Christian Peeters verstorben

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Christian Peeters verstorben

Beitragvon Merkur » Mittwoch 2. September 2020, 11:12

Im Alter von nur 64 Jahren ist in Paris der weltweit bekannte Myrmekologe Christian Peeters am 31. Aug. 2020 dahingegangen.

Peeters-2019,-Melissot.-.jpg
Christian Peeters 2019
In diesem Bild zeigt er sich im August 2019 beim Sammeln von Melissotarsus aus deren Gängen in der Borke eines Baumes in Südafrika.
(Aus einem Interview im Myrmecological News Blog vom 18. Dez. 2019)

Hier im AP wurde auf seine Arbeiten immer wieder hingewiesen (Suchfunktion: „Peeters“).
Christian hat eine wechselvolle Karriere als Myrmekologe durchlaufen. Geboren 1956 in Belgien, 1971 mit seinen Eltern ausgewandert nach Johannesburg/ Südafrika, wo er studierte und seinen Dr.-Titel erhielt, als Postdoc für fünf Jahre in Sydney/ Australien bei Ross Crozier, dann Postdoc in Japan bei Y. Ito, später in Würzburg bei B. Hölldobler, bis er schließlich ab 1991 eine Dauerstelle als Forscher am CNRS in Paris antrat (Centre nationale de la recherche scientifique; Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung). Er hatte dort keine Lehrverpflichtungen und war nach seinen eigenen Worten zu 100% Forscher.
Seine Arbeiten umfassen den Kastenpolymorphismus bei Ameisen, die „königinlosen“ Ameisen (auf Peeters geht der Begriff „Gamergate“ zurück), Funktionsmorphologie bes. des Ameisenthorax, Koloniegründung usw.; auch über die Koloniegründung von Paraponera hat er publiziert. Eine lange Liste mit einer Auswahl seiner zahlreichen Veröffentlichungen findet sich hier .

Mit C. Peeters war ich lange in Kontakt, vor allem aufgrund unserer unterschiedlichen Auffassungen von Kasten: Sind sie rein morphologisch zu definieren, oder primär durch ihre Funktion, durch den grundsätzlichen Unterschied von reproduktiv (Königin) bzw. steril (Arbeiterin mit Untergruppen wie Soldat etc.)? Im Nov./Dez. 1987 habe ich ihn in Sydney besucht, um mich mit den von ihm untersuchten Ameisenarten vertraut zu machen, und auch um die Diskrepanz unserer Auffassungen ausgiebig zu diskutieren. Wir haben dort einiges gemeinsam unternommen. Eine daraus hervorgegangene Arbeit ist: Buschinger, A., Peeters, C. & Crozier, R.H. 1990. Life-pattern studies on an Australian Sphinctomyrmex: functional polygyny, brood periodicity and raiding behavior. Psyche 96 (1989): 287-300.
Christian hat uns auch in Reinheim besucht. Wir führten ihn (wie fast alle unserer ausländischen Besucher) nach Heidelberg, und anschließend in den Odenwald zu einer beeindruckenden Superkolonie von Formica polyctena mit mehreren gegen zwei Meter hohen Nestern. - Er war ein umgänglicher, anregender Mensch, voll Begeisterung für die Ameisenforschung und mit viel Erfahrung; für mich gehörte er noch zu den „richtigen“ Myrmekologen! Sein frühes Ableben hinterlässt eine große Lücke in der Fachwelt, zumal er noch viele interessante Forschungsprojekte angehen wollte. R.I.P.

A. Buschinger
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Suum cuique
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Re: Christian Peeters verstorben

Beitragvon Teleutotje » Freitag 4. September 2020, 08:17

This is indeed very sad news. He was one of the very big entomologists/myrmecologists of the world.
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