Wassertank und Tränke

Hier können Fragen rund um Formicarienbau, Einrichtung und Zubehör gestellt werden.

Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Reber » Sonntag 20. März 2016, 15:03

Auf eine weitere, von mir als tauglich befundene Tränke, bin ich in einem Englischen Shop gestossen.

Preislich kann sie zwar mit selbstgebastelten Dochttränken nicht mithalten. Dafür ist sie sehr klein, ansehlich und bisher nie ausgelaufen. Sie funktioniert vom Prinzip her wie die Vogeltränken, aber die Ameisen können darin nicht ertrinken.

Der Oberteil besteht aus einem durchsichtigen Kunststoffröchrchen mit Gewinde, der Unterteil ist ein ebenfalls mit Gewinde versehender Kunsststoffdeckel, in den sehr feine Kanäle gefräst sind. Daraus können die Ameisen das Wasser saugen.
Tränke.JPG
Ameisentränke.JPG
Tränke Deckel.JPG
Tränke Behälter.JPG


Edit: Danke für den Hinweis im Bewerungs-Kommentar Emse:
Kann es sein, dass das Unterteil "gedruckt" (und nicht "gefräst") ist? Hier gibt es ganz ähnliche Teile für lau: http://www.thingiverse.com/thing:1086035


Das kann natürlich auch sehr gut sein! Oder sie werden gegossen oder gestanzt... Ich weiss nicht, wie die Dinger gergestellt werden.
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Zuletzt geändert von Reber am Sonntag 20. März 2016, 22:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Merkur » Mittwoch 18. Januar 2017, 21:15

Hefen und alkoholische Gärung im Formikar

Hefen (einzellige Pilze) und ihre Sporen sind mit zahllosen Arten allgegenwärtig, so wie Schimmelpilzsporen und Bakterien. https://de.wikipedia.org/wiki/Hefen
Bekannt ist, dass Hefen Zucker in Lösung zu Alkohol vergären (Wein, Bier, Met u.a.), wobei CO2 (Kohlendioxid) frei wird.
Wenn ich nun in Ameisenforen lese, dass bestimmte handelsübliche Tränken bei Befüllung mit Honig- oder Zuckerwasser ständig auslaufen, so dürfte Gärung die nahe liegende Ursache sein: Das CO2 steigt in der Lösung auf, und die sich oben im Behälter ausdehnende Gasblase drückt den flüssigen Inhalt unten durch die Öffnung heraus. Was nicht weggetrunken wird, läuft halt aus.
Ein Beispiel ist dieses. Dafür wird sogar die Befüllung mit Honigwasser empfohlen.

Unverdünnter Honig oder gesättigte Zuckerlösung gären nicht und schimmeln nicht. Doch ab einer gewissen Verdünnung können Hefen und Schimmelpilze darin bzw. darauf siedeln. Die Lösungen werden zunächst nur etwas trüb (ähnlich wie gärender Traubensaft = „Federweißer“, „Bremser“ etc.), doch setzt dabei schon CO2-Produktion ein und Alkohol reichert sich in der Brühe an (was für die Ameisen auch nicht besonders gut ist).

Werden solche Vogeltränken mit reinem Wasser befüllt, kann es trotzdem zu einem verstärkten Wasseraustritt an der Öffnung kommen: Sowie etwas Wasser entnommen ist, steigt Luft in dem Behälter auf. Bei Temperaturerhöhung dehnt diese sich aus und drückt unten Wasser heraus. Bei Temperaturabsenkung wird Luft von unten nachgesogen, usw.. (Im AF wurde ein Experiment vorgestellt, bei dem die Tränke mit Wasser bis oben hin gefüllt war und auch bei starker Temperaturerhöhung kaum auslief. Da Wasser einen geringen Ausdehnungskoeffizienten hat, beweist der Versuch nicht viel. Entscheidend ist, dass nach Entnahme von Wasser Luft in den Behälter nachgezogen wird).
Im Falle von gärenden Flüssigkeiten addieren sich die beiden Effekte.

Eine geeignete Gegenmaßnahme ist die Verwendung von Dochttränken, wo die Flüssigkeit durch Kapillarwirkung nach oben gesogen wird. Mit Wasser funktioniert das über etliche Wochen. Zuckerhaltige Lösungen müssen auch in Dochttränken etwa regelmäßig erneuert werden, da der bei der Gärung entstehende Alkohol den Inhalt für die Ameisen ungenießbar macht. Das kann je nach Temperatur bereits nach 1-2 Tagen der Fall sein.

Hier im AP und in einem darin verlinkten Thread aus dem AF wurde über das Thema bereits ausreichend diskutiert. Das ist jedoch gegen zwei Jahre her, und somit anscheinend in Vergessenheit geraten. Es sei hiermit wieder einmal in Erinnerung gerufen!

MfG,
Merkur
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Merkur » Sonntag 16. April 2017, 16:09

Kommerziell angebotene Tränken laufen aus

Das ist in den Foren im Prinzip lange bekannt. Hier im AP diskutieren wir über die Problematik seit April 2014: viewtopic.php?f=21&t=280 .
Siehe auch http://www.ameisenportal.eu/viewtopic.php?f=21&t=280#p5904 vom Januar 2015.

Nun hat der amerikanische Händler drtrmiller im fc-Formiculture Forum eine umfangreiche Diskussion (e-mails mit einem deutschen Käufer) gepostet,
in der es um Probleme mit seinen Galileo Liquid Feeders geht:
http://www.formiculture.com/topic/5210- ... n-germany/
Es handelt sich um diesen Typ von Tränken:
https://www.amazon.com/GALILEO-Capacity ... 839&sr=8-3

Das Problem wurde in den deutschen Foren wiederholt angesprochen, u. a. im Zusammenhang mit Vogeltränken: Oben in den Behältern können Gasblasen entstehen, entweder weil bei Entnahme von Inhalt Luft von unten nachströmt, oder weil zuckerhaltige Flüssigkeiten gären, so dass CO2 sich oben im Behälter ansammelt. Problematisch:
a- Luft dehnt sich bei Temperaturerhöhung aus und drückt den Inhalt nach unten heraus.
b- Das Gärgas drückt Flüssigkeit nach unten aus den Entnahme-Öffnungen.
c- Beide Vorgänge können kombiniert auftreten.

Die meines Erachtens beste Lösung ist die Dochttränke, in diversen Ausführungen: Das Prinzip ist immer, dass sich der Flüssigkeitsvorrat unten in einem Behälter befindet, aus dem Docht aus saugfähigem Material durch Löcher in ameisendichten Deckeln nach oben führen, wo die Tiere die hochgesaugte Flüssigkeit aufnehmen können. Wenn sich unter dem Deckel Gase ansammeln, können diese nach oben entweichen, bzw. bei Verringerung des flüssigen Inhalts von oben nachströmen. Und keine Ameise kann in der Tränke ertrinken.

Die o. g. Diskussion kommt zu dem Schluss, dass die Probleme mit den Galileo-feedern vermieden werden, wenn:
a- bei Füllung mit reinem Wasser das Formikar samt Tränke bei konstanter Temperatur gehalten wird (+/- 2°C)
b- bei Füllung mit zuckerhaltigen Flüssigkeiten anstatt Zuckerwasser oder Honigwasser der von byFormica angebotene SUNBURST Ant Nectar verwendet wird.

Kritik zu a: Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht, oder auch mehrfach innerhalb von 24 Stunden, gehören zur normalen Umwelt der meisten Ameisenarten im Freiland. Auch in der Wohnung treten sie auf. Sie betragen sehr oft deutlich mehr als 2°C nach oben oder unten. Konstanthaltung der Temperatur ist nicht nur unnatürlich, sondern erfordert auch erhebliche Investitionen in Thermostate, Heizung und evtl. sogar Kühlung.

Kritik zu b: SUNBURST Nectar ist gefärbtes Zuckerwassermit Salzen und "essentiellen Mikro-Nährstoffen", in dem ein Konservierungsmittel Pilz- und Bakterienwachstum und damit die Gärung verhindert.
Die Inhaltsangaben sind nicht sehr detailliert; welcher Zusatz die Gärung verhindert, ist nicht angegeben. Wie die „perfekte Balance von Salzen und essentiellen Mikro-Nährstoffen“ erreicht wird (welche Verbindungen zugesetzt sind in welchen Mengen und Mengenverhältnissen), wird nicht angegeben.
Dass die Mischung für „alle Arten von Ameisen verträglich“ ist, wage ich zu bezweifeln: Wir wissen, dass es einige Artengruppen gibt, die endosymbiontische Bakterien haben. Es ist längst nicht für alle Arten untersucht. Ob und wie das Konservierungsmittel in SUNBURST Nektar auf solche Symbionten wirkt, erfahren wir nicht.

Aus den Händlerangaben:
- 99.8% natural, wholesome ingredients - high receptivity formula compatible with all species of ants
- Product will not spoil, and no refrigeration is required
- In addition to sugar, Sunburst supplies the perfect balance of salts and essential micronutrients, commonly absent in captive ant diets,
to stimulate appetite and promote natural feeding response
- Feed alongside insects and other natural foods for a nutritionally complete diet

Mit diesem Beitrag möchte ich nur über diese Entwicklung zum Thema „Ameisentränken“ und die m. E. dennoch bestehenden Probleme informieren. – Da die Tränken ebenso wie der Nektar von byFormica inzwischen im Internethandel angepriesen werden, kann sich der informierte Ameisenhalter danach entscheiden, welche Tränke und welche Füllung er bevorzugt.

MfG,
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Trailandstreet » Montag 17. April 2017, 14:15

Meine Formica haben ihre Dochttränke nun auch schon komplett eingebaut und ich kann sie nur noch per Kanüle weiederbefüllen.
Sie regulieren die Feuchtigkeit aber ganz gut selbst, indem sie mal den Docht mit einbauen, mal nicht.


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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon fehlfarbe » Dienstag 16. Mai 2017, 19:31

Da meine Componotus ligniperdus immer wieder den Docht meiner Tränke zerbissen haben und dann wieder im Wasserglas ertrunken sind, habe ich nun mal eine andere Methode probiert, die ich in einer Facebook Insektengruppe gelesen habe. Wasserlinsen!

photo_2017-05-16_18-55-16.jpg


Selbst die "schweren" Camponotus können bequem darauf laufen und nehmen das Wasser zwischen den Linsen auf. Nach ca. einer Woche konnte ich noch keine Leichen erkennen. Sonst waren es sicher 3-7 pro Woche.
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 16. Mai 2017, 21:34

Die hab ich auch schon gesehen. Irgendwie keine schlechte Idee.
Auf jeden Fall, wenn man die Arena, wo sie drinsteht, nicht bewegen kann oder muss. Nebenebei noch etwas Grün.

Was wohl meine Messor dazu sagen würden?
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Reber » Freitag 19. Mai 2017, 12:55

Die Ameisentränke mit den Wasserlinsen hat den Manica-Härtetest (bisher) bestanden. Gerdae Manica rubida neigt von all meinen Arten am stärksten dazu, Tränken zum Auslaufen zu bringen. Offene Wasserschälchen und Volgeltränken werden sofort mit Erde abgedeckt und sogar Docht-Tränken und solche mit feinsten Kanälen (zum Saugen) erfahren nach wenigen Tagen das gleiche Schicksal.

Die von fehlfarbe weiter oben vorgestellte Wasserlinsen-Tränke ist seit zwei Tagen im Formicarium und wird rege besucht. Die Ameisen machen bisher keine Anstalten sie abdecken zu wollen! Vielen Dank für den Tipp!

Ameisentränke mit Wasserlinsen (Lemna cf. minor).JPG
Manica rubida auf der Ameisentränke mit Wasserlinsen (Lemna cf. minor)
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Merkur » Freitag 19. Mai 2017, 14:05

Diese Wasserlinsen-Tränke dürfte jedenfalls leicht aufzufüllen sein; die schwimmen ja immer wieder hoch.
Aber brauchen sie nicht ordentlich Licht?
Ich habe vor langer Zeit mal einen Versuch gemacht, in kleinen Petrischalen (ein paar Zentimeter Durchmesser) den flüssigen Inhalt (Honigwasser) mit einer passend zugeschnittenen Scheibe Plastikfolie abzudecken. Die sinkt nicht ab, und ganz am Rand zwischen Folie und Wand der Petrischale bleibt ein feiner Spalt, in dem die Füllung für die Ameisen zugänglich ist. Leider habe ich nicht mehr in Erinnerung, mit welchen Arten ich das getestet hatte, vermutlich Lasius fuliginosus oder Formica s. str.; jedenfalls eine Art mit vielen Arbeiterinnen, die wir immer nur kurzfristig für Praktikumszwecke gehalten haben. Funktioniert hat es, und vielleicht probiert's mal jemand aus: Für die lichtarme Zeit im Winter, wenn es keine Wasserlinsen gibt, wäre es eine Alternative!

MfG,
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon Reber » Freitag 19. Mai 2017, 15:20

Ja, die Wasserlinsen brauchen viel Licht - und auch Nährstoffe! Das die Bedingungen in meinen Formicarien ausreichen, bezweifle ich, es wird sich aber bald zeigen. In den Mini-Teichen meinen Froschterrarien gehen die Linsen jedenfalls nach einigen Wochen ein. Warum kann ich nicht sagen. In einer Art Regenkübel auf dem Balkon gedeihen sie in den warmen Jahreszeiten ebenfalls prächtig. Im Winter sinken die Wasserlinsen dann teilweise ab oder werden in der Eisschicht eingefrohren. Die Plfanzen überleben das aber! Da ich sie im Aquarium ganzjährig zur Verfügung habe, ist es auch kein Unglück, wenn sie bei den Ameisen eingehen.

Danke, der Hinweis mit der Plastikfolie für Honigtränken ist gut, wiederum besonders bei Arten die Honigwasser abdecken, das sind bei mir vorallem Camponotus spp. Ausserdem dürfte die Flüssigkeit dann weniger schnell austrocknen. Werd ich mal aussprobieren!
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Re: Wassertank und Tränke

Beitragvon fehlfarbe » Dienstag 23. Mai 2017, 13:16

Ich hatte mir die Wasserlinsen aus einem Wasserfass, das im Nachbargarten steht, geholt. Die haben sich auch ohne zusätzliche Beleuchtung im Wohnzimmer gut vermehrt. Mal schauen, wie sie es bei den Ameisen im eher dunklen Schlafzimmer aushalten. Ansonsten kam mir auch schon die Idee einfach mit dem 3D Drucker ein feines Gitter zu drucken, das dann auf dem Wasser schwimmt.
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