"Biologische" Bekämpfung der Edelkastanien-Gallwespe

"Biologische" Bekämpfung der Edelkastanien-Gallwespe

Beitragvon Reber » Dienstag 11. Oktober 2016, 18:27

Dem heutigen Bund ist zu entnehmen, dass es mit der Marroni-Produktion wieder aufwärts geht. Nachdem die eingeschleppte, invasive Edelkastanien-Gallwespe Dryocosmus kuriphilus in den letzten Jahren auch in der Schweiz für Ernteausfälle bei den Esskastanien gesorgt hat, erscheint jetzt auch hierzulande ein Silberstreifen am Horizont.
Mit der Schlupfwespe Torymus sinensis, welche Dryocosmus kuriphilus parasitiert, ist ein weiteres Neozoon in die Schweiz eingeflogen. Die Schlupfwespenart stammt ebenfalls aus China. Das Eidgenössische Bundesamt für Umwelt hatte den Einsatz des gebietsfremden Gegenspielers der Gallwespe im Land zwar untersagt, weil „die ökologischen Folgen nicht abzusehen seien“.
Allerdings ist die Schlupfwespe nun, vermutlich über Italien, von selber eingewandert. Also über die gleiche Route wie zuvor ihr Wirt. Im Gegensatz zu diesem, wurde Torymus sinensis allerdings absichtlich in Italien und anderen Europäischen Ländern freigesetzt, zur "biologischen Bekämpfung" der Edelkastanien-Gallwespe.
Gegenwärtig ist leider nicht bekannt, welche Auswirkungen das Auftauchen der Schlupfwespe auf die europäische Tier- und Pflanzenarten hat – ausser dass es die Ausfälle bei der Marroni-Produktion drastisch reduziert. Na dann…
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Re: "Biologische" Bekämpfung der Edelkastanien-Gallwespe

Beitragvon Boro » Dienstag 11. Oktober 2016, 21:14

Danke für den interessanten Beitrag. Ich dachte der "Rindenkrebs" sei der gefährlichste Schädling: http://www.waldwissen.net/waldwirtschaf ... s/index_DE
Bei uns in Kärnten/Steiermark habe ich die Gallen noch nicht bemerkt, aber der Schleimpilz ist im Wald allgegenwärtig und vernichtet weithin die Edelkastanien. Mögliche Gegenmaßnahmen interessieren hier niemanden, meine diesbezüglichen Vorstellungen beim Forstinspektorat der Stadt blieben unbeantwortet. Für "so was" ist sicher kein Geld da.........
L.G.
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Boro
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Re: "Biologische" Bekämpfung der Edelkastanien-Gallwespe

Beitragvon Emse » Dienstag 11. Oktober 2016, 22:22

Hallo Reber, Danke für den Bericht! :)

Reber hat geschrieben:Das Eidgenössische Bundesamt für Umwelt hatte den Einsatz des gebietsfremden Gegenspielers der Gallwespe im Land [zwar] untersagt, weil „die ökologischen Folgen nicht abzusehen seien“.

Wer weiß, ob die Schweizer Kastanienbauern nicht vielleicht doch..? :roll: ;)

Dazu passendes Zitat aus umweltnetz-schweiz.ch:
Im Falle der Schlupfwespe Torymus sinensis ist Europa inzwischen zu einem riesigen Freiluftlabor geworden. Hoffen wir, dass sich Torymus sinensis an der Edelkastaniengallwespe gütlich tut und beide dann von selber wieder verschwinden, ohne weitere Schäden an der heimischen Flora und Fauna anzurichten.

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Re: "Biologische" Bekämpfung der Edelkastanien-Gallwespe

Beitragvon Reber » Mittwoch 12. Oktober 2016, 22:42

Boro hat geschrieben:Bei uns in Kärnten/Steiermark habe ich die Gallen noch nicht bemerkt, aber der Schleimpilz ist im Wald allgegenwärtig und vernichtet weithin die Edelkastanien. Mögliche Gegenmaßnahmen interessieren hier niemanden, meine diesbezüglichen Vorstellungen beim Forstinspektorat der Stadt blieben unbeantwortet. Für "so was" ist sicher kein Geld da.........


Hallo Boro, das ist jammerschade. Gerade wenn man bedenkt, wofür sonst überall Geld "da ist" - und dass es offenbar bereits gute Erfolge bei der "Behandlung" gibt.
Da kann man nur den Kopf schütteln.

Neben phytosanitären Massnahmen besteht die Möglichkeit, den Pilzbefall biologisch zu bekämpfen, und zwar mit dem Hypovirus aus dem Tessin. Ein Kastanienrindenkrebs, der mit dem Hypovirus behandelt wurde, stellt sein Wachstum ein und heilt aus. In Frankreich werden die Edelkastanien in Fruchtplantagen so mit Erfolg behandelt. Das Hypovirus wird nur zwischen Cryphonectria parasitica-Stämmen übertragen, die miteinander kompatibel sind. Deshalb muss vor jeder Behandlung zuerst bestimmt werden, welche Kompatiblitäts-Typen in einem Bestand vorhanden sind. Die Behandlung erfolgt am besten mit einem lokalen C. parasitica-Stamm, der im Labor mit dem Hypovirus angesteckt wurde. (...)
Die Isolation der Pilze, deren Analysen und die Anzucht des hypovirulenten Pilzbreis werden durch die WSL (Daniel Rigling, s.u.) durchgeführt. Die eigentliche Behandlung der Rindenkrebse ist einfach und kann vom Forstdienst selbst durchgeführt werden.
http://www.waldwissen.net/waldwirtschaf ... r/index_DE


Hallo Emse
Immer wenn solcherlei Interessen im Spiel sind, kann man nicht ausschliessen, dass jemand selber "Hand anlegt" - das wäre auch irgendwie nachvollziehbar. Bei den grösseren Wildtieren z.B. war das nicht selten der Fall (auf beiden Seiten - illegale Einführung, illegaler Abschuss). Bei der kleinen "Raubtieren" passt allerdings der Zeitraum. Dass sie "selber" eingewandert sind, kann durchaus stimmen - sie wurde in drei Nachbarländern ausgebracht und menschliche Staatsgrenzen interessieren Wespen ja seit jeher wenig ;)

Wie gesagt, es bleibt die Hoffnung, dass sich dei Schlupfwespe nicht umstellen kann - und mit ihrem Wirt zurückgeht, gar verschwindet. Aber wer nur noch hoffen kann, kann halt auch nicht mehr viel mehr. ;)
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