Es gibt viele junge Myrmekologen!

Alles, was in kein anderes Unterforum passt.
Beiträge werden nicht gezählt!

Es gibt viele junge Myrmekologen!

Beitragvon Merkur » Samstag 23. Januar 2021, 16:58

Gelegentlich versuche ich, mir einen gewissen Überblick zur Entwicklung der wissenschaftlichen Ameisenkunde, der Myrmekologie, zu verschaffen. Ich selbst bin 1963 in Würzburg eingestiegen, Promotion und erste Wiss. Assistentenstelle 1967, Professur 1973. Verglichen mit der Situation vor 50 Jahren, um 1970, hat unsere Wissenschaft inzwischen einen enormen Aufschwung genommen, was sich auch an der Zahl der Forschungsinstitutionen an den Universitäten ablesen lässt, und ganz wesentlich an deren Größe, an der Zahl der Studierenden und Kandidaten, die sich mit Ameisen befassen!
Es ist interessant, mal die Webseiten einiger Forschungsgruppen im In- und Ausland anzusehen.

Auch ein Blick in ihre Forschungsbereiche ist aufschlussreich. Das Spektrum der Fragestellungen hat sich dank moderner biochemischer, genetischer und anderer Techniken ganz erheblich erweitert. Bildgebende Verfahren, Elektronenmikroskopie, 3-D-Darstellungen etc. erlauben Einblicke in Bau und Funktionen von Insekten, von denen man damals noch nicht mal träumen konnte. - Es ist ein riesiges Arbeitsfeld geworden!
Seit nun fast einem Jahr allerdings haben sehr viele Forschungsprojekte große Probleme: Wegen Covid-19 wurden Institute zum Teil gesperrt, was die Versorgung lebender Tiere erschwert. Arbeiten im Freiland mussten wegen der Reisebeschränkungen unterbrochen bzw. ganz abgebrochen werden. Wer auf Versuchstiere aus dem Freiland angewiesen ist, besonders aus dem Ausland, hat enorme Probleme. - Wenn ich an unsere Forschung in den 1980er – 1990er Jahren denke, über Ameisen aus dem europäischen Ausland: Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Schweden, Schweiz, Ukraine, sowie Australien, Algerien, Marokko, Kanada, USA: Viele meiner Kandidaten hätten mit ihren Arbeiten umdisponieren müssen... Ich mag gar nicht darüber nachdenken! Und kann allen Betroffenen, die noch nicht auf dauerhaften Stellen etabliert sind, nur wünschen, dass ihre Karriere durch diese Pandemie nicht allzu sehr beeinträchtigt wird!

Hier liste ich eine kleine Auswahl von Instituten auf, wo sich ein Blick in die Forschungsbereiche und Themen der Dozenten und ihrer Kandidaten lohnt (es gibt viele mehr!).
(Beim Anklicken der einzelnen wiss. Mitarbeiter, Doktoranden etc. kann man meist über deren Forschungsgebiete nachlesen)

Innsbruck: Prof. B. Schlick-Steiner: https://www.uibk.ac.at/ecology/forschung/

Kopenhagen: Prof. K. Boomsma: https://www1.bio.ku.dk/english/staff/?p ... ons/186303

Lausanne, Prof. L. Keller: https://www.unil.ch/dee/keller-group

Mainz: Prof. S. Foitzik:
https://evo.bio.uni-mainz.de/foitzik-susanne-prof-dr/

Bayreuth: Prof. H. Feldhaar: http://www.bayceer.uni-bayreuth.de/toek ... hp?lang=de

Regensburg, Prof. J. Heinze: https://www.uni-regensburg.de/biologie- ... index.html

Darmstadt, Prof. N. Blüthgen: https://www.econetlab.net/prof-dr-nico-bluethgen

Würzburg, Prof. F. Roces: https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de ... /ag-roces/
und https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de ... enhaltung/ Ameisenhaltung!

Auch in anderen Ländern sind inzwischen zahlreiche Institutionen mit Ameisenforschung entweder stark angewachsen oder ganz neu entstanden. Zu nennen sind v.a. die USA, aber auch Australien, Brasilien, China, Frankreich, Indien, Japan, Polen, Russland, Spanien, Südafrika, …

Hier: https://blog.myrmecologicalnews.org/ und hier: https://insectessociaux.com/ werden immer wieder v.a. jüngere Myrmekologen aus aller Welt mit ihren Forschungsarbeiten vorgestellt.

Eine Übersicht der ehemals und heute myrmekologisch Tätigen und ihrer Veröffentlichungen ist hier zu finden: https://www.antwiki.org/wiki/World_Ant_Taxonomists

Da nicht wenige der jetzigen Hobby-Ameisenhalter auch die Absicht oder den Wunsch haben, ihre Neigungen evtl. beruflich weiter verfolgen zu können, wäre nun gewiss eine Übersicht der Berufsfelder für Myrmekologen von Interesse. Aber das ist ein weiteres, umfangreiches Thema. Da in den Ameisenforen, Discords und sonstigen Medien in der Regel nur sehr begrenzte Kenntnisse über den Beruf des Myrmekologen, Entomologen, Zoologen zum Vorschein kommen, möchte ich hiermit nur mal den Anstoß geben, sich näher damit zu befassen. Dieser Beitrag soll den Einstieg erleichtern.

PS: Kommentare und Fragen sind nicht verboten!
MfG,
Merkur
  • 5

Bedarf wecken, Bedarf decken, Kasse machen: DAS Geschäftsmodell für den Heimtiermarkt.
Suum cuique
Benutzeravatar
Merkur
Beirat
 
Beiträge: 3002
Registriert: Sonntag 6. April 2014, 07:52
Wohnort: Reinheim
Bewertung: 8466

Zurück zu Off-Topic

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 11 Gäste

Reputation System ©'