Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsreise

Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsreise

Beitragvon Merkur » Freitag 30. Oktober 2015, 17:24

Ein paar „Bilder des Tages“ von dieser Reise im Oktober 2015 habe ich ja bereits hier eingestellt. Nun möchte ich in loser Folge einige weitere Eindrücke vermitteln.

Zum Abschluss des Sommers zog es uns noch einmal in wärmere Gefilde. Nachdem die Lage in Griechenland inzwischen einigermaßen stabil erschien, haben wir uns zu einem Aufenthalt um den Golf von Korinth entschieden. Ich kannte die Region von einer Forschungsreise im Oktober 1985, und so wollte ich nun auch meiner Frau die wunderbare Natur dort zeigen. Zudem kamen 1985 die Kultur und die Geschichte der Region über der "dienstlichen" Suche nach seltenen Sozialparasiten einfach zu kurz. Auch Erinnerungen an einen Familienurlaub auf dem Peloponnes im April 1980 wollten wir noch mal auffrischen. - Damals fuhren wir mit den noch kleinen Kindern im eigenen Auto via Autofähre Ancona-Patras dorthin, wo wir eine kleine Ferienwohnung gemietet hatten, 1985 chauffierte ich den Dienstwagen (VW-Bus) von Darmstadt über die ganze Strecke, und jetzt unternahmen wir die Reise per Flug und Leihwagen. :)

Octopus-5674.jpg
Stolz präsentiert er seinen Fang: Zwei leckere Tintenkraken!

Vorab: Die herzliche Freundlichkeit der Griechen hat sich glücklicherweise nicht geändert! Für andere Gegenden kann ich natürlich nicht sprechen. Aber ganz in der Nähe von Delphi waren wir auch in Distomo, dem wohl bekanntesten Ort entsetzlicher Massaker durch die deutsche Wehrmacht im 2. Weltkrieg (https://de.wikipedia.org/wiki/Distomo). Dort haben uns allerdings nicht länger aufgehalten.
Wie bei unseren Urlaubsreisen zumeist, haben wir ein erstes Übernachtungsquartier bei Athen gebucht, dort ein kleines Mietauto von einem lokalen Vermieter genommen und uns sozusagen treiben lassen bzw. wurden telefonisch zur einem nächsten Unterkunft vermittelt. Das gibt größtmögliche Freiheit, und die internationalen Reiseagenturen müssen nicht mit verdienen: Was man ausgibt, bleibt wirklich im Lande!

Erstes Ziel war Loutraki, inzwischen ein sehr groß gewordener Ort, den ich von der Forschungsreise 1985 in schöner Erinnerung hatte. Man konnte noch vor dem Hotel baden, viel besser allerdings im Vouliagmenis-See (auch als „Blue Lagoon“ bezeichnet).

Blue-Lagoon-5496.jpg
Der Vouliagmenis-See imHintergrund
Es ist ein fast kreisrundes Gewässer mit Brackwasser. Darin dürfte eine sehr kräftige Karstquelle sprudeln, denn durch einen schmalen Kanal fließt ein starker Wasserstrom hinaus in den Golf. Oberflächlich ist das Wasser sehr warm, doch etwas tiefer wird es merkbar kalt.

Blue-Lag.Rest.-5520.jpg
Fischrestaurant am Vouliagmenis-See
Baden kann man vor dem Restaurant, oder auch an mehreren anderen Stellen mit Sandstrand.

Acropyga paleartica: Die Königin nimmt eine Wurzellaus mit auf Hochzeitsreise!

Dort, zwischen Loutraki und Perachora, hatten wir am 7. Oktober 1985 nachmittags einen Schwarmflug von winzigen Ameisen beobachtet, die wir für eine Plagiolepis-Art hielten. Auffällig war, dass die Gynen alle ein winziges weißes Etwas in den Mandibeln trugen, das später als Larve einer an Pflanzenwurzeln lebenden Schildlaus identifiziert wurde: Das erste Beispiel für eine Ameisenkönigin mit diesem Verhalten in Europa!

Acropyga-paleartica-Gyne-web.jpg
Acropyga-Gyne mit Schildlauslarve. Montage von fixierten Tieren.
Veröffentlichung: Buschinger, A., Heinze, J., Jessen, K., Douwes, P., Winter, U. 1987: First European record of a queen ant carrying a mealybug during her mating flight. Naturwissenschaften 74, p.139-140.

Später wurden unsere Tiere als Acropyga paleartica Menozzi,1936 identifiziert. Die Art, nur Arbeiterinnen, wurde seinerzeit zusammen mit den Läusen in einem Erdnest auf einer der ägäischen Inseln gefunden. http://www.antwiki.org/wiki/Acropyga_paleartica
Natürlich hätte ich das gerne nochmals gesehen, und mit mehr Zeit zur Verfügung auch nach Nestern gebuddelt. Doch waren wir vielleicht um ein paar Tage zu spät dran; jedenfalls konnten wir nichts Passendes finden. – Seither wurde diese Art in Europa erst in 1996,1997, 2000 und 2014 wieder gesammelt, u.a. auf Kreta (https://www.antweb.org/browse.do?genus=acropyga&species=paleartica&rank=species&project=creteants) Es ist eine wirklich „selten“ erscheinende Art, die aber im östlichen Mittelmeergebiet eigentlich recht häufig sein dürfte. Zumindest sah ich jetzt um den Golf von Korinth sehr große Gebiete mit geeignet erscheinenden Kiefernwäldern, und bei den Meteora-Klöstern war ihr Schwärmen zufällig ebenfalls in 1985 von einer Studentin aus der Arbeitsgruppe von D. Cherix beobachtet worden!

Nach dem von uns gesammelten Material wurde die Gyne von Acropyga paleartica durch LaPolla 2004 beschrieben, das Männchen 2006. Auch die Wurzellaus war neu und erhielt ihren Namen Eumyrmococcus corinthiacus von Williams (1993) nach Tieren aus unserer Ausbeute. http://scalenet.info/catalogue/Eumyrmococcus%20corinthiacus/

Es gibt jüngere Beobachtungen dieses Verhaltens in der Gattung Acropyga, aus Arizona, und auch da erstmals für die Nearktis:
Chris R. Smith, Jan Oettler, Adam Kay, and Carrie Deans (2007): First Recorded Mating Flight of the Hypogeic Ant, Acropyga epedana, with its Obligate Mutualist Mealybug, Rhizoecus colombiensis. - J Insect Sci. 2007; 7: 11.
(Mit einem sehenswerten Foto von A. Wild!): http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2999416/

MfG,
Merkur

Rückfragen und Anmerkungen bitte in den Diskussionsthread: viewtopic.php?f=46&t=1190
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Re: Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsr

Beitragvon Merkur » Samstag 31. Oktober 2015, 15:48

Heidehonig aus Griechenland

Für uns überraschend war die Farbigkeit mancher Landstriche, etwa auf der Halbinsel Gerania, an deren Südrand Loutraki liegt. Fährt man an die Nordküste, die offenbar etwas mehr Regen abbekommt, gelangt man in weite Bereiche mit Kiefernwäldern, die von Heideflächen unterbrochen werden. Das frische Grün der Kiefern ist nicht etwa neu ausgetrieben, die Bäume sind nur vom Regen frisch gewaschen!
Das folgende Bild lädt doch geradezu ein, es mit den Augen zu erwandern! (Zu Fuß ist es eine etwas stachelige Angelegenheit wegen der vielen trockenen Büsche).
IMG_5594-Erica.jpg
Wald und Heide auf der bergigen Gerania-Halbinsel
In den Heideflächen stehen zahlreiche Bienenstöcke. Wie man uns sagte, steigt die Zahl der Imker wieder aufgrund der wirtschaftlichen Probleme.

IMG_5592-Imkerei.jpg
Imkerei in Griechenland
An der blühenden Heide können sie fleißig Nektar sammeln. Honig aus der Region schmeckt köstlich! Das Heidekraut nennt sich Erica manipuliflora, ist also etwas anderes als unsere einheimische Calluna:

IMG_5595-Erica cf. manipuliflora.jpg
Das Heidekraut, Erica manipuliflora
MfG,
Merkur
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Re: Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsr

Beitragvon Merkur » Sonntag 1. November 2015, 09:58

Das Grab der Löwen von Mykene, Ameisen und Wurmlöwen

1-Mykene-5540.jpg
Das antike Mykene, vom Parkplatz aus gesehen. Das Löwentor ist der Eingang links.

Das Löwentor von Mykene kennt wohl jeder noch aus der Schule. Ich habe es hier mal von hinten fotografiert, weil dabei die monumentale Architektur eher noch besser zur Geltung kommt.
2-Löwentor-5545.jpg
Das Löwentor von hinten/ innerhalb der Mauern.

Was aber haben Ameisen und Wurmlöwen damit zu tun?

Auf dem weitläufigen Gelände des antiken Mykene sind mehrere runde, ausgemauerte und sehr große, unterirdische Kammern mit bienenkorbartigen Gewölben. Man hat sie mit Namen belegt wie „Grab der Clytaemnstra“, „Grab des Aegisthos“, und auch „Grab der Löwen“. Ähnlich konstruiert ist das „Schatzhaus des Atreus“, dessen Eingang ich bereits gezeigt habe: viewtopic.php?f=50&t=79&p=9633#p9585 Die Namen sind recht willkürlich gewählt und entsprechen nicht den modernen Deutungen.
3-Löwengrab-inn.-5561.jpg
Das Grab der Löwen; Einblick von oben und auf das monumentale Eingangstor.
4-Löwengrab-5562.jpg
Grab der Löwen; Blick in den Eingang. Rechts liegt eine herabgefallene Deckplatte.

In Fugen der bröseligen Wände im Eingang zum Löwengrab wurde der Zoologe fündig:
Da reihte sich im feinen Staub Loch an Loch. Ameisenlöwen? - Nein, es ist etwas „Besseres“, das man nur in südlicheren Breiten finden kann. Zwar dienen die Trichter so wie bei den Myrmeleoniden auch dem Fang von Ameisen und anderen Kleintieren, aber die „Erbauer“ der raffinierten Fallen sehen ganz anders aus!
5-VermileoTrichter-5564.jpg
Trichterfallen von Wurmlöwen
6-VermileoTrichter-5566.jpg
In den Nischen sind die Trichter vor Regen geschützt; der Sand und Staub bleibt trocken.

Beim Angraben solcher Trichter kommt mit etwas Glück ein wurmartiges Etwas zum Vorschein

7-Wurmlöwe-5565.jpg
Wurmlöwe. Die Larve ist knapp 1cm lang. Das Vorderende ist links.

Zumeist liegt er S-oder U-förmig gekrümmt auf der Seite, wenn man ihn aus seiner Löwengrube nimmt. In der Grube liegt er auf dem Rücken, mit dem Körper im Sand/ Staub verankert, und mit dem vorderen Bereich im Zentrum des Trichters. Rutscht die Ameise in die Tiefe, wird sie vom Wurmlöwen innig umschlungen und in den Sand gezogen. Was dann passiert, weiß man noch nicht so genau! Man liest, dass die Beute durch den Speichel des Wurmlöwen betäubt, verdaut und dann ausgeschlürft wird.

Was ist nun das Besondere an diesen Tierchen?

Sie gehören in eine ganz andere Ordnung als die Ameisenlöwen, die ja zu den Neuroptera (auch Planipennia), den Netzflüglern zählen.
Die Wurmlöwen dagegen sind in der Ordnung der Diptera, der Zweiflügler (Fliegen und Mücken) zu finden!
Sie bilden dort eine Familie Vermileonidae, mit Gattungen wie Vermileo (Wurmlöwe), aber auch z. B. Vermilynx ,Vermiophis, Vermipardus und Vermitigris, deren Namen sich von Luchs, Schlangen, Leopard und Tiger ableiten. ;)
Die adulten Fliegen fallen äußerlich durch nichts besonders auf, sie sind zart wie Stechmücken, obwohl sie zu den Brachycera, also Fliegen gehören.

Aber dass diese Gruppe parallel zu den Ameisenlöwen den Trichterfallenfang entwickelt hat, ist eines der schönsten Beispiele für Konvergenz im Tierreich, für die unabhängige Entwicklung einer fast identischen Fangtechnik in zwei verwandtschaftlich weit voneinander entfernt stehenden Gruppen. Vergleichbar ist das etwa mit der konvergenten Evolution des Flugvermögens bei Vögeln und Fledermäusen!

MfG,
Merkur
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Re: Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsr

Beitragvon Merkur » Montag 2. November 2015, 09:51

Tierliebe Griechen

Meerkatze sieht Seemaus
1-Meerkatze-5514.jpg
"Hauskatze" einer Ausgrabungsstätte auf der Gerania-Halbinsel

Mehr Katzen
Sind hier zuhaus’
2-Mehr-Katzen-5687.jpg
Katzen des Guesthouse

Hunde auf dem Dach
vertreiben jedes Ungemach.
3-Watchdogs-5735.jpg
Feindabwehr

Es muss in GR mehr Katzen und Hunde als menschliche Einwohner geben! Katzen streichen Dir in jedem Restaurant um die Beine und blicken hoffnungsvoll zu Dir auf, in Erwartung von mildtätigen Gaben. Hunde sind sowieso überall im bewohnten Gebiet.
Bild 2 und 3 stammen von unserem Guesthouse am Rand von Galaxidi. Es waren noch ein paar mehr Katzen als die im Bild gezeigten sechs, und auch mindestens fünf Hunde liefen auf Dächern und Grenzmauern des Anwesens herum. Die Hunde waren sehr friedlich (gut gezogen!), und zum Glück durften weder sie noch die Katzen das Haus betreten (sonst wären wir gleich wieder abgereist in ein anderes Quartier - ich mag es nicht, wenn Katzen mal so zwischendurch auf den Frühstückstisch hüpfen!).
Auch untereinander waren die Tiere recht friedfertig. Nur die Katzen hatten gelegentlich Zank. Da war mal die Außentreppe zum Obergeschoß morgens mit Blut bespritzt, und eine der Katzen hockte mürrisch in einer Nische: Ihr fehlte ein halbes Ohr. Die Hunde „verteidigten“ das Anwesen aus Leibeskräften mit lautstarken Bell-Duellen gegen andere Hunde aus der Nachbarschaft. Nachts waren sie allerdings weggesperrt.
Einen lustigen Einblick in unser Zimmer will ich Euch nicht vorenthalten. Im Internet wird das Anwesen beworben mit „Zimmer mit antikem Mobiliar“.
Das sah dann so aus:

4-Antikes-Mobiliar-5663.jpg
"Antikes Mobiliar"
5-Himmelbett-5661.jpg
Himmelbett

Ein Vorfahr des Hausbesitzers war Jäger u.a. in Afrika. Der Betthimmel hatte weder Wanzen noch Moskitos abzuhalten, wie das in anderen Ländern schon der Fall war. ;) Na schön, wir haben bereits allerhand erlebt; absolut sauber war es jedenfalls und nicht mal ungemütlich! :)
MfG,
Merkur
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Re: Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsr

Beitragvon Merkur » Donnerstag 5. November 2015, 11:49

Messor-Beobachtungen in Griechenland

Im Oktober waren in dem von uns besuchten Bereich (um den Golf von Korinth) nur wenige Ameisenarten noch aktiv. Außer einer Aphaenogaster-Art und gelegentlich einem Nest von Camponotus sp. unter Steinen trafen wir vor allem eine Messor-Art an. Aufgrund des starken Glanzes und des oft rötlichen Thorax der Arbeiterinnen nehme ich an, dass es sich um M. wasmanni handelt. Proben habe ich nicht mitgenommen; hätte ich vielleicht tun sollen! :(

Ziemlich viele Nester fanden wir auf der Gerania-Halbinsel, Nähe Perachora:

1-Messor-Nest-5524.jpg
Typisches Messor-Nest
2a-Messor-Puppen-5525.jpg
Unter den Steinen waren Kammern mit noch vielen Arbeiterinnen-Puppen
2b-Alpenveilch-5582.jpg
Angelockt hatte uns eine ganze Pferdekoppel voller Alpenveilchen, die von der Straße aus zu sehen waren
3-Messor-Pferdekoppel-5583.jpg
Ein weiteres, großes Nest auf der Pferdekoppel

4-roter-Thorax-5584.jpg
Glänzende Major-Arbeiterin mit rotem Thorax
5a-Messor rot.Th.-5585.jpg
Auch hier ist bei den Arbeiterinnen der rotbraune Thorax zu erkennen

Die antike Ausgrabungsstätte von Delphi erstreckt sich hoch hinauf an einem steilen Felshang. Ganz oben ist ein 177 m langes Stadion, das man nicht betreten darf, wo aber sehr kräftige Messor-Nester zu beobachten sind (20. 10.)

5b-Theater-5717.jpg
Das Theater von Delphi
6-Stadium-Delphu5722.jpg
Das Stadion von Delphi. Heute laufen dort Ernteameisen anstelle von Athleten ;)
7a-Mess.Delphi5726.jpg
Das Nest herangezoomt: Zwei Straßen nach links und links vorn sind erkennbar


Weitere Bilder folgen im nächsten Beitrag!
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Zuletzt geändert von Merkur am Donnerstag 5. November 2015, 15:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsr

Beitragvon Merkur » Donnerstag 5. November 2015, 15:09

Messor-Beobachtungen in Griechenland - Fortsetzung

Die folgenden Bilder stammen von einer Uferpromenade gegenüber von Galaxidi (19.10.). In dem abgetrampelten Gelände - dort hat man Zugang zu einigen kleinen Badebuchten – fanden die Tiere offensichtlich keine Körner oder anderes brauchbares Futter.

7b-Hafen-Galaxidi-5678.jpg
Der Hafen von Galaxidi. Rechts hinten ist der Fundort der "blattschneidenden" Messor gerade noch zu erkennen

Was mich dort sehr überrascht hat: Sie knabberten eifrig an Resten kleiner Pflanzen einer Löwenzahn-Art (?), trugen sogar Blattstückchen Richtung Nest, fast wie Blattschneider!
8-Blattschn.5681.jpg
Messor an einer Art Löwenzahn
9-Blattschn.-5682.jpg
Ein weiteres Beispiel
10-Blattschn.II-5684.jpg
Auch hier wird an Blättern herumgekaut
Ob sie „normalerweise“ neben Körnern auch Grünzeug ernten, ist im dichten Gras wohl kaum zu beobachten. Man könnte es evtl. im Formikarium prüfen!

11-Blattschn.III-5685.jpg
Hier wird ein Stängel vom "Löwenzahn" gekappt
Hier betätigen sie sich an einem kahlen Halm, evtl. dem Stängel eines Fruchtstandes, den eine Major offenbar zu durchzubeißen versucht! Das macht immerhin Sinn, denn irgendwo las ich, dass Messor hohe Gras- und Getreidehalme „fällen“, so dass die Ähren am Boden leichter auszubeuten sind. Bei Löwenzahn könnte das auch funktionieren. - Die Ameise hat allerdings wohl nicht überprüft, ob oben noch Samen dran sind. Vielleicht eine Art "Leerlaufhandlung"?

Boro hat dankenswerterweise gerade darauf hingewiesen, dass Messor wasmanni auch der wahrscheinlichste Name für "meine" griechischen Messor ist: viewtopic.php?f=46&t=1190&p=9672#p9672

MfG,
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Re: Griechenland im Okt. 2015 - Eindrücke von einer Urlaubsr

Beitragvon Merkur » Donnerstag 19. November 2015, 11:36

Brücken

In diesem Teil des Reiseberichts geht es nicht um Ameisen. Doch sind auch Brücken oft faszinierende Konstruktionen. Ein paar interessante Beispiele konnten wir in Griechenland bewundern!

So wurde der Isthmus von Korinth zwischen 1881 bis 1893 mit einem 6,3 km langen Kanal durchstochen, der den großen Umweg für Schiffe um die Peloponnes-Halbinsel erspart (wenngleich heutige große Schiffe nicht mehr hindurch passen). Der 1944 von der Dt. Wehrmacht zerstörte Kanal wurde bis 1948 wieder hergerichtet. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Kanal_von_Korinth ).
Natürlich mussten die bestehenden Landverbindungen erhalten bleiben, und so gibt es eine Eisenbahnbrücke und eine Straßenbrücke, und eine dritte, die den Verkehr der Autobahn von Athen nach Korinth aufnimmt.

1-Kanal-n.W-5536.jpg
Blick von der Straßenbrücke nach Westen, zur Eisenbahnbrücke
2-Kanal-n.-O-5539.jpg
Blick von der Straßenbrücke nach Osten, Richtung Autobahnbrücke und Ägäis

Für geologisch Interessierte bilden die schön geschichteten, steilen Wände des Kanals einen hervorragenden Aufschluss.
Die Blicke von der Straßenbrücke nach Westen (über den Golf von Korinth nach Patras und zur Adria) und nach Osten (Richtung Isthmia, Saronischen Golf und Ägäis) sind eine Attraktion für zahllose Touristen, was einen ziemlichen Rummel mit Verkaufsständen und Gastronomie verursacht.
Auch die relativ neue Unsitte der „Liebesschlösser“ hat am Brückengeländer ihren Niederschlag gefunden. ;)

3-Schlösser-5538.jpg
Liebesschlösser an der Straßenbrücke

Unter dieser Brücke gibt es eine Konstruktion, die Bungee-Sprünge über dem Wasser erlaubt. Sie war zum Glück geschlossen, so dass ich nicht in Versuchung geraten konnte. ;)

Aber auch das „andere Ende“ des Golfs von Korinth, bei Patras, wird seit 2004 von einer sehr modernen Brückenkonstruktion überspannt. Fast drei Kilometer ist sie lang und kostet 23,-€ Maut. Doch die alte Fährverbindung war auch nicht billiger. https://de.wikipedia.org/wiki/Rio-Andirrio-Br%C3%BCcke

4-Br.Patras-5659.jpg
Die neue Brücke über den Golf von Korinth, nahe Patras

Wie lange diese Bauwerke überdauern werden ist ungewiss. Vermutlich wird ihre "Lebensdauer" kaum an die seit ca. 2.000 Jahren existierenden Brücken aus der Römerzeit herankommen. Deren schlichte Eleganz überzeugt noch heute. Allen voran muss der Pont du Gard in Südfrankreich genannt werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Pont_du_Gard, aber auch diese Brücke eines Aquädukts in Südspanien gibt einen bescheidenen, doch anmutigen Eindruck:

5-röm.Brück-e_4825.jpg
Ein römischer Aquädukt bei Almunecar in Südspanien

MfG,
Merkur
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