über die nachlassende Beteiligung an der Wikipedia

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über die nachlassende Beteiligung an der Wikipedia

Beitragvon Emse » Sonntag 20. Dezember 2015, 01:38

Anscheinend ist die seit längerem zu beobachtende nachlassende Beteiligung am Ameisenwiki kein Einzelphänomen. Auch die "Mutter aller Online-Enzyklopädien", die Wikipedia verzeichnet seit 2007 eine kontinuierlich sinkende User-Beteiligung.

Die Süddeutsche Zeitung hat sich (anläßlich einer stattgefundenen Studie zum Thema) dem Thema angenommen und nennt auch gleich die Ursachen:
Wissenschaftler der Universitäten von Berkeley, Washington und Minnesota haben in der Studie "The Rise and Decline of an Open Collaboration System" zwei Hauptgründe für diese abfallende Kurve ausgemacht: Da ist zum einen das abschreckend komplizierte Regelwerk der Wikipedia. Wer dagegen verstößt, dessen Textbeiträge werden "revertiert", also gelöscht. Zum anderen mangelt es an Willkommenskultur: zwar gibt es viele Empfehlungen, wie neue Autoren zu behandeln sind - doch das klappt selten.
Der Grundton auf den Diskussionsseiten, die es zu jedem Artikel gibt, ist gereizt, die in den Wikipedia-Regeln vorgeschriebene Freundlichkeit eher die Ausnahme. Die amerikanischen Wissenschaftler haben dem Gesamtphänomen einen Namen gegeben: "Calcification" - Verkalkung. Wikipedia leidet an fortschreitender bürokratischer Erstarrung, die den verzweifelt gesuchten "goldenen Autoren", die sowohl guten Willen als auch profundes Fachwissen mitbringen, das Mitmachen verleidet. [..]


Und weiter heißt es:
Wie die amerikanischen Wissenschaftler darlegen, neigen die Power-User zur Vereinsmeierei. Oft betrachten sie neue Autoren als Eindringlinge in ihre Welt, in der zudem ein für Außenstehende unverständlicher Techno-Slang gesprochen wird. Hinzu kommt ein Konstruktionsfehler: Die tragende Säule im System sind gewählte "Administratoren", die auf die Einhaltung der Regeln achten und Konflikte schlichten sollen. Sie sind in Streitfällen gleichzeitig Untersuchungsführer, Ankläger und Richter. Sie können Autoren sperren.
Nun sind Administratoren zunächst einmal Menschen, die sich ehrenamtlich für eine große Sache einsetzen. Doch birgt die Konstruktion viel Konfliktstoff in sich: Seiten, auf denen die Nutzer diskutieren, können, sind voll von Klagen über Selbstherrlichkeit und Willkür von Administratoren. Da gegen ihre Entscheidungen in der Praxis kaum anzukommen ist, erlauben sich manche von ihnen Verstöße gegen die Regeln, über deren Einhaltung sie eigentlich wachen müssen. [..]


Die SZ schließt ihren 2-seitigen Online-Artikel mit folgendem Resümee ab:
Der Grundgedanke von Wikipedia, eine offene Plattform zu sein, bleibt dabei auf der Strecke. Und alle Vorurteile über Qualitätsmängel werden bestätigt. Eigentlich hat man bei den Wikipedianern keine Illusionen darüber. Die Statistik für 2014 weist ganze 2,09 Prozent der Gesamtzahl der deutschsprachigen Artikel als "lesenswert" aus - nach den Kriterien, die die Wiki-Community selbst definiert hat. Eine der tieferen Ursachen für diese niedrige Zahl liegt im Profilierungsdrang vieler Power-User: Sie sehen die eigentlich auf kollektive Arbeit angelegte Interaktion als Dauerduell an. Dass auf diese Weise "goldene Autoren" vergrault werden, ist längst Alltag geworden: 85 Prozent steigen nach weniger als einem Jahr wieder aus.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/digital/wiki ... .2784114-2


Im Artikel nicht erwähnt wurden weitere mögliche Gründe für rückläufige Userzahlen und abnehmende Beteiligung in der Wikipedia; beispielsweise das "Ausweichen" einiger User in andere Medien, aber auch häufig zu beobachtender "Vandalismus" (in unterschiedlichen Ausprägungen) sowie "Rachekorrekturen" u.dgl., die lediglich der Provokation dienen sollen. Betrieben meist von anonymen Neuanmeldungen.

Ich stelle den Artikel (ohne eine Diskussion anstoßen zu wollen) hier ein, da er inhaltlich (in Teilen) evtl. auch auf das Ameisenwiki sowie (in Teilen) evtl. auch auf die nachlassende Beteiligung in (Ameisen-)Foren anzuwenden ist. Für mich persönlich (und vielleicht für andere auch) ein Anlass, zumindest einmal darüber nachzudenken. Egal, welchem Forum (und welcher Einstellung) er/sie/es sich verbunden fühlt.

Wünsche allen einen schönen Sonntag
  • 5

Emse
 

Re: über die nachlassende Beteiligung an der Wikipedia

Beitragvon Steffen Kraus » Sonntag 20. Dezember 2015, 08:20

Hallo Emse,
nur ein Danke geben, möchte ich jetzt nicht, deshalb schreibe ich eine Kleinigkeit.
Genau so ist es, schade nur, man möge mir diese kleine Kritik verzeihen,
daß es nötig ist, daß ein Wissenschaftler, uns Menschen das erklären muß.
Eigentlich langt der normale Menschenverstand um das zu erkennen, aber,
vieleicht ist es nötig, denn, manchmal muß dem Menschen ein Spiegel vorgehalten werden. So gesehen wieder eine gute Sache.
Ich hoffe, daß es in viele Köpfe geht, daß es wichtig ist, wie man mit anderen umgeht und gleichzeitig respektiert,
welche Arbeit und Mühe, hinter Antworten, Erklärungen usw. steckt, die einem jeden in den Foren gegeben werden.
Nur so, werden neuen Usern, die Ängste genommen zu fragen und mit zu machen und es macht doch auch Spaß, Wissen zu vermitteln.
Sei es erlerntes oder studiertes.
So gesehen, habe ich, keine Angst, daß es in der Zukunft ruhiger, in den Foren wird.
Es sind nur ein paar wenige Punkte, die beachtet werden müssen und schon ist richtig etwas los!
Es ist wie im Beruf,
wer etwas mit Herz und nicht aus Marketing sondern ehrlich angeht,
wird auf lange Sicht, Erfolg haben.
Da haben Egoisten, Krawallmacher oder Blender keine Chance.
So, dies ist mein Wort zum Sonntag und jetzt erst mal ein Käffchen!
Gruß Steffen
  • 3

,,es ist nicht wichtig, was andere denken wenn man kommt, es ist wichtig was sie denken, wenn man geht!
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Re: über die nachlassende Beteiligung an der Wikipedia

Beitragvon Maddio » Sonntag 20. Dezember 2015, 16:35

Ich hatte Wikipedia immer so wahr genommen, dass sich jeder beteilligen kann. "Open Source" sozusagen. Dann eines Tages hatte ich tatsächlich mal die Möglichkeit einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Beim Verfassen einer Hausarbeit bin ich in der Fachliteratur auf einen Widerspruch mit einem Wikipedia-Artikel gestoßen. Dieser Wikipedia-Artikel bezog sich auf dasselbe Werk aus der Fachliteratur.

Also war die Sachlage offensichtlich das sich ein Fehler eingeschlichen hatte. Dementsprechend habe ich dann auf diesen Fehler hingewiesen, und eine Änderung unter Berufung auf die Quelle vorgeschlagen. Ungläubig konnte ich verfolgen wie es Monate dauerte, bis der Autor die Stelle änderte, und selbst dann noch eng "bei seiner Version" blieb, obwohl er sich auf dieselbe Quelle berief. Er/sie wollte in diesem Fall die Wahrheit einfach nicht akzeptieren.

Im oben zitierten Artikel wird genau dieses Problem der "Power-User" oder Admins beschrieben. Mir persönlich hat diese eine Erfahrung jedenfalls gereicht, um davon abzusehen mich je wieder bei Wikipedia einzubringen. Der Frust, der aus einer kleinen unbedeutenden Änderung, bei der die Sachlage klar war und eigentlich keiner Diskussion bedurfte, entstand, kann einen nur Erahnen lassen was bei der Überarbeitung ganzer Artikel für einen Kampf mit den "Power-Usern" nach sich zieht.
  • 3

Maddio
 


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