Flusspferde verwildern in Kolumbien

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Flusspferde verwildern in Kolumbien

Beitragvon Merkur » Donnerstag 21. Januar 2021, 17:08

Es ist kaum zu fassen!

Hier stieß ich auf einen Bericht bei t-online:
Kolumbiens Drogenbaron - Forscher wollen Escobars "Kokain-Hippos" töten lassen 20.01.2021, 09:01 Uhr | dpa

Nilpferd.jpg
aus dem Artikel
Ein afrikanisches Nilpferd in Kolumbien: Die Tiere breiten sich um das alte Anwesen von Escobar herum aus. (Quelle: Juancho Torres/Getty Images)

In Kolumbien breiten sich afrikanische Nilpferde aus, die der Drogenbaron Pablo Escobar einst in das Land gebracht hat. Nun sollen die Tiere auf drastische Weise gestoppt werden.
Die Nachkommen von Pablo Escobars Nilpferden sollten nach Ansicht von Forschern möglichst bald in ihrer Ausbreitung gebremst werden – auch mit drastischen Mitteln. Die Experten fürchten, dass sich die vermehrungsfreudigen Tiere in größeren Teilen Kolumbiens niederlassen.
Der Drogenbaron Escobar brachte einst vier afrikanische Flusspferde auf seine Hacienda Nápoles, zuletzt streiften geschätzt zwischen 65 und 80 Tiere durch die Region.
Die Nilpferde stören das Ökosystem
"Unsere Ergebnisse zeigen die dringende Notwendigkeit, dass die kolumbianischen Behörden kritische Management-Entscheidungen treffen, um das Populationswachstum und die Ausbreitung der Flusspferde zu begrenzen", schreiben die Forscher im Fachblatt "Biological Conservation". Eine Tötung sei vermutlich die einzige Maßnahme, mit der das Problem in den Griff zu kriegen sei. Die Tiere zerstören Felder, bringen das Ökosystem aus dem Gleichgewicht und Anwohner in Gefahr.
Nachdem Escobar 1993 von Sicherheitskräften erschossen worden war, verfiel die Hacienda Nápoles. Die Nilpferde zogen in die umliegenden Wälder und pflanzten sich fort. Weil sie bisweilen auch Menschen angreifen, sind die bislang praktizierten Maßnahmen wie Kastration und Sterilisation nicht nur aufwendig und offensichtlich wenig wirksam, sondern auch gefährlich.
"Kokain-Hippos" sind Touristenattraktion geworden
"Die Option, sie zu töten, war immer auf dem Tisch", sagte der Biologe David Echeverry von der regionalen Umweltagentur Cornare "CNN". "Allerdings ist es sehr schwierig, sich vorzustellen, dass dies im Moment passieren könnte." Die Bewohner hätten sich an die Nilpferde gewöhnt, diese seien eine Touristenattraktion geworden.
In gewisser Weise stehen die sogenannten Kokain-Hippos stellvertretend für das Erbe Escobars, den viele Kolumbianer zwar am liebsten vergessen würden – was allerdings nicht so leicht ist. Auch den Forschern scheint bewusst zu sein, dass ihre Empfehlungen schwer umzusetzen sind: "Weil das Flusspferd eine sehr charismatische Art ist, ist der Ansatz (der Tötung) nicht frei von Kontroverse."
Verwendete Quellen: Nachrichtenagentur dpa

Weitere Berichte:
s.a. https://rp-online.de/panorama/ausland/p ... d-49163845

https://www.spiegel.de/panorama/kolumbi ... 0f80a498d4

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inha ... a765d.html
Die Stuttgarter Zeitung vom 12. März 2020 enthält dazu einen Beitrag, aus dem ich doch zitieren möchte:
Eine Ökologin in Australien sieht die Sache deutlich positiver
David Echeverri, Biologe bei der staatlichen Umweltorganisation Cornare und so etwas wie der kolumbianische Hippo-Beauftragte, wägt die verschiedenen Alternativen ab und sagt: „Entweder sind sie schwer umsetzbar oder nicht bezahlbar“. Die Kolosse einfangen und in Reservaten wieder auswildern, sei aufwendig und kompliziert, da die Hippos nicht wirklich handzahm sind. Und es löse das Problem der Vermehrung nicht. Eine andere Möglichkeit ist die Unterbringung in Zoos. Aber wer nimmt schon 80 Flusspferde? 2018 brachte man ein junges Flusspferd in einen Tierpark. Die Aktion kostete umgerechnet 4000 Euro.
Das Mittel der Wahl soll also nun die Unfruchtbarmachung der Schwergewichte sein. Aber auch das ist ja nicht gerade einfach. Man muss die Tiere einfangen, narkotisieren und sie dann kastrieren oder die Weibchen sterilisieren. Auch hier gilt: kostspielig und gefährlich. Im fernen Australien hat auch die Ökologin Arian Wallach von der Technischen Universität von Sydney von den Dickhäutern in Kolumbien gehört. Sie findet es einen „Segen“, dass die vom Aussterben bedrohten Flusspferde außerhalb Afrikas einen Zufluchtsort gefunden haben. Die Tatsache, dass es wilde Hippos in Südamerika gebe, sei „eine wunderbare Geschichte von Überlebenswille, Handlungsfähigkeit und Pioniergeist“.

Ob die Menschheit jemals etwas lernt? Ausgerechnet eine australische Ökologin äußert sich derart, wo doch Australien gerade der Kontinent ist, auf dem die Freisetzung exotischer Tiere und Pflanzen bekanntlich katastrophale Folgen für die einzigartige Flora und Fauna hat! Es ist wirklich nicht zu fassen!

MfG,
Merkur
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