren war, wie ich meine gestrige Frage formuliert habe und ich wünsche euch noch allen einen schönen Montag.

So und jetzt muss ich wieder zurück zu Anthropologie :).

PS: Danke für eure Antworten :)
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Reber » Montag 15. Dezember 2014, 17:49

Zu deinen Fragen: Ich finde sie überhaupt nicht „idiotisch“. Und ich kann sie selber nicht wirklich beantworten - hoffen wir, dass sich noch ein Experte zu Wort meldet. Es gibt Versuche von Prof. Hölldobler die belegen, dass Camponotus ligniperdus auch dann eine Winterruhe einlegen, wenn sie über den Winter warm gehalten werden und ebenso wieder selbständig daraus erwachen. Was umgekehrt nicht heisst, dass hohe Temperaturen nach einer längeren Kälteperiode die Tiere nicht wieder munter werden lassen bzw. anhaltende Kälte die Tiere in der Winterruhe hält. Im Ameisenwiki gibt es dazu speziell einen Artikel: http://ameisenwiki.de/index.php/Winterr ... B6lldobler

Diversen Haltungsberichten kann man entnehmen, dass die Art manchmal schon im (Spät-)Sommer mit der Winterruhe beginnt und sie erst im Frühjahr wieder beendet. Die Larven scheinen diese (teilweise) warmen Winterruhen unbeschadet zu überstehen. Ich kann aber nicht beurteilen, ob sie so mehr Energie verbrauchen.
Schwankende Temperaturen sind jedenfalls natürlich und werden vielen Ameisen überhaupt erst das „Signal“ geben, dass sie sich auf die Winterruhe (und nicht bloss auf eine Schlechtwetterperiode) einzustellen haben. Dazu zitiere ich gerne Merkurs Hypothese:

Damit ein „Signal“, zum Beispiel „niedrige Temperatur“, eine entsprechende Reaktion im Körper auslösen kann, muss wieder eine so hohe Temperatur erreicht werden, dass der Organismus z.B. Frostschutz-Substanzen synthetisieren oder bestimmte Hormone ausschütten kann, oder dass Larven ihre Hämolymphe „eindicken“, entwässern können.
Das „Signal“ (niedrige Nachttemperatur) muss in mehrfachem Wechsel mit der für die „Reaktion“ notwendigen höheren Temperatur auftreten, damit der Organismus sich „dauerhaft“, eben für die ortsübliche Zeit der Winterruhe, darauf einstellen kann. (Im Frühjahr läuft es umgekehrt, bis zur Beendigung der Winterruhe).


Wenn der „Modus“ also einmal erreicht ist, wird eine konstante Kühlschranktemperatur den Ameisen nichts anhaben. Bei weniger frostharten Arten, kann es sogar ein Vorteil sein, dass die Temperaturen im Kühlschrank nicht unter den kritischen Punkt fallen können.

Meine persönliche Erfahrung mit diversen Arten: Wenn sie einmal „auf Winter gestellt“ haben, bleiben sie auch bei ein paar schönen Tagen, wenn es in der Winterkiste bis zu 20 C° warm wird absolut ruhig. Sie können eben möglicherweise gerade am Temperaturverlauf erkennen, dass es noch nicht Zeit ist, wieder aktiv zu werden.
Ich denke, du bringst deine Ameisen mit beide Arten gut über den Winter.
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 24. Dezember 2014, 08:47

Die Box hält sich erstaunlich gut. Die Temperatur drinnen ist bisher nur bis plus 1,4°C gefallen, während es im Dachboden selbst bereits -0,3°C hatte.
Der besteht aber auch nur aus der Dachdeckung mit Schindeln und sonst nichts. Bin gespannt, ob die Temperaturen noch weiter fallen oder ob ich die Box dort lassen kann.
Der Deckel ist übrigens auch alles andere als dicht, so bekommen sie immer noch genügend Sauerstoff.
Die Feuchtigkeit hält sich auch zu meiner Zufriedenheit. Ich hab sogar extra noch einen Becher Wasser rein gestellt um die Luftfeuchtigkeit noch etwas zu erhöhen. Die kleinen Nester hab ich aber zur Sicherheit auch noch etwas besprüht. (Nussnester der Temnos)
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Merkur » Mittwoch 24. Dezember 2014, 11:37

Die von Temnothorax nylanderi bzw. T. crassispinus bewohnten Eicheln liegen in der kalten Jahreszeit meistens unter Falllaub, wo es auch an trockenen Tagen feucht bleibt. – Ich habe alle Temnothorax-, Leptothorax- und Sozialparasiten-Arten immer sehr feucht überwintert; es darf nur nicht nass werden (was an einem glänzenden Wasserfilm erkennbar ist). Man kann z. B. feuchtes Küchenpapier über die Formikarien (oder Reagenzgläser) legen. Bei der wöchentlichen Kontrolle sind die dann ggf. nachzufeuchten.
Frost spielt bei den einheimischen Arten keine Rolle. Im Freiland kann man bei Frost Leptothorax- und Temnothorax-Nester finden, in denen alle Tiere komplett von kleinen Eiskristallen überzogen sind.
Da die üblichen Behälter nie ganz luftdicht sind, ist durch Kontraktion bzw. Expansion der Luft schon bei geringen Temperaturänderungen immer eine ausreichende Belüftung gesichert.
Lediglich in höheren Kunststoff- oder Glasformikarien kann sich Kohlendioxid am Boden ansammeln und die Tiere ersticken. Wenige winzige Löcher in Bodennähe bzw. eine eingeklebte Drahtgaze schaffen Abhilfe.

MfG,
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Merkur » Samstag 15. Oktober 2016, 16:48

Winterruhe und Frost bei Ameisen

Ameisen vertragen Minusgrade, zum Teil sogar strengen Frost! Zumindest die aus den Mittelbreiten und aus Nordeuropa bzw. Nord-und Nordostasien sowie aus entsprechenden Klimazonen Nordamerikas.
Auch Ameisen aus den Tropen sind Frost-Temperaturen ausgesetzt, wenn sie in entsprechenden Höhen der tropischen Gebirge leben.

Das muss wieder einmal betont werden, da man in den Foren zu diesem Thema teilweise höchst unsinnige „Meinungen“ lesen kann!

Selbstverständlich sind Arten, die sich im Winter tiefer in ihre Nester im Boden zurückziehen können, vor strengeren Frösten und raschen Temperaturschwankungen geschützt, aber definitiv frostfrei ist der Boden bei uns in harten Wintern erst ab ca. 80 cm Tiefe. – Myrmica-, Lasius- und Formica-Arten trifft man im Winter in wesentlich geringerer Tiefe an.
Oberflächlich nistende Arten, z. B. in Eicheln oder Ästchen am Boden, noch mehr Baumbewohner, vertragen harten Frost, minus 20°C; in Sibirien hat man bei Leptothorax acervorum Kältetoleranz bis minus 40°C gemessen.

Nur eine leicht lesbare Veröffentlichung dazu:
http://epub.uni-regensburg.de/8428/1/Arctic46-4-354.pdf
Heinze, J. (1993): Life Histories of Subarctic Ants.- Arctic 46, 354-358

Einheimische Ameisen müssen also nicht “unbedingt” vor Frost geschützt werden, wobei Umhüllung der Formikarien mit Isoliermaterialen z.B. auf dem Balkon oder in einer ungeheizten Garage ja das Eindringen von Frost nur verlangsamt, aber nicht verhindert. (Es schadet also nicht, wenn man die Formikarien isoliert, nur darf man sich nicht falschen Vorstellungen hingeben!).

Anlass für diesen Beitrag war eine „Meinung“, die ich heute lesen durfte:
„was zb auch viele nicht wissen
Bienen und Ameisen sind eig auch nicht wirklich Winterfest ....
Frost tötet auch sie ..... sie überleben auch nur weil ihre Nester frost sicher sind“

Was der Autor nicht weiß:
Honigbienen heizen ihre Wintertraube im Nest mit Stoffwechselwärme, wozu sie die Honigvorräte verbrauchen, veratmen und dabei durch Muskelzittern Wärme erzeugen.
Und zu Ameisen siehe oben… :roll:

MfG,
Merkur
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Re: Kälteeinbruch in der Winterruhe und südeuropäische Arten

Beitragvon Trailandstreet » Freitag 6. Januar 2017, 12:16

Immer wieder liest man aber auch von Völkern, die trotz teilweise extremer Kälte immer noch keine Anstalten machen, sich in Winterruhe zu begeben und still sitzen zu bleiben, bis es gefälligst wieder warm wird. Im Gegenteil, sie furagieren fleißig, kümmern sich um vorhandene Brut etc etc.
Das scheint wohl auch so ein Punkt in der Haltung zu sein, der allem Anschein nach anders läuft, als in der Natur.
Gut, draussen überprüft sie ja keiner während dieser Zeit ;)
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Re: In Richtung Überwinterung…

Beitragvon Reber » Freitag 6. Januar 2017, 14:06

Bei mir sind es nur Manica rubida, die länger brauchen als in der Natur, bis sie sich vollständig ins Nest zurückziehen. Besonders junge Kolonien scheinen so lange wie möglich weiter machen zu wollen. Jetzt wo die Kolonie grösser ist, stellt die Königin wenigstens schon mal die Eiablage ein, wenn es Herbst wird. Die Arbeiterinnen treiben ihr Spiel aber munter weiter. Ich kann mir vorstellen, dass das an der zu geringen Temperaturabsenkung in der Haltung liegt. Nachts fällt das Thermometer im September und Oktober draussen doch deutlich tiefer, als im Wohnzimmer ;)

Die Arbeiterinnen fouragieren in der Folge während der ersten Wochen im Freien auch noch bei Temperaturen von 10°C und darunter. Wenn es allerdings richtig kalt wird, also längere Zeit unter 5°C, ist in der Arena nichts mehr festzustellen, wird es noch kälter, sitzen die Tiere dann komplett regungslos im Nest.
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