Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon LynnLectis » Samstag 25. April 2015, 03:17

Reber hat geschrieben:Für alle anderen Arten gilt dieser Schutz allerdings nicht und sie dürfen ohne Bewilligung in Schulen und Haushalten gepflegt werden.


Dazu habe ich noch recherchiert, weil ich das einfach nicht so gelernt habe, d. h. bei uns sind allgemein Eingriffe in die Natur verboten, im Wald sowieso, aber auch auf Wiesen, denn diese gehören (wie auch viele Wälder) Bauern, die das überhaupt nicht gern sehen. Allein schon für das Suchen von Löwenzahnblättern für meine Kaninchen musste ich den Bauern um Erlaubnis fragen, sonst erntet man böse Blicke. Und im Wald ist es grundsätzlich verboten, diesen zu befahren, zu roden oder dort einfach zu graben oder sonst zu dessen Benachteiligung zu nutzen, weil allgemein der Waldboden schon geschützt ist, auch wenn er nicht auf der Roten Liste selbst auftauchen mag. Aber es gibt auch eine Art Grundschutz der Naturlandschaft. Im Grunde genommen dürfen also nur auf dem eigenen Grund und Boden (Garten) Tiere aus dem Boden entnommen worden.

http://www.admin.ch/opc/de/classified-c ... x.html#a16

In Deutschland nennt man das Eingriffsregelung, dort läuft es ähnlich:
https://de.wikipedia.org/wiki/Eingriffs ... eutschland
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Klassenprojekt » Samstag 25. April 2015, 08:31

na dann ist es ja wohl gescheiter eine DVD zu kaufen und die Ameisen so anzuschauen... :roll:

Finde es ein wenig bedenklich, wenn man ein Tier nicht für eine kurze Zeit näher beobachten kann/darf, um es besser zu verstehen und von ihm zu lernen und es dann wieder an einen guten Platz freilässt. Aber ein Tier, das eigentlich in der Natur zu Hause ist,oder sogar in einem anderen Land, sein Leben lang in einem "Käfig" zu halten ist ok. hmmm.... :?:
Ausser es handelt sich um bedrohte Tierarten...wobei es dann dennoch sinnvoller ist, sich dafür einzusetzen, dass es dem Tier in seiner natürlichen Umgebung am besten geht..

Mit pro natura werden wir in der Nähe auch einen Ameisenhügel besichtigen. Ich denke aber, dass die Kinder von einem kurzen Besuch in einem Museum weniger profitieren, als wenn man das Tier täglich beobachten kann.
Ausserdem wäre die Fahrt zu einem Naturmuseum über 2 Stunden von uns aus und vermutlich zu teuer.

Ich verspreche also, falls ich wirklich im Klassenzimmer Ameisenbesuch haben sollte, dass ich mein Bestes geben werde, dass es den Tieren bei uns gut geht und dass sie wohlbehalten wieder zurück in die Natur oder zu einer lieben Person kommen :) Und die Kinder zu sensibilisieren und mit ihnen natürlich zu besprechen, dass sie nun nicht einfach Ameisen mit nach Hause nehmen können...
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon LynnLectis » Samstag 25. April 2015, 13:12

Klassenprojekt hat geschrieben:Ich verspreche also, falls ich wirklich im Klassenzimmer Ameisenbesuch haben sollte, dass ich mein Bestes geben werde, dass es den Tieren bei uns gut geht und dass sie wohlbehalten wieder zurück in die Natur oder zu einer lieben Person kommen :)


Also zurück in die Natur geht eben nicht so einfach, darauf hat schon Reber hingewiesen:

Reber hat geschrieben:Einfach so am gleichen Ort freilassen kann man die Ameisen nicht mehr. Denn nach einer längeren Trennung ändert sich der Koloniegeruch und die "alte" Kolonie hält ihre früheren Schwestern für ein feindliches Volk.
Man muss also eine geeigneten Ort finden, an dem es keine anderen Ameisen gibt, die den selben Lebensraum beanspruchen, darf die Ameisen aber auch nicht zu weit von ihrem Ursprungsort aussetzen, weil man sonst - im schlimmsten Fall - eine intraspezifische Faunenverfälschung in Kauf nimmt.


Die von Reber genannten Bedingungen kann ein Anfänger wie Du (oder auch ich) nicht wirklich erfüllen. Da müsstest Du die Biodiversität eurer Region genau kennen. Außerdem ist es nicht so leicht, Ameisen zu halten, gerade nicht als Anfänger, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. An eine Gyne kommst Du nur, wenn Du eine kaufst mit Arbeiterinnen oder durch einen Halter erhältst. Ein solches Volk kannst Du eben NICHT einfach in der Natur freilassen, weil es dort bereits bestehende Ameisenvölker beeinträchtigen würde. Wenn Du eine Gyne in freier Natur ausgräbst (wofür Du zumindest die Erlaubnis des Landbesitzers haben musst, abgesehen davon dass es keine geschützte Art sein darf, was Du als Laie nur schwer unterscheiden kannst), zerstörst Du unwiederbringlich ein ganzes Ameisenvolk, also mehrere tausend Ameisen (!). Dem Bauer wird ein wertvolles Ameisenvolk fehlen, das seinen Boden gesund hält und die angepflanzten Lebensmittel von Parasiten freihält.

Ob die gefangene Gyne dann wieder von vorne anfangen kann nach Freilassung, ist mehr als fraglich, denn sie hätte ja dann körperlich keine Reserven mehr, um neue Erstarbeiterinnen heranzuziehen. Sie würde höchstwahrscheinlich in ihrer Hilflosigkeit von einem Vogel oder anderen Tieren gefressen werden. Eine Gyne nach dem Hochzeitsflug wäre eine Möglichkeit, aber dann müsstest Du sie monatelang halten, um ihre Erstbrut zu sichern, damit diese überlebt. Und dann einfach in die freie Natur entlassen, geht eben nicht. Halter sollten da schon auch Verantwortung tragen. Ich denke, in Gefangenschaft haben sie zumindest eine Überlebenschance und beeinträchtigen keine anderen Ameisenvölker in freier Natur.
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon ratti » Samstag 25. April 2015, 18:51

Ich finde du übertreibst ein wenig.
Da ich im Moment gerade mobil antworte, kann ich das jetzt nicht genauer ausführen ohne mir einen Finger zu brechen.
Klar ist Naturschutz wichtig und die Achtung von Gesetzen genauso. Aber irgendwo muss man mal die Kirche im Dorf lassen. Was meinst du, wo die ganzen Kolonien der Shops und Privathalter her kommen? Das sind sicherlich nicht alles eigene Aufzuchten aus Schwarmflügen.
Ich finde das Projekt kann Kindern sehr viel bei bringen und ist deshalb Wert durchgeführt und gefördert zu werden.
Ich traue der Lehrerin zu verantwortungsvoll mit den Ameisen umzugehen.
So wie hier im Moment argumentiert wird, würde ich mich wohl abschrecken lassen.
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon LynnLectis » Samstag 25. April 2015, 19:47

ratti hat geschrieben:Das sind sicherlich nicht alles eigene Aufzuchten aus Schwarmflügen.


Das weiß ich nicht, aber meine Gyne hatte Pygmäen, das spricht schon für eine Schwarmflug-Gyne. Bei anderen, die ebenfalls dieselbe Art hatten, fing es auch mit Gyne und Pygmäen an. Bei anderen Ameisenarten kann ich es natürlich nicht sagen, wobei ich aber auch da gegen solche groben Entnahmen aus der Natur wäre, wo gleich ganze Ameisenvölker sterben müssten.

Vielleicht kannst Du später noch Deine Argumente anführen. Ich bin eigentlich schon jemand, der Fakten braucht. Nicht umsonst lese ich jetzt viel Fachliteratur dazu. Für mich zählen letztlich nur sachliche Abwägungen und keine subjektiven Eindrücke des Abschreckens oder nicht. Es ist nun mal so, ich kann das auch nicht ändern.

Und Lehrer sollten eigentlich auch in der Lage sein, sachlich abzuwägen und nicht subjektiv und nach Geldbeutel zu entscheiden, nur weil der Weg ins Naturmuseum evtl. etwas aufwändig sein könnte. (Ich kenne diese Problematik, wo Lehrer nicht einmal mehr Aufsätze korrigieren wollten, weil zu aufwändig, hab das beruflich als Lektorin für Schulverlage und Schulen miterlebt. Von daher schaue ich da jetzt nicht speziell auf das Etikett Lehrer, sondern nur auf die Beiträge hier, die mir eben kurzsichtig und nicht durchdacht erscheinen. Sorry für meine Ehrlichkeit).
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Steffen Kraus » Samstag 25. April 2015, 22:19

Hallo LynnLectis,
mir persönlich hast Du aus der Seele geschrieben,
sehr durchdachter Text, danke dafür.
Ein Kritikpunkt ist aber angebracht, für Ehrlichkeit braucht man nicht um Entschuldigung bitten ;) !
Gruß Steffen
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Reber » Sonntag 26. April 2015, 13:27

Ich hatte mit der Lehrerin bereits einen PN austauch und werde mit Rat und Tat zur Seite stehen, falls das Projekt umgesetzt wird. Dabei werde ich natürlich dafür sorgen, dass keine gefährdete oder geschützte Art ins Klassenzimmer kommt und dass die Tiere später nicht einfach ausgesetzte werden. Mein Plan ist es, aus einer Gegend mit recht starkem Formica fusca Vorkommen eine Gyne mit mehreren Arbeiterinnen aus einer grossen (polygynen) Kolonie zu entnehmen. Dafür muss ich weder graben, noch wird das Volk vor Ort entscheidend geschwächt.

Diese Vorgehen halte ich für absolut vertretbar.
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Trailandstreet » Sonntag 26. April 2015, 20:05

Das halte ich mal für eine gute Idee. Auch weil es eben eine Formica ist und diese doch auch den Waldameisen zumindest einigermaßen nahe kommt. Wenigstens vom Verhalten und der Agilität. Ich kenn das von meinen her. Ein Vorteil ist auch, dass sie schon mal größer sind, da sieht man eben mit bloßem Auge auch mehr.
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Reber » Montag 29. Juni 2015, 09:41

Gerne weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass das Projekt erfolgreich durchgeführt werden konnte und es freut mich, dass ich auch einen Teil dazu beitragen konnte.

Junge Menschen schon früh darauf hinzuweisen, dass auch kleine Insekten etc. nicht einfach lästiges „Ungeziefer“ sind, sondern einen hohen Stellenwert im natürlichen Kreislauf und eine interessante Lebensweis haben, halte ich für unglaublich wertvoll.
Meinen herzlichen Dank an die engagierte Lehrerin!

Einen kleinen Bericht und viele Bilder gibt es hier:

http://schule-zeihen.ch/index.php?optio ... &Itemid=73

http://schule-zeihen.ch/index.php?optio ... &Itemid=58
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Klassenprojekt » Montag 29. Juni 2015, 20:47

Es hat wirklich super funktioniert! Wir konnten die Entwicklung vom Ei zur Ameise verfolgen und die Kinder waren richtig fasziniert.
Den Ameisen ging es gut und die Haltung war kein Problem.

Ich danke dir für deine Unterstützung!
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Trailandstreet » Montag 29. Juni 2015, 21:00

Wie geht es eigentlich weiter mit der Kolonie? So ein kleines Volk macht ja wirklich keinen Aufwand.
Die Idee mit Myrmica ist eigentlich gar nicht so schlecht wie ich finde, da man an den Naktpuppen ja auch die Entwicklung erkennen kann. Das ist bei Kokonpuppen ja nicht der Fall.
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Reber » Dienstag 30. Juni 2015, 11:46

Trailandstreet hat geschrieben:Wie geht es eigentlich weiter mit der Kolonie?


Die Kolonie kommt erstmal zu mir zurück. Ich werde sie noch etwas weiter halten oder an geeigneter Stell in der Nähe des Fundortes wieder aussetzen. Falls jemand vom Portal interesse an der kleinen Kolonie hat, würde ich sie ihm überlassen (es handelt sich um Formica sp. aus der cinerea-Gruppe, mit 2 Gynen).
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Re: Ameisenfarm zum Ausleihen gesucht

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 30. Juni 2015, 12:05

Aha, ich dachte noch, es wären Myrmica, aber Formica cinera sind auch nicht schlecht. zumindest sind sie ja schon mal größer als die Lasius und das macht schon etwas mehr her.
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