(Ameisen-)Bläulinge - myrmekophile Schmetterlinge

(Ameisen-)Bläulinge - myrmekophile Schmetterlinge

Beitragvon Reber » Montag 4. Juni 2018, 15:45

Ich eröffne hier mal einen neuen Faden zu den vielleicht auffälligsten und vermutlich beliebtesten Ameisengästen in unseren Breiten:

Plebejus cf argyrognomon Männchen.JPG
Plebejus cf. argyrognomon Männchen
Plebejus cf argyrognomon Weibchen.JPG
Plebejus cf. argyrognomon Weibchen
Plebejus cf argyrognomon Weibchen 2.JPG
Plebejus cf. argyrognomon Weibchen, Flügelunterseite


Der Kronwicken-Bläuling (Plebejus argyrognomon) ist kein eigentlicher Ameisenbläuling, er gehört zu den "echten" Bläulingen. Aber die Raupen der Art sind myrmekophil, leben also in Symbiose mit Ameisen. Die Arten bevorzugen offene Stellen mit ausreichendem Vorkommen der Raupenfutterpflanze - der Kronwicke, wie der deutsche Namen erahnen lässt (Coronilla sp. - der weibliche Falter im Bild sitzt auf einer Coronilla cf. coronata) und Ameisen. Ich treffe den Falter oft an Stellen, wo es viele Manica, Myrmica und Serviformica gibt.

Ich kann die Raupen leider nicht bestimmen bzw. unterscheiden. Hab sie entsprechend auch noch nicht selber beobachtet. Im Netz finden sich Hinweise, dass die Larven von Myrmica besucht und beleckt werden. Für die beiden sehr nahe verwandten Arten den Argus-Bläuling (Plebejus argus) und den Idas-Bläuling (Plebejus idas) ist belegt, dass die Raupen im Freiland oft von einer "Ameisengarde" bewacht werden. Schlussendlich werden zumindest die Raupen der beiden letztgenannten Arten ins Ameisennest gebracht, wo die Verpuppung und die Überwinterung stattfindet. Plebejus idas soll bevorzugt bei Formica spp. und bei Lasius niger Unterschlupf finden.
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Re: (Ameisen-)Bläulinge - myrmekophile Schmetterlinge

Beitragvon Boro » Mittwoch 6. Juni 2018, 11:06

Danke für den Thread Reber. Ich bin dafür, dass wir im Laufe der Zeit mehrere Bläulinge vorstellen, das ist jedenfalls eine sehr interessante Gattung. Etliche Arten sind vom Aussterben bedroht, viele (alle?) stehen unter strengem EU-Schutz. Das hilft aber nichts, es werden zahlreiche Arten für immer verschwinden. In Kärnten lief gerade ein Projekt zur "Umsiedlung" des Wiesenknopf-Ameisenbläulings wegen drohender Verbauung des Standortes. Man hat sogar entsprechende Pflanzen und Ameisennester (!) verlagert. Ergebnis: Der Schmetterling ist trotzdem dort verschwunden.
Heute einmal der Brombeer-Zipfelfalter (Callophrys rubi):
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Re: (Ameisen-)Bläulinge - myrmekophile Schmetterlinge

Beitragvon Reber » Dienstag 24. Juli 2018, 11:53

Nach dem grünen Bläuling, den Boro im Beitrag oben gezeigt hat, stelle ich hier zur entgültigen Verwirrung den "Silbergrünen Bläuling" vor, der allerdings nicht grün, sondern silberblau scheint. Polyommatus coridon oder Lysandra coridon (auch hier scheint man sich bei der Zuteilung noch nicht ganz einig zu sein).

Lysandra cf coridon1.JPG
Lysandra cf. coridon Männchen
Lysandra cf coridon2.JPG

Dafür ist um so mehr über die Lebensweise des zum Insekts des Jahres 2015 ausgerufene Falters bekannt. Das Lepiforum zeigt Fotos der Larve mit Lasius sp. Arbeiterinnen: Bild Quelle: Lepiforum, Axel Steiner

Wikipedia:
Die Raupen leben myrmekophil zusammen mit Ameisen. Symbiosen sind mit einigen Wegameisen- (Lasius) und Myrmica-Arten, mit Plagiolepis vindobonensis, mit der Gemeinen Rasenameise (Tetramorium caespitum) und mit der Roten Waldameise (Formica rufa) bekannt. Die Raupen sondern über Drüsen Lockstoffe aus, die die Ameisen anlocken. Auch sondern sie bei Berührung durch Ameisenfühler durch einen Spalt am Rücken des siebten Hinterleibssegmentes ein süßes Sekret ab, das die Ameisen fressen. Am achten Hinterleibssegment befinden sich zwei vorstülpbare Fortsätze, die am Ende einen Kranz aus Häkchen tragen. Diese beiden Organe werden besonders dann bewegt, wenn Ameisen in der Nähe sind und sollen sie vermutlich ebenso anlocken. Neben dem Schutz vor Fressfeinden bauen die Ameisen mitunter „Unterstände“ aus lockerem Erdreich für die Raupen, die auch Verbindungen zu nahen Ameisennester aufweisen können.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Raupen sitzen tagsüber in Gruppen im Geröll oder Moos unter den Nahrungspflanzen. Diese Pflanzen kann man dann an den vielen Ameisen auf den niedrig liegenden Trieben erkennen. Die Verpuppung erfolgt unter Steinen, die Puppe ist glatt und olivgrün.


Die Art ist im südlichen Deutschland, der Schweiz und Östrreich verbreitet und kommen auch auf Höhen von über 2000 m.ü.M. noch vor. Sie bevorzugt Habitate auf warmen Magerrasen mit hohem Blütenreichtum, wo die Falter an unterschiedlichen Blüten Nektar finden.Die Raupen fressen fast ausschliesslich an Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Lokal nehmen sie auch die Bunten Kronwicke (Coronilla varia) als Futterpflanze an. Die Falter setzen sich gerne an feuchten Stellen auf Kieswege und übernachten in Gemeinschaften an Halmen z.B. der wilden Möhre.
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