Angewandte Tierpsychologie: Ein Taubenproblem

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Angewandte Tierpsychologie: Ein Taubenproblem

Beitragvon Merkur » Samstag 3. Mai 2014, 16:21

Verwilderte Haustauben, die „Ratten der Lüfte“, sind allenthalben in den Städten ein Problem, zumal sie von Unbelehrbaren immer wieder gefüttert werden. Abwehrgitter, mit Dornen bewehrte Metallstreifen auf Fenstersimsen etc. verunzieren manches kulturhistorisch wertvolle Gebäude. Zur biologischen Abwehr werden Falken angesiedelt, Eier durch Gipsimitate ersetzt, … Es gibt viele hilflose Bemühungen, der Plage Herr zu werden.

In meinem Garten, wo alle diese Methoden nicht möglich sind, musste ich mir etwas anderes ausdenken. Das Problem sind auch nicht Stadttauben, sondern ein Paar wilder Ringeltauben.

1-Ringeltauben_2908.jpg
Ringeltauben, die hübschen Übeltäter
Hübsch sehen sie aus, wenn man sie so durchs Wohnzimmerfenster in der Kiefer sitzen und turteln sieht.
Doch haben sie den Baum und meinen Gartenteich als „Komfortzone“ entdeckt, wo man baden und sich in Ruhe der Gefiederpflege hingeben kann!

2-Tatort_4193.jpg
Der Ort der Handlung
Leider aber hat das Folgen. Die Tiere haben ein derart fettiges Gefieder, dass nach einer gründlichen Waschung ein graublau schillernder Ölfilm 1/3 der Wasseroberfläche bedeckt, eine Mini-Tankerkatastrophe! Ob das den Molchen gut tut, wenn sie zum Atmen an die Oberfläche kommen, und den Teichläufern und Konsorten?
Die Sorge kam hinzu, dass die netten Tierchen auf der Kiefer brüten könnten. Bei ihrer gesunden Verdauung hätte das die Nutzung der Terrasse wohl doch etwas eingeschränkt.

Was tun?
Schon öfter habe ich gesehen, dass DVDs auf Feldern und in Gemüsegärten der Vogelabwehr dienen. Also habe ich eine solche schillernde Scheibe im Baum aufgehängt, etwas höher und mit seitlichem Abstand zu dem bevorzugten Sitzplatz.

3-DVD-im-Baum_4191.jpg
Die DVD im Baum
4-DVD_4192.jpg
Alle Regenbogenfarben sind vertreten
Beim leisesten Windhauch bewegt und dreht sich das Ding, wirft Lichtblitze in alle Richtungen. Erfolg! Nach ein paar Versuchen blieben die Tauben weg. Man kann sich vorstellen, dass es die Tiere doch zu nervös macht, um sich nahe an einem solchen Gegenstand der Körperpflege zu widmen. Es funktioniert jetzt seit sechs Wochen ;-), und ihr Nest bauten sie in einem der Nachbargärten. Die Kleinvögel, Spatzen und Meisen, haben sich rasch an die Lichtspiele gewöhnt; Kohlmeisen füttern zurzeit ihren Nachwuchs im Kasten am Baum nebenan.

Lustiger Nebeneffekt: Morgens und abends, wenn die Sonne tief steht, schickt meine Taubenwehr in allen Farben leuchtende Blitze durchs Wohnzimmer. Es erinnert an eine Disco, zum Glück ohne Ton. Man gewöhnt sich rasch daran. Nur Erstbesucher suchen kurzfristig erstaunt nach unserer „Anlage“. :o

Blieb noch der Teich, an dem die Tauben nach wie vor zum Trinken und Baden auftauchten.

Auch da half ein „tierpsychologischer Trick“: Nicht ganz schön, aber wenigstens wirksam, habe ich dünne Bindfäden kreuz und quer über das Wasser gespannt.

5-Teichnetz_4190.jpg
Bindfäden schützen den Teich
Die Hoffnung war, dass die Tauben den unvermeidlichen Kontakt beim An- und Wegfliegen als unangenehm empfinden könnten! Wo Binsen das Ufer säumen, trauen sie sich ohnehin nicht heran.
Auch das funktioniert, sie kommen nur noch zum Trinken. Das ist ihnen ja gegönnt! Auch die Spatzen, Meisen, Grünfink, Buchfink, Bluthänfling usw. werden nicht beim Trinken oder Baden beeinträchtigt.
Und „Plisch und Plum“ … sitzen da … und glotzen dumm. :D

Auch gegen Ameisen kann man ohne Giftspritze vorgehen, manchmal, und es hängt von der Art ab. :fettgrins:

MfG,
Merkur
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