Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Montag 13. März 2017, 13:58

Zeitgleich mit den Schlüsselblumen und Narzissen sind nun auch die Mauerbienen "erwacht". Bisher konnte ich nur Osmia cornuta erkennen, viele Niststollen sind noch verschlossen, dennoch gibt es bei schönem Wetter bereits viel Betrieb und es geht es recht rabiat zu und her vor den Nisthilfen, die Männchen lauern den Weibchen auf versuchen andere Männchen zu vertreiben. Die Weibchen säubern erste Nistgelegenheiten.
Flugbetrieb Osmia cornuta.JPG
Männchen Osmia cornuta.JPG
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Freitag 31. März 2017, 17:13

Heute gabs ungewohnten Besuch an der Nisthilfe. Eine Wespenkönigin tauchte auf (konnte sie nicht bestimmen, vermutlich Vespula cf. vulgaris oder germanica) und kroch teilweise in die Niststollen.
Was das Tier genau wollte, ist für mich unklar. Holz für den Nestbau abnagen? Pollen oder Eier plündern? Selber eine Nistmöglichkeit finden?
Wespe an Wildbienennisthilfe.JPG
Wespe an Nisthilfe.JPG
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 4. Mai 2017, 13:10

Hierbei handelt es sich zwar nicht um Wildbienen, aber endlich habe ich eine Verwendung für meine leeren Nutellagläser gefunden :D
http://derwaechter.net/selbstgebauter-b ... -lauffeuer
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Donnerstag 4. Mai 2017, 19:36

Die Haltung, Pflege der Honigbienen ist so kaum praktikabel und die Honigernte aus meiner Sicht nicht weniger umständlich, als mit den klassichen Honigwaben/Aufsätzen und der Schleuder.
Ich kann den Beitrag nicht wirklich ernst nehmen, so an die Sache heran zu gehen ist unseriös. Und das nicht, weil ich keinen Wachs, sondern wirklich Honig in meinen Gläsern haben möchte ;) Das Problem ist, dass kein Wort über die aufwändige Behandlung der Varroa vorkommt und auch nichts davon zu lesen ist, dass die Bienen als Ersatz für den abgenommenen Honig Futter brauchen.
Solche "Imker" werden sich an ihrem Hobby kaum lange freuen können und den Honigbienen ist damit auch nicht geholfen.
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 4. Mai 2017, 23:24

Da hast du völlig recht. Bei diesem Konstrukt ist von der normalen Haltung darin, bis zur Honigernte noch vieles unklar.


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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Mittwoch 24. Mai 2017, 18:46

Wenn der Parasit die neue Wildbienenart verrät: Vor kurzem habe ich die Zehnpunkt-Keulenwespe (Sapygina cf. decemguttata) an einer meiner Nisthifen entdeckt. Zum interessanten Tier später mehr. Vorerst heisst das aber, dass ich eine weiter Wildbiene in meinen Nisthilfen idendifizieren kann, die mir bereits im letzten Jahr aufgefallen war, ich aber erst jetzt bestimmen konnte: Osmia truncorum, die Gewöhnliche Löcherbiene ;)

Sapygina cf. decemguttata.JPG
Sapygina cf. quinquepunctata
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Zuletzt geändert von Reber am Freitag 27. April 2018, 19:01, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Es handelt sich höchstwahrscheinlich nicht um Sapygina decemguttata, sondern um Sapygina quinquepunctata. Siehe Beitrag weiter unten vom 27.4.2018
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Sonntag 18. Juni 2017, 17:35

Keine eigentlichen Nisthilfen braucht die Kleine Harzbiene Anthidium strigatum.
Sie baut ihr Nest selbständig, aus Harz – vorwiegend von Kiefern. Möglichwerweise ist sie allerdings gerade wegen den anderen Wildbienen in den Nisthilfen auf meinen Balkon aufmerksam geworden, um dort ihr Nest zu bauen. Jedenfalls ein schönes Ereignis, denn obwohl die Biene nicht selten ist, sind ihre Nester schwer zu finden. Normalerweise werden diese nämlich perfekt der Umgebung angepasst - die Biene arbeitet gerne Partickel aus dem Umgebung ein (z.B. Rindenstücken vom Baum, an dem sie ihr Nest anlegt). Bei mir am Fenster gestaltet sich die Tarnung natürlich schwierig. Die topfähnlichen Brutzellen werden normalerweise an Steine, Baumstämme oder Pflanzenhalme geklebt und zur Hälfte mit einem Nektar-Pollen-Gemisch aufgefüllt. Das Weibchen legt pro Töpfchen nur ein Ei ab und verschliesst danach die Zelle, indem es diese zu einem dünnen Röhrchen verengt. Oft legt das Weibchen um die 10 solcher Harzzellen in unmittelbarer Nähe an. Ich bin gespannt!
Anthidium strigatum Kopf.JPG
Anthidium strigatum.JPG
Anthidium strigatum am Nest.JPG
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Freitag 23. März 2018, 12:24

Dank dem schönen Wetter haben heute die ersten Männchen von Osmia cornuta ihre Nistlöcher verlassen. Die Saison beginnt damit deutlich später als in "normalen" Jahren, was sicherlich an den extrem kalten Temperaturen von Ende Febrar bis jetzt liegt. Auch die Vegetation ist deswegen "hintendrein" und das dürfte es den Bienen schwererer als sonst machen, Nahrung zu finden. Es gibt zum Glück viele verwilderte Primeln und blühende Schlüsselblumen in der Nähe, die von der Art angenommen werden. Andere Frühlingsblüher, vorallem die Krokusse, haben viele Blüten beim Kälteeinbruch verloren, oder sind noch nicht so weit, die Weiden z.B. blühen nicht.
Osima cornuta Männchen.JPG
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Freitag 27. April 2018, 19:21

Heute ist mir eine scheinbaraltbekannte Keulenwespe an den Nisthilfen begegnet. Bei genauerem Hinsehen, sind mir aber zwei rote Hinterleibssegmente aufgefallen, die mir letztes Jahr weder von blossem Auge noch auf den Fotos aufgefallen waren.

Sapyga quinquepunctata.JPG
Sapyga cf. quinquepunctata


Es handelt sich demnach auch letztes Jahr kaum um Zehnpunkt-Keulenwespe Sapygina decemguttata, sondern um die weitverbreitete Fünfpunkt-Keulenwespe Sapyga cf. quinquepunctata. Diese hat ein breites Spektrum an Wirtsarten bei den Mauerbienen (Osmia adunca, Osmia brevicornis, Osmia caerulescens, Osmia claviventris, Osmia gallarum, Osmia leaiana, Osmia tridentata, Megachile parietina), was meine Bestimmung von Osmia truncorum wiederum unsicher macht...

Sapyga quinquepunctata seitlich.JPG
Sapyga cf. quinquepunctata
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 3. Mai 2018, 15:12

Der Aktuelle Newsletter des BMUB zum Thema Bienen- und Insektenschutz

Berlin, 02. Mai 2018

Artenvielfalt/Insektenschutz
Schulze übernimmt Wildbienenpatenschaft

Heute hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze eine Wildbienenpatenschaft übernommen. Im Wildbienenschaugarten in Berlin-Treptow nahm die Ministerin ihre Urkunde von der Stiftung für Mensch und Umwelt in Empfang. Rund die Hälfte aller Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste. Ein gezielter Schutz von Wildbienen, ihrer Nahrungsgrundlagen und Lebensräume ist daher dringend nötig.

Schulze: „Wir erleben ein dramatisches Insektensterben, das die Natur insgesamt aus dem Gleichgewicht bringt. Es geht nicht nur um die Honigbiene, gefährdet sind vor allem Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Wir brauchen dringend schnell wirkende Maßnahmen, um das Insektensterben zu stoppen. Wir wollen darum schon bald Eckpunkte für ein Aktionsprogramm Insektenschutz im Kabinett beschließen. Ich hoffe auf viele Mitstreiter – in der Politik, aber auch in den Gärten und auf den Balko-nen.“ Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, sind besonders stark von der Zerstörung und Beeinträchtigung ihrer Lebensräume und Nahrungsgrundlagen betroffen. Ein Blick auf die Rote Liste zeigt: 53 % der Wildbienenarten sind dort gelistet. Ein gezielter Schutz von Wildbienen, ihrer Nahrungsgrundlagen und vielfältigen Lebensräume ist daher dringend nötig. Mit einem größeren Blütenangebot allein, wie das für Honigbienen grundsätzlich nützlich sein kann, ist ein effektiver Wildbienenschutz kaum zu erreichen. Wildbienen haben zum Teil sehr spezifische Bedürfnisse an Nahrung und Lebensräume.
Die Stiftung für Mensch und Umwelt ist Trägerin verschiedener lokaler und bundesweiter Projekte. Unter anderem unterstützen das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt das Projekt 'Treffpunkt Vielfalt'.
Bei dem Naturschutzgroßprojekt werden die Grün- und Freiflächen in Wohnungsunternehmen von Siedlungen in vier Bundesländern einbezogen, die Flächen ökologisch gestaltet und damit die Artenvielfalt vor der Haustür gefördert. Es entstehen Orte der Naturerfahrung und Erholung für eine lebenswerte Wohnumgebung von Mensch und Insekt.

Weitere Informationen:

Wildbienenpatenschaften der Stiftung für Mensch und Umwelt:
www.wildbienenpaten.de

Projekt „Deutschland summt“: www.deutschland-summt.de

Projekt „Treffpunkt Vielfalt“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt:
www.bmu.de/PM7458

Bundesprogramm Biologische Vielfalt: www.bmu.de/WS4363



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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Samstag 12. Mai 2018, 15:55

Der zur Unterordnung der Fliegen gehörende Trauerschweber mit dem leicht einprägbaren Namen Anthrax anthrax) ist ein ca. 1cm langer Wildbienen-Parasit und entsprechend häufig an den Nisthilfen anzutreffen. Das Verhalten der Tiere ist so interessant wie "grausam". Die Schweber sitzen still auf den Nisthilfen und werden dabei von den Bienen kaum beachtet. Zur Tarnung tupft das Weibchen vor der Eiablage seinen Hinterleib in Lehmstaub und Gemülle unter den Nisthilfen, dann fliegt es zu den Nesteingängen und schleudert dem Staub samt einem Ei in ein geeignetes Bohrloch. Sobald die Fliegenlarve schlüpft, wandert sie in den Niststollen, frisst zuerst nur vom Pollenvorrat und schlussendlich die Bienenlarve selber.
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Trauerschweber.JPG
Anthrax cf. anthrax
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Boro » Sonntag 13. Mai 2018, 08:02

Mein neues Bienenhotel (etwa 1X1 m) ist von zahlreichen Bienen der Gattung Osmia "besiedelt" worden. Inzwischen sind deutlich weniger "Gäste" zu beobachten, dafür aber 2 Goldwespen. Etwa 10% der verschlossenen Bruträume sind geöffnet worden, ich vermute die Goldwespen als Täter. Wäre interessant zu wissen, wie hoch etwa der Anteil parasitierter Nisträume bei anderen "Hotelbesitzern" ist.
L.G.
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Sonntag 13. Mai 2018, 11:09

Hallo Boro, bei mir stehen mehrere unterschiedliche, eher neue Nisthilfen. Einige davon bestehen ausschliesslich aus Niststollen mit Beobachtungsmöglichkeit bei anderen sind zum Teil solche eingebaut. Diese werden von den Bienen aber immer weniger gerne genommen, als normale Stollen. In den Beobachtungsstollen kann ich sicher sagen, dass mit der Zeit vermehrt Parasiten auftreten. Besonders bei den grossen und häufigen Osmia Arten. Eine quantitative Schätzung ist aber schwer und ich habe mir keine Notizen gemacht. Erfeulicherweise nehmen jedenfalls von Jahr zu Jahr sowohl die Wildbienen als auch die Parsaiten zu, einerseites zahlenmässig aber es kommen auch neue Arten dazu. Eine Goldwespe konnte ich letztes Jahr erstmalig beobachten, habe sie allerdings nicht vor die Kamera bekommen. Ich bin noch immer erstaunt und erfreut über die Artenvielfalt, die trotz allem im stätischen Raum verblieben ist...

Nisthilfen.JPG
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon LynnLectis » Mittwoch 16. Mai 2018, 15:20

Hab gerade wieder über das Bienensterben gelesen. :(

In den Städten sehe ich immer noch zu wenig Naturnischen, da könnte man einiges verbessern durch Dächerbepflanzung. Man müsste sich parteienübergreifend politisch dafür einsetzen, damit endlich etwas geschieht.
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Sonntag 20. Mai 2018, 17:40

Heute konnte ich eine weitere Art entdecken. Meine Bilder geben keine brauchbaren Hinweise für eine Bestimmung, die Beobachtungen unter Beizug von Fachliteratur schon eher:
- es handelt sich um eine kleine schwarze Wespe, ca. 8 mm lang
- sie trägt Blattläuse als Larvenfutter ein
- sie benützt einen gebrauchten, von einer Mauerbiene verlassenen Nisstollen
- der Bohrlochgrösse passt, obwohl sie für eine so dünne Wespe eher überdimensioniert anmutet (3,5 und 6 mm)
- auch im Siedlungsbereich verbreitet und an Nisthilfen anzutreffen

Unsicher macht mich die angegebene Flugzeit. Für Mittte Juni sind die Wespen etwas früh. Solche Schwankungen sind aber keine Seltenheit...

Vermutlich handelt es sich also um die Grabwespe Psenulus cf. fuscipennis
Grabwespe in Nisthilfe.JPG
Grabwespe in Niststollen.JPG

Weitere Beobachtungen können das vielleicht untermauern...
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Samstag 2. Juni 2018, 20:54

In den letzten Tagen sind Osmia cf. truncorum geschlüpft.
Osmia cf truncorum.JPG
Ein Männchen begutachtet einen 8 mm Niststollen.

Die Weibchen der Art besiedeln an den Nisthilfen am liebsten kleinere Bohrungen mit einem Innendurchmesser von 3– 3,5 mm. Als Baumaterial für die Zellzwischenwände und den Nestverschluss verwenden die Bienen Baumharz. In das Harz des Nestverschlusses werden kleine Teilchen (Steinchen, Erdbröckchen etc.) eingebaut.
Osmia cf. truncorum.JPG
Eine frisch geschlüpfte Osmia cf. truncorum wärmt sich auf.
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Boro » Sonntag 10. Juni 2018, 11:46

Saisonbedingter Schichtwechsel im Insektenhotel
Diesen Bau habe ich erst im April fertiggestellt und trotzdem wurden fast 70 "Zimmer" belegt. Es handelte sich vorwiegend um Mauerbienen (Osmia spp.) von April bis Anfang Mai. In den letzten 14 Tagen habe ich nur mehr eine Osmia sp. gesehen.
Dafür machen sich andere Gäste bemerkmar: Goldwespen (leider kein Foto gelungen) und vor allem kleine schwarze Wespen mit einer Körperlänge zwischen etwa 6 mm und 9 mm, ein paar Ameisen und Springspinnen.
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DSC01958.JPG
Das neue, große Hotel, fertiggestellt Angang April 2018. Das Gitter dient der Abwehr von Specht und Meise
DSC01865.JPG
Springspinne
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Springspinne mit erbeutem Insekt, vielleicht ein frisch geschlüpfter Bewohner
DSC01868.JPG
Wespe blickt aus einem Röhrchen
DSC01879.JPG
eine andere Springspinne
DSC01904a.jpg
Schlupfwespe mit langem Legestachel
DSC01907.JPG
Dolichoderus quadripunctats erforscht das Gelände, zum Glück eine harmlose Art
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das ist eine jener kleinen, scharzen Wespen
DSC01922.JPG
ein Jungtier, vielleicht von der zuerst gezeigten Spinnenart
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Boro » Freitag 15. Juni 2018, 15:12

Neue Bewohner eingezogen:
Gestern erfolgte der Anruf meines ältesten Sohnes, er habe wie im Vorjahr ein Wespennest gefunden; ich sollte es abholen! Hier der Bericht aus 2017: viewtopic.php?f=30&t=717&p=14396&hilit=Polistes+dominula#p14396
Dieses Nest hat übrigens überlebt und heuer im April sind mindestens 3 Jungköniginnen dorthin zurückgekehrt und haben die alte Wabe in Beschlag genommen und ausgebaut. Lt. einschlägiger Literatur und eigenen Beobachtungen an weit über 100 Polistes-Nestern in den letzten Jahrzehnten ist dieser Vorgang ein absolutes Novum!! Unter den unzähligen gesichteten Nestern wurde nur einmal auf ein altes Nest mittels Stielchen ein neues "aufgesetzt" - auch extrem selten.
Da eine Kinderparty (!) zum 5. Geburtstag des Enkels bevorstand, waren Wespen natürlich im Wege. Ich habe das Nest besichtigt und gleich mitgenommen. Aber wohin damit? Kurz entschlossen wurde es am nächsten Morgen bei kühleren Temperaturen im Hotel untergebracht; wo sonst? Es ist wohl ein Spätlingsnest, vermutlich eine 2. Gründung mit 3 Bewohnerinnen [Polistes dominula].
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DSC01996.JPG
Boro
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Boro » Freitag 15. Juni 2018, 19:35

Parasitische Wespe?
Bei den Verschlüssen meiner Nisthilfen entdecke ich schon seit langem kleine Löcher, die jedenfalls deutlich kleiner ausfallen als die darin in Metamorphose befindlichen Solitärbienen. Inwieweit parasitische Wespen ihr Ei während des noch offenen Brutraumes deponieren oder anschließend die verdeckelten Zellen aufnagen, ist mir in den Einzelheiten nicht bekannt. Heute habe ich eine dieser schwarzen Wespen (ca. 9 mm lang) beobachtet, wie sie den vorwiegend aus Lehm bestehenden Deckel eifrig benagt. Bei längerer Beobachtung ist mir aufgefallen, dass diese Wespe offenbar Nistmaterial bzw. "Nest-Verschlussmaterial" abnagt und kleine Klümpchen fortträgt. Also offensichtlich nur Diebstahl und keine parasitische Tätigkeit. Ob die Brut durch die Öffnung des Nestverschlusses aber viell. durch andere Parasiten geschädigt werden könnte, war noch nicht festzustellen.
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DSC01997.JPG
hier sehen wir eines dieser kleinen Löcher
DSC02002.JPG
die Wespe bei den Grabungsarbeiten
DSC01999.JPG
an der Unterseite der Mandibeln ist ein mit Speichel vermischtes Baumaterial zu erkennen
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Re: Nisthilfen für Wildbienen - Gemeinschaftsthread

Beitragvon Reber » Sonntag 17. Juni 2018, 18:21

An meinen Nisthilfen sind ebenfalls etwa 9 mm lange, schwarze Wespen zu beobachten. Sie sind sehr schnell und kriechen in unterschiedliche Niststollen. Aber scheinbar nur in offenstehende. Das Öffnen eines Stollens, wie bei Boro dokumentiert, konnte ich bei "meinen" Wespen noch nie beobachten. Ich konnte von den Tieren noch kein brauchbares Bild machen.

Momentan fliegen Osmia cf. truncorum am stärksten. Die meisten Weibchen sind gerade damit beschäftigt, ihre Gänge zu verschliessen.

Neu sind schmale Wespen mit langem Legebohrer aufgetauch. Ich glaube es handelt sich um Gichtwespen (Gasteruptiidae), wegen den "angeschwollenen" Tibien an den Hinterbeinen. Die Wespen bzw. deren Larven ernähren sich parasitär von solitären Bienenlarven. Als Imagines ernähren sich die Wespen dann Nektar und Pollen und Honigtau.

Gichtwespe.JPG
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