Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Sonntag 2. Juli 2017, 21:43

Tja, wer will schon Bienen haben, solange man noch Honig in Gläsern kaufen kann.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Dienstag 4. Juli 2017, 21:16

Die Frage lautet doch, wer braucht schon Natur, wenn man diese zu Geld machen kann?
Da kann man als Regierung schon mal einen der letzten Urwälder Europas abholzen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bialowieza-sorge-um-polens-urwald-a-1093528.html


Zu schade, dass man nicht wie in Portugal, Spanien und vielen anderen Ländern mit schnellwüchsigen Bäumen aufforsten kann. Sagen wir zum Beispiel mit Eukalyptus.
Ach ja, das gibt ja wieder so verheerende Waldbrände…

http://www.focus.de/politik/experten/gastbeitrag-von-frank-uekoetter-hinter-der-feuerkatastrophe-von-portugal-steckt-auch-die-waldwirtschaft-der-vergangenheit_id_7283109.html
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon di4pr » Mittwoch 5. Juli 2017, 08:17

Im August fahren wir nach Weißrussland. Da kommen wir durch das Gebiet. Vielleicht haben wir Gelegenheit, uns ein wenig umzusehen.

In der Nähe unseres Aufenthaltsortes in Belarus befindet sich übrigens das Radioökologische Reservat Polesien. http://www.zapovednik.by/en/about/

Dort kann man erforschen, wie sich die Natur entwickelt, wenn sie 30 Jahre unangetastet bleibt. Und natürlich die Auswirkungen der radioaktiven Verseuchung. Aber da wird man wohl nicht reinkommen. Mal ganz abgesehen von den familiären Widerständen. Meine Frau (gewissermaßen auch ein "Tschernobyl-Kind") kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie man sich einer möglichen zusätzlich erhöhten radioaktiven Strahlung - warum auch immer - freiwillig aussetzen wollen kann.

Mal sehen, ich werde ggfs. berichten.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Montag 10. Juli 2017, 15:07

Vogelsterben aufgrund zu geringer Insektennahrung?

Bei mir im Garten haben im Frühjahr Blaumeisen gebrütet und die Jungen sind erfolgreich ausgeflogen.
Auch Kohlmeisen haben hier gebrütet, in einem seit Jahren benutzten Holzbeton-Nistkasten, der stets an derselben Stelle hing und regelmäßig gereinigt wurde.
Am 16. Juni habe ich, nachdem drei Tage lang keine Fütterung mehr zu sehen war, den Kasten kontrolliert. Der erschreckende Inhalt: Sechs fast flügge Junge, tot! Dicke Maden krochen bereits drum herum. Ursache unbekannt.
Bei einem Freund in Darmstadt, ca. 10 km Luftlinie von uns und in einem ganz anders gestalteten, eher parkartigen Garten, in einem Holzkasten: Das gleiche Bild, vier tote Kohlmeisen.
Und jetzt am 5. Juli musste ich entdecken, dass auch im Rotschwänzchennest über meiner Garagentür drei fast flügge tote Jungvögel lagen.

Was mag die Ursache sein???
Es gibt immer mal Ausfälle, z.B. dass ein einzelnes Jungtier im Nest verstirbt, aber was ich dieses Jahr gesehen habe, ist schon eine ungewöhnliche Häufung.

Meine Vermutung geht in Richtung Nahrungsmangel dank des allgemeinen Rückgangs an Insekten! Auffällig ist jedenfalls, dass die Jungvögel am Ende ihrer Nestlingszeit starben, wenn der Nahrungsbedarf am höchsten ist. – Das „Windshield phenomenon“ ist ja weiterhin zu beobachten!

Vielleicht hat ein User hier ähnliches zu berichten, oder kennt ähnliche Vorkommnisse bei Verwandten bzw. Freunden. – Die Vogelschutzvereine kontrollieren regelmäßig die Bruterfolge in ihren Nistkästen in Wäldern und Parks. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein, und hoffen, dass es andernorts besser aussieht! :(

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Emse » Montag 10. Juli 2017, 18:01

Das Netz strotzt nur so von Meldungen über stark rückläufige Bestandszahlen. (Wenn man gezielt danach sucht.)

Der BUND hat ein paar Informationen zusammengestellt (Stand: 11. Mai 2017), in dem die Gründe für dass massive Vogelsterben zusammengefasst werden: http://www.bund-rvso.de/vogelsterben-ursachen.html

Der Aufsatz enthält eigentlich keine wirklich neuen Erkenntnisse, verdeutlicht aber das gesamte Ausmaß der Tragödie.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon FooFighter » Donnerstag 13. Juli 2017, 12:53

Nachdem das Thema Insektensterben in den letzten Wochen schon zur besten Sendezeit im heute-journal im ZDF angerissen wurde, gab es auch in den tagesthemen der ARD einen kurzen Beitrag über das aussterbende Rebhuhn. Als Hauptgrund wird der Insektenmangel für die Küken aufgeführt. Ein kurzer, aber sehr informativer Beitrag. Vor allem die Unterscheidung zwischen dem vorhandenen Lebensraum für das Rebhuhn und dem fehlenden Lebensraum für Insekten, seine Eigenschaft als Kulturfolger und der Halbsatz zum Grünland machen den Beitrag für mich sehr informativ. Eine grüne Wiese mag zwar für den Laien "Natur pur" darstellen, häufig fehlt es aber an Artenvielfalt bei der Grasmischung.

https://www.tagesschau.de/inland/rebhuhn-103.html

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass vor 10-15 Jahren es in unserer Region recht große Randstreifen an Wegen und zwischen landwirtschaftlichen Flächen gab. Heute müssen die Gemeinden Strafen gegen Landwirte aussprechen, weil selbst Feldwege und Straßen mit aufgepflügt werden, um die letzten Restquadratmeter bewirtschaften zu können. Hier wäre ein guter Ansatzpunkt um wenigstens einen Teil der 55 000 000 000 € EU-Landwirtschaftssubventionen halbwegs sinnvoll zu verteilen. Mehrjährige "Greening"-Maßnahmen mit Rotklee und Lupine sind (aus Erfahrung) ein Paradies für Insekten, vor allem wenn die Mahd zu vernünftigen Zeitpunkte erfolgt. Ich hoffe ja immer noch, dass eine gesetzliche Regelung für die Anlage von Randstreifen kommt. Den Ertragsverlust könnte man ganz locker mit dem Ertragsgewinn durch den Einsatz von Neonicotinoiden gegenrechnen...

Generell habe ich dieses Jahr den Eindruck deutlich mehr Schmetterlinge als im letzten Jahr zu sehen: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Bläulinge und Zitronenfalter habe ich schon recht häufig gezählt. Liegt aber vermutlich an meiner subjektiven Sichtweise, der Lage am Gewässer oder der Witterung dieses Jahr.
@Merkur: Die Blaumeisen, Rotschwänzchen, Sperlinge und die Schwalbenkolonie in der Nachbarschaft haben Ihren Nachwuchs dieses Jahr erfolgreich großgezogen.

liebe Grüße

FooFighter
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Donnerstag 13. Juli 2017, 16:55

Hallo FooFighter,

Es dürfte regional sehr verschieden sein mit dem Insektensterben und dem Rückgang der Vögel etc.. Gut wäre es, jeweils wenigstens die Region anzugeben, von wo die Beobachtungen stammen. Ich gebe z.B. an "Südhessen", oder "Unterfranken, Raum Würzburg" (wo ich öfter bin), oder, wenn es vielleicht wichtig sein könnte, meinen Wohnort Reinheim.

Vor vielleicht 15-20 Jahren gabe es ein EU-Programm zur Förderung der Flächenstilllegung in der Landwirtschaft (Grund war wohl Überproduktion).
Bei unserem damaligen WE-Grundstück im Vorderen Odenwald hatte sich das auf die Fauna und Flora sehr positiv ausgewirkt. Ein Landwirt hat sich, mit Blick auf ein Hanggrundstück neben unserem, geäußert: "Seit ich das stillgelegt habe, verdiene ich erstmals mit diesem Acker!" :D Das war eine bunt blühende Wiese mit massenhaft Insekten vieler Arten!
Inzwischen ist es eine Mähwiese, die regelmäßig gründlich geodelt wird (Gülle), und sie ist eintönig grün wie die meisten Wiesen im Odenwald, ob gemäht oder beweidet.

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon di4pr » Freitag 4. August 2017, 08:57

Die großmundig angekündigte Reise in den Osten Europas wird leider aus beruflichen Gründen auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Damit auch eventuell mögliche Ausflüge in die Sperrgebiete nördlich von Tschernobyl. Last but not least war ich darauf gespannt, ob sich die Dichte zerstörter Fluginsekten an unserer Windschutzscheibe erhöht. Aufgeschoben, nicht aufgehoben.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Freitag 4. August 2017, 09:57

Ohne jetzt umfassend berichten zu wollen: In den letzten 2-3 Wochen, u. a. in Oberbayern, sah ich wieder ein paar überfahrene Igel. So traurig das stimmen mag, so ist es doch ein Indiz dafür, dass die liebenswürdigen Stacheltiere bei uns noch existieren. :)
Auch die großen braunen oder roten Nacktschnecken kehren in unseren Garten zurück. Nicht dass ich sie vermisst hätte, ganz im Gegenteil, und wir gehen weiterhin gnadenlos mit ihnen um. Noch sind es nur mal zwei oder drei an einem Abend, statt der früher gelegentlich 50 bis über 100!
Einige Weinbegrschnecken (Helix pomatia) leben in unserem Garten. Zurzeit paaren sie sich. Junge Weinbergschnecken sind Mangelware, und auch die hübsch gestreiften Schnirkelschnecken (Cepaea nemoralis und C. hortensis) sind hier auffällig selten.
Da ich früher mal Schneckenhäuser gesammelt habe, sehe ich auch jetzt bei Spaziergängen immer mal an erfahrungsgemäß günstigen Stellen nach den Schalen auch seltener Arten: Fehlanzeige! Demnächst will ich mal gezielt an einen Ort in Unterfranken fahren, einen "hotspot" der Schnecken-Diversität, wohin ich über Jahre immer Exkursionen mit Studierenden geführt habe. (Dort gab es auch etliche spannende Ameisenarten, und die Schlingnatter war fast bei jedem Besuch zu entdecken).
Fluginsekten auf der Windschutzscheibe sind nach wie vor "Mangelware". Bei einer Fahrt nach Oberbayern zu Familienbesuchen war es über rund 1200 km das inzwischen übliche Bild: "Klare Sicht". Allerdings war das Wetter in diesen Tagen auch nicht gerade günstig für Käfer, Falter, Bienen & Co., es hat immer mal wieder geregnet.

Es wäre schön, wenn hier weitere User ihre einschlägigen Beobachtungen mitteilen könnten. Anscheinend sind verschiedene Regionen in Mitteleuropa doch recht unterschiedlich betroffen.

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Boro » Samstag 5. August 2017, 17:31

Es gibt die Möglichkeit Insekten anzulocken, im Garten zu beobachten und ihnen Nahrung anzubieten. Viele Insektenarten lieben die Doldenblütler, das ist allgemein bekannt. Die mit Abstand beste Pflanze ist hier der Fenchel, den ich seit über 10 Jahren am selben Ort halte. Ich verwende davon fast nichts und schon gar nicht den Wurzelknollen, der in der Küche Verwendung findet. Die Pflanze treibt jedes Jahr wieder aus und erreicht eine Höhe von etwa 3 m. Die Ökologie ist in unserer städtischen Gegend schon seit längerem ruiniert, aber am Fenchel finden sich Insekten ein, die man sonst nie sieht: Soziale und solitäre Bienen, soziale und solitäre Wespen, Fliegen, Wanzen usw. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass bei günstigem Wetter ständig zwischen 20 und 40 Insekten während der Blütezeit anwesend sind. Außerdem kann ich etwa jedes 2. Jahr auch Raupen vom Schwalbenschwanz entdecken. Zudem duftet die Pflanze gut und hat schöne (kleine) Blüten. Man muss sie nur anbinden, weil Gewitter oder Hagel die Pflanze umbrechen können.
In unserem Naturwiss. Verein habe ich schon einige Mitglieder animiert, meinem Beispiel zu folgen und kleine Pflanzen verteilt. Es gibt bereits erste, positive Rückmeldungen.
L.G.
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DSC01398.JPG
Am rechten Rand erkennt man noch Campsis radicans, die Trompetenwinde, die angeblich giftig sein soll. Daneben Spartium junceum (Pfriemenginster), Echter Lorbeer (Laurus nobilis), Kirschlorbeer (Prunus lusitanica), Marille (Prunus armeniaca) und auf der linken Seite 2 Weinsorten (Direktträger u. Isabella) für meine Vogelfreunde, die mir alles wegfressen.
DSC01399.JPG
Das ist die Südseite des Hauses. Bei einem Foto erkennt man im rechten unteren Fenstereck ein Terrarium f. Ameisen. Übrigens ist auch die Trompentenwinde eine hervorragende Insektenpflanze, die auch meine Hausameisen ernährt!
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Sonntag 6. August 2017, 21:08

In der Zeitung "Der Bund" vom vergangenen Samstag gab es einen Beitrag über Wildtiere in der Stadt Bern. Leider ist der Artikel kostenpflichtig, ein Interview mit der Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie der Stadt ist allerdings frei zugänglich.

Die Stossrichtung: Die Städte tragen eine besondere Verantwortung, da manche Tiere wegen der extensiven Nutzung der Kulturlandschaft in die Siedlungsgebiete ausweichen mussten. Im Öffentlichen Raum wird das berücksichtigt, etwa auf Friedhöfen, in Parkanlagen und Wäldern. Aber auch die Bevölkerung wird aufgefordert, mitzuhelfen und den Tieren auf privatem Grund Lebensraum, Verstecke und Verbreitungswege anzubieten. Vorgeschlagen werden etwa Löcher im Gartenzaun, Laub- und Holzhaufen, sowie einheimische Pflanze, die den Insekten als Nahrung dienen - dies vorallem weil die Insekten wiederum für Vögel und Kleinsäuger wichtig sind. Aber auch Nistkästen etc.

Kleine Handlungsfelder sind jedenfalls erkannt. Ob des ausreicht, wird sich zeigen...
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Wohl manchmal etwas mangelhaft,
Wird sie doch in den nächsten Tagen
Vermutlich noch nicht abgeschafft."
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 8. August 2017, 10:08

Zu diesem Thema git es aktuell gerade eine Folge von Quarks & Co

http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sen ... n-100.html
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Meve » Dienstag 8. August 2017, 14:19

Die Süddeutsche hat auch einen Artikel veröffentlicht:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/arten ... -1.3616586
Ob nur online oder auch gedruckt,weiß ich leider nicht.
Ich weise auch nur darauf hin und gebe keine Wertung ab.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Emse » Montag 14. August 2017, 21:37

Ein SPON-Artikel über verminderte Reproduktionsraten von Hummeln nach Kontakten mit Insektiziden (Neonicotinoide):

Pflanzenschutzmittel lässt weniger Hummeln Eier legen

Bestimmte Pflanzenschutzmittel sind für Hummeln zwar nicht unmittelbar tödlich - jedoch führen sie offenbar zu weniger Nachwuchs. In einem Laborexperiment ließ ein Wirkstoff aus der Gruppe der weit verbreiteten Neonicotinoide die Zahl eierlegender Hummelköniginnen um 26 Prozent schrumpfen. Neonicotinoide sind hochwirksame Insektizide, die auf die Nervenzellen von Insekten einwirken. Sie sind in mehr als 120 Ländern zugelassen. [..]


Und zum Bienensterben:

Bienensterben korreliert offenbar mit Einsatz von Neonicotinoiden

"Es ist schon auffällig, dass der Rückgang von Bienenpopulationen und anderen Insekten in verschiedenen Regionen in etwa mit dem Beginn des Einsatzes von Neonicotinoiden zusammenfällt."


Alles erforscht, alles bekannt, - trotzdem passiert (fast) nichts, obwohl dringender Handlungsbedarf besteht:

Erst kürzlich hatte ein Team um Ben Woodcock vom britischen Natural Environment Research Council gezeigt, dass Neonicotinoide die Überwinterungsfähigkeit und den Fortpflanzungserfolg von Bienen und Hummeln beeinträchtigen können. Eine weitere Studie zeigte, dass Pestizide die Lebensspanne und Fruchtbarkeit männlicher Honigbienen deutlich senken. Frühere Studien legten zudem nahe, dass die Wirkstoffe das Gedächtnis und den Orientierungssinn von Bienen beeinträchtigen. Im vergangenen Jahr zeigten Wissenschaftler außerdem, dass vermutlich auch Wildbienen und Schmetterlinge unter Neonicotinoiden leiden.


Zum Artikel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 62778.html
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Dienstag 15. August 2017, 11:37

Die NZZ vom vergangenen Sonntag widmete sich ebenfalls dem Thema:

Dennoch liefert das Bafu wichtige Ansatzpunkte: 22 300 Insektenarten sind in der Schweiz erfasst, 2774 davon wurden im vergangenen Jahr untersucht. Darunter sind Tagfalter und Zygänen, aber auch Eintagsfliegen, Steinfliegen und Wasserläufer. Von den untersuchten Insekten stehen laut Cordillot derzeit 40 Prozent auf der roten Liste, 5 Prozent gelten als verschwunden. Zudem sind 13 Prozent potenziell gefährdet. Fazit des Bundesamtes: Die Mehrzahl aller Insekten in der Schweiz ist bedroht.


Der wohl wichtigste Grund für das Sterben klingt am Ende ziemlich simpel: Insekten finden immer weniger Raum. «Die Hauptursache ist die Intensivierung der Landwirtschaft», bestätigt der Tierökologe Johannes Steidle von der Universität Hohenheim.

Zudem wird seit Jahren immer häufiger gespritzt. Das wirksamste und bequemste Mittel, lästige Insekten loszuwerden, ist das Nervengift Imidacloprid, das zu der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide gehört. Da das Saatgut mit dem Wirkstoff gebeizt wird, verbreitet er sich über die ganze Pflanze und steckt somit auch in Pollen und Nektar. Etliche Wissenschafter halten die Mittel für gefährlich, die Zulassungsbehörden sahen bisher allerdings keinen Grund, sie zu verbieten. Auch die Hersteller bestreiten negative Folgen.


https://nzzas.nzz.ch/wissen/die-insekte ... ld.1310137
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