über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Emse » Mittwoch 8. Februar 2017, 21:35

Pressespiegel: Feuerbakterium auf Mallorca: Bauernverband fordert radikale Abholzungen / http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 48924.html "Alarm um Feuerbakterium ist übertrieben" / http://mallorcamagazin.com/nachrichten/ ... ieben.html Aktion gegen Feuerbakterium läuft an wie geplant / http://mallorcamagazin.com/nachrichten/ ... plant.html Kampf gegen Feuerbakterium auf Mallorca: Brüssel entscheidet im Juni / http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 49006.html
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Merkur » Freitag 17. Februar 2017, 17:52

Der Asiatische Laubholzbockkäfer auf dem Vormarsch

Es passt wohl am besten in diesen Thread: Anoplophora glabripennis, der Asiatische Laubholzbockkäfer, bedroht viele Baumarten in Europa, worauf die "Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie" aufmerksam macht. - So hübsch der Bursche aussieht, so unerwünscht ist er doch!
Ich denke, dass ich hier das Titelblatt samt Text auf der 2. Seite wiedergeben darf, auch als ein wenig Reklame für den Verein. Die "Nachrichten" enthalten oft interessante Berichte aus der Wissenschaft, Buchbesprechungen usw.; unten kopiere ich auch das "Vorwort des Präsidenten" zum Titelbild und zur Problematik eingeschleppter Organismen ein. Es ist eine sehr treffende Zusammenfassung der heutigen Situation!

As.-Laubholzkäfer.jpg
Asiatischer Laubholzbockkäfer

Text-DGaaE.jpg
Vorwort zum aktuellen Heft der DGaaE

MfG,
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Emse » Freitag 17. Februar 2017, 19:32

Hallo Merkur,

Danke für´s einstellen! Man weiß leider "als Normalmensch" bei derlei Meldungen schon gar nicht mehr, ob man angesichts der Häufungen der näher kommenden "Einschläge" noch hin- oder schon wegschauen möchte. :(

Gerade "frisst" sich z.B. auch der " Herbst-Heerwurm " durch die Medien, ein Pflanzenschädling, der sich, aus Nord- u. Südamerika kommend, aktuell in Afrika breitmacht. Mit womöglich schlimmen Folgen für die Menschen dort: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 34754.html

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Trotz dem, zum Wochenende hier ein kurzes Update in Sachen Xylella fastidiosa auf den Balearen, für die Leute, die es interessiert:

"Viel" ist hier in den letzten Tagen nicht passiert, im Moment werden lediglich (ansatzweise) Art und Ausmaß des Befalles auf den Inseln erfasst und protokolliert. Klar ist, dass dabei immer mehr infizierte Pflanzen und Bäume entdeckt (und die Einzelexemplare umgehend vernichtet) werden. Mehr bleibt augenblicklich auch nicht zu tun. Bedingt durch die Insel-lage und entsprechende Exportverbote wären weitere "Eindämmungsmaßnahmen" wohl ebenso unwirtschaftlich wie sinnlos. Auf "verschärfte Maßnahmen" (also alle in Betracht kommenden Wirtspflanzen im Umkreis von 100 Metern um den Befallsherd zu vernichten) wird daher vorerst verzichtet, zumindest bis die abschließenden Entscheidungen dazu aus Brüssel vorliegen (voraussichtlich im Juni).

So werden in den kommenden Wochen und Monaten wohl fortlaufend weitere Meldungen über Neu-Funde eintrudeln, ziemlich sicher ist aber, dass es dabei noch zu einigen weiteren "bösen Überraschungen" kommen wird.

Pressemeldungen dazu:

Feuerbakterium nähert sich Tramuntana: Rosmarin auf Uni-Campus befallen / Auf Ibiza wurde erstmals auch die aggressive Unterart des Erregers, Xylella pauca, nachgewiesen / http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 49165.html

Feuerbakterium: 40.000 Euro für erste Entschädigungen / http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 49006.html
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon swagman » Freitag 17. Februar 2017, 22:05

Der asiatische Laubholzbockkäfer ist bei uns Gärtnern schon länger ein Thema.
Und nicht nur der, da gibt es noch viele nette und neue Tierchen. Letztes Jahr wurde in Bayern auch wieder der asiatische Moschusbockkäfer (Aromia bungii) gefunden.

Vielleicht auch wieder selbst gemacht? Zufall oder nicht, aber in der nähe einiger der Fundorte in Bayern gibt es große Garten- und Landschaftsbau Betriebe, bzw. Baustoffhändler.
Aber wenn doch der Granit aus China so viel günstiger ist…


Übrigens hat es in gärtnerischen Fachzeitschriften auch der Biber inzwischen schon zum potenziellen Gartenschädling gebracht.
Zumindest für Gärten in Gewässernähe. :roll:
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Merkur » Samstag 18. Februar 2017, 12:18

Zu Biberschäden (von Swagman erwähnt)

Hier habe ich mal von einem Ausflug an den Main bei Volkach und Fahr berichtet.

Fahr-Biber.jpg
Die Biber waren im Rübenfeld!
Am Rand eines unter Naturschutz stehenden Feuchtgebietes waren deutliche Spuren von Bibern zu erkennen, wo sie aus einem Altwasser
(linkes Bild) bzw. direkt aus dem Main (rechtes Bild) kommend sich in Rübenäckern gütlich getan haben! Das sind sicher Bagatellschäden,
die vielleicht auch ausgeglichen werden. Aber wenn ich mir vorstelle, sie hätten in einem Schrebergarten gehaust, könnte ich mir schon
ungute Gefühle bei den betroffenen Gartenfreunden ausmalen. ;)

MfG,
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon FooFighter » Samstag 18. Februar 2017, 18:15

Ergänzend zu den Biberschäden:

Schadenersatz für Biber kommt, wenn überhaupt von den Unteren Naturschutzbehörden (Kreisebene). Da der Biber nicht dem Jagdrecht unterliegt muss auch die Jagdgenossenschaften nicht für Schäden aufkommen. Nicht überall gibt es entsprechende Fonds um die Schäden ausgleichen. In Baden-Württemberg ist der Ausgleich von Biberschäden z.B. gar nicht geregelt. Die wenigen Rüben, Raps oder Getreide werden wohl tatsächlich Bagatellen bleiben, merklich teurer wird es erst wenn die Biber durch Staudämmer Felder (oder Häuser) überschwemmen oder Deiche untergraben. Eigentlich eine gute Sache, legt der Biber damit doch schöne und vor allem selten gewordene Auwälder an. Bei Bauern, Anwohner und Forstbetrieben wird er sich damit wohl kaum beliebt machen :).

Fazit: Wenn der Bieber sich den Raum nimmt den er braucht oder der Otter, die von Angelsportvereinen "liebvoll" gezüchtete und ausgesetzte (amerikanische) Regenbogenforelle ausrottet - spätestens dann steht der Naturschutz wieder an vorderletzter Stelle und das geschützte Tier wird zum Schädling degradiert. Wer hätte auch ahnen können das Biber Bäume fällen und Dämme bauen ? :roll:

Passt auch ganz gut zum Thema, führen die eigentlich heimischen Tiere auch dem letzten Unverbesserlichen vor Augen, dass das Ansiedeln oder Einschleppen neuer Arten nicht ohne Konsequenz bleibt.
Im Gegensatz zu Käfern, Ameisen und Co ist so ein Bieberdamm im Stadtpark auch nicht zu übersehen.

lG

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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Emse » Mittwoch 1. März 2017, 19:27

Notizen: Wissenschaftler: Feuerbakterium bereits seit 2005 auf Mallorca / http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 49449.html / Das Sterben der Mandelbäume (2014) / https://mallorcamagazin.com/nachrichten ... baume.html / Brüssel soll Plan gegen Feuerbakterium absegnen / https://mallorcamagazin.com/nachrichten ... egnen.html
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Emse » Montag 6. März 2017, 10:48

Mysteriöses Vogelsterben in Palma de Mallorca

Nicht weit von mir, zwischen Palmas Kathedrale und der alten Stadtmauer, nur einen Steinwurf vom Meer entfernt, "regnet" es seit ca. 4 Wochen tote Vögel!

410.jpg
411.jpg

Es sind Stare, die da in losen Zeitabständen von einigen Tagen verendet am Boden liegen. Anscheinend fallen sie nachts tot aus ihren Schlafbäumen, ihre Zahl geht mittlerweile in die Hunderte. Fest steht mittlerweile, dass sie an einem Gift verstorben sind. Ob sie absichtlich (an Ort und Stelle) damit gefüttert wurden oder es (irgendwo anders) versehentlich aufgenommen haben, ist momentan Gegenstand der Ermittlungen. Auffallend ist aber, dass es ausschließlich die (hier überwinternden) Stare betrifft! Tauben und Spatzen picken rund um den mittlerweile abgesperrten "Tatort" weiterhin fröhlich ihre Körner und erfreuen sich bester Gesundheit!

409.jpg

Pressespiegel:
Hunderte tote Stare rund um Kathedrale (13.02.17)
Polizei untersucht Tod von Hunderten von Vögeln an der Kathedrale (15.02,17)
Obduktionsbericht: Tote Vögel an der Kathedrale starben nicht an Krankheit (18.02.17)
Das mysteriöse Vogelsterben an der Kathedrale geht weiter (28.02.17)
Wieder tote Stare vor Kathedrale (05.03.17)
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Emse » Dienstag 15. August 2017, 19:43

Auch die Medien in Deutschland berichten diesen Sommer über die zunehmende Schlangenplage auf der Insel.

Die Mallorca-Zeitung hat dazu einen eigenen Pressespiegel zusammengestellt. Wer mag, findet hier gute Informationen zum Thema, aus erster Hand:

Medienhype um Schlangen auf Mallorca / http://www.mallorcazeitung.es/tiere/201 ... 53464.html
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Emse » Mittwoch 13. September 2017, 19:15

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Nach langer Zeit mal wieder paar Infos zu Xylella fastidiosa auf Mallorca:

13.08.17 / Feuerbakterium breitet sich auf Mallorca aus
EU-Experten halten Bekämpfung für „sehr schwierig". Für die Olivenbäume der Tramuntana hält sich die Gefahr noch in Grenzen, dafür wird aber der Befall der Mandelbäume immer deutlicher. http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 53426.html


06.09.17 / Feuerbakterium bereits an 14 Weinreben auf Mallorca nachgewiesen
Das Feuerbakterium frisst sich auf Mallorca immer weiter voran und macht zunehmend auch dem Weinsektor Sorgen. Inzwischen sind auf der Insel 14 Weinreben positiv auf den Erreger xylella fastidiosa getestet worden, wie bei einer Pressekonferenz im Landwirtschaftsministerium in Palma de Mallorca am Dienstag (5.9.) bekanntgegeben wurde. http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 54004.html


12.09.17 / Feuerbakterium: EU erspart Mallorca großflächiges Abholzen
Die Entscheidung ist deutlich früher gekommen als erwartet. Und sie sorgt für kollektives Aufatmen bei Landwirten und Politik auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln. Die Europäische Union erlaubt den Balearen, bei der Bekämpfung des Feuerbakteriums, der sogenannten Xylella fastidiosa, eine Eindämmung. Somit bleibt den Inseln ein befürchteter großflächiger Kahlschlag erspart. http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2 ... 54171.html


Um bei knappen Kassen möglichst wenig infizierte Bäume und Pflanzen vernichten zu müssen (die Abholzung und Beseitigung einer betroffenen Pflanze kostet bis zu 800 Euro), wird nur stichprobenartig auf Befall kontrolliert, die tasächlichen Befallszahlen könnten durchaus denkbar (und sehr wahrscheinlich) auch in die Tausende gehen. So schreitet der Befall durch Xylella auf der Insel also auch weiterhin voran. (Noch?) sehr langsam, dafür aber stetig.

Auszurotten ist Xylella schon längst nicht mehr; es sei denn, die Natur lässt irgendwann einmal ein "Wunder" geschehen und kre-iert einen passenden Antagonisten. Bis dahin bleibt nur abzuwarten, was die nächsten Jahre bringen, um sich dann auf die neue(n) Situation(en) bestmöglich einzustellen.
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Re: über Vogelspinnen auf Mallorca [und andere Neobiota]

Beitragvon Merkur » Sonntag 17. September 2017, 08:46

„Waldschabe“ Planuncus tingitanus – Komplex
(Da es um Neobiota geht, packe ich den Beitrag mal in diesen Thread)

Es gibt in Mitteleuropa seit wenigen Jahren eine „neue“ Art von im Freiland lebenden Schaben, ein Neozoon. Zunächst sehen sie aus, wie die normalerweise bei uns in Wäldern und Gebüschen lebenden Schaben der Gattung Ectobius, die aber z. B. in Gärten kaum je zu sehen sind und nicht ins Haus kommen.
Im Frühjahr 2017 entdeckte ich bei uns (Südhessen) im Garten recht oft kleine Schabenlarven, ganz schwarz und mit einem auffälligen weißen Querstrich über die Körpermitte (auf dem 3. Thoraxsegment).
Sie sind unglaublich schnell weg; ein Foto gelang mir nicht.
Mit der Zeit tauchten größere, und auch allmählich braun gefärbte Individuen auf (spätere Larvenstadien). Um diese Zeit fand ich erste Hinweise auf das Neozoon Planuncus tingitanus.
Im Sommer dann waren es ausgewachsene, recht „normal“ aussehende Waldschaben, und allmählich huschten sie auch in der Garage herum bzw. wurden mit Salat u. a. in die Küche eingebracht.
Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht dauerhaft in Wohnungen ausbreiten und vermehren können! :roll:
https://de.wikipedia.org/wiki/Planuncus_tingitanus
Hier finden sich ein paar mehr Bilder der Entwicklungsstadien.
Der gültige Name der Tiere steht noch nicht ganz fest; es handelt sich anscheinend um einen Komplex mehrerer Arten. Die Bezeichnung Planuncus tingitanus „s. l.“ steht für lateinisch „sensu lato“ = im weiteren Sinn.

Edit: Ich kopiere hier mal ein Bild der auffälligen jungen Larve ein. Eigentlich nicht zu übersehen, während die Adulten den heimischen Waldschaben doch sehr ähnlich sind:
Planuncus_tingitanus_sl_early_instar_nymph_-_BallansCharente-Maritime20120617_IMG8507[1].jpg
P. tingitanus, junge Larve, aus Wikipedia
MfG,
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