Kleptobiose: Attini-Arten bestehlen einander

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Kleptobiose: Attini-Arten bestehlen einander

Beitragvon Merkur » Dienstag 2. Oktober 2018, 17:07

https://link.springer.com/article/10.10 ... 018-0632-9
Ronque, M.U.V., Migliorini, G.H. & Oliveira, P.S. Insect. Soc. (2018) 65: 507. https://doi.org/10.1007/s00040-018-0632-9
Thievery in rainforest fungus-growing ants: interspecific assault on culturing material at nest entrance. Insectes Sociaux 65: pp 507–510

Diebstahl unter Pilzzüchter-Ameisen im Regenwald: Interspezifischer Raub von Pilzsubstrat am Nesteingang.

Kleptobiose (seinen Lebensunterhalt mit Diebstahl bestreiten) nennt man bei sozialen Insekten eine interspezifische Beziehung, in der Angehörige einer Art Nahrung oder sonstige Ressourcen von Angehörigen einer anderen Art stehlen. In der Arbeit wird u.a. mit Videoaufnahmen im Freiland über den ersten Fall von Kleptobiose bei pilzzüchtenden Ameisen berichtet, aus brasilianischen Regenwald an der Atlantikküste, nahe Ubatuba, São Paulo.
Arbeiterinnen von Mycetarotes parallelus, der häufigsten Art der Gattung, lungern am Nest und den Futterwegen von Mycetophylax morschi herum, greifen heimkehrende furagierende Arbeiterinnen von M. morschi an und nehmen ihnen Substrat für den Pilzgarten ab. Die diebische Mycetarotes attackiert eine Mycetophylax und zerrt ihr die Last heftig aus den Mandibeln (Bild) um sie dann ins nahe gelegene eigene Nest zu bringen. In allen Beobachtungen handelte es sich dabei um Kot von Arthropoden, das häufigste von Mycetarotes als Substrat für die Pilzzucht benutzte Material. Laut Text enthält der Pilzgarten sowohl der Diebe als auch der Bestohlenen neben ca. 50 % Arthropoden-Kot auch pflanzliches und anderes Material, das beide Arten ebenfalls eintragen.
Das Rauben/Stehlen wird als eine Form von Konkurrenz erachtet, womit die Angreifer notwendige Ressourcen für ihre Pilzzucht erhalten. Die Autoren betonen, dass die Langzeiteffekte dieses Verhaltens sowie damit verbundenen Kosten und Nutzen für die beteiligten Arten weiterer Untersuchungen bedürfen. Sie haben ihre Beobachtungen auch nur an wenigen Kolonien beider Arten gemacht, wobei im genauer analysierten Fall zwei Kolonien, je eine von Mycetarotes parallelus und von Mycetophylax morschi, in ca. 55 cm Abstand lagen und über acht Stunden ununterbrochen beobachtet wurden.

Fig.1-66.jpg
Hier wird Kot geraubt.
Aus Ronque et al. 2018, Ins. Soc. 65

Lange Zeit hatte ich mir gewünscht, mit solchen „kleinen“ Pilzzüchter-Ameisen arbeiten zu können. Die Völker sind ähnlich übersichtlich wie die der Formicoxenini, haben meist nur eine kleine Pilzkammer und umfassen oft nicht mehr als gut 100 Arbeiterinnen. Leider liegen die Nester oft ziemlich tief im Boden, so dass man graben muss um an Pilzgarten und Königin zu kommen. In den tropischen Regionen, wo diese Ameisen leben, ist das sicher eine schweißtreibende Angelegenheit, wenngleich bei weitem nicht so aufwändig wie das Ausbuddeln von Atta-Nestern. Es gibt zahlreiche Arten, und so allmählich erfährt man mehr über ihre sicher vielfältige Lebensweise.

MfG,
Merkur
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Re: Kleptobiose: Attini-Arten bestehlen einander

Beitragvon Emse » Mittwoch 3. Oktober 2018, 17:28

Die kleinen frechen Racker! Sehr interessant, besonders das zweite Video im o.g. Link! :D

OT / Zu der in Merkurs Beitrag eingefügten Zeichnung ist mir folgender FAZ-Artikel aus dem letzten Monat wieder in den Sinn gekommen, ich hoffe, ich darf ihn hier anhängen:

Gegen den Strich / Von ANDREAS FREY /18.09.2018 · " Wissenschaftliches Zeichnen ist eine Kunst, die auf eine große Tradition zurückblickt. Heute beherrschen sie nur noch wenige. Ein Meister seines Faches ist der Schweizer Armin Coray. [..] " / Ganzer Artikel und Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben ... 86044.html / edit wg. Kürzung / OT Ende.
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