Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Emse » Sonntag 30. Dezember 2018, 16:14

Merkur hat geschrieben:[...] Viel lieber hätte ich einen hoffnungsvolleren Ausblick auf das Neue Jahr geboten! :roll:

Positiv: Immerhin brütet der eigentlich aus dem tropischen und subtropischen Raum kommende Bienenfresser wieder vermehrt in Deutschland, wohl aufgrund der ansteigenden Temperaturen. Wenn das so weiter geht, muss er bald zum Überwintern nicht mehr nach Afrika fliegen, sondern kann sogar ganzjährig bei uns bleiben! ;) ^^

Hübsche Vögel:

Bild
Bildquelle Wikipedia / https://de.wikipedia.org/wiki/Bienenfresser_(Art)

Siehe auch: Das sind die Verlierer und Gewinner im Tierreich 2018
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Emse
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon MBM » Sonntag 30. Dezember 2018, 18:51

IMG_7163 Ameisenportal.JPG
Glück gehabt?
Auf meinen Fotos der Bienenfresser vom Mai 2018 habe ich die Bienen (oder Wespen?) erst später entdeckt.

Bienenfresser brüten seit wenigen Jahren auch wieder bei uns in Sachsen.
Mit Sicherheit sind sie ja nicht für den allgemein festgestellten Rückgang der Fluginsekten verantwortlich.


MBM wünscht Allen viele interessante Beobachtungen auch im Jahr 2019!
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Donnerstag 3. Januar 2019, 17:43

Schön, dass der Bienenfresser es zumindest versucht.
Dumm nur, dass auch er auf Dauer zu wenig Nahrung finden wird.

Ich befürchte allerdings, es gibt nur Verlierer.

Der Klimawandel ist derzeit prägendes Thema in den Medien, dabei ist der Artenschwund viel bedrohlicher.
Man muss nur bedenken, dass Insekten die größte Tiergruppe stellen, an Arten und Biomasse. Und schon seit über 400 Millionen Jahren die Erde bevölkern und dadurch zahlreiche Formen und Spezialisierungen entstanden sind.
Dabei wurde schon im 19. Jahrhundert ein Rückgang von Insekten bemerkt. (Und auch damals schon die Landwirtschaft als Ursache vermutet)

Bei Vögeln hat der Bestand in den letzten 200 Jahren um fast 80% abgenommen. Auch hier durch Zerstörung an Lebensraum. Dazu kommt noch die veränderte Landwirtschaft. Es sind ja nicht nur weniger Insekten als Futter, sondern auch Samen und Körner. Die Felder in Monokultur bestellt und alles „Unkraut“ weggespritzt. Selbst Wiesen bieten kaum noch Nahrung, denn sie werden überdüngt und ständig gemäht. Da kommt kaum noch ein Wildkraut zur Samenreife.

Und so geht es allem. Amphibien, Reptilien, Säugetieren, Pflanzen und so weiter.

Und am Schluß sind alle wieder völlig überrascht.
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon Merkur » Samstag 12. Januar 2019, 16:54

Das Insektensterben hat viele Ursachen:

Düngung-DGaaE131.jpg
aus den DGaaE-Nachrichten 32, S. 113, 2018 (Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie)


Die genannten Arten:
Coenonympha pamphilus: Kleines Wiesenvögelchen
Lycaena spp.: 2 Arten der Bläulinge
Pararge aegeria: Waldbrettspiel
Rivula sericealis: Seideneulchen
Timandra comae: Ampferspanner

MfG,
Merkur
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Re: Wo sind Igel, Fluginsekten und Schnecken geblieben?

Beitragvon swagman » Montag 14. Januar 2019, 09:18

Wer mehr über die Gründe des Inbektenserbens wissen mochte, dem kann ich nur dieses Buch empfehlen:

Das große Insektensterben.
Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen.

Andreas H. Segerer; Eva Rosenkranz.
Oekom Vlg, München, 2018
ISBN 978-3-96238-049-6


Der Autor ist promovierter Biologe und seit 1998 als Lepidopterologe an der Zoologischen Staatssammlung München tätig. Ausserdem ist er President der Entomologischen Gesellschaft München.

Im Buch werden zahlreiche Studien vorgestellt und erläutert, die den Insektenschwund über die letzten 200(!) Jahre belegen.*
Darunter eben auch die oben erwähnte Überdüngung. Nicht nur durch direkte Düngung, sondern noch weitreichender, durch Stickstoffeintrag über die Luft. Dadurch sind eben selbst Naturschutzgebiete gefährdet, da selbst dort eine schleichende Veränderung der Vegetation stattfindet. So werden nicht nur Futterpflanzen durch Dünger quasi vergiftet, sondern es verschwinden auch etliche Pflanzenarten die mit zu viel Stickstoff nicht klarkommen. Diese fehlen natürlich dann als Futterpflanzen und somit verschwinden auch die darauf angewiesenen Insektenarten.

Ein sehr informatives Buch. Nur kann es einem ziemlich Bange werden, da es sehr viel Schlimmer steht (weltweit) als man so aus den normalen Medien erfährt.
Daher schreibt die Zweitautorin im zweiten Teil des Buches über Sofortmaßnahmen die vielleicht noch Schlimmstes verhindern könnten.
Allerdings wird auch eingehend auf das bisherige Versagen von Politik und Wirtschaft hingewiesen, da das Thema Insektensterben schon sehr lange bekannt ist und die Warnungen und Empfehlungen durch Wissenschaftlern wie so oft schlicht ignoriert wurden/werden.


*Als die Landwirtschaft durch die Industrialisierung intensiviert wurde bis zum heutigen Zustand.
Wobei der Rückgang an Arten, nicht nur Insekten, erst seit den 60ern, 70ern immer massiver an Fahrt aufgenommen hat.
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