Orchideen-Wanderung bei Gambach, 20. Mai 2016

Orchideen-Wanderung bei Gambach, 20. Mai 2016

Beitragvon Merkur » Sonntag 22. Mai 2016, 19:43

Über die großartige Orchideenflora der Kalktrockenrasen bei Gambach, nahe Karlstadt am Main, habe ich schon öfter berichtet,
z. B. hier: viewtopic.php?f=50&t=79&start=280#p7368 (Vadderdach II).
Am Freitag (20. 5. 16) gelang es wieder einmal, einen schönen Tag für dieses Naturerlebnis zu finden.

1-O.-purpurea_6223.jpg
Orchis purpurea
Die Purpor-Orchis, O. purpurea. Diese recht isoliert stehende und von Fotografen reichlich besuchte prächtige Einzelpflanze kennen wir “persönlich”
seit 2004. Mal hat sie nur zwei, mal drei Blütenstände; im letzten Jahr waren es fünf. Nun ist in einiger Entfernung eine neue hinzu gekommen.

2-Himantoglossum.jpg
Himantoglossum hircinum
Die Bocksriemenzunge, Himantoglossum hircinum. Auf dem ehemaligen Feld hat sie sich seit einigen Jahren auch in der Umgebung der
O. purpurea ausgebreitet. Das Exemplar rechts hat eine etwas auffälligere Färbung als die ansonsten meist gelblich-grünlichen Blütenstände.
Links hinter der Pflanze ist ein Exemplar der häufigen Helmorchis (O.militaris) zu sehen.

3-A.-silvestris_6226.jpg
Anemone sylvestris
Die Waldanemone = „Großes Windröschen“, Anemone sylvestris, begleitet hier einen Waldsaum; ein hübscher Anblick!

4-O.-araneola.jpg
Ophrys sphegodes
Die „Große Spinnen-Ragwurz“, Ophrys sphegodes) gehört zu den seltenen Arten. Manchmal ist es nützlich, für einen geeigneten Hintergrund
zu sorgen, hier mit einem Anorak, da sich die Blütenstände oft nicht gut von der übrigen Vegetation abheben.

5-O.-insectifera.jpg
Ophrys insectifera
Die Fliegen-Ragwurz, Ophrys insectifera, ist noch unscheinbarer und schwer zu entdecken, wenn man nicht genau weiß,
wo man danach suchen muss. Nun, wir kennen die Stellen seit vielen Jahren. ;)

6-Anther.-liliago_6244.jpg
Anthericum liliago
Die Traubige Graslilie oder Astlose Graslilie oder Große Graslilie, Anthericum liliago, steht am Steilhang zum Main hinab. Ihre häufigere
Verwandte, A. ramosum, hat verzweigte Blütenstände mit mehr, aber kleineren Blüten. Sie ist viel häufiger, blüht aber etwas später.

7-Psithyrus_6246.jpg
Bombus rupestris
Am Wanderweg lag diese verendete Schmarotzerhummel, „Felsen-Kuckuckshummel“ Bombus (Psithyrus) rupestris. Kenntlich ist sie
an den dunklen Flügeln, den kahlen Stellen auf dem Rücken der Gaster, und am Fehlen von Pollenhöschen.

8-Cypripedium_6251.jpg
Cypripedium calceolus
Der Frauenschuh (weitere deutsche Synonyme siehe Wikipedia), Cypripedium calceolus, ist der absolute Höhepunkt jeder Wanderung im Gebiet.
Den nach etwas mühsamem Aufstieg erreichbaren Standort kennen wir ebenfalls seit „Urzeiten“, seit etwa 1960! Anders als die bisher gezeigten
Arten stehen diese Orchideen nicht in einem Naturschutzgebiet! Doch wird an dem Hang seit Jahrzehnten kaum noch Landwirtschaft betrieben.
Wie so häufig: Nichts tun ist der beste Schutz für seltene Pflanzen!

9-Gambach_6253.jpg
Gambach
Der Ort Gambach liegt in einer „gesegneten“ Landschaft. Weit schweift der Blick
über die Landschaft, die gelben Rapsfelder, grüne Fluren und artenreiche, wärmeliebende Wälder.

10-Sol.-und-Ixodes.jpg
Solenopsis fugax und Ixodes ricinus
Doch Achtung! Kaum hatten wir uns zu einer Rast niedergelassen, fiel mein Blick auf einen stattlichen Holzbock,
eine Zecke, Ixodes ricinus! Sie sind sehr häufig in Unterfranken, und einige haben natürlich auch uns „gefunden“.
Sorgfältiges Absuchen am Abend ist angebracht.
AMEISEN: Ja, die gibt es dort auch reichlich. Stellvertretend soll das Bild eines Nestes von Solenpsis fugax dienen. Ich drehte die Steinplatte in
der Hoffnung, mal wieder eine Schlingnatter zu finden. Schön sieht man die flachen, aber ausgedehnten Nestkammern.
Ansonsten war mit Ameisen nicht arg viel los: Es war doch noch etwas kühl.
Den sich sonnenden Schwalbenschwanz habe ich schon hier gezeigt viewtopic.php?f=50&t=79&p=11297#p11284
Ein Segelfalter ließ sich nur kurz mal blicken, verschwand dann bei aufkommendem Wind im Gebüsch.

Wieder einmal war es für uns sehr lohnend!
MfG,
Merkur
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