Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Sonntag 17. September 2017, 15:11

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Focus.de berichtet über den Forscher Daniel Charbonneau und seine neue Studie:

"Faule Arbeiter: 40 Prozent der Ameisen machen gar nichts – warum ist das so?"

Ameisen sind der Inbegriff des fleißigen Arbeiters: Von außen wirkt ihr Nest wie ein Musterbeispiel von Teamwork, Spezialisierung und Aufopferungsbereitschaft. Dass in Wirklichkeit 40 Prozent der Ameisen gar nichts tun, haben Forscher bereits vor einiger Zeit festgestellt. Nun hat eine neue Studie untersucht, welchen Nutzen die „faulen“ Arbeiter im Ameisenvolk haben. [..]
[..] In einem Experiment entfernten sie demnach 20 Prozent der aktiven Arbeiter aus dem Ameisennest. Tatsächlich wurden diese innerhalb einer Woche durch Mitglieder der inaktiven Gruppe ersetzt, die ihre Aufgaben in der Kolonie übernahmen. „Wir hatten bereits vermutete, dass die ‚faulen‘ Ameisen als Reserve-Arbeitskräfte dienen“, erklärte Charbonneau gegenüber „phys.org“.

Doch die Forscher wollten auch die anderen Hypothesen überprüfen und markierten dafür Ameisen im beobachteten Nest mit farbigen Punkten, um ihre Wege nachzuvollziehen. Dadurch konnten sie im Ameisenvolk vier Gruppen identifizierten: Die „faulen“ Arbeiter, die „Nest-Wanderer“, die Sammler und Baumeister und schließlich die Arbeiter, die sich um den Nachwuchs kümmern.

Charbonneau und sein Team stellten dabei fest, dass die inaktiven Ameisen im Gegensatz zu den anderen Gruppen einen aufgeblähten Hinterleib haben. Das könnte vom „faulen“ Lebensstil der Exemplare herrühren. Doch laut den Forschern sind sie womöglich „lebende Vorratskammern“. Sprich: In Notzeiten könnten die inaktiven Arbeiter der Kolonie als Nahrungsquelle dienen.

Tatsächlich scheint es aber nicht so zu sein, dass das Ameisenvolk aktiv dafür arbeitet, diese 40-Prozent-Reserve zu erhalten: Die Forscher entfernten die „faulsten“ 20 Prozent der Ameisen und beobachteten die Reaktion. Es gab keine. „Es sieht nicht so aus, als ob aktive Arbeiter ihre Aufgaben vernachlässigen, um selbst zu inaktiven Ameisen zu werden“, so Charbonneau.
Fazit: "Die Autoren der Studie sehen Bezüge zu wirtschaftlichen Überlegungen in unserer Gesellschaft. Eine Reserve gleich welcher Art hat einen Nutzen, doch sie ist stets einer Kosten-Nutzen-Rechnung verbunden. „Es geht immer darum, die Kosten für den Erhalt einer Reserve so gering wie möglich zu halten“, sagte Charbonneau „phys.org“. Ameisen dienen also weiterhin als Beispiel für Effizienz."


- Faule Arbeiter: 40 Prozent der Ameisen machen gar nichts – warum ist das so? / http://www.focus.de/wissen/natur/tiere- ... 02856.html
- Lazy ants make themselves useful in unexpected ways / https://phys.org/news/2017-09-lazy-ants ... -ways.html

Paper: Who needs ‘lazy’ workers? Inactive workers act as a ‘reserve’ labor force replacing active workers, but inactive workers are not replaced when they are removed / http://journals.plos.org/plosone/articl ... ne.0184074
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Donnerstag 12. Oktober 2017, 10:56

Ameisen können Selbstbeherrschung

Der Deutschlandfunk berichtet über eine neue Studie der Uni Regensburg:

Ameisen sind Feinschmecker: Sie wählen nicht automatisch das Futter aus, das ihnen am nächsten ist, wenn etwas weiter entfernt eine bessere Nahrungsquelle wartet.

Das berichten Zoologen der Universität Regensburg in den Biology Letters. Sie schließen daraus, dass die Ameisen über Selbstbeherrschung verfügen.

Getestet haben sie das Ganze in einem Laborexperiment. Dafür haben sie einen guten Meter vom Nest der Schwarzen Wegameise eine hoch konzentrierte Zuckerlösung bereit gestellt. Nachdem die Tiere diese Futterstelle besucht hatten, haben sie eine zweite Futterstelle installiert. Die lag auf der Hälfte der Strecke, die Zuckerkonzentration war aber nicht so hoch. Knapp 70 Prozent der Ameisen ignorierten beim darauf folgenden Testlauf das schlechtere Futter und nahmen den längeren Weg in Kauf. Waren die Zuckerlösungen dagegen gleich gut, wählten mehr als 80 Prozent der Ameisen die näher gelegene Futterquelle. [..]

Ein schöner Versuch zum Na(s)ch-machen! :)

Zum Bericht: https://www.deutschlandfunknova.de/nach ... herrschung
Zum Paper/Abstract: http://rsbl.royalsocietypublishing.org/ ... 0/20170450
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Re: Ameisen: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Beitragvon Emse » Samstag 14. Oktober 2017, 15:24

Nichts Weltbewegendes, aber m.E. doch eine Meldung wert:

Ameisenköniginnen begraben Artgenossinnen

Manchmal machen Ameisenköniginnen etwas, das sonst nur Arbeiterinnen tun: Sie zerstückeln und bestatten tote Artgenossinnen von gleichem Rang. Laut Forschern mindern sie so die Gefahr einer Pilzinfektion, die von den Leichen ausgeht.

Manchmal gründen zwei Jungköniginnen der „Schwarzen Wegameise“ (Lasius niger) gemeinsam eine Kolonie. Sie verschließen sich in einem unterirdischen Nest mit einer oder mehreren Kammern, legen Eier und ziehen die geschlüpften Jungen auf, die zu kräftigen Arbeiterinnen heranwachsen und sie dann versorgen werden. Bis es so weit ist, leben Ameisenhoheiten ausschließlich von ihren Fettreserven und Muskelabbau, denn sie sind von der Umwelt abgeschottet. Infektionen, aber auch starke körperliche Aktivität sind für sie in diesem Stadium oft tödlich. [..]


Quelle: http://science.orf.at/stories/2871970/
Paper: https://bmcevolbiol.biomedcentral.com/a ... 017-1062-4
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