Im tiefen Wald traf man früher die Ameisler

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Im tiefen Wald traf man früher die Ameisler

Beitragvon Emse » Montag 16. Dezember 2019, 23:33

Ein Artikel über "Ameisler", die über Jahrhunderte bis in die 1960er Jahre hinein massenhaft Puppen der Roten Waldameise sammelten, um sie als Vogel- u. Fisch-futter zu verkaufen. Das nebenbei gewonnene „Oalpech“ (Harzkörner) aus den Nestern fand ebenfalls seine Abnehmer:

„Im Walde kannst du manchmal einem sonderbaren Mann begegnen. Seinem zerfahrenen Gewande nach könnte es ein Bettelmann sein; er trägt auch einen großen Sack auf dem Rücken. Aber über diesem Bündel und an all seinen Gliedern ... laufen in aller Hast zahllose Ameisen auf und nieder, hin und her ... Der Mann ist ein Ameisler. Er geht aus, um die Puppen der Ameisen, die Ameiseneier, zu sammeln, die er in Markt und Stadt als Futter für gefangene Vögel verkauft. Er sammelt auch die Harzkörner aus den Ameisenhaufen, um solche als den in der Bauernschaft beliebten Waldrauch, der in den Häusern besonders bei Krankheiten als Räucherungsmittel dient, oder gar als Weihrauch zu kirchlichen Zwecken zu verwerten.“ / Peter Rosegger, 1883/84


scaled-450x350-Foto Ameisler.jpg
"Ameisler", Jahr 1939 / Foto frei von Copyrights

Das "Geschäft" lohnte sich für die Sammler:

Die Ameiseneier wurden also „in Markt und Stadt“ als Futter für gefangene Vögel verkauft. Vor allem für den großen Wiener Markt wurde gearbeitet, meistens nebenberuflich und auf Bestellung. Das Sammeln von Ameisenpuppen konnte durchaus lukrativ sein, denn 1859 erzielte man für eine Saisonernte von 20 Metzen (ein österreichischer Metzen waren 61,48 Liter) 150 bis 500 Gulden. Noch in den 1960er-Jahren konnte man sich mit dem Saisonerlös von vier bis sechs Wochen Sammeltätigkeit einen der damals noch teuren Fernsehapparate kaufen. Daneben fand auch das beim Ameisln gewonnene „Oalpech“ (Harzkörner) gute Verwendung. Bauerdoktoren wie der „Steirerdocter“ setzten es neben dem „Amasgeist“ bei Krankheiten als Räucherungsmittel oder als Weihrauch ein. Auch von den Mariazeller Devotionalienhändlern wurde es zum Kauf angeboten und war sogar in der Apotheke erhältlich.


In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war dann aber Schluss mit der Plünderei von Ameisennestern, der "Naturschutzgedanke" fand seinen Weg in die Gesetzgebung:

Aber 1966 wurden keine Genehmigungen mehr zum Sammeln der Puppen der Roten Waldameise ausgegeben, denn man hatte erkannt, dass durch den Vogelfang und das Puppensammeln das ökologische Gleichgewicht im Wald gestört wird. Anfangs 1967 wurden die Sammelbewilligungen gänzlich eingezogen.


Ameisler_Erlaubnisschein_Nr__38.jpg
Sammelgenehmigung, Jahr 1953 / Foto frei von Copyrights

Quelle und ganzer Artikel: Robert Engele / Kleine Zeitung / https://austria-forum.org/af/Wissenssam ... e_Ameisler
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Re: Im tiefen Wald traf man früher die Ameisler

Beitragvon Merkur » Dienstag 17. Dezember 2019, 10:22

Ameiseneier im Handel, einst und jetzt

Der folgende Beitrag erschien 2007 im Forum der DASW:
.... Leider werden bei uns noch immer ganz legal "Ameiseneier" im Handel angeboten, in erschreckenden Mengen. Gibt man bei Google "Ameiseneier" ein, kommen zahllose Angebote.
Die ersten paar:
http://www.ms-aquaristikshop-online.de/ ... :1865.html
(1 Liter getrocknete Puppen, 0.6 kg, € 29.99)
---------------
http://www.bachflohkrebse.de/Getr-Klein ... r::66.html
250 Gr. € 4.50
Produktbeschreibung
Ameiseneier sind eigentlich keine Eier, sondern Larven. Sie sind hitzebehandelt und sehen wie dunkler Pfeffer aus.
Ameiseneier sind eine perfekte Proteinquelle
Für Fische sind Ameiseneier aufgrund ihres hohen Proteingehalts ein gutes Futter
Ameiseneier besitzen sehr viel Eiweiß und sind deshalb für junge Tiere eine wichtige Nahrungsquelle.
Sie werden auch zur Vogelaufzucht verwendet
Ameiseneier sind Zusatzfutter für alle insektenfressenden Vögel.
IMPRESSUM: Nikola Katic, Tübingerstr. 13-15, 70178 Stuttgart
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http://www.tierhaus24.de/shop/product_i ... ts_id=1207
(T i e r h a u s Josef Mergens, Im Gerstengarten 14, 54317 Osburg)
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Man kann sie auch bei e-bay kaufen (hatte ein polnisches Angebot gesehen)
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Nun sind also laut dem Laden "bachflohkrebse" die Ameiseneier nicht Eier, sondern Larven! Es lebe die Volksverdummung!
Vielleicht wäre es im kommenden Jahr doch mal an der Zeit, etwas gegen diese von Deutschland, aber auch von den EU-Nachbarländern ausgehende Ausbeutung von Waldameisen zu unternehmen.
Schließlich sind die Käufer ursächlich verantwortlich dafür, dass solche "Produkte" angeboten werden!
--

S. a.: https://ameisenwiki.de/index.php/Ameise ... ttermittel) Artikel im AWiki 2012 - 2018.(Lässt sich nicht direkt verlinken (?). Bei Eingabe "Ameiseneier" kann man auswählen "Ameiseneier_(Futtermittel)".
--

Ein Beispiel von heute, Google-Suche „Ameiseneier“:
http://prachtfinken-zentrum.de/shop/pro ... 0-gr-.html
--

Es geht also lustig weiter. Zwar dürften die bei uns angebotenen „Ameiseneier“ nicht mehr aus Deutschland und den unmittelbaren Nachbarländern stammen, sondern aus Nord- und Osteuropa,
aber die Schädigung trifft m.o.w. dieselben Arten, da sich deren Verbreitung ja nicht an die politischen Grenzen hält.

MfG,
Merkur
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