Re: Zwitter, "Gynander", "Gynandromorphe" - Diskussion

Hier können allgemeine Fragen zum Thema Ameisen, sowie zu europäischen Ameisenarten gestellt werden.

Re: Zwitter, "Gynander", "Gynandromorphe" - Diskussion

Beitragvon Merkur » Donnerstag 19. Februar 2015, 17:30

Zwitter, Gynander, Gynandromorphe bei Ameisen:
Hier richte ich mal einen Diskussionsthread ein für Rückfragen und Ergänzungen.

MfG,
Merkur
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Re: Zwitter, "Gynander", "Gynandromorphe" - Diskussion

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 19. Februar 2015, 22:49

Wie kommt es zu solchen Mutationen? Ist da auch ein Chromosom zuviel oder doppelt vorhanden? Bei Insekten ist das ja etwas anders.
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Re: Re: Zwitter, "Gynander", "Gynandromorphe" - Diskussion

Beitragvon NIPIAN » Donnerstag 19. Februar 2015, 23:35

Hoi,

ist ein non-disjunction Fehler in der Zellteilung, sehr früh in der Embryonalentwicklung. Im Rahmen der mitotischen Zellteilung wird in eine der Zellen "aus Versehen" zu viel Chromosomenmaterial verbracht, in der anderen verbleibt dementsprechend zu wenig. So entsteht eine Zelllinie männlich, sowie eine Zelllinie weiblich. Dabei ist das geschlechtsdeterminierende Chromosom, oder auch ein Chromosomenabschnitt, entscheidend. Eine Durchmischung findet nicht statt, da sich Zellen "unterhalten" können, anfangs gerne "unter ihresgleichen sind" und in letzter Konsequenz "wissen" an welche Stelle sie müssen - vor allem in den ersten Stunden, wenn sich ein Kugelzellhaufen Stück für Stück in ein komplexes Wesen verwandelt (is'n gigantischer Batzen an interessanten Abläufen und praktisch nicht verstanden -> wie gelangt jedes Organ dort hin, wo es zu liegen hat und nicht z.B. die Hirnmasse in das Skrotum*).
Bei Schmetterlingen ist das sehr gut untersucht.

* Wobei man früher durchaus einen interessanten Zusammenhang zwischen Hirn, Rückenmark und Sperma vermutet hat - ist auch auf einigen Zeichnungen Da Vincis zu erkennen (wohl auch daher einige merkwürdige Sprüche: "war schon so, als du noch Papas Rückenmark hoch und runter geschwommen bist", "Wer mastubiert bekommt Rückenmarksschwund" und solcherlei Späße^^)
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Re: Re: Zwitter, "Gynander", "Gynandromorphe" - Diskussion

Beitragvon NIPIAN » Sonntag 22. Februar 2015, 21:09

Hoi,

@Merkur: was für Präparationsbesteck hast Du für die Präparation verwendet?

Ich schaffe eben die Utensilien für die Fixation und histologische Färbung von Insekten heran. Ich habe drei Hürden: das Xylol, welches ich durch Xylolersatz zu ersetzen gedenke, das Mikrotom, sowie das Kava-Kava-Extrakt (wobei ich mit dem Gedanken spiele, da ein anderes Muskelrelaxanz zu nutzen). Wenn sich niemand findet, um derlei Variationen zügig zu konservieren, kann ich das notfalls versuchen. Da brauche ich allerdings noch etwas Zeit zum Üben.
Also, wer n funktionierendes Mirkotom ungenutzt herumliegen hat, möge es mir bitte zeigen, vielleicht kann man ja ins Geschäft kommen^^.
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Re: Zwitter, "Gynander", "Gynandromorphe" - Diskussion

Beitragvon Merkur » Montag 23. Februar 2015, 10:12

Hallo NIPIAN,

Ich verwende sog. Uhrmacherpinzetten (= Kornzangen) der Marke Dumont No 5, z. B. bei
http://www.biologie-bedarf.de/products/101431/
Die sind zwar recht empfindlich, weshalb man immer in einem kleinen Wachsbecken präparieren sollte. Wenn Spitzen abbrechen oder verbogen werden, kann man nachschleifen, erreicht aber nie wieder die ursprüngliche „Schärfe“. Ich benutze jeweils eine gute Pinzette zum eigentlichen Präparieren und eine ältere zum Festhalten der Objekte.

Xylol kann man (wenn ich mich recht erinnere) durch Benzol ersetzen.
Kava-Kava kenne ich nicht, ist aber vermutlich nicht unbedingt erforderlich.
Bei Insekten sollte man die Cuticula an unwichtigen Stellen anstechen oder anschneiden, damit Fixierflüssigkeit, Alkoholreihe und zuletzt Paraffin eindringen können.

Für das Tränken mit Paraffin ist ein Wärmeofen (ca. 60 °C über mehrere Stunden) erforderlich.
Ein Problem ist die Schnittrichtung: Längs sagittal habe ich bevorzugt. Bei Querschnitten gibt es sehr viele Schnitte, die man dann ja mit dem Mikroskop durchmustern muss.
Beispiele aus „unserer Produktion“:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/K%C ... aler_Kropf

Das häufige Abschwimmen von Chitinteilen beim Entparaffinieren der Schnitte lässt sich durch Eintauchen in eine Celloidin-Lösung verringern.

Es kommt bei der Histologie von Insekten oft nicht so sehr auf die Feinstruktur der Zellen an (Kern, Mitochondrien etc.), eher geht es um eine „mikroskopische Anatomie“, Anordnung, Größe usw. der inneren Organe.
Beim Durchmustern der Schnitte kann man rekonstruieren, welche Strukturen im Körper wie verlaufen. Dafür ist es aber günstig, wenn man sich schon zuvor anhand von sezierten Tieren, einen Überblick verschafft, von welcher Größe und Gestalt die Organe etwa sind. Quer geschnittene Tracheen, Eischläuche und Malpighigefäße sehen sich recht ähnlich.

Ich habe seinerzeit u. a. versucht, an histologischen Schnitten von Gynen zu ermitteln, welche davon Sperma im Receptaculum hatten oder unbegattet waren. Nachdem ich dann gelernt hatte, wie man lebend-frische Tiere seziert, habe ich diese Technik bevorzugt: Sie bringt wesentlich rascher Ergebnisse!

Am besten ist es ja, wenn man einen Kurs mitmacht. Es gibt Dutzende von hilfreichen kleinen Tricks und Tipps, die sich schwer beschreiben lassen!

MfG,
Merkur
PS: Fast immer schreibe ich ja Beiträge zuerst in Word und kopiere sie dann ins Forum. Einmal nicht daran gedacht, und flutsch... war alles weg! :mad:
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