Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hessen

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Beitragvon Merkur » Dienstag 26. Januar 2016, 17:44

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 12444.html
Die Riesenschlangen-Plage in den berühmten Everglades nimmt bedrohliche Ausmaße an. Pythons und Anacondas haben sich derart rasant verbreitet, dass dem Nationalpark inzwischen die Kaninchen, Waschbären und Luchse ausgehen. Nur die Alligatoren leisten noch Gegenwehr.
Hier sind außer Pythons auch die Anaconda genannt, die aber im Text dann keine Rolle spielt.
Gibt es wirklich in den USA genehmigte Importe für Jungschlangen dieser Arten?

http://www.echo-online.de/vermischtes/w ... 581775.htm
Der Artikel fiel mir heute früh im Darmstädter Echo auf. Laut dem Artikel sind ausgesetzte Rotwangen-Schmuckschildkröten eine Bedrohung für „heimische Arten“, wobei jedoch nur die Europ. Sumpfschildkröte namentlich genannt wird. – Wir hatten hier 2014 einen Thread *) zu den Sumpfschildkröten im Reinheimer Teich, den ich gut kenne. Nachdem im Laufe dieses Threads gezeigt wurde, dass „meine“ Sumpfschildkröten zumindest teilweise gar keine waren, habe ich mich um Aufklärung bemüht; leider erfolglos. Von einem lokalen Kenner erfuhr ich wenig später, dass bald nach dem Wegfangen der Exoten bereits neue Exemplare von der Bevölkerung dort ausgesetzt worden waren. – Seither sah ich keine weiteren Nachrichten zum Stand der Dinge im Reinheimer Teich.
*) Bilder des Tages viewtopic.php?f=50&t=79#p1125
Diskussion: viewtopic.php?f=53&t=80/url#p1135

Ich hoffe, hierzu weiß ein Reptilienkenner etwas zu sagen. Unverständlich ist mir immer wieder, weshalb solche Tiere in den Handel gelangen (hier wie auch in den USA), und wie man sie, wenn sie groß geworden sind, unter Abschaltung aller "Tierliebe" fahrlässig in die "Natur" entlassen kann. (Das gilt natürlich auch für gebietsfremde Ameisen). :roll:

MfG,
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Reber » Dienstag 26. Januar 2016, 19:14

Hallo Merkur,
danke für den Link!

Unverständlich ist mir immer wieder, weshalb solche Tiere in den Handel gelangen (hier wie auch in den USA), und wie man sie, wenn sie groß geworden sind, unter Abschaltung aller "Tierliebe" fahrlässig in die "Natur" entlassen kann. (Das gilt natürlich auch für gebietsfremde Ameisen). :roll:


Ich kann gut nachvollziehen, warum mit gewissen Exoten gehandelt wird. Schiesslich halte ich seit meinem 6 Geburtstag welche (Maurische Landschildkröten). Später kamen immer mehr Arten dazu. Einige der Tiere breiten mir bis heute grosse Freude! Beachtet man gewisse Regeln, besteht durch die Haltung keine allzugrosse Gefahr für die Umwelt. Natürlich kommt es sehr auf die Art an. Ausbruchsfreudige Arten, bei denen ein grosses Risiko besteht, dass sie im Gebiet der Haltung invasiv werden, gehören m.E. weder in den Handel noch in die privat Haltung.

Was ich allerdings überhaut nicht nachvollziehen kann, ist, warum Leute ihre Haustiere aussetzen! Es gibt kein einziges gutes Argument dafür - im Gegenteil. Wer Verantwortung für ein Tier übernimmt, sollte das bis zum Schluss! Es ist doch selbstversändlich, dass man einen geeigenten Platz für seine Tiere sucht, falls man sie nicht mehr länger halten kann (oder will). Im schlimmsten Fall sollten die Tiere fachmänich getötet werden (eingeschläfert, überbrüht etc.) - aber in fast allen Fällen gibt es dazu gute Alternativen.

Heimtiere auszusetzen ist nicht nur verantwortungslos gegenüber den Tieren selber, sondern in vielen Fällen auch gegenüber der einheimische Fauna.
Im "besten" Fall verungern die Tiere elendiglich, werden krank, sterben am falschen Klima oder fallen Räubern zum Opfer. Im schlimmsten Fall verbreiten sie Krankheiten oder vermehren sich und verdrängen einheimische Arten (rotten sie aus!).

Für mich ist es einfach: Wer Tiere mag, setzt keine Heimtiere aus!
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Wird sie doch in den nächsten Tagen
Vermutlich noch nicht abgeschafft."
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 26. Januar 2016, 20:33

Immer wieder hört man auch bei uns, dass irgendwelche "Spaßvögel" Exoten einfach aussetzen, sei es ein junger Kaiman in einem Baggersee, oder eine Boa oder Python in einem Stadtpark. Dass die Tiere auf Dauer ohnehin nicht bei uns überleben können und bis zum Winter elendig verrecken müssen, ist ihnen wohl völlig egal.
Andererseits sind inzwischen aber auch etliche gebietsfremde Tierarten bei uns etabliert, die aus der Haltung entwischt sind oder gar von Tierschützern "entlassen" wurden, wi Waschbären, nordamerikanische Minks und andere Pelztiere.
Entlaufene Laufvögel aus Südamerika, die Nandus, gelten bei uns inzwischen sogar als Wildtiere. Sie vermehren sich sehr erfolgreich im Heidegebiet.
Manche haben allerdings auch negative Auswirkungen auf unsere Fauna, da sie einheimische verdrängen.
Das baden im warmen Kühlwasser von Kraftwerken kann einem dann auch vergehen, wenn man weiß, dass dort schon oft mal ein Piranha geangelt wurde. :O
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon FooFighter » Dienstag 26. Januar 2016, 23:39

Im letzten Jahr fanden Verwandte von mir eine ca Tellergroße Schildkröte auf einem frisch gepflügten Acker. Anscheinend irgendeine Art aus dem Mittelmeer die hier auf jeden Fall nicht hergehört. Die Halter waren zumindest so clever das Tier auf einem Acker auszusetzen wo der Pflug dann sein Restliches tat. :crazy:
Der Knackpunkt an der Frage ist für mich ob man den Handel generell einschränken sollte oder die Halter überwacht. Letzteres wäre natürlich nur mit enormem bürokratischen Aufwand möglich, allerdings fände ich zumindest ein Nachweis über geeignete Unterbringung von Exoten für angebracht.
Generell muss man Käufer stärker dafür sensibilisieren welche Verpflichtungen sie mit der Anschaffung eingehen, insbesondere was das Abschaffen derselben angeht. Da der Handel sich da wohl nicht selbst zu verpflichten wird müsste der Gesetzgeber da einschreiten. Es gibt sehr viele gute Argumente gegen das Aussetzen von Haustieren, die Halter müssten nur vor dem Kauf damit konfrontiert werden.

Man darf auch nicht nur den (zugegeben gefährlichsten) Faktor der Globalisierung betracheten, in unserer (weitesgehenden) Kulturlandschaft können Invasoren sich durch fehlende Prädatoren und sehr gute Nahrungsbedingungen sehr schnell und stark verbreiten. Waschbären sind schon schlimm genug, nicht nur das sie Mülltonnen plündern, sie besetzen auch wertvolle Brutplätz von großen Greifvögeln wie Mäusebussard, Habicht und Uhu - die dann wieder als Regulativ für z.B. Elstern, Tauben oder Krähen fehlen. Nicht auszudenken was da eine invasive Ameinsenart anrichten könnte.
Das Ausrotten der Tiere ist bekannterweise unmöglich, da wo es möglich wäre wird es noch von Gutmenschen verhindert siehe Halsbandsittiche. Daher finde ich es gut und auch nötig das Thema invasive Arten anzusprechen.

Liebe Grüße

FooFighter
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Steffen Kraus » Mittwoch 27. Januar 2016, 10:57

Hallo Ihr alle, ein tolles Thema, zu dem ich einiges schreiben möchte.
Zu den ausgesetzten Exoten im Reinheimer Teich, leider geschieht das immer wieder, liegt aber daran, daß die Menschen die dies tun, leider nicht wissen das sie einen Fehler begehen. Sie denken, sie machen etwas gutes, nach dem Motto, jetzt hat unsere Schildkröte ihre Freiheit. Dies kann in ein oder anderen Fall ja stimmen, jedes Terrarium ist kleiner als jeder größere Teich,
aber sie kennen nicht den Begriff der Faunaverfälschung. Da würde ich den Naturschutzbehörden empfehlen, nicht nur Schilder aufzustellen, auf denen die Einbürgerungsprojekte angezeigt werden, sondern auch Schilder aufzustellen, daß man nicht Schildkröten aus anderen Ländern aussetzen darf.
Dies sollte nicht in einer Art Verbotschilder praktiziert werden, sondern, es sollte erklärt werden, warum man das nicht machen sollte und dies zum Naturschutz gehört.
Eigentlich ganz einfach, selbst wenn es dann immer noch Menschen gibt, die nicht lesen können oder wollen, denke ich, werden dadurch einige Tiere weniger ausgesetzt.
Wäre schon ein kleiner Erfolg.

Zum Thema Florida, ja die Gesetze in Florida sind schon ziemlich scharf, ist auch gut so, aber das in Florida sehr viele Invasoren vorhanden sind, hat drei Gründe!

Grund a),
durch die klimatischen Verhältnisse, haben es tropisch vorkommende Invasoren, sehr leicht, hier neuen Lebensraum zu erobern.
Das jetzt in den letzten Jahren, der Tigerpython, so oft in die Medien kommt, nicht verwunderlich, ist er doch nicht zu übersehen. Dabei gibt es sehr viele andere Exoten, die schon seit Jahren in Florida schon fast heimisch sind.
Es ist den wenigsten bekannt, daß es in den südlichen Everglades, am Übergang zu den Mangrovensümpfen, ganze Populationen des Grünen Leguans gibt und das seit Jahrzehnten. Auch ist es schon normal, in der gleichen Gegend, Kubanische Ritteranolis zu finden. Es gibt noch einige Beispiele, würde jetzt aber zu weit führen.
Alle diese Tiere, konnte ich schon in den 90iger Jahren selbst dort beobachten.
Ein Beispiel hierzu, habe ich noch, viele Menschen denken bei Florida, Alligatoren. Stimmt, aber es gibt auch noch das Spitzkrokodil, welches wieder öfters vorkommt, daß
durch Aufzucht und Schutzprojekte. Dieses erreicht eine recht stattliche Größe und braucht sich nicht, hinter dem Nilkrokodil und dem asiatisch/australischen Leistenkrokodil zu verstecken. Einfach mal googeln! So jetzt kommen wir zu einer eingebürgerten Panzerechse. Ja auch den gibt es in Florida! Dem Brillenkaiman.
Als es in den 70-90iger Jahren um den Bestand der in Florida einheimischen Panzerechsen nicht mehr gut stand, wurden sogenannte Krokodilfarmen aufgebaut, um die Nachzucht dieser Tiere zu gewährleisten. Um Geld über Touristen herein zu bringen, war es damal schon Mode, gleich einen Reptilienzoo daran zu hängen. Dies ist auch in unseren Zeiten so. Dazu später, einige dieser Brillenkaimane konnten zu den damaligen Zeiten entkommen und vermehren sich seit dieser Zeit. Südlich von Miami, existiert eine größere Population dieser Panzerechse und steht selbst auch unter Schutz.Warum?
Ganz einfach, für den normalen Tourist, Krokodil ist Krokodil! Also kein Grund zum einschreiten, nun ja, was will man machen!

So jetzt gleich zum Grund b),
die Reptilienzoos und Reptilienzuchtfarmen.
Was viele nicht wissen, Florida, ist die Hochburg von Reptilienfans aus aller Welt und durch das Klima, gibt es hier die meisten Reptilienfarmen außerhalb Indonesiens.
Hier kann in großen Gehegen, die im freien sind, gezüchtet werden, was doch recht kostengünstig ist.Das ist der einzige Grund, warum in diesem Staat so stark die Zucht von Reptilien betrieben wird. Bedingt dadurch, können auch bei der Menge der gehaltenden Tiere einige entweichen und sich in Florida etablieren.

so Grund c),
die private Haltung von Exoten in Florida,
tja, ist nicht anders als in Europa, da gibt es die Liebhaber, die diese Tierehaltung ernsthaft als Hobby betreiben und hohe Summen zahlen für seltene Arten(Schlangen ,Echsen usw.) und die Privathalter, die diese Tiere halten, weil sie gerade schick sind und auch noch billig sind. Ja,,, billig und nicht günstig!
Warum schreibe ich das jetzt so bissig und was ist der Unterschied?
Wieder ganz einfach! Der echte Liebhaber, findet es günstig, nehmen wir als Beispiel einen Amethystpython aus einem bestimmten Gebiet in Australien. Diesen bekommt er als Zuchtpaar, legal mit Papieren, für 5000Dollar statt 10000 Dollar. Dieses findet er günstig, aber glaubt mir, dieser Halter, wird niemals seine Tiere in den Everglades aussetzen.

So, jetzt kommt ein Durchschnittsmensch, der es einfach mal toll findet, einen Python zu haben, geht in den nächsten Petshop und siehe da, Tigerpythons für 45 Dollar!
Uiiii, geht doch, so kann man sich so ein Tier ins Haus holen. Wie geht es weiter... nach hohen Kosten für Terrarium und Strom, es kommen ja noch die Futterkosten,
hat man keine Lust mehr, ach ja der Python ist jetzt drei Meter und nicht mehr interessant, wohin damit, jaaaa, die Everglades sind um die Ecke und ab damit, da hat er seine Freiheit. Schon haben wir den Bogen zu unseren Wasserschildkröten in Reinheim, in unseren Evergalades!!
Was ich jetzt damit schreiben wollte ist, Naturschutz hat zwei Seiten! Verbote bringen nichts, sondern liebe Behörden!
Unterstützt echte Liebhaber und erklärt dem Nichtwissenden, warum er keine Exoten halten sollte. Das ist der beste Weg! Gleichzeitig sollte der Handel, ob Reptilien,Fische, Vögel und andere, nicht zu Billigpreisen raushauen, nur um Umsatz zu machen.
Denn da ist immer die Gefahr gegeben, um nicht alle Käufer über einen Kamm zu scheren, daß diese Tiere ausgesetzt werden.
Der Tigerpython zeigt es! Es wurde noch kein Amethystpython gefunden! ...in den Everglades.
Hoffe es war jetzt nicht zu langweilig, ich hatte einfach Lust etwas zu schreiben.
Gruß Steffen

Edit. Hallo Lynn, für mich ist das keine Mühe, es macht mir einfach nur Spaß, in dieser Art in unseren Foren, ob AF,EU oder AP herum zu toben, daß ist alles!

Hallo Merkur,
stimmt die Anaconda habe ich vergessen! Also, von der Anakonda gibt es drei verschiedene, Eunectes murinus, die Große Anakonda Eunectes notaeus, die Gelbe oder auch Paraguayanakonda genannt Eunectes deschauenseei, ganz selten und wenig bekannt, kommt nur auf einigen Inseln im Amazonasdelta vor!

So warum habe ich sie vergessen?
Ganz einfach, ich halte es für einen Fake, daß es sie in den Everglades gibt. Warum?
Sie wird zu selten gehalten und nachgezüchtet, auch sind die Preise relativ hoch, im Gegensatz zu Tigerpythons, wenn auch nicht so hoch wie beim Amethystpython.
Beweis, geht man in das Internet und googelt Anakonda Everglades und geht auf Bilder hochladen, handelt es sich zwar bei den Fotos um Anakondas, bis auf dort, wo der Aligator geplatzt ist, durch Gase beim Verdauen. Dies ist ein Netzpython!
Aber diese Fotos gibt es schon, wurden nur zu diesem Thema zweckentfremdet. Denn die meisten Fotos, zeigen Jungtiere, erkennt man und können keinesfalls in der Natur gezeugten Tiere sein. Es handelt sich bei den Fotos um Eunectes murinus und der ist es im Winter, in Florida zu kalt.
Die Fotos von Freilandaufnahmen, erwachsener Tiere, gibt es schon auf anderen Berichten über das Pantanal. Auch zweckentfremdet. Ja so ist das Internet nun mal.....
Nochmal Gruß
Steffen
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Merkur » Freitag 29. Januar 2016, 12:26

Und weiter geht's mit Waschbären:
http://www.echo-online.de/lokales/suedh ... 671248.htm
Sie gelten nun bereits als "einheimisch". Ausrottung wird als aussichtslos bezeichnet.
Im gedruckten Artikel wird beklagt, dass die Tiere in Brandenburg die einheimische Sumpfschildkröte bedroht: Sie "beißen den Schildkröten die Köpfe ab, und sie buddeln die Eier aus".

MfG,
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Reber » Dienstag 1. März 2016, 15:51

... Und mit Seefröschen: Forscher der Universität Basel konnten nachweisen, dass einheimische Arten wie Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte stark unter der Zunahme der invasiven Frösche leiden. Die Wasserfrösche haben sich in Mitteleuropa in den letzten zwanzig Jahren stark ausgebreitet. Insbesondere der Seefrosch, der ursprünglich nicht in der Schweiz heimisch ist, tritt mancherorts dominant auf. Zudem vermischt sich der Seefrosch mit einheimischen, nahe verwandte Wasserfrosch-Arten...

Diskutiert wir jetzt das gezielte eingreifen von Naturschützer um den Einfluss invasiver Arten zu verringern.

Hier geht's zum Artikel und zur Arbeit:
- https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/U ... Arten.html
- http://www.journals.uchicago.edu/doi/abs/10.1086/685095
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Steffen Kraus » Dienstag 1. März 2016, 17:00

Hallo,
ach da geht mir doch wieder mal das Herz auf! Nicht das Reber das Thema bringt, danke an Dich, sondern über diese Presseartikel!
Ja ich muß wieder meckern, aber es ist bei den Fröschen, wie bei den anderen Tieren, über die geschrieben wird. Frosch ist Frosch und Kröte ist Kröte oder Kroko ist Kroko.
Nein! So ist es nicht, denn hier wird alles wieder durcheinander geschmissen.
Den Seefrosch Rana ridibunda, unser größter einheimische Frosch, gibt es schon immer, nur nicht flächendeckend in Europa und ist daher selten zu finden.
Dazu kommt das sich Rana ridibunda mit dem Wasserfrosch und dem Kleinen Teichfrosch hybridisiert, so das er wirklich selten ist und geschützt werden sollte, in seinen Habitaten.
Hier wird der Amerikanische Ochsenfrosch Rana catesbeiana gemeint sein. Der in vergangenen Jahren, sehr häufig nach Europa eingeführt wurde und seinen Weg in die Gewässer, genauso gefunden hat, wie alle ausgesetzte Schildkröten auch.
Das Problem ist bekannt, denn in den Rheinauen ist er schon sehr verbreitet und dehnt sein Verbreitungsgebiet, nach Norden und Süden aus. Ist er also schon in der Schweiz angekommen!
Ich finde halt, wenn solche Texte herausgegeben werden, sollte es auch ausführlich und fachlich richtig erklärt werden!
Denn großer Frosch ist nicht gleich großer Frosch.
So, jetzt gehts mir besser,
Gruß Steffen
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon swagman » Dienstag 1. März 2016, 19:00

Hallo.

Wollte nur anmerken, dass sich auch bei den Amphibien Taxa wie überall einiges geändert hat.
Rana ridibunda ist nur noch ein Synonym, die Art heißt jetzt Pelophylax ridibundus.
Und auch Rana catesbeiana ist nur noch ein Synonym, gültig ist derzeit Lithobates catesbeianus.
Natürlich gibt es auch zu diesen Änderungen entsprechend viele Diskussionen. :roll:
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Merkur » Dienstag 1. März 2016, 20:54

Man wird den Originalartikel einsehen müssen, um zu erfahren, um welche Amphibien-Arten es überhaupt geht!
Meines Wissens sind die genannten Arten, Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte und Natterjack toad (die Kreuzkröte, Bufo calamita; musste ich selbst nachsehen :roll: ) auf ganz andere Laichgewässer angewiesen als die Grünfrösche.

Und wie Steffen Kraus richtig schreibt, gibt es bei den Grünfröschen („Wasserfrösche“) ein ganzes Karussell von Hybriderscheinungen, seit eh und je. Erst in den 1960er Jahren wurde aufgedeckt, dass unser allbekannter Wasserfrosch (Rana esculenta) ein regelmäßig und häufig vorkommender Hybrid von
R. ridibunda und R. lessonae ist. Untereinander sind die Hybriden mancherorts steril, können sich aber mit den Ausgangsformen fruchtbar rückkreuzen. (Ich verwende hier die traditionellen Namen). Ähnliche Hybride gibt es unter spanischen bzw. SO-europäischen Grünfröschen.

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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 1. März 2016, 22:07

Was auch hinzukommt ist auch die (Kultur-)landschaftliche Veränderung. Lebensräume, die bisher nur einigen Arten vorenthalten waren, werden heute von Arten überrannt, die eben mit der meist vom Menschen veränderten Landschaft besser zurecht kommen.
Wir haben früher auch immer Frösche, Unken und alle möglichen Molche in einer nahegelegenen Lehmgrube gejagt. Auch Ringelnattern waren darunter.
Heute findet man dort entweder eine große, befestigte Fläche, nur noch den Bach, ohne flachen Teich daneben und Felder.
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Reber » Mittwoch 2. März 2016, 00:58

Danke für eure Beiträge!
Es geht im Artikel tatsächlich um den Seefrosch Pelophylax ridibundus, der - wie erwähnt - zu den Wasser- oder Grünfröschen gehört, wie z.B. der "Kleine Wasserfrosch" oder "Tümpelfrosch" Pelophylax lessonae. Letzterer ist in der Schweiz einheimisch, aber potentiell gefährdet. Der Seefrosch Pelophylax ridibundus hingegen ist in der Schweiz ursprünglich nicht einheimisch. Die aus Osteuropa stammenden Tiere kommt heute sinnigerweise besonders in der Westschweiz vor - weil zum Verzehr eingeführte Tiere freigesetzt worden sind, bzw. entwichen.

Entsprechend kann gerätselt werden, wie lange es den Teichfosch Pelophylax esculentus, der eine natürliche Kreuzungen zwischen dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch sein soll, in der Schweiz schon gibt... Er gilt als einheimisch. :?: Kann aber nur schlecht vom Kleinen Wasserfrosch unterschieden werden und tritt fast immer syntop auf.

Und noch heute werden speziell in frankophonen Regionen wie der Schweiz, Belgien und Frankreich, aber auch Italien große Mengen von „Froschschenkeln“ verzehrt. Dabei kommen neben anderen – insbesondere asiatischen – Arten nach wie vor Wasserfrösche zum Einsatz. Diese Tiere werden mehrheitlich vom Balkan und aus Anatolien importiert. Allein die Türkei führte im Jahr 2009 etwa 13,4 Millionen Wasserfrösche nach Westeuropa aus. (https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserfr%C3%B6sche)


Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte etc. sind tatsächlich auf ganz andere Gewässer spezialisiert. In wie weit ihr Rückgang mit der Ausbreitung von Pelophylax ridibundus zu tun hat, kann ich nicht sagen. Die Studien sollen aber zeigen, dass das Auftreten des Seefrosches in gleichen Raum einen negativen Einfluss auf die Populationsgrösse dieser Arten hat. Aber was sollte der Grund sein? Seefrösche fressen kleinere Amphibien. Was noch? Konkurrenz ums Futter? Übertragen von Krankheiten?

Eins ist sicher: Der bedrohliche Rückgang der Scheibenzüngler wird vor allem an der Vernichtung ihres Lebensraumes liegen: Überschwemmungsgebiete, temporäre Tümpel an Flussauen, Pfützen in Naturwegen = Trockenlegung, Versiegelung, Überbauung, Verbuschung etc. pp.
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon swagman » Mittwoch 2. März 2016, 10:05

Hallo.

Wenn wir schon dabei sind, es gibt da noch einen weiteren Eindringling in Europa welcher allerdings so unauffällig ist, dass man ihn so gut wie kaum bemerken wird. Den afrikanischen Krallenfrosch, Xenopus laevis.
Da diese Art hauptsächlich aquatisch lebt, muss man schon genau hinsehen um ihr Vorkommen überhaupt zu entdecken. Was nicht leicht ist, da er trübes Wasser in tieferen Schichten bevorzugt.
Bekannt sind Populationen, zum Teil schon seit über 30 Jahren, in England, Portugal, Italien und Frankreich. Klimamodelle legen aber nahe das diese Frösche auch in Spanien, Süddeutschland und Zentralfrankreich gute Lebensbedingungen finden.
In allen Gebieten in denen Krallenfrösche vorkommen gibt es einen starken Rückgang der dort ursprünglich vorkommenden Amphibien, lediglich Erdkröten können wohl mit diesem Frosch konkurrieren.
Im übrigen ist Xenopus laevis auch in seiner Heimat extrem invasiv, dank einer menschlich veränderten Umwelt.

Es gibt ein EU-Projekt: INVAXEN (INVAsive biology of XENopus leavis in Europe)
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig: https://www.zfmk.de/de/forschung/projekte/invasionsbiologie-von-xenopus
Facebook: https://www.facebook.com/Invaxen
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Merkur » Mittwoch 2. März 2016, 11:04

Krallenfrösche wurden ja in Massen in Europa für einen Schwangerschaftstest verwendet. Ich erinnere mich, dass dabei ein Chytrid-Pilz eingeschleppt wurde, den man für den massiven Rückgang unserer Amphibien (mit-) verantwortlich gemacht hat.
Wikipedia: Die zum Froschtest verwendeten afrikanischen Krallenfrösche waren oft vom Chytridpilz befallen, der dadurch weltweit verbreitet wurde und heute als eine der Ursachen für das globale Amphibiensterben angesehen wird.
Bei dem INVAXEN-Projekt fand ich nun keinen Hinweis mehr auf diese Infektion; stattdessen ist von einer "Verdrängung" der einheimischen Amphibien, und von einer "Konkurrenz" die Rede. Vorkommen von Xenopus, der gegen den Pilz resistent ist, könnten ja alleine durch Infektion der heimischen Arten mit dem Pilz die Populationen dezimieren. - Irgendwie eine mir etwas unklare Sachlage! :?:

MfG,
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon swagman » Mittwoch 2. März 2016, 11:51

Ein Rückgang bzw. eine Verdrängung anderer Arten findet tatsächlich durch den erwachsenen Krallenfrosch statt und hat mit dem Pilz nichts zu tun. Auch wenn der Pilz natürlich so erst weltweit verschleppt wurde. (Da reicht es schon das Aquarienwasser unbehandelt wegzuschütten)
Nahrungsuntersuchungen zeigen, dass Krallenfrösche sich von Laich und Kaulquappen, aber auch von ausgewachsene Amphibien und selbst Fischen ernähren. In Gefangenschaft kann man selbst Fleisch verfüttern. Auch Nahrungskonkurrenz spielt eine Rolle.
Neben Amphibien werden auch andere Wasserbewohner reduziert.

Und ja, die Invasion geht auf die millionenfache nutzeng dieses Frosches in Laboren zurück. Beispielsweise liegt eine Population in Frankreich in direkter Nähe eines Laborbedarfsanbieters, der den Betrieb vor etwa 20 Jahren eingestellt hat. Leider wandern Krallenfrösche in regnerischen Nächten dann schnell weiter und besiedeln weitere Lebensräume.
Ist es ausreichend warm, vermehren sie sich entsprechend. In England, zum Beispiel können sie dies nicht jedes Jahr. Aber es wird ja langsam wärmer. Zumindest die letzten Jahre.
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon LynnLectis » Donnerstag 16. Februar 2017, 08:34

Vermelde aus der Schweiz:

Tierschutz macht sich Sorgen um Schlangen, Echsen und Co

http://www.blick.ch/news/schweiz/tiersc ... 26056.html
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Re: Schlangeninvasion in Florida, Schildkröten-Sorgen in Hes

Beitragvon Reber » Dienstag 11. Juli 2017, 12:13

Die Tierwelt berichtet darüber, dass die einheimischen Wasserfrösche in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten von einer eingeschleppten Art bis auf zwei Mini-Biotope fast vollständig verdrängt, bzw. ersetzt wurden. Gemerkt haben es, wegen der äusseren Ähnlichkeit, lange nicht einmal die Spezialisten.
Die beiden letzten bekannten Biotope der einheimischen Wasserfrösche sind sehr klein. Im Jura besteht eines aus gerade noch etwa 60 Tieren, die in einem einzigen Teich leben.
Sie unterscheiden sich vom Aussehen her deutlich von den Hybriden der übrigen Schweiz. «Es sind keine grünschwarzen, sondern bräunliche Frösche», sagt er. Und Untersuchungen zeigten, dass sie auch mit Teichfrosch-Populationen aus Frankreich seit sehr langer Zeit keinen Gen-Austausch mehr gehabt hätten. Ein Minibestand also, der vielleicht auf dem Weg ist, sich zu einer eigenständigen Art zu entwickeln.


http://www.tierwelt.ch/?rub=4503&id=44682
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