Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

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Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Emse » Dienstag 27. Dezember 2016, 12:46

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtete in diesem Jahr gleich mehrfach über ein merkwürdiges Phänomen:
Zerfrisst ein mysteriöser Pilz die Wohnung? / http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Regi ... ie-Wohnung

Textauszüge:
Was ist das? Überall in der Wohnung von Barbara Grube finden sich schwarze Kratzer oder Punkte, die wie angefressen aussehen und Möbel, Fliesen und Glasscheiben beschädigen. Die Wennigserin hat schon viel Geld für Baubiologen und Schädlingsbekämpfer ausgegeben. Ohne Erfolg.
Barbara Grube weiß nicht mehr, an wen sie sich noch wenden soll. Schon wieder hat sie in ihrer Küche eine neue Stelle entdeckt. Noch ist das Loch in der Frontblende ihres Geschirrspülers klein, aber das ist immer nur der Anfang. Was auch immer diese Schäden verursacht, "es ist gruselig und unbegreiflich und es scheint vor nichts Halt zu machen", sagt Grube und sucht nach der treffenden Beschreibung für das, was in ihrer Wohnung passiert und immer schlimmer wird.
Rückblick: Vor neun Jahren bezog die Rentnerin ihre Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus aus den siebziger Jahren an der Bismarckstraße. Anfangs war alles gut. Vor knapp zwei Jahren fing es dann an. Erst waren es die Fliesen im Badezimmer, dann in der Küche, die "wie angeknabbert aussahen", erinnert sich Grube. Inzwischen finden sich die kurzen dünnen und dicken schwarzen Kratzer oder Punkte auf sämtlichen Oberflächen überall in der Wohnung. [..]


Nun hat sich ein Pilz-Experte zu Wort gemeldet, der als mögliche Übeltäter allerdings eingeschleppte Ameisen vermutet:

Textauszüge:
Der Fall ist mysteriös: Überall in der Wohnung von Barbara Grube finden sich schwarze Kratzer und Punkte, die wie angefressen aussehen und Möbel, Fliesen und Glasscheiben kaputt machen. Zerfrisst ein Pilz die Wohnung? Experte Hubert Klimke denkt eher nicht. Es könnte sich um eingeschleppte Ameisen handeln.
"Es gibt lupenkleine Arten von Ameisen, die Holz zernagen", weiß Klimke. Gegenstände würden mit Giftstoffen, die in Drüsen erzeugt werden, angeätzt. Manche Arten seien dämmerungs- und nachtaktiv, leben mitunter in Holz, auch draußen wie in Blumenkästen und seien deshalb nicht leicht zu finden. [..] Sein Rat: An verschiedenen Stellen doppelseitiges Klebeband anbringen. "Vielleicht fangen sich die Übeltäter."


Hier eine Fotogalerie der "Schäden": http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Regi ... 8091457-p1

Was der in den Artikeln mehrfach erwähnte "Pflanzentrog" für eine Rolle spielt, erschließt sich mir ebensowenig, wie die tatsächliche Ursache des Problems. Ameisen scheiden aber wohl aus! ;)

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Edit/Aus einem Bewertungstext: "wahrscheinlich Petrophaga lorioti "

Der ist gut!! :D
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Reber » Dienstag 27. Dezember 2016, 16:14

Nicht dass ich jetzt denke, dass Termiten die Übeltäter sind (die zerstören kein Glas und verursachen keine Kratzer an der Oberfläche). Nur, wieso werden ausgerechnet Ameisen verdächtigt? In Hamburg z.B. leben seit langem eingeschleppte Termiten die 1937 bemerkt wurden und sich seither nicht ausrotten lassen. Sie wurden früher für die aus Nordamerika stammenden Reticulitermes flavipes gehalten, nach neueren Untersuchungen sollen aber die südeuropäischen Reticulitermes lucifugus ihr (un-)wesen treiben. Die interessanten Tiere vermeiden es, an der Oberfläche aufzutauchen und ernähren sich mit Vorliebe von Holz (bzw. alle Materialien, die aus Zellulose bestehen): http://www.holzfragen.de/seiten/termiten.html
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 28. Dezember 2016, 11:41

Es sind auch teilweise "Schadbilder" dabei, die würde ich eher für übliche Beschädigungen halten, wie sie bei der Handhabung, bzw dem Einbau der Materiealien schon auftreten.
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Emse » Freitag 30. Dezember 2016, 12:57

Der "Fall" scheint gelöst! Und zwar von jenem Pilz-Experten, der anfangs noch auf einen Ameisenbefall getippt hat.

Habe gerade eben über google einen Folgebericht der Tageszeitung (HAZ) entdeckt:

Der Wollkrautblütenkäfer ist der Übeltäter / http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Regi ... -Wennigsen
Fotogalerie / http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Regi ... 8238942-p1

Textauszüge:
Der 72-jährige Klimke, der auch in der Zoologie gearbeitet hat, vermutete zunächst, dass es sich um eingeschleppte Ameisen handeln könnte. Nach einem Telefonat mit der Wennigserin grenzte er dann auf den Wollkrautblütenkäfer oder den Teppichkäfer ein. Nun, nachdem Klimke in der Wohnung gewesen ist, ist er sich sicher: Vielleicht nicht der alleinige, aber zumindest "ein Übeltäter ist definitiv der Wollkrautblütenkäfer." Auf Klebestreifen hatte Grube drinnen und draußen vor ihrer Balkontür sechs davon gefangen. Auch ein anderer Käfer mit kastanienbraunen Flügeln, den Klimke aus dem Stegreif nicht eindeutig bestimmen kann, landet in seiner Dose. Und eine Larve, sein wohl wichtigster Fund.
Die Larven des Wollkrautblütenkäfers sind langgestreckt und dicht behaart. Sie besitzen am Ende des Hinterleibs zwei Büschel mit Pfeilhaaren, die bei Gefahr zum Schutz gespreizt werden können und deren Spitzen leicht abbrechen. Die Larven sind Schädlinge, "weil sie im Zweifel von praktisch jedem toten organischen Material fressen, solange es nur Keratin enthält", beschreibt es ein Internet-Magazin äußerst treffend, wie Klimke findet. Die Käfer legen ihre Eier in Schränken, unter Tapeten oder hinter Fußleisten ab. "Nachts kommen die Larven aus ihren Ritzen", sagt Klimke. Sie fressen dann vom Möbelholz, Federn, Haare und Hautschuppen, von der Tapete, von Kleidung. Besonders berüchtigt sind die Larven in insektenkundlichen Sammlungen - hier können sie ganze Sammlungsbestände schädigen oder gar vernichten.
Die Larven scheiden ein Sekret aus, das mitunter sogar Glas und Metall angreift. "Mir selbst ist davon nichts bekannt, ich schließe es aber auch nicht kategorisch aus", sagt Klimke. Er sieht in dieser Frage für einen Mikrobiologen mitunter ein neues Forschungsgebiet.


Fragt sich, warum "Bausachverständige und Schädlingsbekämpfer" nicht schon viel früher auf den Übeltäter gekommen sind.
Aus dem Startartikel der Zeitung:
Nicht nur die Schäden, auch die Kosten für die Gutachten gehen längst in die Tausende. Für Grube das Schlimmste: "Die Fachleute sind ratlos", sagt sie. Ist ein geheimnisvoller Pilz Schuld oder vielleicht doch winzig kleine Insekten? Das Landesamt für Verbraucherschutz mit seinem Fachbereich für Schädlingsbekämpfung konnte in dieser Frage nicht weiterhelfen. Auch zertifizierte Bausachverständige und Gutachter für Schädlingsbefall kamen zu keinem Ergebnis. Schädlingsbekämpfer, Restauratoren und Antiquitätenhändler, die die Wohnung, Möbel und Gegenstände begutachtet haben, können sich die Schäden genauso wenig erklären.
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Steffen Kraus » Freitag 30. Dezember 2016, 14:12

Hallo,
ich denke das Problem ist, Bausachverständige und Schädlingsbekämpfer, haben,
Sachverstand am Bau und/oder sind auf die Bekämpfung von Schädlingen ausgebildet. Die Bestimmung bestimmter Tiere/Pflanzen, die nicht häufig oder in der Regel auftreten,
ist nur wissenschaftlich arbeitenden Menschen möglich.
Daher hat es ein pensionierter Biologe herausgefunden. So gesehen kein Problem, so hat jeder sein Fachgebiet und das ist gut so!
Gruß,Steffen
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Emse » Freitag 30. Dezember 2016, 14:30

Hallo Steffen,

meiner Meinung nach sollte die sichere Bestimmung eines solchen (zwar versteckt lebenden, aber nicht ganz unbekannten) Schädlings auch einem erfahrenen Kammerjäger durchaus möglich sein.

http://www.schaedlingskunde.de/Steckbri ... empfen.htm
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Reber » Samstag 31. Dezember 2016, 14:03

Das stimme ich Emse zu. Ausserdem: Woher sollen die oben beschriebenen Beschädigungen am Holz, Metall und Glas kommen? Die Larven und auch die Käfer werden dieses Material kaum beschädigen können. :?:
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Re: Grübeleien über einen möglichen Ameisenbefall...

Beitragvon Merkur » Samstag 31. Dezember 2016, 16:12

Das Ganze erinnert mich an eine Erfahrung vor etlichen Jahren. Das Haus einer alten Dame war zu entrümpeln. Sie war aus der Generation, die zwei Weltkriege mitgemacht hat, und sie war dadurch auf Sparsamkeit geprägt: „Nichts wegwerfen, man könnte es ja doch noch mal gebrauchen“.
Über der Dachgeschosswohnung befand sich ein sog. Spitzboden, aus dem Treppenhaus durch eine Klappe mit Leiter erreichbar, kaum 1 m hoch und nur kriechend zu „begehen“.
Dort waren über viele Jahre alte Teppiche, Matratzen usw. deponiert worden.
Es war ein ziemlicher Insektenzoo, den ich da zu entsorgen hatten: Motten, etliche Arten Teppichkäfer etc. mit Larven und Puppen, viele Leichen von Wespen, Fliegen, Schmetterlingen, die dort hatten überwintern wollen usw.. (Mich kribbelt's noch heute, wenn ich dran denke!)
Man muss dabei beachten, dass auch in Textilien aus Kunstfasern jede Menge an Keratin zu finden ist, in Form von Haaren und Hautschuppen von Mensch und Tier. Zur Reinigung hatte man die Teppiche vor der „Zwischenlagerung“ natürlich nicht gebracht.
Bei einem Befall mit solchen Schädlingen muss man also auch nach „versteckten“ Quellen suchen, denn etwa aus einem solchen Spitzboden gelangt das Ungeziefer auch in die darunter liegenden Wohnungen!

Aber nun werden ja auch solche Vorratsschädlinge sogar mit Lebendfutter für Ameisen verteilt:
https://www.ameisenforum.de/was-sind-da ... ml#p392998 :roll:
Man sollte also die Futtertiere nicht nur auf Milben prüfen (bzw. am besten überbrühen); es empfiehlt sich, auch darauf zu achten, dass die Begleitfauna nicht auf Futtervorräte für die Ameisen und andere Heim- und Haustiere oder auf Heimtextilien übergreift!
Ich würde in so einem Fall empfehlen, die ganze Lieferung samt Verpackung einzufrieren.

MfG,
Merkur
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