Ein begeisternder Vortrag über carnivore Pflanzen

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Ein begeisternder Vortrag über carnivore Pflanzen

Beitragvon Merkur » Freitag 16. Dezember 2016, 18:06

Gestern, 15. 12., besuchten wir einen Vortrag im Verein der Freunde des Bot. Gartens Darmstadt. Der Vortragsredner war Dr. Andreas Fleischmann,
Kurator für Gefäßpflanzen an der Botanischen Staatssammlung München. https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Fleischmann
Gerade mal 36 Jahre jung, agil und sehr sympathisch, hat er bereits eine beeindruckende Liste wissenschaftlicher Veröffentlichungen aufzuweisen und hat Forschung über sein Spezialgebiet, die fleischfressenden Pflanzen, in vielen Ländern der Erde betrieben:
http://www.sysbot.biologie.uni-muenchen ... eischmann/

Bevor ich näher auf den Vortrag und das Thema eingehe, sollen ein paar Links Interessierten die Möglichkeit geben, sich über Dr. Fleischmanns Arbeiten näher zu informieren.
Aus der Liste seiner Publikationen:
http://www.sysbot.biologie.uni-muenchen ... tions.html >

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 0942.x/pdf
(Eine neue Nepenthes-Art von Palawan…) > Bilder!
http://www.sysbot.biologie.uni-muenchen ... dified.pdf
(Neue Sonnentau-Art von Brasilien…) > Bilder!
http://journals.plos.org/plosone/articl ... ne.0153900
Andreas Fleischmann, Fernando Rivadavia, Paulo M. Gonella, Celeste Pérez-Bañón, Ximo Mengual, Santos Rojo: Where Is My Food? Brazilian Flower Fly Steals Prey from Carnivorous Sundews in a Newly Discovered Plant-Animal Interaction. Fliegenmaden, die zwischen den Fangtentakeln einer Sonnentau-Art deren tierische Beute stehlen!

Im Vortrag zeigte Dr. Fleischmann einen begeisternden Überblick der Vielgestaltigkeit fleischfressender Pflanzen, die konvergent in mehreren Pflanzenfamilien entstanden sind.
Das Bildmaterial, von Habitataufnahmen bis zu mikroskopischen Details, war überwältigend gut und ästhetisch! Flächen, die geradezu dominiert waren von Schlauchpflanzen (Sarracenia), unglaublich geformte und gefärbte Kannenpflanzen, und natürlich Sonnentau-Arten, von denen es über 200 gibt! Die Lebensräume sind meistens sehr stark besonnt, Moore, kahle Felsflächen, u. a. auf dem Roraima-Tepui (2800 m) in Südamerika, oder in Südwest-Australien, wo es eine enorme Fülle carnivorer Pflanzen gibt. – Ich kann die Faszination der Hobby-Halter solcher Pflanzen verstehen, wenngleich in den Gartencentern bei uns zum Teil ziemlich traurige Karikaturen dieser Lebensformen angeboten werden.

Einige Beziehungen carnivorer Pflanzen zu Tieren wurden angesprochen; auch Ameisen sind darunter, teils als Beute, teils als Diebe der Beute (Camponotus schmitzi und Nepenthes: viewtopic.php?f=23&t=834 ). Besonders überraschend für mich:
Ausgerechnet eine Federmotte (Schmetterling, Pterophoridae) legt seine Eier auf Blättern eines Sonnentaus ab. Die Raupen fressen die klebrigen Tentakeln der Pflanze. Die Federmotte entkommt, weil einfach nur ein paar Schuppen an den Klebdrüsen hängen bleiben, während der Falter fast unversehrt entwischt. Verblüffend war schließlich auch die Vielgestaltigkeit der oft farbig auffallenden Blüten.

Damit dieser Text nicht ganz so trocken bleibt, zeige ich ein paar eigene Bilder von Sonnentaupflanzen aus SW-Australien, wo die Flora besonders reich an Orchideen und eben auch an carnivoren Pflanzen ist, hier. Sie können nicht mit dem Bildmaterial im Vortrag konkurrieren, aber ich bin da auch kein Experte.

Allgemein hat der Vortrag ebenso wie der Werdegang von Dr. Fleischmann gezeigt, dass man als „klassischer“ Biologe durchaus auch heute noch Erfolg haben kann, nicht nur mit DNA-Sequenzieren. Das ist tröstlich für die junge Generation. Entscheidend ist wohl, dass man sich für ein spezielles Gebiet interessiert, sich wirklich gerne damit beschäftigt: Was man gerne macht, macht man gut, und wenn man etwas sehr gut macht, findet man auch eine berufliche Möglichkeit, seine Interessen zu verwirklichen. Jedenfalls leichter, als wenn man ein Fachgebiet nur um des Gelderwerbs willen wählt, oder weil einem nichts Besseres einfällt. Auch Ameisen-Begeisterte haben heute noch berufliche Perspektiven!

MfG,
Merkur
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