Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon NIPIAN » Samstag 26. September 2015, 09:30

Hoi,

da wir direkt am Fluss wohnen wird unser Garten von der dortigen Flora und Fauna permanent beeinflusst. Unsere Wiese blüht im Sommer in Klee-, Gänse- und Raukefarbe (zugegebenermaßen pflücken wir von Letzterem gerne das ein oder andere Blatt für den Salat) und wird ab und an mittels Rasenmäher gestutzt. Ameisen besiedeln sie dennoch in ordentlichem Maße (Lasius niger, Formica spp. und Myrmica rubra), und auch der ein oder andere Eisvogel zieht zügig vorrüber. Fledermäuse sind am Spätabend permanent unterwegs - und fangen hoffentlich die nervigen Gnitzen und Kriebelmücken weg. Mit Schnaken kommt man gut zurecht, aber alle Weile einen eitrigen Hautabszess von den Nachbarn gezeigt zu bekommen ist mit der Zeit auch recht öde. Und der nun fast 3-jährige Totholzbaum, ehemals Schwarzerle, ist ein gernbesuchter Futterplatz von Grün- und Buntspecht. Ein paar Meter weiter haben wir vor 2 Jahren eine wilde Brombeere gefunden, die richtig süße Früchte wachsen lässt - diese rankt sich nun am Gartenzaun entlang und hat mehr produziert, als wir zusammen mit dem anderen Obst einfrieren können. Mein Vorschlag, einen zweiten Gefrierschrank mit mehr als 300 Litern Nutzinhalt anzuschaffen, ist eher nicht angekommen :D.
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Wissen ist Macht und Macht ist Kraft und Kraft ist Energie und Energie ist Materie und Materie ist Masse und deshalb krümmen große Ansammlungen von Wissen Raum und Zeit (Die Gelehrten der Scheibenwelt - Pratchett/Stewart/Cohen)
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Sonntag 27. September 2015, 08:24

Hallo.

Merkur hat geschrieben:Aus gärtnerischer Sicht äußerst positiv allerdings ist, dass der heiße und trockene Sommer die gebietsfremde „Spanische Wegschnecke“ scheinbar komplett ausgelöscht hat.

Auch wenn der Name irreführend ist, wurde inzwischen nachgewiesen, dass die Spanische Wegschnecke eine Mitteleuropäische Art ist und zum Beispiel in Spanien überhaupt nicht vorkommt.
http://www.muk.uni-frankfurt.de/51067994/184?

Im übrigen sind diese Schnecken tatsächlich nur „scheinbar“ verschwunden. Bei ungünstigen Bedingungen ziehen sie sich tiefer in den Boden zurück und fallen in eine Art Starre in welcher sie wochenlang keine Nahrung brauchen. Inzwischen dürften sie aber wieder unterwegs sein und noch fleißig Eier legen. Zumindest bei mir in Garten sind die schon seit einigen Zeit wieder da.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Boro » Sonntag 27. September 2015, 08:36

So unterschiedlich sind die Witterungsverhältnisse: Bei uns haben sich die Tierchen in diesem Sommer weitflächig prächtig vermehrt. Ist jedenfalls irgendwie "beruhigend" zu wissen, dass wir es in diesem Fall nicht mit Neozoen im Garten zu tun haben.....
L.G.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Sonntag 27. September 2015, 11:14

swagman hat Recht: posting.php?mode=reply&f=31&t=1142#pr9313

Ich habe deshalb auch nur den deutschen Trivialnamen verwendet.
Nun habe ich doch auch mal bei Wikipedia nachgesehen, und danach ist die Sachlage sogar noch komplizierter.
Pfenniger et al. 2014 ist da noch nicht eingearbeitet, nur der Link http://www.muk.uni-frankfurt.de/51067994/184 ist ganz unten angegeben.

Nicht erklärt ist die erwiesene Tatsache, dass diese Art eben einen gut dokumentierten "Siegeszug" durch Europa angetreten hat, egal wie sie nun heißt. Ich "gärtnere" in Würzburg bzw. bei Darmstadt seit jungen Jahren, ernsthaft seit 1958: Über Jahrzehnte sah man in den drei Gärten, die ich mit der Zeit betreut habe, keine derartigen Nacktschnecken. Plötzlich waren sie da, und wurden immer mehr!

Was ihre Trockenheits-Resistenz anbelangt, bin ich nach wie vor optimistisch: Hier in Südhessen hat es in den letzten 3 Wochen genügend geregnet (sogar meine Bergmolche kommen abends wieder auf die feuchte Terrasse - zumindest einige haben also den Sommer überstanden!). Aber bis heute sah ich keine einzige Wegschnecke, und da sie den ganzen Sommer über nicht "ablaichen" konnten, rechne ich auch für das kommende Jahr nicht mit einer Massenvermehrung wie in den vorangegangenen Jahren.

Boro kann ich nur zustimmen: Unterschiedliche Klimaverläufe können regional zu ganz verschiedenen Beobachtungen führen! - Zwei oder drei kräftige Gewittergüsse mehr in der fraglichen Zeit können zu gänzlich anderen Beobachtungen führen! :)

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Emse » Sonntag 1. November 2015, 17:05

Im Nachbarforum wurde ein interessanter Video-Link eingestellt, den ich gerne hier einkopieren möchte.
(Btw, vielen Dank an Alexander Strödel!)

Aus dem Teaser des knapp sechsminütigen Filmbeitrages des WDR:
"Ein dramatisches Insektensterben hat begonnen und kaum einer schaut hin: In den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der Fluginsekten um 80 Prozent gesunken. Schuld daran: der enorme Flächenverbrauch, durch den täglich hektarweise Wiesen weichen müssen."

Hier geht´s zum Video: http://www1.wdr.de/mediathek/video/send ... en100.html
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Boro » Montag 2. November 2015, 15:18

Wenn man vom Einsatz der Pestizide in der Landwirtschaft absieht, ist sicher der Landschaftsverbrauch eine bedeutende Ursache für das Absterben der Insekten. Österreich ist mit einem täglichen Verslust an Acker- und Grünlandflächen im Ausmaß von 31 Fußballfeldern inzwischen Spitzenreiter in Europa. Baulobbies regieren unser Land mit Beton, Asphalt und Verbauung, nicht die meist unfähigen Politiker. Pro Kopf gibt es bei uns 15 m Straßenlänge, in D und CH ca 8 m! 1,80m² Supermarktfläche stehen jedem Österreicher zur Verfügung, In I und F ist es 1 m²! Es wurde bereits so viel wertvoller Ackerboden vernichtet, dass wir uns hierzulande im Notfall nicht mehr mit agrarischen Gütern selbst versorgen könnten. Die Hagelversicherung mahnt seit Jahren, nicht der für die Umwelt zuständige Minister, nicht die Grünen!
Der Umwidmungswahnsinn (von Acker- od. Grünland in Bauland) ist offensichtlich nicht zu stoppen, bei uns in Klagenfurt gibt es derzeit umgewidmete Baulandreserven für die nächsten 70 Jahre! Alle Landschaftsplanungen versagen angesichts der unbeschreiblichen Gier nach Bauland. Dabei stehen unzählige Wohnungen, Lagerhallen etc. leer! Hier herrschen nicht bessere Zustände als in den Tropen, wo die Gier nach Rohstoffen, Agrarflächen usw. ein unerträgliches Ausmaß erreichen (siehe zur Zeit illegale Brandrodung in Indonesien). Wo wird das enden?
L.G.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Sonntag 15. November 2015, 18:10

Ganz kurz: Eingangs habe ich ja festgestellt, dass die über etliche Jahre in meinem Garten allzu häufige sog. "Spanische Wegschnecke" (es soll sich um die einheimische Arion rufus handeln) in diesem trockenen Sommer 2015 wohl nicht überlebt hat. Der Eindruck blieb bisher.
Doch: Gestern Abend sah ich zu meiner Freude auf der feuchten Terrasse eine alte Bekannte: Eine ausgewachsene Limax maximus, den "Tigerschnegel"!
Von diesem Schneckenräuber habe ich nie mehr als ein Exemplar auf einmal angetroffen; auch Jungtiere sind mir nie aufgefallen. Sie scheinen recht weit zu kriechen und haben offenbar in der Umgebung überlebt!
Bild: viewtopic.php?f=50&t=79&start=100#p4265

MfG,
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Montag 16. November 2015, 18:06

Hallo.

Igel scheinen gefragt zu sein:
http://igel-in-bayern.br.de/igel-melden/

In der Tageszeitung wurde auch schon darüber berichtet, aber jetzt dürfte es wohl schon zu spät sein. Hab auch am Vogelfutter schon länger kein Jungtier mehr beim stibitzen beobachtet. Aber ansonsten kommen die Jährlinge im Herbst bisher noch jedes Jahr um an Futter zu naschen, meist so bis Ende Oktober.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Montag 16. November 2015, 22:35

Ich hab am Wochenende erst wieder einen gesehen. Leider nur einen kürzlich überfahrenen, aber allem Anschein sind sie noch recht aktiv.


LG Franz
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Samstag 16. Juli 2016, 14:27

Wurde heute bei der Gartenarbeit angeknurrt und tatsächlich, ein Igel hat seinen Unterschlupf zwischen die Farne gebaut. Wusste nicht, dass die sich einen Art Nest bauen. Das Ding ist aus alten Farnblättern, Pflanzenresten und Falllaub von letzten Herbst angelegt. Dabei wird im Frühjahr alles aufgeräumt und sauber gemacht. Aber er hat auch grünes frisches Material verbaut.
Das freut mich sehr, immerhin habe ich nur einen kleinen Garten in einer Wohnanlage. Dafür mit viel Grün in der Nähe. Selbst ein Käuzchen hört man ab und an.

Igel sind hier ja oft unterwegs, die fressen mir auch immer die Köder aus den Mäusefallen und im Herbst manchmal am Vogelfutter. Aber dass der sich gleich bei mir einquartiert hätte ich nicht gedacht. :D
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Samstag 16. Juli 2016, 15:36

Sehr schön! Hier gibts Tipps, wie man dem Igel das Überwintern erleichtern kann (natürliche Varianten ganz unten): http://www.igelzentrum.ch/images/Doc/igelhaus.pdf
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Wohl manchmal etwas mangelhaft,
Wird sie doch in den nächsten Tagen
Vermutlich noch nicht abgeschafft."
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Teleutotje » Sonntag 17. Juli 2016, 13:34

I wanted to react earlier but untill now almost everything said is correct. This trend of many species disappearing is something I have noticed already more years but last year it hit me because it became to obvious to ignore. Many species of birds disappeared in the gardens around here except one or two species. For ants, many species disappeared except one and with much trouble you can find a second species but not more. The"Igel" also disappered. The years before I saw regularly one or two (or more individuals) running around in my neighbourhood, this year I still need to see the first one! Why do I react now? A few weeks ago I saw a newsitem on tv about a Chinese crab that invades a few areas in Flanders. A guy from a nature protection agency said "If you find these crabs leave them alone or put them back in a stream where they belong." Is he protecting OUR nature or does he want to destroy our endemic fauna and flora?
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Emse » Samstag 30. Juli 2016, 18:42

Der Spiegel berichtet online über das Verschwinden der Schmettelinge.

Textproben:
Die Bestände würden kleiner: Flatterten in den 1840er Jahren noch 117 Arten von Tagfaltern und Widderchen - tagaktive Kleinschmetterlinge - am Keilberg, so waren es um 2010 nur noch 71, wie das Team im Fachblatt "Conservation Biology" berichtet. Das entspricht einem Rückgang der Artenvielfalt um 40 Prozent.
Der Trend betreffe auch andere europäische Länder, sagt Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut (SDEI) in Müncheberg bei Berlin: "Nach einer britischen Studie sind die Bestände des Kleinen Feuerfalters (Lycaena phlaeas) dort in 100 Jahren um 96 Prozent geschrumpft. Beim Gemeinen Bläuling (Polyommatus icarus) ist die Entwicklung ähnlich."
Die zeitliche Aufschlüsselung zeigt, wie sehr sich dieser Trend beschleunigt: Bis Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden demnach 53 Arten, von 1900 bis 1970 waren es 138 Spezies, und von 1971 bis 2000 tauchten 226 Arten nicht mehr auf, rechnet Segerer vor und zieht die traurige Bilanz: "In den letzten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts sind mehr Arten verschwunden als in den beiden Jahrhunderten zuvor."

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Samstag 30. Juli 2016, 19:53

Sogar bei uns im eigenen Garten ist zu beobachten, dass immer weniger Tagfalter auftreten, wobei es jetzt in 2016 besonders auffällt!
Früher hatten wir immer mal den Schwalbenschwanz, und seine Raupen wuchsen an Dill bzw. Möhren heran. Heuer noch absolut nichts, und auch letztes Jahr nicht.
In unserem Kurzurlaub Anfang Juli im Pustertal (Südtirol) war es schon geradezu gespenstisch wenig, was da an Schmetterlingen flog. Auch andere Insekten sind sehr rar geworden, größere Käfer etwa. Nicht ein einziger Junikäfer (Amphimallon solstitiale) flog hier im Garten. viewtopic.php?f=50&t=79&start=340#p8048
Erschreckend ist auch der Rückgang bei Heuschrecken: Jetzt müssten überall schon größere Larven auf Wiesen und Hecken zu sehen sein!
Natürlich kann ein Einzelner nur einen Eindruck gewinnen. Schmetterlingssammler und –kenner gibt es viele, und so können auch wissenschaftlich haltbare Daten ermittelt werden. Wie man sieht, bestätigen sie die eigenen Erfahrungen!
Es ist wirklich traurig. :(

MfG,
Merkur
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Steffen Kraus » Samstag 30. Juli 2016, 20:50

Hallo,
also mir ist aufgefallen, ich sehe sehr wenige Libellen, von den kleinen Schlankjunkfern bis zu den Großen Mosaik/Quelljunkfern.
Ob es daran liegt, weil ihre Nahrung (Fluginsekten) weniger werden?
Ich bin mir nicht sicher, aber sicher ist, die Frontscheibe am Auto bleibt frei von Insektenleichen, wie auch der Motorradhelm! Dieses Jahr,
habe ich ihn noch nicht reinigen müssen.
Merkwürdig ist es schon............................
Gruß,
Steffen
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Sonntag 31. Juli 2016, 08:46

Eigen artig ist es eigentlich nur, dass es heuer wieder mal eine neue Stechmückenart zu bestaunen gibt.
Grundsätzlich wären mir ja Schmetterlinge auch lieber.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Sonntag 31. Juli 2016, 09:44

Es ist sehr unterschiedlich, welche Tiergruppen bzw. -Arten anscheinend zurück gehen oder auch zunehmen! ("Anscheinend" weiles so aussieht, als ob, aber zuverlässige Daten nicht vorliegen).
So stellte ich heuer erfreulicherweise eine große Zahl von Hummeln fest, vor allem sehr viele Individuen der häufigeren Arten, aber auch einige sonst seltener anzutreffende Arten.
Das trifft für meinen Garten in Reinheim zu, noch mehr aber für den Bot. Garten in Darmstadt, den ich kürzlich mal wieder durchstreift hatte.
Im Bot. Garten ist natürlich die Vielfalt der blühenden Pflanzen über die ganze Saison hinweg förderlich für solche Blütenbesucher.
Anders sieht es leider im NSG Reinheimer Teich aus: Trotz vieler Doldenblütler waren kürzlich kaum Käfer (Blütenböcke, Weichkäfer etc.) und auch nur wenige Hummeln zu sehen.
Bei den auffälligeren Ameisenarten, Waldameisen, Lasius niger und L. cf. flavus, kann ich nicht von einem Rückgang sprechen.
Um bei den versteckt lebenden, kleinen Arten Veränderungen zu beobachten, müsste man (ich) eigens danach suchen, Totholz zerkleinern, Steine wenden, Erdhügel angraben usw.. Doch würde man damit auch zahlreiche Völkchen unglücklich machen und viele davon vernichten. Dafür ist mir der Erkenntniswert einer solchen Suche dann doch zu gering: Um zu einer "haltbaren" Aussage zu kommen, wäre die Mitarbeit zahlreicher Ameisenkenner über größere Bereiche hinweg erforderlich.
Doch gibt es nicht genügend solcher Kenner.
Sammler für den Handel könnten Erkenntnisse beitragen, Händler könnten einen Überblick über die ihnen angebotenen Völker haben, doch war es noch nie möglich, diese Quellen zum Sprudeln zu bringen.

Eine Anmerkung noch zu dem von Emse verlinkten Artikel im Spiegel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 05108.html
Da liest man:
Wie kann man die Entwicklung stoppen? "Neben einer vielfältigen Landschaft brauchen wir Korridore zwischen Naturräumen, damit Arten wieder einwandern können", betont Habel. Solche Korridore könnten etwa entlang von Bächen, Flüssen, Bahntrassen oder auch Autobahnen verlaufen.

Korridore entlang von Bächen sind heute vielfach stark verschattet vom eingeschleppten Drüsigen Springkraut (Wikipedia: Drüsiges oder Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera Royle, Syn.: Impatiens roylei Walpers): Es kommt ursprünglich nur im Himalaya vor und ist in Europa und Nordamerika ein weit verbreiteter Neophyt, der in Massenbeständen auftreten und die heimische Flora verdrängen kann.) Mit der einheimischen Flora werden eben auch blühende Uferpflanzen verdrängt, die wiederum spezialisierte Blütenbesucher ernähren konnten.
Und zu Autobahnen als „Korridore“ möchte ich anmerken, dass viele Insekten leider sich gerne auf oder über den warmen Fahrbahnen aufhalten. Was also in den oft reich blühenden Rand- und Mittelstreifen heranwächst, wird so rasch von dem unaufhörlichen Fahrzeugstrom eliminiert. – Es ist eine wirklich vertrackte Situation! :roll:

MfG,
Merkur
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Emse » Sonntag 31. Juli 2016, 10:25

Merkur hat geschrieben:Es ist sehr unterschiedlich, welche Tiergruppen bzw. -Arten anscheinend zurück gehen oder auch zunehmen! ("Anscheinend" weiles so aussieht, als ob, aber zuverlässige Daten nicht vorliegen).


Die FAZ sieht es ganz ähnlich und berichtete bereits im April:
Die Zahl der Insektenarten ist in Deutschland drastisch gesunken. Auch deshalb sind die Biodiversitätsforscher alarmiert: Denn es fehlt noch ein solides Monitoring.
und führt aus:
„Da es ein schleichender Rückgang ist und bisher kaum Arten ausgestorben sind, wird der Artenschwund nicht so leicht bemerkt oder erst dann bemerkt, wenn es zu spät ist.“ Für die gut 30.000 Insektenarten in unserer Region gebe es zudem nur wenige Spezialisten, meistens solche, die Erhebungen nebenberuflich machten. Diese würden selbst nur einen Bruchteil der Arten kennen.



Immerhin aber gibt es seit Jahren genaue Datenerhebungen zum allgemeinen Rückgang der Insektenvorkommen, hier am Beispiel Orbroicher Bruch bei Krefeld, betrieben von Naturfreunden und Fachleuten :
Im Orbroicher Bruch nordwestlich von Krefeld wiederholt sich jedes Jahr dasselbe wissenschaftliche Schauspiel. Entomologen rücken in das von Wald und Weiden geprägte, rund hundert Hektar große Naturschutzgebiet ein und stellen weiß leuchtende Zelte auf. Malaise-Fallen heißen die Installationen. Sie sind benannt nach dem schwedischen Insektenkundler René Malaise. Dieser hat sie nicht etwa dafür entwickelt, lästige Mücken zu töten, sondern dafür, einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Insektenfauna eines Gebiets bekommen zu können.
Der Entomologische Verein Krefeld zählt zu den aktivsten des Landes. Hier wird schon seit 1905 praktiziert, was heute „Citizen Science“, also Bürgerwissenschaft heißt. Anfang dieses Jahres bekam die Arbeit der Forscher plötzlich überregionale Aufmerksamkeit. Im Umweltausschuss des Bundestags wurden die Ergebnisse eines seit 1989 laufenden Monitoring-Projekts im Orbroicher Bruch und anderen Gebieten präsentiert. Die Daten sind beunruhigend. Sammelten sich etwa 1989 zwischen Mai und Oktober in einer der Fallen noch 1,4 Kilogramm Insekten unterschiedlichster Arten an, waren es im selben Zeitraum im Jahr 2013 nur noch 294 Gramm.

ganzer Artikel: http://www.faz.net/aktuell/wissen/leben ... 73292.html


Merkur hat geschrieben:Sammler für den Handel könnten Erkenntnisse beitragen, Händler könnten einen Überblick über die ihnen angebotenen Völker haben, doch war es noch nie möglich, diese Quellen zum Sprudeln zu bringen.

Der war gut! :D
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Montag 3. Oktober 2016, 20:38

Obwohl es Nachts bereits bis zu 8°C kalt werden kann, sind sie zu später Stunde noch anzutreffen:
Igel.JPG
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"Obgleich die Welt ja, so zu sagen,
Wohl manchmal etwas mangelhaft,
Wird sie doch in den nächsten Tagen
Vermutlich noch nicht abgeschafft."
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 5. Oktober 2016, 11:46

Ich hatte gestern auch noch eine kurze Igelsichtung, als ich die Hunde wieder einfangen musste, weil sie vor allem spät abends immer einen solchen Radau schlagen, wenn sie einen finden.
Ich hab da auch bemerkt, dass der Tau am Gras bereits leicht angefroren war. Das dürfte dann wohl doch schön langsam den Winter einläuten.
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