Buchtipps

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Re: Buchtipps

Beitragvon Merkur » Dienstag 13. Dezember 2016, 16:51

Neu: Ameisen von Afrika und Madagaskar

Nachdem doch ziemlich viele Ameisen aus Afrika angeboten werden, hat der eine oder andere vielleicht doch Interesse an diesem Werk:
http://www.ucpress.edu/book.php?isbn=9780520290891
Ants of Africa and Madagascar
A Guide to the Genera, vol. 2
Brian L. Fisher, Barry Bolton 2016,
Paperback, 512 pages
ISBN: 9780520290891
$49.95, £41.95

Across the Afrotropical and Malagasy regions, ants are one of the most conspicuous and ecologically dominant animal groups. From driver ants to weaver ants, there are over 2,000 species in Africa alone and over 600 in Madagascar.
Ants of Africa and Madagascar introduces readers to the fascinating and diverse ant fauna of the Afrotropical and Malagasy regions. Featuring illustrated keys to subfamilies, separate keys to Afrotropical and Malagasy ant genera, and distribution maps, it also describes diagnostic characters, explores ant ecology and natural history, and includes a list of all currently recognized ant species in the regions. This detailed guide is an essential tool for entomologists and myrmecologists working with and learning about this diverse population of Formicidae.

AntWiki:
Brian Fisher and Barry Bolton's just published Ants of Africa and Madagascar is a must-have for anyone interested in the biology and identification of ants, even those never intending to visit Africa or Madagascar. It sets a new standard for regional treatments, bringing together a vast amount of information and illustrations in a very accessible and well presented format. Congratulations to both on pulling off such a huge task.

E.O.Wilson:
“Ants of Africa and Madagascar is a seminal contribution to ant classification, opening up the last and least explored of the three great tropical continental faunas. The opportunities it provides for ecology and sociobiology are immense.”—Edward O. Wilson, University Research Professor Emeritus, Harvard University


Ich selbst habe es noch nicht, werde es mir aber wahrscheinlich zulegen.
MfG,
Merkur
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Re: Buchtipps

Beitragvon Merkur » Sonntag 4. Februar 2018, 15:59

Zu Weihnachten verschenkt man gerne Bücher, und wenn die Ameisen in der Natur noch nichts hergeben, liest man sie sogar gerne. :)
Bei mir lag ein Buch auf dem Gabentisch, auf das ich hier hinweisen möchte:

Die Stadt des Affengottes: Eine unbekannte Zivilisation, ein mysteriöser Fluch, eine wahre Geschichte (2017)
von Douglas Preston (Autor),‎ Jürgen Neubauer (Übersetzer).

Ich habe es geradezu verschlungen! Es ist eben keine Science Fiction, nicht irgendein Abenteuer-Roman, sondern ein weitgehend spannend geschriebener Bericht über ganz aktuelle Forschung aus dem Bereich der Archäologie (für die ich mich auch „schon immer“ etwas interessiert habe).
Vieles erinnert mich an eigene Forschungsreisen, die Probleme mit der Organisation solcher Unternehmungen, den notwendigen Bürokratismus, die gesundheitlichen Risiken in den Tropen usw., wenn auch in ganz anderen Dimensionen als bei einer simplen Ameisen-Forschungsreise nach Borneo.
Es spielt im Regenwald von Honduras, einer Region, die touristisch noch unterentwickelt ist, und in einem Bereich, der seit Maya-Zeiten (vor ca. 500 Jahren) verlassen und völlig unberührt vom Dschungel überwuchert wurde. Zugänglich nur mit Hubschrauber, und zunächst nur mit einem modernen Radar-Verfahren (Lidar) zu entdecken.

Das Buch enthält reichlich Hinweise auf Quellen. Ein paar habe ich überprüft: Sie sind real, und somit ist auch der Inhalt des Buches glaubwürdig.
Sehr deutlich wird, welch unglaublich hoch entwickelte Zivilisationen zugrunde gingen, als die Europäer ihre Krankheitserreger in die Neue Welt einschleppten und riesige Gebiete damit entvölkerten. Man weiß es theoretisch. In dem Buch kann man nachempfinden, wie das auf die indigene
Bevölkerung gewirkt haben muss.
Ameisen: Sogar die Paraponera clavata kommt vor, und irgendwelche roten Ameisen, deren Biss oder Stich einen Krankenhaus-Aufenthalt notwendig machen soll. Diese Art kann ich nicht einordnen, was aber dem Ganzen nicht weiter abträglich ist.
Die Angst des Archäologenteams vor der Lanzenotter kann ich nachempfinden: Hätte es das Buch früher gegeben, hätten wir 2007 vielleicht im Regenwald von Peru nicht so ruhig in offenen Hütten genächtigt (s. Bild! Kurz vor unserer Ankunft dort hatten die einheimischen Betreuer der “Lodge“ gerade eine Lanzenotter gevierteilt). Doch es gibt weitere sehr unangenehme Gefahren, denen die Forscher nicht entgehen konnten…

Im Internet-Buchhandel kann man einige recht unterschiedliche Rezensionen lesen. Aus zwei sehr negativen sei zitiert:
-„Extrem in die Länge gezogen mit vielen langweiligen Recherchen und spekulativen Informationen. Alles andere als ein abenteuerlicher Reisebericht, den ich eigentlich erwartet hatte. Ich habe in der Hälfte aufgehört zu lesen.“
-„Es ist wohl eher ein Sachbuch.“
Ich denke jedenfalls, dass mancher Naturfreund das Buch mit Gewinn lesen kann. :)

389-Peru-Regenwald-Villa.jpg
Peru 2007, Touristen"zimmer"
Nicht das "Dschungelcamp", sondern eine Lodge an einem Nebenfluss des Amazonas, im Regenwald. Die Person steht in einem der Zimmer: ohne Fenster, ohne Tür, ohne Schrank, nur zwei Betten, und nach fünf Minuten wimmelte der Rucksack von "kleinen schwarzen Ameisen"! - Schön war's trotzdem! :D

MfG,
Merkur
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Re: Buchtipps

Beitragvon Merkur » Mittwoch 27. Juni 2018, 14:15

Ameisenfarmen: Das ultimative Formikarium-Handbuch (?)

Im fc-Formiculture Forum wurde kürzlich ein Buch erwähnt: Ant Farms: Ultimate Formicarium Handbook (English Edition) Kindle Edition, erschienen März 2018.
https://www.amazon.de/Ant-Farms-Ultimat ... B07BK7QGKM von Angela Hayes (Autor) 176 Seiten. Taschenbuch € 8.03; Kindel-edition gratis.
Inhaltsverzeichnis und Vorschau: https://www.amazon.de/Ant-Farms-Ultimat ... B07BK7QGKM

Klingt zunächst ganz gut, und nach einem umfassenden Buch zur Ameisenhaltung wird ja öfter gefragt.

Klickt man allerdings auf den Autornamen, tauchen mehrere Bücher von "Angela Hayes" auf, doch aus ganz anderen Gebieten: https://www.amazon.de/s/ref=dp_byline_s ... evancerank

Ein User im fc-Forum schreibt:
"I would not recommend this book to anyone who has basic knowledge of ants and there care. This would be a decent book for all those kids who watched A. C. Videos and overnight want to have ants. Very basic info and nothing in depth."

(Ich würde dieses Buch keinem empfehlen, der Grundkenntnisse über Ameisen und deren Haltung hat. Es wäre ein geeignetes Buch für alle solche Kinder, die Ants Canada- Videos gesehen haben und über Nacht Ameisen haben wollen. Sehr einfache Informationen und nichts tiefer gehendes).

Mein erster Blick in die Vorschau fiel (unter Lasius niger) auf die Angabe, dass nicht alle Ameisenarten Stachel haben, sondern Ameisensäure versprühen. Die mit Stachel jedoch nutzen diesen um die Ameisensäure in die Haut zu injizieren. Falsch!

Die Sache erinnert mich an einen Buchtipp aus 2015, zu einem Werk von Götz v. Berkstein.
MfG,
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Re: Buchtipps

Beitragvon Reber » Samstag 1. Dezember 2018, 01:08

Falls jemand gerade auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für Bienenfreunde ist, so kann ich das Buch

Die Wildbienen Deutschlands


von Paul Westrich nur ans Herz legen. Der Nachteil gleich vorweg: Es ist ein teures Geschenk. Aber es lohnt sich! Der Schunken hat fast A4 Format und ist 5,5 cm dick, er enthält auf über 800 Seiten 1700 Farbfotos(!) 560 Artensteckbriefe und eine unglaubliche Fülle an Informationen:
- über die Lebensweise der Bienen (inkl. Hummeln und sogar der Honigbiene)
- über die Lebensräume der Arten, Nistplätze, Baumaterial und Nahrungsräume
- darüber welche Arten an welchen Nahrungspflanzen zu finden sind
- über Nutzniesser und Gegenspieler

Einen Eindruck erhält man hier:
https://www.wildbienen.info/ibn/buch_wi ... hlands.php
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„Im Leben fängt man dann und wann
wieder mal von vorne an“
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Re: Buchtipps

Beitragvon Merkur » Freitag 11. Januar 2019, 18:00

Fliegen binden…


Weihnachten hinterlässt seine Spuren, und bis ich das hier vorgestellte Buch geschenkt bekam, hatte ich bei „Fliegen binden“ nur an die Propeller gedacht, die man sich anstatt Krawatte unters Kinn klemmen kann.
Doch hier geht es um Fliegen, die als Köder für eine bestimmte Form des Angelns hergestellt und verwendet werden, das „Fliegenfischen“.
(Nebenbei: Kaum hatte ich mich bei Wikipedia über diesen Sport schlau gemacht, hat mir Google jede Menge Angebote für Fliegenfischer-Kurse, Spezialangeln zu atemraubenden Preisen, Zubehör, Wathosen usw. unterbreitet. :D )

Zur Einführung genügt vielleicht das Bild, samt dem Text auf dem Umschlag:
Federndieb.jpg
Erschienen 2018, € 22.99
Es geht also um das „Binden“ solcher Köder unter Verwendung von Vogelfedern, das sich irgendwann zu einem Hobby entwickelt hat, mit Spezialshops für alles mögliche Zubehör, Materialien, Internet-Seiten, Foren, internationalen Symposien und Wettbewerben. Man hat den ursprünglichen Zweck der Köder weit hinter sich gelassen; sie wurden viel zu kompliziert, aufwändig und teuer, wurden schließlich als Kunstwerke deklariert.
Das auffälligste Material waren Vogelfedern, möglichst bunt, von möglichst exotischen Vögeln, wobei sich auch rasch ein Schwarzmarkt für Federn und ganze Bälge (fast) ausgestorbener und geschützter (CITES!) Arten entwickelt hat. Die Preise gingen durch die Decke.

Das Buch spielt in der jüngsten Zeit, handelt von einem zunächst rätselhaften Einbruch im Juni 2009 in eine Abteilung des British Museum, bei dem gegen 300 Vogelbälge, u. a. von Paradiesvögeln und Quetzals, aus dem Magazin gestohlen wurden, von einem fanatischen "Fliegenbinder". In dem Buch geht es um Hintergründe (um nicht zu sagen „Abgründe“), und um die jahrelange (bis 2016) Aufklärung und Jagd nach den gestohlenen Bälgen und Federn.
Für den Biologen besonders interessant sind die Anfangskapitel: Vieles, das man im Bio-Studium so nebenbei mitbekommt, wird hier knapp und treffend wiedergegeben, und das in einem spannenden, sehr guten Stil. So erfahren wir Genaueres über Alfred Russel Wallace, bekannt als „Konkurrent“ von Charles Darwin, der im 19. Jh. vor allem in der südostasiatischen Inselwelt anhand tropischer Vögel parallel zu Darwin die Evolutionstheorie entwickelt hatte. Aus seinen Belegsammlungen stammte ein Teil der geraubten, für die Wissenschaft unersetzbar wertvollen Vogelbälge. Sie wurden verkauft zum Teil zerrupft, Federbüschel einzeln verhökert, um noch mehr Gewinn zu ziehen. Ganze Bälge erzielten Preise, die mit denen von Myrmecia-Gynen vergleichbar waren…
Beute-IMG130.jpg
Aus einer der Bilderseiten

Aber man bekommt auch Einblick in eine Zeit, von der wir nicht mehr viel wissen: Bereits um 1700 wurden Vogelfedern in riesigem Umfang zur Verzierung von Kleidungsstücken und Hüten, als Modeartikel, verwendet! Man liest haarsträubende Zahlen über den Verbrauch von Wildvögeln in der viktorianischen Epoche. Es war eine ganze Industrie: Ende des 19. Jh. importierte allein Frankreich 45.000 Tonnen (!) Federn; in London wurden in Auktionen 155.000 Paradiesvögel verkauft. Um 1900 waren in New York 83.000 Menschen im (Feder-) Hutmachergewerbe tätig, dem jährlich (!) in Nordamerika ca. zweihundert Millionen Vögel zum Opfer fielen. Nur Diamanten waren zu dieser Zeit wertvoller als Vogelfedern. Usw., lest selbst! - Mir war der Umfang dieses Missbrauchs von Natur und wild lebenden Tieren nicht bekannt, obwohl ich in meiner Jugendzeit noch Federboas und Straußenfeder-Fächer erlebt habe.

Das Buch ist bestens recherchiert, mit zahlreichen Quellenangaben. Passend auch, dass Handelsverbote (in USA um 1900) auf Widerstand bei den Händler-Organisationen stießen, mit Hinweis u.a. auf den Verlust von Arbeitsplätzen. „Diese Federleute kämpfen mit der gleichen Bösartigkeit für ihr schändliches Gewerbe wie früher die Sklavenhändler“ (so ein prominenter Naturforscher in der New York Times).

Ich habe das Buch nicht gerade mit Freude, aber mit viel Interesse gelesen. Enttäuschend (aber leider ebenfalls realistisch) ist am Ende, wie Justiz und Naturschutzbehörden mit dem Fall umgegangen sind, und mit welcher Gedankenlosigkeit man sich an Naturschätzen vergreift.
- Ich hoffe, dass der eine oder andere Naturliebhaber in den Ameisenforen mal reinschaut; Bücher kann man ja auch in öffentlichen Bibliotheken einsehen und ausleihen. ;)

MfG,
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