Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Donnerstag 19. April 2018, 10:35

Re: Lasius brunneus - bekämpft mit Nelkenöl?

https://www.ameisenforum.de/lasius-brun ... ml#p410625
Ein seit dem letzten Jahr laufender Thread im AF. Nach den letzten Berichten dürfte es sich um einen schwereren Befall im Mehrfamilienhaus handeln. Das Nelkenöl kann die Tiere zurückhalten. Eine „Bekämpfung“ im Sinne einer dauerhaften Beseitigung des Volkes allein damit ist wahrscheinlich nicht möglich. Aber natürlich verfolge ich mit Spannung, wie es weitergeht.
Es erinnert mich an meine persönlichen Erfahrungen hier und diverse frühere Erfahrungen in diesem Thread.

Auch dieser Thread ist interessant.
Es ist sicher sinnvoll, wenn, wie in dem Thread angeregt wurde, die Diskussionen gebündelt werden. Gerade zu der mit Abstand häufigsten Hausameise
in D, Lasius brunneus, gibt es bereits umfangreiches Datenmaterial, u. a. hier im Forum der DASW.

MfG,
Merkur
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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Donnerstag 17. Mai 2018, 17:46

Lasius brunneus Nest mit Endoskop suchen?

Die Idee ist nicht neu, und gelegentlich versuchen es Betroffene auch, mittels Endoskop-Kamera den Hausameisen auf die Spur zu kommen. Hier ist ein älterer Bericht aus 2012: http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/ ... t=endoskop

Ein weiterer Versuch wird gerade im Forum der Ameisenschutzwarte sehr ausführlich beschrieben:
https://www.ameisenschutzwarte.de/forum ... 57&start=0
Das ist schon fast ein „Kriegsbericht“, mit vielen eindrucksvollen Bildern und vor allem wirklich wichtigen Informationen. Der Kampf ist noch nicht beendet….

Was man raten soll, weiß ich auch nicht. Nach der Beschreibung der Bauart des Holz-Fertighauses befürchte ich Schlimmes: Lasius brunneus legt nach meinen eigenen früheren Untersuchungen (mit radioaktiver Markierung der Ameisen) dezentrale Nester mit etlichen Nestzentren an, wo sich geeignetes Material befindet. Damals war das eine Isolierschicht aus Kokosfasern unter dem Estrich und Bodenbelag eines Raumes von 12 qm, in der sich ganz verstreut Ansammlungen von „strahlendem Material“ messen ließen, also wohl mit dem radioaktiven Futter gefütterte Larven.
Ich habe damals in dem (vorübergehend gesperrten) Institutsgebäude durch eine Bohrung Chloroformgas in die Isolierschicht geleitet. Das Volk wurde damit anscheinend auf der Stelle getötet. Die radioaktiven Flecken blieben über wenige Wochen weiter messbar, wobei die Strahlung aufgrund des Zerfalls des verwendeten Isotops schließlich gegen Null ging. - Es war nur ein Zugang zum Nest erkennbar, wo die Isoliermatte zwischen Betongrundmauer und Außenmauerwerk bis ins Freie ragte (Baufehler!). Der wurde natürlich verschlossen. Es trat kein neuer Befall auf.
Die Methode *) ist heute wohl kaum noch genehmigungsfähig, wäre aber auch längst nicht in allen Fällen einsetzbar.

MfG,
Merkur
*) Buschinger, A., Kloft, W., 1969: Einsatz der Tracermethodik zur Lokalisierung von Nestzentren lästiger Hausameisen (Lasius brunneus LATR., Hymenoptera, Formicidae). - Anz. f. Schädlingskunde und Pflanzenschutz 42, 49-53.
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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Montag 4. Juni 2018, 21:24

Seht Euch DAS mal an! - Auch User und Teams anderer Ameisenforen sind herzlich dazu eingeladen.

Der Beschreibung nach kann es nur Lasius brunneus sein. Falls nicht ein Kollege aus der DASW eingreift, werde ich mich darum bemühen. Bausubstanz, Alter des Hauses, Hausumgebung mit Bäumen? Erfragen! - Ameisen zusenden lassen. Wer zahlt für die Bekämpfung, Hausbesitzer, -Verwalter, ...? - Es ist meistens ein längeres Frage-Antwort-Spiel, bis man Klarheit hat und Empfehlungen geben kann! :roll:
Für mich im Frühjahr-Sommer fast tägliches Brot (oft per e-mail).

Und dann gibt es L. brunneus im Händlerangebot, und zahlreiche "glückliche" Finder von Gynen hoffen darauf, sie zu Kolonien hochziehen zu können, ermutigt durch andere User.... Natürlich ohne sich zu fragen, ob die Art im Falle eines Falles sich in ihrem Haus evtl. ansiedeln kann.

Für mich einfach nicht zu fassen. :crazy:

MfG,
Merkur
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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Dienstag 19. Juni 2018, 18:10

Tapinoma melanocephalum, die „Schwarzkopfameise“

Im Rahmen meiner Beratungen für Menschen, die von Hausameisen belästigt oder geschädigt werden, erhielt ich Anfang Mai 18 eine E-Mail von einer der Kanareninseln: Winzige Ameisen überall, in einer Mietwohnung, in der die deutschen Bewohner jeweils das Winterhalbjahr zubrachten. „Wir haben alles versucht“, so lese ich immer wieder, von Hausmitteln bis Fraßköder und Kammerjäger-Einsatz.
Jetzt kam die von mir angeforderte Probe an, perfekt verpackt, auf den ersten Blick identifizierbar: Die „Schwarzkopfameise“. Kopf schwarz, der Thorax m.o.w. dunkel braun, die Gaster ist fast durchsichtig hell: Mit bloßem Auge ist sie kaum als Ameise erkennbar!

T.-melanoc.1_0645.jpg
Tapinoma melanocephalum
T.melanoc.2_0647.jpg
Tapinoma melanocephalum
Die erste Aufnahme machte ich normal mit der Canon PowerShot G3X; die zweite mit einer vorgesetzten raynox Macro-Linse DCR-150. Die Vergrößerung kann man mit einem Lineal am Monitor abmessen, beim 1. Bild ca. 5.6x, beim 2. ca. 11x. Nur im Präparationsmikroskop ist bei 50x noch mehr zu erkennen, z. B. die Fühlergliederzahl.
Boro hat hier ein sehr gutes Bild der Tiere gepostet, aus Costa Rica.

In wärmeren Ländern ist die Art fast weltweit vertreten. Als Hygieneschädling und mit einer Lebensweise wie die Pharaoameise ist sie besonders in Krankenhäusern gefürchtet.
Auf der Webseite „Schädlingskunde“ von Dr. Martin Felke (Reinheim) ist alles beschrieben, was man von dieser Ameise wissen muss: http://www.schaedlingskunde.de/Steckbri ... phalum.htm
und hier: http://www.schaedlingskunde.de/Diverse_ ... mpfung.htm

Beim Durchlesen sah ich, dass es sogar einen Befall in einem Ort nahe Darmstadt gegeben hat, dessen genau beschriebene Tilgung in geduldiger Kleinarbeit (6 Monate!) zum Erfolg geführt habe. Das war sicher eine lokal begrenzte Einschleppung.
Was aber kann man raten, wenn ein riesiger Wohnkomplex (ca. 150 Wohnungen!) betroffen ist, und das in einem Land, in dem fast täglich eine erneute Einschleppung (mit Lebensmitteln, Materialien, Blumentöpfen etc.) aus der näheren oder weiteren Nachbarschaft zu erwarten ist?
Mir fällt nichts dazu ein! :(

MfG,
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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Donnerstag 28. Juni 2018, 10:40

Wie Ameisen ins Haus gelangen…

Über die Eintrittspforten für Ameisen ins Haus herrschen ja oft sehr unklare Vorstellungen.
Ich habe hier mal eine Gelegenheit genutzt und zwei Bilder gemacht, eigens um sie in diesen Thread zu stellen.

Fenster_0662.jpg
Dachliegefenster
Das ist ein Dachliegefenster in einem relativ flach geneigten Dach. Es befindet sich über dem Feuchtraum (Toilette, Waschbecken, Dusche) einer Ferienwohnung. Der weiß-blaue Himmel zeigt an, dass es in Bayern fotografiert wurde. ;)
Die Nässespuren, Kondenswasser vom Duschen und/oder Spritzwasser bei Regen und schlecht geschlossenem Fenster, weisen auf gelegentliche Feuchtigkeit hin. Spalten im Rahmen könnten für eine junge Königin von Lasius brunneus attraktiv sein. - Ich sah keine Spuren eines Befalls; vielleicht gibt es die Art nicht in der Nähe? Bäume und Sträucher stehen am Haus und in ca. 3 bis 15 m Entfernung davon (Birke, großer Birnbaum); für L. brunneus wäre es kein Problem, solche Entfernungen über gut gedeckte Laufwege zu überwinden.

Balken-m.-Riss_0664.jpg
Balken mit Riss
An demselben Ort waren vom Balkon aus große Spalten in einem Dachsparren zu sehen. Solche Spalten sind normal, entstehen dadurch, dass Holz „arbeitet“, bei hoher Luftfeuchte quillt und bei trockener Luft wieder schrumpft. Gerät ein Holzsplitter etc. in den Spalt, bleibt er stellenweise offen. Das wäre eine Nistgelegenheit für Dolichoderus quadripunctatus. Die kommt in der Region auch vor. HIER habe ich über diese Art an/in meinem eigenen Haus in Südhessen berichtet. Die „verdächtigen“ Dachsparren liegen nur zu hoch, um sie gut zu fotografieren. Im Haus sind sie bei mir noch nie erschienen.

MfG,
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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Freitag 29. Juni 2018, 20:44

Lasius emarginatus in der Hauswand

Heute erhielt ich eine Probe mit Arbeiterinnen der "Zweifarbigen Wegameise", in gutem Zustand, so dass man vor allem die Farbkombination mit der von
L. brunneus vergleichen kann. Bei 25x Vergrößerung waren auch die abstehenden Haare auf Fühlerschäften und Hinterbeintibien erkennbar.

L.em-016.jpg
L. emarginatus

Der Textauszug dazu, anonymisiert, ist bemerkenswert, besonders mit Blick auf die erfolglose, aber teure Tätigkeit eines "Fachbetriebs":

L.-em.015.jpg
Textauszug aus dem Begleitschreiben
Die hier genannten Kosten hätte man sich ersparen können. Jedoch ist kaum bekannt, dass es in D Ameisenkenner gibt, die so etwas zuverlässig bestimmen. Es sind leider auch viel zu wenige, trotz der zahllosen Ameisenfreunde in den diversen Foren. :roll:

MfG,
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Re: Ameisen als Plage – Fakten und Bekämpfungshinweise

Beitragvon Merkur » Freitag 13. Juli 2018, 15:35

Bestimmung einer Ameisenart im DASW-Forum

Titel der Anfrage: "Kleine Mitesser im Keller - Pharaoameisen?https://www.ameisenschutzwarte.de/forum ... 20&start=0
Es ist ein fast normal abgelaufener Vorgang in jenem Forum:

- Zunächst kaum brauchbare Bilder.
- Einige Vermutungen hin und her, neue Bilder, die jedoch auch noch keine sichere Beurteilung erlauben.
- Nach Aufforderung sendet der Fragesteller einige der Tierchen ein. Das kostet gerade mal 70 Cent an Porto, und wenn es entsprechend der Anleitung im Forum erfolgt, können die Ameisen 100 % sicher bestimmt werden; das dauert bei mir weniger als eine Minute (bis das Präpariermikroskop eingeschaltet und die Ameisen darunter geschoben sind).
- Wie kommt Solenopsis fugax in den Keller? - Das kann man aus der Entfernung nicht sicher sagen.
- Immerhin erspart sich der Einsender aufwändige Bekämpfungsmaßnahmen.
- Man muss natürlich eine Adresse zum Einsenden angeben; das geht nicht unter Pseudonym, zumal, wenn man die Klärung der Identität scheuen muss!
- Wohingegen die Einsender im öffentlichen Forum verständlicherweise gerne anonym bleiben: Unter Umständen könnten Nachbarn oder Bekannte erfahren, dass man „Ungeziefer“ im Haus hat. :roll:

Es ist alles nicht so ganz einfach! Und manchmal wird es viel komplizierter. - Aber oft liest man wenigstens ein „Dankeschön“, oder es folgt sogar eine Spende an die DASW zur Unterstützung ihrer Bemühungen um den Erhalt unserer Waldameisen. :)

MfG,
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