Lasius niger greift an!

Lasius niger greift an!

Beitragvon Maddio » Sonntag 5. Juni 2016, 19:39

Lasius niger ist als aggressive Ameisenart bekannt. Ihrem Ruf wurde sie heute gerecht, als ich sie dabei beobachten konnte, wie sie im Garten einen regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen zwei benachbarte Nester geführt hat, die sich in einer Entfernung von etwa einem Meter zum Lasius niger Nest befinden.

Der Hauptangriff war meinen Beobachtungen nach zu urteilen gegen Myrmica cf. rubra gerichtet, wobei Lasius flavus zwischen die Fronten geraten ist, und bei der Gelegenheit gleich mitangegriffen wurde.

Eine Heeresstraße, auf der ständig Verstärkung anrückte, führte gut sichtbar vom Lasius niger Nest ins Kampfgebiet. Kaum sind sie dort einer feindlichen Ameise begegnet, so wurde diese ohne zu zögern festgehalten:

festgehalten.jpg


festgehalten2.jpg


Einige Myrmica suchten ihr Heil in der Flucht. Dazu kletterten sie auf Grashalme:

FluchtaufGrashalm.jpg


Eine Myrmica-Arbeiterin schien erfolgreich bei dem Versuch zu sein, etwas Brut in Sicherheit zu bringen:

FluchtmitBrut.jpg


Andere waren nicht so glücklich, wurden sie einmal fixiert, gab es keine Hoffnung mehr gegen die Übermacht der Wegameisen:

Kampf1.jpg


Kampf2.jpg


Doch auch die Angreifer hatten Verluste zu beklagen:

toteLasius.jpg


Im Kampfgebiet schienen die Lasius niger zu graben, vermutlich um den Nesteingang zu finden. Erst bei der Sortierung der Fotos ist mir aufgefallen, dass der Boden mit toten Lasius flavus übersät ist:

graben.jpg


Etwa eine Viertelstunde später war der Nesteingang der Myrmica scheinbar gefunden, und es bildete sich ein lokal begrenztes "Schlachtgetümmel":

Nesteingang.jpg


Schlachtgetümmel.jpg


Ich war wie gebannt von der Effizienz und Brutalität der schwarzen Wegameisen. Sie kooperierten sehr gut indem einige Arbeiterinnen die Opfer fixierten und streckten, während andere dazu kamen und die Opfer mit Säure bespritzten und Körperteile abtrennten. Ich bin darauf gespannt ob die Myrmica sich von diesem Angriff erholen werden, oder ob ich sie nun selten bis gar nicht mehr im Garten zu sehen bekomme (es gab nur ein Nest).
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Boro » Montag 6. Juni 2016, 10:17

Hallo Maddio!
Schöne Beobachtung! Aber Lasius niger kann noch mehr: Neben dem Überfall auf andere subdominante Arten einschließlich gelegentlicher meterlanger Kriegskolonnen, greift er auch volksstarke Nester größerer Arten an: Ich konnte einmal den Überfall auf ein größeres Nest von Formica cunicularia beobachten, dabei wurde offenbar der Überraschungsmoment genutzt. Rascher Angriff, Verwirrrung stiften, Kämpfe, bis der Gegner unter teilw. Mitnahme der Brut Hals über Kopf die Flucht ergreift. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass L. niger (ähnlich wie L. fuliginosus) in der Lage ist, einen chemischen Stoff mit repellierender Wirkung einzusetzen. Neben unzähligen diesbezüglichen Beobachtungen scheint ein spezieller Fall in diese Richtung zu weisen: An einer Futterstelle (Honigwasser) waren etwa 10 Tapinoma subboreale versammelt. Eine einzige Arbeiterin v. L. niger taucht auf und ohne Drohgeste oder taktilen Kontakt treten alle Tapinoma sofort den Rückzug an. Die minimale Distanz zur ersten Tapinoma betrug vielleicht 1,5 bis 2 cm. Wenn man davon ausgeht, dass beide Arten schlecht sehen (viell. die Annäherung v. etwas Dunkles erkennen), müssen Körperduft od. andere chem. Substanzen eine Rolle spielen.
Eine weitere Taktik v. L. niger ist die über Wochen andauernde "Belästigung" artfremder Nachbarnester, indem sie sich ständig in deren Nestnähe aufhalten und immer wieder versuchen, einzelne Nestbewohner zu fangen; in diesem Falle wagen sie keinen direkten Angriff und erreichen aber oft die Nestverlagerung der Nahrungskonkurrenten. Die selbe Taktik kann man bei Formica s. str. feststellen (vor allem F. rufa, polyctena, pratensis).
Dieses geschilderte Verhalten wird auch von Lasius emarginatus teilweise angewendet. Auch L. platythorax ist aggressiv und territorial, da fehlen mir aber einschlägige Erfahrungen.
Außerdem wendet L. niger wie kaum eine andere Art die kollektive Vorgangsweise, die Teamarbeit mit hoher Präzision an. Nicht umsonst kann man L. niger als erfolgreichste und häufigste Art in Mitteleuropa bezeichnen.
Ich habe einige Bilder zusammengesucht, welche meine Darstellung verdeutlichen sollen!
viewtopic.php?f=48&t=718 (Fotos 2, 4)
viewtopic.php?f=48&t=250 (2. Beitr. v. 26.04.2014: Zwischen den beiden Bilder gibt es einen Zeitunterschied v. viell. 3 Sek.)
L.G.

P.S.: Im eigenen Garten habe ich auch Konflikte mit Formica fuscocinerea beobachten können. Hier scheint L. niger eher auf "Granit zu beißen".
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Boro
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon FooFighter » Montag 6. Juni 2016, 17:17

Vor ein paar Tagen habe ich eine ähnliche Beobachtung gemacht. Allerdings war hier nicht Lasius cf. niger der Agressor sondern das Opfer. In unserem Garten gibt es ein mittlerweile sehr großes Nest von vermutlich Formica cunicularia, ich würde es auf 1000-2000 :aa: schätzen. Das Nest wird bei Gartenarbeiten verschont, da es mitten im Schnittlauch-Beet liegt. Im restlichen Nutzgarten wird des öfteren Unkraut beseitigt.
Dabei wurde ein kleines Nest von Lasius niger, ca. 1m entfernt von den Formica cunicularia mit umgegraben. Das Lasius-Volk wurde von mehreren hundert Formica förmlich überrannt. Die Rekrutierung erfolgte extrem schnell, die Formica stürzten förmlich aus dem Nest. Innerhalb von Minuten schleppten sie auch schon Massen von Puppen und Larven zurück zu ihrem Nest. Zu tatsächlichen Auseinandersetzungen kam es relativ selten, hier kann ich Boros Beobachtungen bestätigen: Bei direktem Kontakt zog sich die Formica Arbeiterinnen meisten zurück und putzten sich sehr hektisch, es schien fast so als seien sie kurzzeitig "betäubt". Trotzdem bildeten die Formica eine dichte Frontlinie mit der sie immer weiter vorrückten. Wenn eine Formica doch mal gepackt wurde zog diese sich schnell hinter die Frontlinie zurück, wo der Feind dann gemeinsam getötet wurde (siehe Bilder). Die Auseinandersetzung endete tatsächlich mit einem Sieg der Formica, die große Mengen an Geschlechtstierpuppen und Larven erbeuteten.
Eigentlich konnte ich nie größere Auseinandersetzungen zwischen den Lasius und den Formica beobachten, unsere Birnen-, Äpfel und Pfirsich-Bäume werden auf einer Seite von Lasius und auf der anderen von den Formica belaufen. Auch die Nester liegen oft in unmittelbarer Entfernung an den Randsteinen der Beete, ohne das es zu größeren Auseinandersetzungen kommt. Wenn ich mal etwas Zuckerwasser anbiete, dann wird diese auch schnell von den Lasius in Beschlag genommen. Die Agression kann ich mir nur durch die sehr zahlenmäßige Überlegenheit und der extrem feucht-heißen Witterung erklären.

LG

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Zwei Lasius fixieren eine Formica...
DSC_0394.JPG
..hinter der Frontlinie wendet sich das Blatt
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Maddio » Montag 6. Juni 2016, 18:23

Heute machen sie dort weiter, wo sie gestern aufgehört haben :roll:.

Ich sage direkt zu Beginn, ich habe heute nur beobachtet und keine Fotos gemacht. :oops:

Jedenfalls habe ich mich zum frühen Abend hin wieder in den Garten gesetzt. Zunächst war nichts auffälliges zu sehen. Dann konnte ich einige Myrimica cf. rubra sehen, die aufgeregt die nähere Umgebung um ihren Nesteingang untersucht haben. Dazwischen konnte ich einige vereinzelte Lasius niger erkennen, vermutlich Späher. Sobald die Myrmica auf eine Wegameise gestoßen sind, schnappten sie unmittelbar zu und machten kurzen Prozess mit den überrascht wirkenden Opfern.

Bei dieser Beobachtung kamen mir Gedanken in den Sinn, ob heute vielleicht ein Gegenschlag durchgeführt wird, aber inzwischen glaube ich, die Myrmica wollten verhindern, dass die Späher davon kommen und diese dann womöglich Hilfe rekrutieren.

Es dauerte aber keine fünf Minuten, und die Lasius niger machten wieder mobil. Vermutlich hat es doch der ein oder andere Späher heim bis zum Nest geschafft. Es war absolut faszinierend mitanzusehen, wie aus mehreren, fast sternförmig um das feindliche Nest gelegenen, Nesteingängen Gruppen von Kämpferinnen empor kamen und dicht hintereinander zum Ort der Auseinandersetzung marschierten.

Weitere fünf Minuten später war eine Fläche so groß wie ein DIN-A4 Blatt von dichtem Gewimmel überdeckt, und die zahlenmäßige Überlegnheit der Lasius niger wurde eindrücklich zur Schau gestellt.

Die Myrmica sp. scheinen zunehmend von ihren Nahrungsquellen isoliert zu werden, und scheinen nur noch die Möglichkeit zu haben, unterirdisch zu jagen. Mal sehen, wie lange sie sich gegen diesen Feind noch halten können.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Reber » Montag 6. Juni 2016, 21:49

Sehr interessante Beobachtungen, danke fürs Berichten!

Noch eine Anmerkung von meiner Seite. Myrmica cf. rubra entziehen sich solchen Angriffen oft mit Umzügen. Die Art wechselt nach wiederholten Störungen in der Regel ihren Neststandort. Ich gehe davon aus, dass dies sogar teilweise über Nacht passiert, wenn sich z.B. L. niger eher zu den "Brückenköpfen" zurückzieht (Vermutung aufgrund von anderntags vorgefundenen Nestverlagerungen). Also falls du die Tage Nachts raus gehst, nimm eine Taschenlampe mit :D

Wenn Ameisennester übrigens von Menschenhand etc. zerstört werden, kommt das "Gleichgewicht" zwischen Kolonien schnell ins Wanken und Nachbarn, die noch über ein intaktes Nest verfügen, nutzen die Gunst der Stunde meist erfolgreich, um ihre Konkurrenten auszurauben oder zu vertreiben.
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"Obgleich die Welt ja, so zu sagen,
Wohl manchmal etwas mangelhaft,
Wird sie doch in den nächsten Tagen
Vermutlich noch nicht abgeschafft."
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Maddio » Montag 6. Juni 2016, 22:24

Reber hat geschrieben:Noch eine Anmerkung von meiner Seite. Myrmica cf. rubra entzihen sich solchen Angriffen oft mit Umzügen. Die Art wechselt nach wiederholten Störungen in der Regel ihren Neststandort.


Das kann gut sein. Bei beiden Angriffen konnte ich Myrmica sehen, die Brut vom Kampfschauplatz wegtrugen.

Reber hat geschrieben: Ich gehe davon aus, dass dies sogar teilweise über Nacht passiert, wenn sich z.B. L. niger eher zu den "Brückenköpfen" zurückzieht (Vermutung aufgrund von anderntags vorgefundenen Nestverlagerungen). Also falls du die Tage Nachts raus gehst, nimm eine Taschenlampe mit :D


Werde ich später mal machen und berichten falls ich was entdecke :).
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Maddio
 

Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Boro » Dienstag 7. Juni 2016, 08:20

Lasius niger ist eine hochinteressante Art, seit Jahrzehnten beschäftige ich mich (notgedrungen) mit L. niger. Für mich ist sie die einzige heimische Art, die in der Lage ist, variable "Angriffsstrategien" zu entwickeln. Dabei geht es immer um Ausschaltung von Konkurrenz bzw. letztlich um die Erbeutung der Brut artfremder Völker. Ich hatte einmal in meinem Gewächshaus 2 Völker von Pheidole pallidula freigesetzt, das hat damals in einem anderen Forum für einige Aufregung gesorgt, obwohl kein Individuum ins Freie gelangte und auch anlässlich des Schwärmens das Ausfliegen von Geschlechtstieren durch Schließung der Lüftungsfenster verhindert wurde.
Die Völker haben sich gut entwickelt, bis eines Tages Lasius niger Arbeiterinnen während der Nacht über offene Dachfenster in 3 m Höhe eingedrungen sind. Sie haben sich in Verstecken eingenistet und sind geblieben. Ich versuchte über einige Wochen diese Invasion durch physische Vernichtung zu stoppen. Umsonst, L. niger hat schließlich mit deutlich unterlegener Zahl an Angreifern beide Populationen von Pheidole pallidula vernichtet.
Dabei konnten folgende Verhaltensweisen der Angreifer festgestellt werden:
1. Aussenden von Kundschaftern
2. Vorrücken unter Ausnützung von eingerichteten Brückenköpfen und aller erdenklichen Verstecke
3. Nach ersten Vernichtungsaktionen meinerseits vollkommene Aktivitätsverlagerung in die Nacht
4. Vermeidung gefährlicher oberflächlicher Laufstrecken, durchwegs Verlagerung dieser in die Rillen zwischen Waschbetonplatten (und unter diese!)
5. Angriffe oft von nur einigen Dutzend Arbeiterinnen gegen hunderte Verteidiger in Nestern unter den Steinplatten
6. Überrumpelungstaktik, rasches Vordringen in die Gänge, Erzeugen von Panik unter den Verteidigern, die keinen Stachel mehr besitzen. Die kleinen Arbeiterinnen dieser Art scheinen weitgehend wehrlos zu sein. Stehlen der Brut.
7. Während die kleinen Arbeiterinnen v. Pheidole mehr oder weniger ignoriert bzw. "überrannt" wurden, erfolgte gezielter Angriff auf die Soldaten. Diese wurden gestreckt und getötet.
8. Einige Male konnte die Pheidole-Königin mit großer Begleitung unter Mitnahme von Brut flüchten.
9. Trotz physischer Vernichtung von unzähligen Lasius-Angreifern meinerseits, konnten weitere Angriffe bis zur Vernichtung der Pheidole-Völker nicht verhindert werden.
10.Ende des Experiments "Pheidole pallidula im Glashaus", einer ebenfalls sehr interessanten Art. Lasius niger gibt es immer noch im Glashaus, bei teilw. Wüstenklima mit nicht selten 40°C im Sommer. Lasius niger hat den Boro ausgetrickst und so gesehen "besiegt"!
L.G.
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Ein Bild aus besseren Tagen: "Glashaus-Pheidole" kurz vor dem Schwärmen (Männchen). Die Fenster wurden dicht gemacht!
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Trailandstreet » Dienstag 7. Juni 2016, 11:55

Wir haben vor kurzem eine Böschung quer über das Grundstück angeglichen, da diese teilweise sehr steil war. Dadurch sind Aufschüttungen von einem knappen Meter entstanden. Inzwischen ist das alles neu angesät und sprießt bereits. Was man jetzt aber gut sehen kann, sind die ganzen Nester in diesem Bereich. Offenbar haben sie sich durch die ganze Aufschüttung nach üben gewühlt.
Es handelt sich dabei hauptsächlich Lasius niger und Myrmica, wobei dies wohl in der Hauptsache M rubra sein dürften. Die dort vorhandenen L flavus geraten höchstens mal zwischen die Fronten.
Was man jetzt aber gut erkennen kann ist, dass L niger von ihren Ausgängen her überdachte Gänge in alle Richtungen bauen und dort auch teilweise andere Nester in der Nähe bedrängen um ihren Herrschaftsbereich auszuweiten. Immer wieder kommen sich die Lasius und Myrmica in die Quere.
So richtige Feldzüge konnte ich noch keine beobachten, aber die Aufschüttung ist ja noch jung und sie müssen wohl erst mal wieder Fuß fassen, bevor sie sich weiter vor wagen. Wenn es dann mal so weit ist, ist wahrscheinlich das Gras schon wieder so lang, dass man kaum noch etwas davon mitbekommt.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Boro » Dienstag 7. Juni 2016, 13:45

Ja, der Bau von überdachten Wegen, Tunneln, ebenso wie der Bau von Nesthügeln (in ungemähten Wiesen können die einen halben Meter hoch sein!) gehört zu einer Spezialität von L. niger. Das ist u. a. ein Unterscheidungsmerkmal von der nicht leicht zu bestimmenden Art L. platythorax. Auch Läusekolonien werden des öfteren an Pflanzenstängeln mit sochen Überdachungen versehen. Alles dient der Vorsicht vor Fressfeinden, Konkurrenten! Lasius niger ist eben auf der anderen Seite extrem vorsichtig. Hat jemand schon einmal eine Nestverlagerung von L. niger mit der ganzen Brut bei Tage und auf der Erdoberfläche beobachtet? Die machen dies fast ausschließlich unterirdisch!
L.G.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 8. Juni 2016, 07:12

@Boro
Was ich in diesem Fall auch beobachten konnte war, dass eine Arbeiterin eindeutig einen Grassamen ins Nest schleppte. Es gibt irgendwo einen Beitrag, wo auch so ein Foto existiert. Da L niger ja nicht granivor ist, gehe ich eher davon aus, dass sie das vielleicht machen, damit diese dort keimen und der Grashalm sozusagen mitwachsend das Nest stabilisiert.
Die Nester liegen ja üblicherweise in Grasbüscheln.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Boro » Mittwoch 8. Juni 2016, 18:11

Nun, ich glaube eher, dass L. niger mitunter auch dem Eintragen von Samen nicht abgeneigt ist, vor allem wenn diese ein Elaiosom beinhalten. Selten konnte ich in Lasius s. str.-Nestern Samen in der Vorratskammer finden. Zum Beispiel hier in einem Unterstein-Nest von Lasius psammophilus: Da liegen Samen unweit der eigenen Brut, auch eine vermutlich kleine Temnothorax liegt dabei, nicht ungewöhnlich, dass Nahrungsreserven angelegt werden. Bei den 2 großen Samen gehe ich davon aus, dass die Elaiosomen bereits herausgefressen wurden. Es ist aber ein altes Foto von mäßiger Qualität.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 8. Juni 2016, 21:26

Dass sie Samen mit Elaiosomen eintragen war mir klar, aber ein Grassamen hat eben keine. Entweder sie haben sich vielleicht durch die Feuchtigkeit getäuscht, oder sie machen das wirklich mit Absicht, um diese zum keimen im Nest zu bewegen und do einen quasi mitwachsenden Stützpfeiler einzubauen.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Merkur » Donnerstag 9. Juni 2016, 09:07

Ohne Gewähr: Beim Keimen von Grassamen wird Stärke in Zucker umgewandelt, Grundlage der Bierbrauerei (Mälzen der Gerste).
Die Ameisen könnten die keimenden Samen durchkauen, da sie süß schmecken. Beobachten! ;)

MfG,
Merkur
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 9. Juni 2016, 10:13

Ich hatte es schon vor, mal bei meinen auszuprobieren.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 13. August 2016, 18:54

Lasius niger ist ja bekannt dafür, Laufwege gerne zu "überdachen". Dabei machen sie auch vor den Aufstiegen zu ihren Blattlausweiden nicht halt und bauen so gleich eine kleine Festung um den Stamm.
IMG_3290.jpg
IMG_3291.jpg
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Boro » Sonntag 14. August 2016, 10:47

Sehr gute Beobachtung! Der Bau von Erdummantelungen, Hügeln in hohem Gras (bis zu 40 cm) gilt nebenbei als gutes Unterscheidungsmerkmal zu Lasius platythorax, der diese Bauten nie errichtet. Diese Art ist zwar ebenso aggressiv und territorial, lebt aber vorwiegend in und unter Totholz, am Fuße etwa von Föhren oder unter der Borke abgestorbener Stämme bis in eine Höhe von 2 m. Sie ist vor allem an Waldrändern, in Waldlichtungen dominant und kann dort Lasius niger sogar vertreiben. Beide Arten kann man sonst in der Natur an Hand v. Körperbau bzw. Färbung nicht unterscheiden, da braucht man dann ein recht gutes Bino. Die Gynen beider Arten sind dagegen gut zu unterscheiden: viewtopic.php?f=48&t=718
(Bilder v. 12. Juli 2016)
L.G.
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon Reber » Samstag 27. August 2016, 14:47

Anbei möchte ich kurz meine gestrige Beobachtung bei einer Auseinandersetzung zwischen Lasius cf. niger und Formia cf. fusca schildern:

Für den zweiten Teil der Varroa-Sommerbehandlung meiner Bienenvölker, musste ich die Futterzargen von den Magazinen entfernen. Da ich einen Fütterer mit Gittereinsatz benütze, bleiben kleinste Resten des Zuckersirups zurück. Faul wie ich bin, überlasse ich gerne anderen das Putzen. Dafür stellte ich die Zargen offen, etwa 100 weit vom Bienenstand entfernt auf. Der süsse Duft lockte unverzüglich Bienen, Wespen und natürlich auch Ameisen auf den Plan.

Da ich eine Schublade auf einen abgesägten Wurzelstock stellte, unter dem ein Formica cf. fusca Kolonie lebt, dauerte es nicht lange, bis die Tiere die Nahrungsquelle entdeckten und für sich in Beschlag nahmen. Kleine Temnothorax und Myrmica sp. gesellten sich auch bald vereinzelt dazu.
Wenn sie von einer Formica entdeckt wurden, drückten sich die Knotenameisen flach an den Boden und verharrten regungslos. Die entdeckende Formica streckte andererseits auffällig ihre Gaster in die Höhe und versuchten die Ameisen zu vertreiben. Meistens gaben die Formica aber nach kurzer Zeit auf und ignorierten die Kleinen einfach.

Ganz anders, als Lasius cf. niger auf den Plan trat. Das „freche“Auftreten der kleinen schwarzen Lasius-Art erstaunte mich viel weniger, als die entschlossene Reaktion der Formica Arbeiterinnen.
Eine einzelne Lasius cf. niger näherte sich vorsichtig der Nahrungsquelle, an der sich dicht an dicht die Formica „auftankten“. Aber anstatt erschrocken zurück zu weichen, griff das einzelne Tier - ungeachtet der Kräfteverhältnisse - von Hinten an. Die attackierten Formica brauchten einige Sekunden, bis sie merkten, was passiert war. Gingen dann aber gezielt zum Gegenangriff über. Die Lasius-Arbeiterin wurde von mehreren Formica-Arbeiterin gepackt, in Richtung Nesteingang gezerrt und gestreckt. Dieses Vorgehen konnte ich intern kurzer Zeit fünf Mal beobachten. Gleichzeitig mobilisierte Formica weitere Ameisen, die sich scheinbar gezielt beim Übergang zum Holzscheit aufstellten, über welches die Lasius-Arbeiterinnen anrückten.
Formica vs Lasius.JPG
Formica vs Lasius2.JPG


Anfangs gelang es den Formica, die Vorhut abzugreifen und „verschwinden zu lassen“. Nach und nach sammelten sich aber immer mehr Lasius am der Hinterseite des Holzscheits – und auf der Rückseite des Wurzelstockes. Versteckt vom hohen Gras, formierte Lasius dort zeitgleich eine zweite Armee. Die Tiere bewegten sich immer wieder „zuckend“ und nur über sehr kurze Distanz. Dann unternahmen immer mehr einzelne Lasius auf dem Wurzelstock Ausfälle. Inert kurzer Zeit gelang es ihnen Verwirrung zu stiften und die Formation der Formica zu durchbrechen bzw. zu umlaufen. Während die Formica-Arbeiterinnen jetzt aufgeregt hin und her rannten, blieben die Lasius Arbeiterinnen jetzt dicht zusammen und verwendeten die gleiche Technik, wie vormals die Verteidigerinnen. Packen, strecken, wegzerren.

Stunden später hatte Lasius die Nahrungsquelle fast vollständig unter Kontrolle.
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"Obgleich die Welt ja, so zu sagen,
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Re: Lasius niger greift an!

Beitragvon nortorn » Mittwoch 31. August 2016, 22:19

Reber hat geschrieben:Anbei möchte ich kurz meine gestrige Beobachtung bei einer Auseinandersetzung zwischen Lasius cf. niger und Formia cf. fusca schildern[...]*


*Zitat der Übersicht halber gekürzt.

Das muss ich jetzt mal los werden.
Bei so detaillierten und sinnvoll formulierten Berichten zu Beobachtungen geht mir immer wieder das Herz auf. Danke dafür!
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