Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

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Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Samstag 19. September 2015, 14:22

Anlass für diese Fragestellung war ein Erlebnis vor ca. 3 Wochen.

Unser jüngster Enkel (8) wollte mal einen richtigen Igel sehen. Mindestens einer ist bei uns ums Haus unterwegs, wo man gelegentlich seine Hinterlassenschaften sieht. Aber ich kann nicht einfach in den Nachbargärten suchen, und in meinem wohnt er nicht.
So gingen wir abends in der Dämmerung in einen kleinen Park am Ortsrand, mit Teich und Bachlauf, angrenzend an Felder, Kleingärten und ein Villenviertel, insgesamt ein ideales Igel-Revier.

Igel hört man, zumal bei trockenem Wetter, wenn sie laut raschelnd im Falllaub ihre Nahrung suchen. Mit der Taschenlampe sind sie dann leicht zu entdecken.
Die Ausbeute in ca. 1 ½ Stunden war mager: Ein Lederlaufkäfer, zwei Katzen und, in einem ganz dunklen Winkel zwischen Gebüschen, ein undeutliches “Etwas“, aus dem uns bei Annäherung ein Handy anblinkte. Da haben wir abgedreht… ;)

Doch fiel mir nachträglich auf, dass ich ja bereits seit langer Zeit hier in Südhessen keinen überfahrenen Igel mehr auf der Straße gesehen hatte. Vor ein paar Tagen lag mal wieder einer da, aber um diese Jahreszeit sah man leider gelegentlich zwei oder drei an einem Tag, bei einer Fahrt von nur 20-30 km!
Ich möchte daher in die Runde fragen, ob Euch Ähnliches aufgefallen ist?

Eine weitere “Lücke“ wurde mir deutlich: In diesem ganzen Sommer, auf insgesamt ca. 6.000 km Autofahrten in Südhessen, Unterfranken, aber auch bis nach Oberbayern, musste ich nicht ein einziges Mal unterwegs die Windschutzscheibe von Insektenresten reinigen. Ich habe immer eine Flasche Fensterreiniger und ein paar Küchentücher für diesen Zweck dabei, denn fette Käfer, Schmetterlinge, Hummeln usw. lassen sich mit der Scheibenwaschanlage nicht gut beseitigen. Auch Kohlmeisen habe ich schon lange nicht mehr dabei beobachtet, wie sie die Kühlergrills am Parkplatz absuchen. Ist das eine zufällige Beobachtung, oder ein Indiz dafür, dass gewisse Insekten tatsächlich auffallend weniger geworden sind?

Weniger überraschend ist der erhebliche Rückgang der Weinbergschnecken in meinem Garten: In dem heißen, bei uns über lange Zeit sehr trockenen Sommer konnten sie kaum aus ihren Verstecken kommen. Im Frühsommer noch waren bei feuchtem Wetter oft gleichzeitig gegen 20 ausgewachsene Exemplare auf meinen rund 500 qm Garten zu sehen. Ich war bereits nahe daran, einen Teil in eine nahe gelegene Hecke zu verbringen. Doch dann wurde es trocken. – Jetzt, nach ausgiebigen Regenfällen, sind gerade mal drei adulte Tiere zu sehen, und keine jüngeren Exemplare! Die große Mehrzahl dürfte in ihren Verstecken unter Steinen und Laub verhungert und/oder vertrocknet sein.

Das muss nicht in allen Teilen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs so sein, und ich habe Hoffnung, dass sich die Populationen wieder erholen. Schwankungen von Populationsdichten sind eigentlich üblich, und vielleicht ist es mir nur gerade jetzt so deutlich geworden. Deshalb wollte ich mal hier fragen, wer ähnliche Eindrücke gewonnen hat, bzw. bei wem es deutlich anders aussieht!

MfG
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Zuletzt geändert von Merkur am Samstag 19. September 2015, 20:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Steffen Kraus » Samstag 19. September 2015, 15:22

Hallo Merkur,
manchmal braucht man einfach ein paar fremde Gedanken, damit man selbst etwas bemerkt.
So ging es mir eben als ich Deine Frage gelesen habe.
Stimmt, diese Beobachtungen kann ich, so im nachhinein nur bestätigen.
Zusätzlich ist mir eingefallen, daß einige unserer Pflanzen, so auch eine Yucca aus dem Hochland Perus,
dieses Jahr sehr viele eingetrocknete Blätter in der Mitte ihrer Blattkränze(frisch getrieben) hatten.
Ohne ersichtliche Schädigungen von Läusen oder ähnlichen Pflanzenschädlingen. Warum, habe ich mich nicht groß gefragt, nur aufgefallen ist es mir.
Diese Pflanze ist Sommer wie Winter draußen und hat noch niemals einen harten Winter oder heißen Sommer übel genommen.
Dieses sollte sie ohnehin nicht, da ihr Lebensraum von extremen Wetter geprägt ist.
Warum das so alles ist?
Da kann ich nur eine laienhafte Theorie einwerfen.
Da sich die Erde im Augenblick, am Anfang einer Polverschiebung befinden soll, natürlich dauert dieses, einen sehr langen Zeitraum und sich dadurch
das Magnetfeld verändert, kann mehr schädliche Strahlung durch die Sonne auf die Erde dringen.
Als Indikatoren währen dann die Pflanzen und die Insekten als erstes geschädigt zu erkennen. In der Nahrungskette, würden natürlich die Insektenfresser als nächstes weniger werden.
Ich weiß, ein gewagter Gedankengang, aber so etwas hat es schon in der Erdgeschichte gegeben und hat zu einem großen Artensterben geführt.
Ich habe jetzt auch keinen apokalyptischen Gedanken, aber es könnte ja so sein.
Gruß Steffen
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon NIPIAN » Samstag 19. September 2015, 17:26

Hoi,
das Erdmagnetfeld ist stabil und wird es noch einige Jahrhunderte bleiben. Auf meinem täglichen Weg zur Arbeit finden sich genügend Igel. Zwar können diese nicht mehr an der Populationsvergrößerung teilnehmen,dennoch sollten noch einige herumrennen. Auch werden zahlreich angefahrene, oder aus misslichen Lagen befreite Igel in der Praxis meiner werten Dame abgegeben. Was Insekten anbelangt, kann ich zustimmen, wobei es sich auffallend um mangelnde Bienen, Stubenfliege und Schmetterlinge dreht. Hiervon hatten wir vor zwei bis drei Jahren erheblich mehr an den Blumen und im Haus. Den Bieber vor unserer Haustür stört das allerdings offenbar nicht. Die Petunien sind jedenfalls allesamt abtransportiert worden. Kleiner Mistkerl :P.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 19. September 2015, 18:48

Das mit den Igeln ist mir auch schon aufgefallen. Wir hatten früher auch immer mal wieder einen im Garten, obwohl wir auch immer einen Hund hatten, der ihn auch immer wieder aufspürte. Jetzt, bei unserem Haus ist auch einer um die Wege, nur wegen der Hunde wiederum nicht unbedingt in unserem Garten, auch wenn der groß genug wäre.
So oft, wie sie mir früher untergekommen sind, sehe ich sie aber heute wirklich nicht mehr. Die gehören mittlerweile schon eher zu einer Seltenheit.
Heute sind mir aber einige Greifvögel aufgefallen, die teilweise in Wiesen oder Feldern gesessen sind. Mag wohl dran liegen, dass jetzt immer mehr abgedroschen sind. Es waren vor allem Sperber, Turmfalken und Bussarde.
Was jetzt aber die Insekten auf der Scheibe angeht, kann ich nicht viel dazu sagen, da ich nciht mehr so oft auf der Autobahn unterwegs bin. Es könnte ja auch an den immer wirksamer werdenden Pestiziden liegen...
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon nortorn » Samstag 19. September 2015, 20:38

Hi,
zur Biodiversität kann ich mitten im Herzen des Ruhrpotts nur relativ wenig sagen.
Ich hatte dieses Jahr trotz nahezu immer offenem Fenster nicht eine einzige Mücke und nur eine Stubenfliege in der Wohnung.
Die Jahre zuvor war es aber auch nicht mehr.
Was mir allerdings auffiel ist ein extremer Anstieg an Hummelvölkern im hiesigen Landschaftspark.
Auf dem kleinen Areal, welches ich regelmäßig begehe, konnte ich dieses Jahr knapp 30 Völker der Ackerhummel zählen.
Die Nester liegen alle an einem stellenweise 15 Zentimeter dick bemoosten Hang mit viel Morgensonne.
Auch Disteln und Schmetterlingsflieder gibt es unzählige, zum Teil ganze Felder.
Im letzten Jahr hab ich nur gelegentlich mal eine Erd- oder Steinhummel beobachten können.
Eine besondere Beobachtung war dieses Jahr ein Schwalbenschwanz.
Ein recht seltener Schmetterling inmitten von Autobahn, einer alten Industrieanlage und einer Bahnstrecke.
Andere Insekten gab es aber auch hier dieses Jahr relativ wenig im Vergleich zum Vorjahr.
Einzige wirkliche Ausnahme waren die Eintagsfliegen die riesige Schwärme gebildet haben dieses Jahr.
Igel sehe ich noch relativ häufig im Landschaftspark, aber wo sollen sie auch hin zwischen all den zubetonierten Flächen.
Zur Autobahn hin gibt es einen Zaun der es den Igeln nicht ermöglicht auf die Straße zu laufen, vermutlich ist die Population hier nur deswegen noch in Ordnung.

Gruß
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Samstag 19. September 2015, 22:55

Wenigstens aus Bern kann ich glücklicherweise bezüglich Igeln Entwarnung geben. Mir begegnen die Tiere regelmässig in Sommernächten im Quartier, oft höre ich sie einfach nur schnaufen oder schmatzen, wenn ich Nachts nach Hause laufe. Allerings gibt es in der Stadt auch viele Privat- und Schrebergärten, Friedhöfe etc. wo die Tiere leben können. Im Tierpark gab es sogar kürzlich einen Kurs (das Regiofernsehen berichtete), wo man gleich sein eines Überwinterungsquartier für Igel bauen konnte.

Auch ich sehe übrigens deutlich weniger überfahrene Igel als früher. Ich denke aber, dass es nicht daran liegt, dass es weniger gibt. Sondern daran, dass viele Leute heute auch für Tiere bremsen.
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Wohl manchmal etwas mangelhaft,
Wird sie doch in den nächsten Tagen
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Boro » Sonntag 20. September 2015, 07:30

Einen Mangel an Fluginsekten kann ich hier schon seit Jahren feststellen. Das Reinigen der Frontpartie des Autos nach einer längeren Fahrt kann man sich manchmal sparen. Ich führe das auf den jahrelangen massiven Einsatz von Pestiziden in der Monokultur-Landwirtschaft zurück. Belegt wird das durch eine Meldung eines Verwandten, der vor einigen Jahren in der Gegend von Valencia/Spanien mit dem Motorrad unterwegs war und erstmals nach unzähligen Motorrad-Touren festgestellt hat, dass über dutzende Kilometer kein einziges Insekt auf seiner Frontscheibe klebte; die Folgen der industriellen Landwirtschaft haben sich dort schon früher gezeigt.
Als positiv empfand ich, dass wir hier im Sommer/beg. Herbst praktisch keine Gelsen hatten - warum weiß ich nicht, hier hat es im Sommer immer wieder genug geregnet. Und: Es gab seit vielen Jahren erstmals wenig Zecken, das zweimal von Borreliose heimgesuchte Herrl und der Hund haben sich gefreut....
Ach ja, Nacktschnecken haben wir genug, falls jemand welche haben will??
L.G.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon FooFighter » Sonntag 20. September 2015, 11:21

Bei Fahrten durch die Eifel muss ich regelmäßig die Frontpartie von Insekten säubern. Ich konnte diese Jahr auch schon beobachten wie die bei uns im Brennholzstapel nistenden Hausrotschwänze Insekten am Auto gefressen haben.
Ich muss Boro aber recht geben, vor allem in den riesigen Maisfeldern findet man kaum ein Insekt, weder Ameisen noch sonst was. Und wenn man dann noch sieht das dieser Mais für ein bisschen (von der EU-geförderten) Biogas in großen stinkenden Behälter verschwendet wird, dann fällt mir dazu nur noch das Wort Dekadenz ein :(. Aber andere Baustelle.
Igel sind zumindest hier an der Obermosel noch recht häufig zu sehen (überfahren am Straßenrand), im Garten habe ich bislang noch keinen gesehen.
Manchmal erlebt man aber auch echte Überaschungen, im Stadtgebiet von Koblenz lief mir in diesem Frühjahr ein 6cm großer Hirschkäfer über den Weg. Ein eindruckvolles Insekt was ich bis dato nur von Bildern kannte.

LG

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Radiergummi » Sonntag 20. September 2015, 20:40

Hallo,

ich dachte immer, daß Neonlampen und Strassenbeleuchtung generell am massenhaften Insektensterben beteiligt waren.
Ich muß die Ausgangsfrage etwas erweitern: "Wo sind eigentlich die ganzen Singvögel in Wien geblieben?"; die gibt es hier nämlich praktisch gar nicht. Ich kann nicht beurteilen wie die Lage hier vor dem Virus-bedingten Amselsterben, ich glaub es war 2001, war, aber es ist schon unheimlich wie still es hier in der Aue und in den Parks ist was Vogelgesang angeht; als hätte man ausser ein paar Raben Krähen und Tauben alles ausgerottet. Dementsprechend müsste die Insektenpopulation hier doch eigentlich explodieren; tut sie aber nicht.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Sonntag 20. September 2015, 20:42

Ich muss jetzt glatt einmal etwas postitives posten. Und zwar waren wir vorhin noch mit den Hunden und den "Kindern" unterwegs und nur ein paar hundert Meter von unserem Haus entfernt, am Straßenrand (daneben Wiese) ist mir eine kleine kahle Stelle aufgefallen, ca 30cm Durchmesser. Das wohl noch ziemlich junge Nest einer Formica pratensis. Die müssen wohl erst heuer gegründet haben, da mir dieses Nest noch nie aufgefallen ist und ich geh dort oft vorbei und kenne beinahe jedes größere Lasius Nest.
Zumindest mal wieder ein Lichtblick.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Montag 21. September 2015, 16:20

Danke schon mal für die bisherigen Beiträge! - Ich warte noch 2-3 Tage ab, dann werde ich versuchen, eine Bilanz zu ziehen. :)

MfG,
Merkur
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon LynnLectis » Mittwoch 23. September 2015, 00:03

Ich persönlich kann höchstens feststellen, dass ich in meiner Jugend extrem oft von Mücken geplagt und gestochen wurde - sie liebten mich! - aber ich in den letzten Jahren Gott sei Dank verschont wurde. Ich musste auch im Haus weniger Stechmücken dezimieren als die Jahre davor. Im Garten werde ich auch kaum von Mücken belästigt. Also eigentlich finde ich es so ganz angenehm. Da bin ich für einmal etwas egoistisch. :P
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon CampoRelio » Mittwoch 23. September 2015, 06:00

Also hier in Bulgarien ist es so: Igel kann ich leider auch nur auf der Straße sehen, was Mücken angeht gab es etwa 3-4 Stiche diesen Sommer also auch eher etwas wenig im Vergleich vor etwa 10-15 Jahren. Aber Schnecken (Weinbergschnecken) sehe ich hier echt viele, krabbeln über den Boden die Mauer hoch etc. :-)
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Lg

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Radiergummi » Mittwoch 23. September 2015, 07:56

Ich glaube Merkur hat sich bezüglich der Fluginsekten nicht nur auf Mücken beschränken wollen, sondern eher die breite Palette an Insekten gemeint die man normalerweise auf Kräuterwiesen antrifft. Solche Wiesen und auch alte zerfallene Scheunen und Häuser, wo diese Tiere im Winter unterschlupf finden, sind sehr selten geworden.
Nein, in unserer Vorstadt-Natur und unseren Forstplantagen gibt es kaum noch Insekten.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Freitag 25. September 2015, 10:34

Das Thema scheint keine weiteren Informationen zu bringen, so dass ich hier eine kurze Bilanz ziehen kann (ähem….wurde doch länger als geplant! :D ).

- Igel: Der von mir beobachtete Rückgang der Anzahl überfahrener Igel und die geringere Anzahl auf der Frontpartie von Autos zerschellter Insekten sind offenbar nicht flächendeckend in Mitteleuropa zu beobachten, sondern regional unterschiedlich. (Die Verkehrsopfer sind natürlich sehr bedauerlich, können in diesem Zusammenhang jedoch als leicht erfassbares Indiz dafür dienen, ob angrenzend an die Straßen entsprechend noch viele oder eben bereits sehr wenige Tiere leben).
Laut Reber viewtopic.php?f=31&t=1142&p=9240#p9163 sind Igel in der Umgebung von Bern noch recht häufig, obwohl Überfahrene seltener zu beobachten sind. FooFighter viewtopic.php?f=31&t=1142&p=9240#p9185 berichtet über noch recht häufiges Vorkommen überfahrener Igel an der Obermosel. CampoRelio meldet Ähnliches aus Bulgarien viewtopic.php?f=31&t=1142&p=9240#p9239 (das natürlich nicht zu dem von mir angesprochenen Bereich zählt). Hier bei Darmstadt sah ich am 20. Sept. mal wieder einen überfahrenen Igel an der autobahnähnlich ausgebauten B26.

- Fluginsekten: Auch hier ist das Bild uneinheitlich; FooFighter (Eifel) muss noch regelmäßig die Autoscheiben säubern, Boro (Kärnten) hat ähnliche Beobachtungen gemacht wie ich in Südhessen und Bayern: Kaum Insekten auf der Frontpartie des Autos! – In südlicheren Gegenden Europas war das früher deutlich anders. Einen direkten Eindruck hatte ich im Juli/ August 1984 aus den französischen Alpen (um Briançon), wo innerhalb von 3 Wochen und rund 1500 km Autofahrten nicht weniger als 14 Apollofalter an meinem Auto zerschellt sind. Ändern konnte ich das nicht; sie „hüpfen“ meist unvermittelt über die Leitplanke. Ein Vergleich aus jüngerer Zeit fehlt leider. - Wenn man sich die Anzahl und Fahrleistung der Tausende von anderen Fahrzeugen in diesen 3 Wochen in der Region vor Augen hält, lässt sich eine Schwindel erregend hohe Zahl von Verkehrsopfern schon allein für diese eine geschützte Art kalkulieren. :( Doch: Entsprechend sehr viele Individuen muss es geben (bzw. gegeben haben?).

- Weinbergschnecken: Hierzu kamen keine Meldungen. Das eingangs beschrieben Bild in meinem Garten hat sich nicht verändert: Auch bei „Schneckenwetter“ sind nur zwei, maximal drei der Tiere unterwegs. Aus gärtnerischer Sicht äußerst positiv allerdings ist, dass der heiße und trockene Sommer die gebietsfremde „Spanische Wegschnecke“ scheinbar komplett ausgelöscht hat: Wo ich in früheren Jahren an feuchten Tagen manchmal 50 und mehr Exemplare „entsorgen“ musste, ist auch jetzt noch keine einzige zu entdecken! (Es ist zu befürchten, dass dennoch einzelne Exemplare in den Gärten überdauert haben und dass sich die Population doch wieder aufbauen wird, vielleicht innerhalb von ein paar Jahren).

- Sonstiges: Ich habe bewusst nicht nach Vögeln gefragt: Da gibt es in den Vogelschutzvereinen zahllose Beobachter, wodurch ein recht komplettes Bild von Rückgang einzelner Arten bzw. Erholung von Beständen ermöglicht wird. Auch gibt es immer wieder starke Populationsschwankungen; ich kann nicht im Einzelnen darauf eingehen. Ameisen sind weit weniger geeignet um Aussagen über eine Populationsentwicklung zu machen. Selbst für Waldameisen, deren Nester ja eigentlich noch leicht zu erfassen sind, gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Trotz aller Bemühungen der DASW um die Kartierung der Nester liegen für weite Teile Deutschlands noch nicht einmal Erstkartierungen vor. Wiederholungs-Kartierungen sind selten. Einzelbeobachtungen eines neu aufgetauchten oder verschwundenen Nestes lassen sich nicht verallgemeinern.

- Pflanzen: Auch diese habe ich nicht eigens angesprochen. Es ist nur zu bekannt, dass seltene Arten (für die sich immer einige Naturfreunde interessieren) oft starke Populationsschwankungen aufweisen. Oder, wie manche Orchideenarten, mal in einem Jahr fast gar nicht blühen, in anderen Jahren an denselben Orten dann ganz stark vertreten sind. – Für langlebige Arten (Bäume!) gelten natürlich ganz andere Zeiträume.

- Über Ursachen des beobachtbaren Rückgangs lässt sich sehr viel spekulieren. Hier ging es mir zunächst mal nur darum, einige Beobachtungen über evtl. Rückgang des einen oder anderen Teils unserer Fauna zu bekommen. – Vor der Ursachenforschung muss immer zuerst eine belastbare Aussage über tatsächliche Veränderungen von Häufigkeiten der einzelnen Arten stehen.

Der Thread soll weiter offen bleiben für evtl. noch zu erwartende Beiträge!

MfG,
Merkur
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Freitag 25. September 2015, 12:03

Gerade wer sich bezüglich der Gartenvögelpopulation schlau machen möchte, oder vielleicht sogar beteiligen, der findet im Landesbund für Vogelschutz den richtigen Ansprechpartner. Dort gibt es auch jedes Jahr eine Zählung der Gartenvögel.
www.lbv.de
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Radiergummi » Freitag 25. September 2015, 16:37

Merkur hat ja noch gar nicht diesen Link gespostet; hier also:

http://www1.wdr.de/mediathek/video/send ... en100.html
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Reber » Freitag 25. September 2015, 21:31

Da es gerade zum Thema passt: Die Schweizerische Vogelwarte Sempach hat kürzlich in einer Medienmitteilung auf den Zustand der helvetischen Brutvögel verfasst.
Den vollständigen Bericht über die schweizerische Vogelwelt findet man hier: http://www.vogelwarte.ch/assets/files/p ... _D_low.pdf

Kurz gesagt gibt es eine leicht positive Entwiklung bei vielen "Generalisten", die Lage der bedrohten Arten stabilisiert sich in der Regel auf tiefem Niveau, oder sie gehen nur leicht zurück. Einzelne "spezialisierte" Arten sind nach wie vor stark bedroht und nehmen im Bestand ab.

Hellhörig macht auch folgender Satz:
Wenn wir aber die Anzahl Vogelindividuen betrachten, so zeigt eine neue Studie in den letzten 30 Jahren für ganz Europa eine dramatische Abnahme um 421 Millionen Vögel (20%), was auf die Abnahme häufiger Arten insbesondere im Kulturland zurückgeht.


Edit: Einer der Hauptgründe für das weltweite Rückgang von Insekten dürften eindeutig "Pflanzenschutzmittel" sein: http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natu ... y/28999467
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 26. September 2015, 08:06

Zum einen drüfte natürlich der Rückgang der Futterinsekten dran schuld sein, aber auch die weniger werdenden Strauch- und Buschlandschaften in unseren Gärten.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon nortorn » Samstag 26. September 2015, 09:15

Trailandstreet hat geschrieben:Zum einen drüfte natürlich der Rückgang der Futterinsekten dran schuld sein, aber auch die weniger werdenden Strauch- und Buschlandschaften in unseren Gärten.

Ich denke auch diesen Faktor sollte man nicht vernachlässigen.
Wenn ich im Sommer bei Freunden zum grillen im Garten sitze und mir die Gärten anschaue mit ihrem 8 Millimeter Rasen und den sauberen Blumenbeet dann könnte ich manchmal echt heulen.
Von Artenvielfalt kann hier keine Rede sein.
Nahezu jedes Insekt wird achtlos mit der Chemiekeule erledigt.
In meinem Garten wuchert es und auch Totholz bleibt auch liegen.
Die Nachbarn beschweren sich oft über den "Schandfleck" aber die Flora und Fauna dankt es mir.
Bei 2 meiner Nachbarn habe ich mittlerweile erfolgreich missioniert.
Nachdem ich Ihnen die "Artenvielfalt" in ihrem Garten vor Augen geführt habe, lassen auch sie gerne mal was wachsen und krabbeln.

Gruß
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