Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Hier ist Platz für Fragen über außereuropäische Ameisenarten.

Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Merkur » Sonntag 17. Januar 2016, 10:09

Wahrscheinlich lesen ohnehin alle Interessierten in diesem Thread mit:
http://eusozial.de/viewtopic.php?f=33&t=3701

Er ist jedenfalls recht aufschlussreich. Einer Stellungnahme enthalte ich mich, zumal ich keine Erfahrung mit der Haltung von Blattschneidern habe.

Eines aber möchte ich hier ansprechen (vielleicht kann ja einer der an der Diskussion Beteiligten dazu eine Erklärung liefern):
http://eusozial.de/viewtopic.php?f=45&t=3700#p36885
In diesen Bildern vom 31. Dez. 15, und auch noch in späteren vom 8. Jan. 16, trägt die Gyne auf dem Thorax eine eigenartige gelbe „Haube“, die entfernt an Pilz erinnert. Doch der sollte ja nicht AUF der Gyne wachsen. :roll:
So etwas kenne ich noch von keiner Blattschneider-Königin. Was ist das?

MfG,
Merkur
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Steffen Kraus » Sonntag 17. Januar 2016, 10:49

Hallo Merkur,
wie bekannt, ich bin kein Biologe!
Also versuche ich es mit laienhaften Worten. Hierbei handelt es sich um ein Bakterium, welches antibakteriell wirkt und die Ameise und den Pilz, vor einem anderen Pilz schützt!
Dies kommt in der Natur nicht vor, da die gründende Gyne eigenen Pilz, ihrer Mutterkolonie mitnimmt.
Normalerweise in der Gefangenschaft, ein Zeichen, daß fremder Pilz dazu gesetzt wurde!
In der Natur ein gutes Zeichen, in Gefangenschaft, naja, was soll ich sagen :crazy:
Aber Ihr findet bestimmt etwas im Netz, Emse,Nippian,Phil usw. wo es besser erklärt wird, denn es ist wissenschaftlich bekannt!
Da seid Ihr besser als ich!
Gruß Steffen
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Emse » Sonntag 17. Januar 2016, 11:54

Hallo Steffen,

nicht so bescheiden, du brauchst dein "Licht" ganz bestimmt nicht "unter den Scheffel zu stellen"! ;)

Tatsächlich habe ich im Netz (vermutlich!?) etwas zum Thema gefunden.
Ein Bericht auf spektrum.de von 1999:

Bakterien schützen die Pilzgärten von Blattschneiderameisen
Die hochentwickelte Partnerschaft zwischen Blattschneiderameisen und den Pilzen, die sie in unterirdischen Gärten kultivieren, ist ein Lehrbuchbeispiel für Symbiose. Nun wurde überraschend ein dritter Partner entdeckt – ein Bakterium, das auf dem Körper der Ameisen wächst; es produziert Antibiotika, die eine Infektion der Pilzkulturen durch einen Schmarotzerpilz verhindern
.


http://www.spektrum.de/magazin/bakterie ... sen/825671

Frage an dich: Erklärt der Bericht die von Merkur gemachte Beobachtung?
  • 3

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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Steffen Kraus » Sonntag 17. Januar 2016, 11:59

Hallo Emse,
ja genau das ist es!
Danke und Gruß
Steffen
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Reber » Sonntag 17. Januar 2016, 13:04

Zur Zugabe von Pilz ist mir ein Versuch eingefallen, auf den ich im Buch "Der Superorganismus" von Hölldobler und Wilson gestossen bin. Ich habe es kurz nachgelesen (S. 514).

Es geht um die Symbiose von Pilz und Ameisen und die "Kommunikation" des Pilzes mit den Ameisen. Dort wird über ein Experiment berichtet, bei welchem die "zum selben genetisch diversen Stamm gehörenden" Pilze der beiden Arten Acromyrmex echinatior und Acromyrmex octospinosus zusammengeführt wurden. Das Ergebnis: Die Pilze sind unverträglich und stossen sich ab.

Blattschneiser Ameisen düngen ihren Pilzgarten auch mit dem eigenen Kot. Dabei entsteht ein Kreislauf, da Pilzenzyme im Ameisendarm intakt bleiben. Wenn nun Ameisen einen fremden Pilz düngen, reagiert dieser auch wie auf einen fremden Pilz - abweisend.

Diese Inkompatibilität geht aber verloren, wenn die Ameisen gezwungen sind, sich über 10 Tage vom einem neuen Pilz zu ernähren (sie sind dann aber inkompatibel zu ihrem ursprünglichen Pilz).

Eigentlich liegt es also im Intress der Ameise "ihren" Pilz zu verteidigen und fremde Pilzstämme zu entfernen. Ich frage mich deshalb, ob es da in der Haltung wirklich sinvoll ist, fremden Pilz zuzugeben, solange noch alter vorhanden ist? Insbesondere, wenn man die Art nicht sicher bestimmen kann?
Allerdings habe ich auch keinerlei praktische Erfahrung mit Blattschneidern...

Auch zum oben erwähnten Bakterium gibt es erhellendes im besagten Buch (S.519)
Parasitäre Mikropilze der Gattung Escovopsis bedrohen die Pilzgärten der Blattschneider. Hier kommt ein weiterer Simbiont ins Spiel: Ein Bakterium der Gattung Pseudonocardia, das auf dem Ameisenkörper sitzt und ein Antibiotika produziert, welches das Wachstum des Parasiten unerdrückt... Laut Hölldobler und Willson sitz das Bakterium bei Acromyrmex auf den seitlichen Platten der Propleura. Also im frontalen (unteren) Bereich des Thorax, nicht oben oder auf der ganzen Ameise (wie Bilder in besagtem (Diskussions-)Faden zeigen). Form und Lage dieser Strukturen seien aber bei den attinen Ameisen sehr verschieden, wird im Buch bemerkt.

Zum Thema habe ich hier eine sehr interessante, aber (was in der Natur der Sache liegt) nicht leicht verständliche, Dissertation der Chemikerin Ilka Schoenian gefunden: http://www.db-thueringen.de/servlets/De ... tation.pdf
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Merkur » Sonntag 17. Januar 2016, 17:49

Es freut mich immer wieder, wenn so ein „Themenanstoß“ eine fruchtbare Diskussion zur Folge hat! :)

Hier gibt es eine Zusammenstellung von Informationen zu dem Thema „Blattschneider und ihre Symbionten“, Stand 2006:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/Arc ... 01.2006.29

Bei den für die Ameisen nützlichen Bakterien handelt es sich um Streptomyceten, die aber bei den Arbeiterinnen in Cuticula-Grübchen auf der Ventralseite des Thorax leben (so, wie es Reber aus „Der Superorganismus“ zitiert). Sie sondern Antibiotika ab, die wiederum den parasitischen Pilz der Gattung Escovopsis in Schach halten.
Hier gibt es Bilder dazu: http://www1.bio.ku.dk/forskning/oe/cse/ ... cience.pdf
Artikel: "Fungus-growing ants use antibiotic-producing bacteria to control garden parasites".
Science 6 January 2006: Vol. 311. no. 5757, pp. 81 – 83 DOI: 10.1126/science.1119744
CAMERON R. CURRIE, MICHAEL POULSEN, JOHN MENDENHALL, JACOBUS J. BOOMSMA, JOHAN BILLEN.

Die (ebenfalls von Reber zitierte) Unverträglichkeit der Pilze, sogar aus zwei benachbarten Kolonien, wirkt sich im Experiment auf Agar nicht unmittelbar aus, sondern benötigt einige Wochen, bis der Effekt messbar ist. Im Original von „The Superorganism“ (2009) findet sich das Experiment auf S. 447-448. Ergebnisse wurden nach 2 Monaten(!) endgültig beurteilt. – Fehlschläge nach Zugabe von Fremdpilz machen sich also evtl. erst mit einiger Verzögerung bemerkbar!

Zurück zu meiner Ausgangsfrage: Was mir auf den verlinkten Bildern auffällt, ist allerdings ein „Häufchen“ oder Hügel von gelblichem Material, das oben auf dem Thorax der Gyne liegt. Und das ist mir rätselhaft!
Auf der Abbildung einer Gyne bei myants *) allerdings sieht man praktisch identisches Material, mit mehreren Anhäufungen auf dem Thorax und einer am rechten Hinterkopf. https://myants.de/Ex/Suedamerika/Koloni ... essen.html
Sollte es sich dabei um Ansammlungen von Streptomyceten handeln, die von der Gyne aus dem Mutternest mitgenommen werden? – Bei den lebhaften Aktivitäten der jungen Königin, Ausschachten der Gründungskammer, Auslaufen zur Suche nach Pflanzenmaterial etc. könnten die Bakterien doch leicht abgestreift werden, während das Pilzmyzel ja in der Infrabuccaltasche sicher verwahrt mitgebracht wird.
Vielleicht gibt es eine Erklärung in der umfangreichen Literatur zur Pilz- und Bakteriensymbiose von Blattschneidern. Die Suche dürfte zeitraubend sein.
Daher nochmals die Frage an diejenigen, die mit solchen Königinnen Handel treiben und somit viele davon zu Gesicht bekommen: Ist dieses Material auf den Acromyrmex-Gynen regelmäßig zu finden?

Noch eine „interessante“ Information: In demselben Buch von Hölldobler und Wilson „The Superorganism“ stieß ich auf S. 417 auf Zahlen zum Erfolg von Koloniegründungen imFreiland:
Von 13.300 Koloniegründungen von Atta capiguara lebten nach drei Monaten noch ganze 12.
Von 3.558 Gründungen von Atta sexdens waren nach drei Monaten noch 90 (2,5 %) am Leben.
Von Atta cephalotes überlebten nach einer anderen Studie nach wenigen Monaten noch 10 % der neu gegründeten Kolonien.
(Originalliteratur ist im Buch zitiert)
Zwar werden keine Angaben über die Ursachen der enormen Ausfälle (im Freiland!) gemacht, doch muss man sich nicht unbedingt wundern, wenn auch in der Haltung längst nicht jede Koloniegründung gelingt!

PS: *) Geändert; war eine Verwechslung der shops. :redface:
MfG,
Merkur
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Steffen Kraus » Sonntag 17. Januar 2016, 18:49

Hallo,
Merkur;
Daher nochmals die Frage an diejenigen, die mit solchen Königinnen Handeltreiben: Ist dieses Material auf den Acromyrmex-Gynen regelmäßig zu finden?

Ich habe bis jetzt noch keine Acromyrmex verkauft. Auch habe ich keine Königinnen zur Aufzucht bei mir. Da kann ich leider keine Auskunft geben.
Tja, da ja selbst in der Natur, sehr viele Koloniegründungen nicht funktionieren, bin ich der Meinung(kein Maßstab),
der Handel sollte nur Blattschneiderkolonien ab der Größe des Pilzes, selbst von der Königin aufgezogen, in Golfballgröße und mit mindestens 50-100 Arbeiterinnen eigenen Arbeiterinnen anbieten.
Sicherlich steckt da eine Menge Arbeit dahinter und der Preis ist höher, aber diese Kolonien funktionieren dann bei weitem besser.
Auch kann in der Haltung beim Kunden, immer etwas falsch gemacht werden, aber sicherer ist es.
Gruß Steffen
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon LynnLectis » Sonntag 17. Januar 2016, 20:25

Auf Seite 410 in dieser PDF-Datei fand ich etwas dazu:
http://retro.seals.ch/cntmng?pid=seg-00 ... 897:9::648
Forel, A./Zur Fauna und Lebensweise der Ameisen im columbischen Urwald
http://retro.seals.ch/digbib/view2?pid= ... 897:9::648
aus: Zeitschrift: Mitteilungen der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft =
Bulletin de la Société Entomologique Suisse = Journal of the
Swiss Entomological Society
Band (Jahr): 9 (1893-1897)
  • 2

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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Merkur » Sonntag 17. Januar 2016, 21:00

HalloLynnLectis,

Du meinst sicher diese Passage:
Ich vermuthe ferner, dass die vielen Höcker der Sippe
der Attini, wenigstens zum Theil, dazu dienen, die Sporen
des Pilzes zu erhalten, damit derselbe sich beständig vermehren
und auch bei neu angelegten Pilzgärten entstehen kann.
Jedenfalls muss dasjenige Weibchen, das eine neue Colonie
gründet, solche Pilzsporen mit sich tragen, damit seine ersten
Jungen mit frisch geschnittenen Blättern einen Pilzgarten an¬
legen können.
Das stammt jedoch aus einer Zeit, als man noch glaubte, dass die Blattschneider ihren Pilz aus Sporen heranziehen würden. Dass die Gynen Pilzmyzel in der Tasche unter der „Zunge“ (Hypopharynx), in der Infrabuccaltasche, mittragen, war noch nicht bekannt.

Tatsache ist jedoch, dass das kultivierte Myzel keine Sporen bilden kann: Diese entstehen erst in den Pilzfruchtkörpern, mit denen die Attini gar nicht in Berührung kommen (Die sehen unseren „Schwammerl“ ähnlich, z.B. den Parasolpilzen, und sie wachsen anscheinend hauptsächlich aus verlassenen Nestern bzw. Pilzgärten hervor).

Das Missverständnis, dass die Blattschneider ihren Pilz aus Sporen heranziehen, fand ich dieser Tage auch hier: http://antfarm.yuku.com/topic/19005/Fun ... pvvS_nSmig (im Startbeitrag).
Auch hier konnte man dem Fragesteller nur erklären, dass seine Königin Pilzmyzel benötigt:
http://www.formiculture.com/index.php/t ... well-help/

MfG,
Merkur
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon LynnLectis » Sonntag 17. Januar 2016, 21:11

Danke für Deine aufschlussreichen Erklärungen, Merkur! :)

Ich hätte da noch eine Frage: Wenn die Vermutung von damals sich auch als falsch erwies, hat Forel aber doch öfter diese Höcker in freier Wildbahn bei diesen Arten beobachtet. Könnte es dafür vielleicht eine andere Erklärung geben, wo seine Vermutung hinfällig geworden ist? Und sind diese Höcker womöglich vergleichbar mit dem Höcker, den Du hier meinst?
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Reber » Sonntag 17. Januar 2016, 21:35

Hallo Lynn,
ich denke Forel meint mit den Höckern nicht das "Pilzartige Gebilde", sondern die "dornenartigen" Gebilde des Aussenskelets die typisch sind für die Tiere. Bei den Gynen sind sie weniger "stachlig" und sehen aus wie kleine Höcker.

Es ist übrigens immer wieder beeindrucken, wie viel die alten Forscher schon herausfinden konnten. Auch wenn mit moderneren Mitteln immer wieder neue Erkenntnise gewonnen werden konnten.
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon SimonPheidole » Dienstag 19. Januar 2016, 21:28

Hallo,

so, jetzt wird von mir auch mal abseits von irgendwelchen Shop-Diskussionen geschrieben. :)

Sehr interessant, was ihr da auf meiner Gyne entdeckt habt. Dachte zuerst, dass das Lehm (oder sonstiger Schmutz) ist.
Steffen hat ja geschrieben, dass dieses Bakterium produziert wird, um fremden Pilz und andere Fremdkörper abzutöten bzw. deren Wachstum zu stoppen/beschränken.

Denn der Pilz der Gyne ist, trotz richtiger Haltungsbedingungen, nach und nach eingegangen. Lag es vielleicht daran, dass das Bakterium den Pilz am Wachsen gehindert hat, weil dieser gepusht wurde?
Oder lag es doch an einem Haltungsfehler?

Ich finde diese Diskussion sehr interessant und würde mich über die Antwort eines Fachmanns freuen!

Gruß :)
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Merkur » Mittwoch 20. Januar 2016, 16:27

Hallo Simon Pheidole,

Bisher bin ich ziemlich ratlos.
Fakt ist, dass die „gelbe Masse“, die mir als ungewöhnlich auffiel, bisher nur auf Gynen von A. crassispinus aus dem Hause myants zu sehen ist:
http://eusozial.de/viewtopic.php?f=45&t=3700#p36885 (von Simon06)
https://myants.de/Ex/Suedamerika/Koloni ... essen.html (von myants,das dritte Bild)
http://eusozial.de/viewtopic.php?f=45&t=3680#p36710 (von PierreE; Gyne von myants. Das pilzartige Material auf dem Thorax ist nicht genau zu identifizieren; nach rechts „Reste“ der „gelben Masse“?)
Bei Antstore ist eine A. crassispinus-Gyne abgebildet, die keinen solchen Belag trägt:
http://www.antstore.net/shop/images/pro ... 1205_0.jpg

Der Belag von nützlichen Actinomyceten findet sich normalerweise unter dem Thorax von Arbeiterinnen. Gelegentlich scheinen sie sich auf der ganzen Oberfläche von Acromyrmex-Arbeiterinnen auszubreiten:
http://www.alexanderwild.com/Ants/Taxon ... /i-FcC6QB6 (von A.Wild, Arb. von A. octospinosus)
http://www.alexanderwild.com/Ants/Taxon ... /i-vJvKB5c (von A.Wild; Arb. von A. crassispinus).
Doch diese Beläge sind eindeutig weiß und eher staubartig.

Mich interessiert das Ganze vor allem wissenschaftlich, da ich von den „gelben“ Auflagerungen bei Gynen bisher nichts gesehen oder gelesen habe.
Im einfachsten Fall handelt es sich vielleicht nur um Kontamination mit einem Futter-Jelly.

MfG,
Merkur
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon SimonPheidole » Mittwoch 20. Januar 2016, 16:38

Hallo Merkur,


vielen Dank für deine Antwort.
Ich habe dieses Phänomen auch erst bei dieser Gyne das erste Mal sehen können. Wie du ja bereits geschrieben hast, ist das ANTSTORE-Exemplar "normal" gefärbt.
Vielleicht hilft das ja weiter:
Es handelt sich bei dem gelben "Gebilde" weniger um eine Masse, als um eine sehr dünne Schicht, die sehr fest auf der Gyne sitzen zu scheint.
Ich habe mir die Gyne zu Hause mal genauer angesehen und habe festgestellt, dass diese Schicht eher trocken ist (zumindest hat sie kein "Nässe-Glitzern"). Und sehr sehr dünn, sie steht also nicht von der Gyne weg. Auf den ersten Blick sieht es sogar wie eine Färbung aus.

Gruß
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon pierreeitel » Mittwoch 20. Januar 2016, 18:12

Hey ^^

Dann möchte ich mich auch mal zu Wort melden ;)

Wie Simon schon schrieb, ist diese Schicht sehr dünn und wahrscheinlich ziemlich fest an der Königin.
Sieht angetrockneten Lehm sehr ähnlich.
Was es letztendlich ist, weiß auch ich nicht! Habe allerdings ein aktuelles Foto:
fleck.jpg

Sieht so aus als wäre der Fleck weniger geworden (Nicht mehr so intensiv in der Färbung)
Ob es daran liegt, dass die Kleinkolonie den Pilz nun als ihren ansieht und das Antibiotikum so unnötig ist und es verschwindet, gute Frage!
Im Gegensatz zu der Mehrheit, die unzufrieden sind mit ihrer Gyne und wo nix positives passiert, kann ich sagen, dass sich meine Königin ganz gut tut (die ersten 2 Arbeiterinnen sind da und einiges an Brut [geschnitten wird auch]).
Ob das so bleibt wird die Zeit zeigen!

Liebe Grüße,
Pierre
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Reber » Freitag 22. Januar 2016, 22:03

Ich kann zum Thema leider nicht mehr beisteuern, als ich es oben bereits getan habe.

Was mir noch aufgefallen ist: Die Färbung der "Gebilde" auf dem Thorax der Gynen von pierreeitel und SimonPheidole unterscheiden sich farblich und auch von der Konsistenz her leicht, oder täusche ich mich? Bei Simons Gyne sieht es fester und gelber aus. Bei Pierres Gyne eher dünn, "spinnennetzartig" und weiss. Auf ohrones Foto scheint die ganze Gyne, nicht bloss der Thorax, überzogen.

Habt ihr bemerkt, dass sich der "Überzug" verändert, oder seine Lage? Wäre super, wenn ihr das dokumentieren könntet!
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Peter Pan » Montag 25. Januar 2016, 17:27

Erstaunlich ist schon wie viel doch oft spekuliert und auch wieder gehetzt wird ..

Peinlich ist es wenn man sich das alles sparen könnte weil man einfach nicht beim Shop selber nachfragt :behappy:

Klar haben die Königinnen Flecke und auch wie oben beschrieben sind diese hart. Auch war hier die Auskunft schon recht genau? Na? Wann schwärmen denn Blattschneider? Bei Sonnenschein?
Nach dem Regen - oh ja, und wenn es extrem sandig und verschmutzt ist und Queens sich einbuddeln was passiert? Oder wenn sie durch all den Dreck laufen da sie bei der Nest suche auch ein Stück zurück legen?

Warum ist sie dann gelblich oder grünlich? Na ? Was passiert wenn man mit einer groben Oberfläche durch den eigenen Pilz wandert. Es bleibt etwas hängen.

Aber um solche Diskussionen zukünftig zu vermeiden sollten die Shops Ihre Königinnen vorher wohl waschen. :D :) ;)

:fettgrins:

Gerne helfe ich auch zur letzten Frage. Je nach dem was gefüttert wird. Als Beispiel füttert man eine Atta Kolonie mit Haferflocken ist der Pilz extrem weiß.
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Merkur » Montag 25. Januar 2016, 18:07

Hallo Peter Pan,

Um der Form Genüge zu tun: “Herzlich willkommen in diesem Forum!“
Doch das “aber“ folgt sogleich:
Ich bitte inständig darum, aufzuzeigen, wo genau in diesem Thread, hier diesem im AP, „gehetzt“ wird!
Eine solche nicht belegbare Behauptung ist, mit Verlaub zu sagen, nicht gerade ein eleganter Einstand in einem solchen Forum, zumal wir Sie ja überhaupt nicht kennen!

Sie präsentieren auch zwei mögliche Ursachen der Beläge, Verschmutzung durch Lehm etc. beim Einsammeln, ODER durch den Pilz in der Haltung. Was nun?
Wir haben uns bemüht, Ursachen herauszufinden, nicht mehr und nicht weniger. Das geht nicht ohne Spekulation.
Edit: An die Möglichkeit einer Verschmutzung hatte ich auch gedacht. Dagegen spricht die Erfahrung, dass Ameisenköniginnen eigentlich immer blitzblank sind. Es könnte Ausnahmen geben, deswegen versuchte ich als Myrmekologe, der Sache nachzugehen, und habe die Frage gestellt, ob das bei allen Königinnen dieser Art der Fall sei. Nun soll ich also annehmen, dass schlicht verdreckte Gynen verkauft werden.
In dem Originalthread bzw. Diskussionsthread im eusozial findet sich keine Erklärung für den Befund, und da hat der Lieferant der Gynen doch ausführlich mitdiskutiert.

Na, weshalb hat ohrene weder im eusozial noch bisher hier sich dazu geäußert? Und weshalb versuchen Sie nun hier Ihre Identität mit einem neuen Nick zu verschleiern? :behappy:

Merkur
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Zuletzt geändert von Merkur am Montag 25. Januar 2016, 19:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zur Koloniegründung von Acromyrmex (cf.) crassispinus

Beitragvon Reber » Montag 25. Januar 2016, 20:56

Ich habe jetzt drei Beiträge entfernt. Künftig räume ich alle weg, die inhaltlich nichts zum Thema beitragen. Massnahmen gegen fehlbare User werden ggf. vom Team verhängt. Thesen und Diskussion über die Symbiose von Blattschneiderameisen, Pilz, Micropilz und Bakterien sind hier weiterhin erwünscht. Gehässikeiten und Unterstellungen nicht!
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