Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Donnerstag 7. März 2019, 21:45

Gerade KULAP-Mischungen stehen in der Kritik vieler Entomologen.
Generell müssen wohl die Bemühungen zum Naturschutz überdacht werden. Die bisherigen Strategien scheinen ganz offensichtlich nicht sonderlich gut zu funktionieren.

Aber ich hoffe, dass nun etwas mehr Bewegung in die Sache kommt. Die Bayern haben schon gezeigt, dass dieses Thema in der breiten Öffentlichkeit als sehr wichtig wahrgenommen wird.
Auch in verschieden Facebook-Gruppen ist deutlich zu merken, dass der rasante Artenschwund, nicht nur bei Insekten, für Diskussion sorgt.
Nur bringt es nichts, jetzt zum Beispiel der Landwirtschaft die Alleinschuld zuzuschreiben. Am Ende betrifft das Thema uns alle.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Boro » Freitag 8. März 2019, 08:51

Zum Thema Insektensterben (und was danach kommt) gibt es morgen eine Tagung in München, zu der auch der Moderator dieses Forums eingeladen ist. Es gibt ein Filmprojekt (27 min.), das die Interaktion zwischen der Amazonenameise Polyergus rufescens mit ihrem Wirt, der Schwarzen Sklavenameise Formica fusca, zum Inhalt hat.
Das hat nur scheinbar nichts mit dem "Insektensterben" zu tun, tatsächlich befindet sich die Amazonenameise wohl in ganz Mitteleuropa auf den Roten Listen, gerade in Bayern lautet der Status "vom Aussterben bedroht" und in benachbarten österr. Bundesländern kommt sie nicht vor (Salzburg, Oberösterreich, Vorarlberg, Tirol ein od. zwei rezente Funde). Die Ankündigung dieses Beitrages ist vermutlich aus Platzgründen etwas verkümmert angeführt.........
Link zum Programm: Programm 57. Entomologentag MEG_NachrBl_68_1u2-1(3)
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Freitag 8. März 2019, 10:44

Hallo Boro,

Vielen Dank für die Ankündigung! - Ich muss gestehen, dass ich von der MEG noch nie etwas gehört habe. Wäre gerne bei der Veranstaltung zugegen, aber das klappt nicht. :(
Dürfen wir auf einen kurzen (?) Bericht hoffen?

Mir fällt z. B. dieser Vortrag auf:
Dr. Christian SCHMID-EGGER (Berlin): Zehn Jahre Stechimmen-Barcoding – Zeitenwende in der Taxonomie? - Sein Fragezeichen stimmt mich etwas hoffnungsvoll.

Auch hier könnte die Quintessenz der Ausführungen interessant sein:
Präsident des LWF Olaf SCHMIDT (Freising): Neue Arten – ökologisch halb so wild? - Olaf Schmidt ist übrigens im Wiss. Beirat der DASW.

Gerne würden wir natürlich auch erfahren, ob realistische Vorstellungen zur Hilfe für die bedrohte Natur geäußert werden.

Zu den letzten drei Beiträgen von Swagman und Emse (7.3.):

Ich möchte meine Skepsis gegenüber den saisonalen Blühwiesen noch etwas präzisieren. Nur wenig überspitzt gesagt: Solche Aktionen könnten geradezu zu tödlichen Fallen für viele wiesenbewohnende Arten werden!

Wieso? - Die blühenden Flächen locken durch das Nahrungsangebot Insekten aus der näheren oder weiteren Umgebung an. Tiere sind daraufhin selektioniert, dass sie in einem Bereich mit passendem und hohem Nahrungsangebot sich auch fortpflanzen. Denn in der vom Menschen unbeeinflussten Natur ändert sich ein Habitat nur sehr langsam, über viele Jahre oder Jahrzehnte der Sukzession, bis ein stabiles Endstadium, eine Klimax, erreicht wird, das sich dann allenfalls dank Klimaänderungen noch langsam weiter entwickelt (da geht es um Jahrtausende!).

Gewiss gibt es Arten, die sich an rasche Wechsel angepasst haben, siehe z. B. Blattläuse, die sich auf Äckern jedes Jahr wieder ausbreiten, und dank sehr rascher Generationenfolge entsprechend oft bekämpft werden müssen (mit „Nebenwirkungen“ auf alle anderen Insekten).

Viele Insektenarten, darunter eben auch besonders gefährdete, sind langlebig, haben vielleicht nur 1-2 Generationen pro Jahr, oder haben sogar eine mehrjährige Entwicklung als Larven und Puppen, im Boden bzw. in langlebigen Pflanzen (Sträucher, Bäume).
Regelmäßige Bearbeitung des Bodens, ob jährlich oder in 2 - 3 oder 5 Jahren Abstand, raubt diesen Arten die Existenzgrundlage, vernichtet die Nachkommenschaft der durch das Futterangebot angelockten Individuen! Das meine ich mit "tödliche Falle".

Wie Swagman richtig schreibt:
Einzig standortangepasste, blütenreiche Wiesen aus autochthonen Arten würden über viel Jahrzehnte etwas für den Arterhalt leisten. Aber auch nur bei richtigen Management und nur vernetzt und im Verbund mit weiteren Flächen. Insekten, selbst diejenigen die es wohl könnten, fliegen nicht über große Agrarflächen. Auch das wurde bereits wissenschaftlich belegt.


Vielleicht, @ Boro, gibt es auf der Tagung Gelegenheit, das Thema Blühwiesen und Blühstreifen unter diesem Gesichtspunkt mit dem einen oder anderen Teilnehmer mal anzutippen?

Ich wünsche viel Spaß auf der Tagung, sowie Erfolg und Anerkennung für den Polyergus-Beitrag! (Solche sozialparasitischen Ameisen sind geradezu Paradebeispiele für Organismen, die fast NUR in sehr langfristig (Jahrhunderte) stabilen Ökosystemen anzutreffen sind).

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Anon » Sonntag 10. März 2019, 12:18

btw:
Boro hat geschrieben:Zum Thema Insektensterben (und was danach kommt) gibt es morgen eine Tagung in München, zu der auch der Moderator dieses Forums eingeladen ist. Es gibt ein Filmprojekt (27 min.), das die Interaktion zwischen der Amazonenameise Polyergus rufescens mit ihrem Wirt, der Schwarzen Sklavenameise Formica fusca, zum Inhalt hat.

Hallo Boro, ohne aufdringlich sein zu wollen: Plant ihr, den Film in nächster Zeit ggf. "online" (Youtube o.ä.) zu stellen, damit wir uns "den Streifen mal reinziehen" können? Zumindest ich würde ihn gerne sehen.

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Zum Thema "blühende Äcker": Wirklich schade! Egal, wie man es auch macht, es scheint immer ein Haken daran zu sein. Offensichtlich fallen sämtliche Konzepte - beim Versuch, sie in die Praxis umzusetzen - in sich zusammen. Und solange wirtschaftliche Interessen (Profit und Arbeitsplätze) dabei stets an erster Stelle stehen, wird sich daran wohl so schnell auch nichts ändern. Eine Zwickmühle!

Ich bin auf die nun angekündigten (weiteren) "politischen Lösungen" sehr gespannt!
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Boro » Dienstag 12. März 2019, 10:48

Kurze Zusammenfassung meiner Eindrücke:

Die unerwartet extrem schwierige Anreise nach München hat 1,5 Std. Verspätung eingebracht: Kolonnenverkehr mit wiederholtem Stau von Hallein (südl. Stadt Salzburg) bis München. Daher haben wir an Vorträgen einiges versäumt, das von Interesse gewesen wäre. Direktor (Dr. Segerer) und Vizedirektor sehr hilfsbereit und zuvorkommend. Es traten aber unerwartete Schwierigkeiten auf: Wegen des Entfalls eines Beitrages gab es vorübergehend wegen der Änderung der Reihenfolge von Beiträgen einige Unklarheiten, zuletzt wurde ich vom letzten auf den vorletzten Platz vorgereiht. Die Installation des Filmes wurde ebenfalls erst nach mehreren Versuchen zufriedenstellend gelöst. Die zeitliche Abfolge war dann so knapp, dass es praktisch zu keiner Diskussion kam. Ich darf aber sagen, dass unser Film sehr gut angekommen ist, möglicherweise auch als Abwechslung zu den mehr oder weniger wissenschaftlichen Lichtbild-Beiträgen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Amazonenameise (Status in BY: vom Aussterben bedroht) im großen Zuhörerbereich überhaupt bekannt gewesen wäre oder dass jemand so einen Raubzug selbst je gesehen hätte.

Hallo Emse: Der Film dauert 27 Min. und ist ohne Ton. Erklärungen, Interpretationen liefere ich während der Präsentation ständig mit, ich finde das besser so, weil es authentisch wirkt und man auf etwaige Unklarheiten, Fragen sofort eingehen kann. Bei der ersten Vorstellung anlässlich der Jahrestagung der Entomologen in Klagenfurt/Kärnten im Nov. 2018 (wo auch Dr. Segerer anwesend war) gab es anschließend eine angeregte Diskussion. So sollte es eigentlich ablaufen.
Anders gesagt: Einen stummen Film einzustellen halte ich für nicht sinnvoll, weil die ganze Materie doch etwas komplex ist und erklärt werden muss. Die Schilderung des bloßen Ablaufs wäre da zu wenig.
Es war aber nicht der letzte Film, mit unserem Filmproduzenten haben wir noch einiges vor.......
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Sonntag 7. April 2019, 19:49

Der Blick berichtet über das Artensterben in der Schweiz. Die Datengrundlagen stammen aus 18 Roten Listen, die vom Bundesamt für Umwelt veröffentlicht werden. Sie wurden optisch aufbereitet und geben einen Überblick über die Anzahl der Arten und den Grad ihrer Gefährdung. In der Schweiz sind fast 5% der vormals heimischen Ameisen ausgestorben, 68% gelten als gefährdet.

https://www.blick.ch/storytelling/2019/tiervielfalt/
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Teleutotje » Freitag 16. August 2019, 21:53

What the hell is happening here?

What I see this year is incredible… almost no ants, almost no birds, almost no wild mammals,... and NO bats!!! Like a tractor this hit me a few weeks ago and I'm still influenced by this. Unforgiven this is! Shame, shame, shame!

Unbelievable!
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Teleutotje » Samstag 17. August 2019, 10:28

Yesterday, after my previous post, I came across this (They putted it online yesterday…): https://entomologytoday.org/2019/08/16/ ... servation/ .
In it there was this beauty: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/csp2.80 or https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epd ... 11/csp2.80 … Read it!!!
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Dienstag 20. August 2019, 11:25

Bald brauchen wir wohl noch das Thema: Wo sind unsere Bäume und Sträucher geblieben?

Seit gestern sind wir wieder vom Urlaub zurück, der uns vom Süden bis an die Nordsee und zurück gebracht hat.

Erschreckend mussten wir den Zustand der Bäume und Sträucher quer durch die Bundesrepublik zur Kenntnis nehmen. Als Gärtner fällt uns der Gesundheitszustand von Bäumen und Sträuchern natürlich auch sofort ins Auge.
Die toten Fichten fallen natürlich gleich auf, aber auch Waldkiefern und Schwarzkiefern geht es nicht besser, ganze Wälder sind da am absterben.
Sehr viel erschreckender sind aber die vielen toten und absterbenden Rotbuchen überall. Immerhin sind Rotbuchen die deutsche Klimaxbaumart. Zufällig haben wir noch einen Bekannten getroffen, der in einer Lehr- und Versuchsanstalt zum Thema Bäume der Zukunft forscht. Auch dort ist man äusserst besorgt über das derzeitige, allem Anschein überraschende absterben dieser Baumarten. Gerade Rotbuchen verfügen auch nicht über die Möglichkeit sich wieder zu regenerieren. Am stärksten betroffen sind deshalb auch die älteren Exemplare.

Im Ammerland im Norden war es dann auch nicht besser. Eigentlich durch viel Regen verwöhnt, ist es dort seit letzem Jahr extrem trocken und warm. Die dort eigentlich wie Unkraut wachsenden Rhododendron zeigen bereits erhebliche Schäden, sei es durch Sonnenbrand oder gleich durch absterben. Auch andere immergrüne Arten sind ziemlich lädiert.
Das Gebiet zeichnet sich auch durch zahlreiche Baumschulen aus, doch auch auf deren Feldern war es nicht zu übersehen, dass es an Niederschlägen mangelt. Hier sind natürlich nicht nur heimische Arten betroffen, auch viele andere Arten dürften, wenn es so weitergeht, keine Zukunft mehr in Mitteleuropa haben.

Es ging dann noch auf eine Nordfriesische Insel und dort bemerkten wir die vielen abgestorbenen Sanddorn-Sträucher. Später sollten wir erfahren, dass dieses Phänomen bereits als Sanddornsterben bezeichnet wird und nicht nur in dieser Region bekannt ist. Die Ursache wurde bisher noch nicht entdeckt. Da sich derzeit auch viele neue Schaderreger, insbesondere Schadpilze bei uns ausbreiten, könnte es gut sein, dass hier ein neuer Erreger sein Unwesen treibt.

Jedenfalls war es ziemlich erschrecken zu sehen, in welch desolaten Zustand sich unsere Umwelt befindet.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Mittwoch 21. August 2019, 15:52

Es ist an der Zeit, hier ein Update zu verfassen.

Nun kann eine Einzelperson immer nur einen sehr kleinen Teil aus dem Gesamtproblem überblicken, räumlich aus der eigenen, lokalen Beobachtung, und allgemein aus m.o.w. zufällig gelesenen Berichten: Es gibt sehr viele davon!
Dennoch will ich mal versuchen, einige Eindrücke wiederzugeben.
Generell ist deutlich, dass der Rückgang bei Insekten, aber auch bei anderen Tiergruppen weiterhin anhält.
Lokal bzw. regional ist zu differenzieren: Aus Naturfreunde-Foren kann man entnehmen, dass das Ausmaß des Verschwindens von Arten sehr ungleichmäßig verteilt ist.
In manchen Artengruppen ist ein Rückgang vieler Arten zu beobachten, während andere aus derselben Gruppe deutlich zunehmen (besonders bei Insekten auffällig!)

Im Einzelnen (nach meinem persönlichen Eindruck):

Insekten
Das Windshield phenomenon hält an, man muss die Windschutzscheibe kaum noch von Insektenresten reinigen.
Anfang August, bei gutem Wetter, fuhr ich gesamt ca. 1400 km von Darmstadt ins Wallis und zurück. Ein einziges „fettes“ Insekt, evtl. eine Hummel, hinterließ seine Spuren auf der Scheibe!
Daneben recht zahlreiche kleinere Formen, vor allem wohl Blattläuse.

Abgenommen haben vor allem größere Insekten wie Laufkäfer, Bockkäfer, Maikäfer-Verwandte, Tagfalter, Heuschrecken (mit einer Ausnahme: Im Wallis, auf Bergweiden in >2000 m Höhe gab es reichlich Heuschrecken), Fliegen, Libellen.

Gleich geblieben: Recht häufig trifft man Honigbienen an; sie scheinen von den Bemühungen um „Blühpflanzen“ etc. zu profitieren.
Die Blaue Holzbiene Xylocopa violacea scheint nicht abzunehmen.
Nach Foren-Berichten gibt es zahlreiche Kleinschmetterlinge vieler Arten.
Bei Ameisen ist für mich kein Rückgang zu verzeichnen.
Blattläuse scheinen nicht abzunehmen.
Die Feldgrille (Gryllus campestris) war in diesem Frühjahr in geeigneten Wiesen in üblichen Mengen zun hören.
Ameisenlöwen (Euroleon nostras)-Trichter finde ich in normaler Häufigkeit, z. B. auch vor meiner Haustür.

Zugenommen haben einige Neozoen, bei uns in Südhessen v. a. zwei „Waldschaben“, Ectobius vittiventris-Komplex und Planuncus tingitanus. Sie fluten geradezu die Gärten und kommen zunehmend ins Haus (wo sie sich zum Glück nicht vermehren).

Schnecken
Abgenommen: Als ehemaliger Schneckenhaus-Sammler habe ich noch immer einen Blick v. a. für die vielen Kleinformen. Sie haben m. E. erheblich abgenommen, sind an eigentlich günstigen Stellen kaum noch zu finden.
Zebrina detrita auf Trockenrasen: fast verschwunden.
Schnirkelschnecken (Cepaea spp.): Bei mir im Garten sowie im Freiland sehr selten geworden.
Nacktschnecken allgemein: Kleinformen im Garten kaum noch zu finden („Salatschnecken“, ich vermisse sie nicht). Braune und Rote Wegschnecken (Arion spp.) im Garten sowie im Wald sehr selten geworden.

Gleich geblieben: Helix pomatia (bei mir im Garten sowie in Freilandgebieten).

Zugenommen: Mir sind keine Beispiele bekannt.

Regenwürmer, Tauwürmer
Im Garten sowie im Kompost erheblich zurückgegangen, evtl. dank Trockenheit. (Gibt es dazu andere Berichte?)

Vögel
Abgenommen: An Futterstellen haben Meisen, Buchfink, Grünfink, Rotkehlchen, Hausrotschwanz, Amsel u.a. abgenommen (ich füttere jetzt NABU-Fettfutter mit Insekten ganzjährig, nachdem mir in 2018 und 2019 ein paar Bruten von Meisen und Hausrotschwanz kurz vor dem Ausfliegen anscheinend verhungert sind)

Gleich geblieben bzw. zugenommen: Star, Elster, Krähen, Turmfalk, Mäusebussard, Kanadagans, Nilgans, Graugans, Türkentaube, Ringeltaube, ...

Säugetiere:
Anhand überfahrener Exemplare bzw. Sichtungen haben
Abgenommen: Igel, Feldmäuse, Wald- und Gelbhalsmaus, Spitzmäuse, Fledermäuse.

Anhand von Spuren in der Flur haben
Zugenommen: Wildschweine, ...

Diese Liste gibt nur meine persönlichen Eindrücke wider; zahlenmäßige Erfassung ist mir nicht möglich. Die Liste sollte bitte durch User ergänzt werden, denn
wie gesagt, regional und lokal kann es ganz anders aussehen.

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Sonntag 8. September 2019, 23:38

Heute lief im SWR die Erstausstrahlung des Films „Rettet die Insekten“.
Der Film nimmt das Phänomen Insektensterben unter die Lupe, ergründet was passiert ist und was getan werden muss, um diese bedrohliche Entwicklung zu stoppen. Die Dokumentation ist eine Mischung aus nie gesehenen Verhaltenssequenzen, Archivaufnahmen und Interviews mit Experten aus dem Südwesten der Republik, die zum Thema Insektensterben wirklich etwas zu sagen haben, und die etwas tun, um den faszinierenden Sechsbeinern zu helfen. Der Film entstand im Auftrag des SWR Fernsehens.

https://www.ardmediathek.de/ard/player/ ... ExNDgzNjg/
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Teleutotje » Dienstag 24. September 2019, 18:35

"Starker Rückgang der Insekten in den Niederlanden bestätigt

24-SEP-2019 - Im Jahr 2018 gab Natuurmonumenten bekannt, dass der starke Rückgang der aus Deutschland bekannten Insekten auch in den Niederlanden auf der Tagesordnung steht. Neue Analysen der Daten von Kaaistoep und Wijster geben einen besseren Einblick in die am stärksten verschlechterten ökologischen Gruppen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in einem Artikel in der internationalen Zeitschrift Insect Conservation and Diversity veröffentlicht.

Untersuchungen zur Insektenzahl in De Kaaistoep bei Tilburg und bei Wijster in Drenthe zeigen einen starken Rückgang bei vielen Insekten. In De Kaaistoep sank die Zahl der Käfer, Motten und Nachtfalter zwischen 1997 und 2017 im Durchschnitt um 5,0 Prozent, 9,2 Prozent und 3,8 Prozent pro Jahr, während die Zahl der Käfer und Hälften gleich blieb. Die Zahl der Käfer um Wijster ist zwischen 1985 und 2016 um durchschnittlich 4,3 Prozent pro Jahr gesunken. Natuurmonumenten hat diese beunruhigenden Ergebnisse im vergangenen Jahr veröffentlicht. Ein von der Radboud University geführtes Konsortium veröffentlicht derzeit einen wissenschaftlichen Artikel darüber in der internationalen Zeitschrift Insect Conservation and Diversity.

Neben der Anzahl der Individuen wurde auch die Entwicklung der Biomasse untersucht. Weitere Analysen zeigen, dass schwerere Arten im Durchschnitt nicht mehr abnehmen als leichtere. Frühere Berichte über die Verringerung der gesamten Insektenbiomasse (wichtiges Futter für Vögel, Fledermäuse usw.) können daher nicht durch den Rückgang insbesondere der schwereren Insektenarten erklärt werden.
Neu sind die Versuche, die Unterschiede in der Populationsentwicklung zwischen Arten auf der Grundlage anderer Eigenschaften als des Gewichts zu verstehen. Die Art der Wirtspflanze ist der wichtigste Faktor für Motten: Die jährlichen Trends waren besonders negativ für Motten mit Gräsern und Kräutern als Wirtspflanzen und leicht negativ bis stabil für Arten mit Bäumen und Sträuchern als Wirtspflanzen. Bei den Drenthe-Käfern waren insbesondere Arten mit Problemen konfrontiert, die an der Grenze ihres Gebiets in den Niederlanden auftreten. Darüber hinaus zeigten Habitatspezialisten und dürreliebende Arten im Durchschnitt die negativsten Tendenzen.

Die Langzeitstudien in De Kaaistoep und Wijster geben somit einen besseren Einblick in den Rückgang der Insekten: Welche Artengruppen sind am stärksten betroffen und welche Merkmale haben sie? Dies trägt zur Identifizierung der Faktoren bei, die zur Probenahme von Insekten beigetragen haben, und zur Ausarbeitung wirksamer Maßnahmen."

https://www.naturetoday.com/intl/nl/nat ... ?msg=25504
or
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/ful ... icad.12377
or
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epd ... icad.12377
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