Gegenwart und Zukunft der Hobby-Ameisenhaltung

Hier können allgemeine Fragen zum Thema Ameisen, sowie zu europäischen Ameisenarten gestellt werden.

Re: Gegenwart und Zukunft der Hobby-Ameisenhaltung

Beitragvon Merkur » Samstag 25. November 2017, 15:59

Novemberzeit, Zeit der Besinnung…

Eine interessante Diskussion zu Ameisenhaltung und Ameisenhandel läuft im AF: Das Dilemma mit neuen Arten auf dem Markt

Unter anderem wird kritisiert, dass angesichts der vielen Probleme bei Versand und Haltung von Ameisen von Seiten der Wissenschaft, aus den Universitäten, keine Forschung über Ameisenhaltung als Hobby betrieben wird. Doch wird übersehen, dass von Wissenschaftlern wie mir durchaus in den diversen Ameisenforen, auch im AF, und vor allem im Ameisenwiki eine Unmenge guter Informationen zu genau diesen Problemen geliefert wurde. Man muss nur lesen wollen!
Zitat Serafine:
Ameisenhaltung ist zu großen Teilen immernoch Versuch und Irrtum - der akademische Wissensstand dazu ist geradezu lächerlich winzig, weil längerfristige Ameisenhaltung in der Ameisenforschung bis auf weniger Ausnahmen immernoch nahezu komplett ignoriert wird.
Und die wenigen Wissenschaftler die sich überhaupt mit der Ameisenhaltung beschäftigen führen tendenziell eher einen persönlich motivierten sinnlosen Kleinkrieg dagegen, anstatt mit der angemessenen Verantwortung und Würde zu führen. Warum müssen wir auf Youtube-Videos von Amateurhaltern oder Ameisenshops zurückgreifen, um auch nur zu erfahren wie man ein Reagenzglas-Setup für eine Gründerkolonie vorbereitet? Warum gibt es dazu keine professionelle Webseite z.B. einer Universität?
Das wäre doch mal ein Ansatz um sich als spezialisierter Experte produktiv in das Hobby einzuklinken, sich durch professionelle Hilfestellung für Amateurhalter Anerkennung zu verdienen und mit der gewonnenen Reputation die schlimmsten Auswüchse des Hobbies zu verhindern oder wenigestens zu minimieren. (Hervorhebung durch mich, Merkur)
Wer den Forschungsbetrieb an Universitäten kennt, kann dies leicht beantworten: Mit solcher Forschung lassen sich keine Forschungsmittel einwerben, weder von der Industrie noch von der Dt. Forschungsgemeinschaft oder ähnlichen Institutionen in anderen Staaten, noch von Stiftungen oder privaten Spendern. Auftragsforschung mit dem Ziel der Entwicklung gewerblich verwertbarer Produkte müssen die kommerziellen Nutznießer dieser Forschung finanzieren!

Eine andere Seite ist, dass man mit Themen zum Ameisenhobby kaum wissenschaftliche Anerkennung gewinnen könnte. Die braucht man aber, um einen Job zu bekommen, von dem man leben kann. An Universitäten sind das nun mal vor allem Studierende, die unter Anleitung durch Professoren für ihre Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten forschen. Doch hätte die „Ameisen-Hobby-Industrie“ für Uni-Absolventen mit derartiger Qualifikation überhaupt ordentlich bezahlte Jobs??

Außerdem ist es für einen Wissenschaftler (wohl nicht nur aus meiner Sicht) ein recht reizloses Thema, ohne Aussicht auf neue, spannende Erkenntnisse, und stets würde man getrieben vom Import immer wieder anderer Arten, von immer neuen, unausgegorenen Hilfsmitteln für Unterbringung, Klimatisierung, Fütterung der diversen Ameisenarten: Bevor man überhaupt erste Erkenntnisse erarbeitet hätte, wäre längst schon wieder Forschung über die neuesten vom Handel in den Markt gedrückten Arten, Materialien und Techniken erforderlich! :roll:

Nicht zuletzt: Von Forscherseite in den Foren und Wikis ausgesprochene sinnvolle (!) Empfehlungen bzw. Warnungen sind oft sehr unbequem für Halter und/oder Händler. Das hat seit Beginn des Hobbys um 2000 zu massiver Kritik an Wissenschaftlern in den Foren geführt, bis hin zu Mobbing und persönlichen Anfeindungen. Als logische Folge haben die wenigen Wissenschaftler, die sich überhaupt mit der Hobby-Haltung befassten, das Handtuch geworfen; die meisten haben sich von vornherein abgestoßen gefühlt.

Wer diese Entwicklung nicht miterlebt hat, kann sich aus den Diskussionen in diversen Foren und im AWiki ein Bild machen. Und das, bitte, bevor man "die Wissenschaftler" beschuldigt und verurteilt!
In dieser Hinsicht aufschlussreich ist auch ein Beitrag im Blog von Alex Wild, vom Januar 2017, den ich erst jetzt zu Gesicht bekam:
http://www.myrmecos.net/2016/03/23/how- ... /#comments
Kommentar (Nr. 31)
Marc "Teleutotje" Van der Stappen
Me too…… Wonder when it starts again…. (Teleutotje schließt sich dem Wunsch an, dass Alex Wild bald wieder an seinem Blog weiter arbeitet - Anm. Merkur)
January 11, 2017 11:28 am

Siehe: Pingback: Teleutotje: Ein weiterer abgehalfterter Myrmekologe? – Crazy Ants
(Teils auf Deutsch; anscheinend wird man auf den Blog von Barristan verlinkt).

Ich hoffe, dass die an der Diskussion im AF beteiligten User auch die hier vorgebrachten Gesichtspunkte zur Kenntnis nehmen.

MfG,
Merkur
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