Parabiose: Zwei Arten teilen sich ein Nest

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Parabiose: Zwei Arten teilen sich ein Nest

Beitragvon Merkur » Donnerstag 8. März 2018, 18:54

Thomas Parmentier, Kolo Yeo, Wouter Dekoninck, Tom Wenseleers (2017): An apparent mutualism between Afrotropical ant species sharing the same nest. - Behav Ecol Sociobiol (2017) 71:46 DOI10.1007/s00265-017-2274-8
https://bio.kuleuven.be/ento/pdfs/parme ... ualism.pdf
(Mutualismus zwischen afrotropischen Ameisen, die gemeinsam in einem Nest leben, Platythyrea conradti und Strumigenys maynei.)

Abstract
Social insects have a highly developed nestmate and species recognition system that is quite effective at keeping out unwanted intruders. Rare cases of “parabiosis”, however, are known in some ants where two species apparently live peacefully alongside each other within the same nest. Here we report on such an association between the tiny Afrotropical ant Strumigenys maynei and the large ant Platythyrea conradti. We demonstrated that both ants peacefully share the same arboreal nests in spite of the presence of clearly distinct nestmate recognition cues. Because of the large size differences, we hypothesized that each of the two species would benefit from specializing in carrying out particular tasks, in analogy to the size-related division of labor observed in species with size-polymorphic workers. In line with this theory, we found that the tiny ant S. maynei was highly efficient at nest defense against intranidal arthropods and alien ant intruders, whereas the large ant P. conradti was highly skilled in nest-engineering. We argue that the described association is likely mutualistic, as P. conradti clearly benefited from the supreme defense capabilities of S. maynei, and that, conversely, S. maynei took advantage of small prey thriving in the organic nest material collected by P. conradti.

Zusammenfassung:

Soziale Insekten haben ein hoch entwickeltes System zur Erkennung von Arten und Nestgenossen, das unerwünschte Eindringlinge sehr effektiv fernhält. Es sind jedoch einige wenige Fälle von Parabiose bekannt, wobei zwei Arten offenkundig friedlich zusammen in ein- und demselben Nest leben.
Hier berichten wir über eine solche Vergesellschaftung zwischen der winzigen afrotropischen Ameise Strumigenys maynei und der großen Platythyrea conradti. Wir zeigten, dass die beiden Ameisen trotz deutlicher Mechanismen zur Erkennung von Nestgenossen friedlich dasselbe Baumnest bewohnen. Aufgrund der beträchtlichen Größenunterschiede stellten wir die Hypothese auf, dass die beiden Arten Vorteile von einer Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeiten haben könnten, analog zu der größenabhängigen Arbeitsteilung bei Arten mit größenpolymorphen Arbeiterinnen. Entsprechend dieser Theorie fanden wir, dass die winzige S. maynei besonders effektiv war bei der Verteidigung des Nestes gegen im Nest befindliche Arthropoden und fremde Ameisen-Eindringlinge, während die große P. conradti besonders gut im Nestbau war. Wir diskutieren, dass die beschrieben Vergesellschaftung wahrscheinlich mutualistisch (zum beiderseitigen Vorteil) ist, indem P. conradti von de klar überlegenen Verteidigungsfähigkeit der S. maynei profitiert, während umgekehrt S. maynei Vorteile daraus zieht, dass das von P. conradti zusammengetragene organischen Nestmaterial von kleinen Beutetieren besiedelt ist.

Eine der Abbildungen aus der Arbeit zeigt die erstaunliche Vielfalt von Mitbewohnern eines Gemeinschaftsnestes der beiden Ameisenarten:

Mischnest-Ameisen.jpg
Fig. 1: Aus dem Mischnest der zwei Arten

FIGURE 1. Overview of the compound nest microcosm of Platythyrea conradti¬ and Strumigenys maynei and some interactions. A. Inhabitants of the compound nest: (1) P. conradti, (2) S. maynei, (3) Pselaphinae sp. (subtribe Batrisina) (4) Holotrochus sp. (5) adults and nymphs of Neoasterolepisma delamarei. B. Aggression between workers of S. maynei originating from different nests. C. Aggression between workers of P. conradti originating from different nests. D. P. conradti and S. maynei queen, workers and alate queen. E. Typical compound nest with opening at a height between 1 and 2 m filled with organic material. The dotted line indicates the shape and depth of the nest in the hollow branch. The brown polygon represents the plug of organic material at the nest entrance.

Abb. 1: Blick auf den Mikrokosmos im zusammengesetzten Nest von Platythyrea conradti und Strumigenys maynei sowie einige Interaktionen.
A: Bewohner des Nestes, 1) P. conradti, (2) S. maynei, (3) Pselaphinae sp. (subtribe Batrisina, Staphylinidae) (4) Holotrochus sp. (Staphylinide) (5) Adulte und Larven von Neoasterolepisma delamarei (Fischchen).
B: Aggression zwischen Arbeiterinnen von S. maynei aus verschiedenen Nestern. C. Aggression zwischen Arbeiterinnen von P. conradti aus verschiedenen Nestern. D: P. conradti und Königin, Arbeiterinnen und geflügelte Königin von S. maynei. E. Typisches zusammengesetztes Nest mit Eingang in 1 bis 2 m Höhe, der mit organischem Material gefüllt ist. Die gepunktete Linie umschreibt Form und Tiefe des Nestes in einem hohlen Ast. Das braune Polygyon stellt den Stopfen von organischem Material im Nesteingang dar.

MfG,
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