Krieg und Frieden auf der Insel Cres (HRO)

Krieg und Frieden auf der Insel Cres (HRO)

Beitragvon Boro » Donnerstag 13. April 2017, 15:39

Die Insel Cres liegt in der Kvarner Bucht zwischen der Halbinsel Istrien und dem Festland. Sohn Roman hat vor wenigen Tagen die Insel besucht und sich - wie immer - mit den tierischen Bewohnern befasst, vor allem mit Ameisen. Er hat wieder interessante Fotos mitgebracht, wovon ich einige im Forum einstelle, eingebettet in eine kurze Darstellung, die an das Wirken in den menschlichen Gesellschaften erinnert: Es gibt ganz friedliche Szenen von Futtererwerb, Nestgründung, einer mussglückten Paarung - aber auch Aggression, territoriales Verhalten und das Töten der Konkurrenten etwa um Nahrungsressourcen abzusichern.
Gefunden wurden die häufigen Bewohner der nördlichen Mittelmeerregion, wie Messor capitatus, M. wasmanni, Camponotus aethiops (häufig), C. piceus, C. lateralis, C. vagus, Crematogaster scutellaris, C. sordidula, Tetramorium spp., Aphaenogaster spp. und einige andere.
Hauptdarsteller in dieser Geschichte wird wieder einmal Camponotus vagus , ein sehr imposanter Darsteller. Nicht umsonst haben wir uns seit langem mit dieser Art näher befasst, z. T. auch hier im Forum: viewtopic.php?f=46&t=532&p=11669&hilit=Camponotus+vagus#p11669, viewtopic.php?f=48&t=370&p=8832&hilit=Camponotus+vagus#p8832, viewtopic.php?f=46&t=1102&p=8700&hilit=Camponotus+vagus#p8700, viewtopic.php?f=46&t=1094&p=8597&hilit=Camponotus+vagus#p8597, viewtopic.php?f=46&t=1018&p=7864&hilit=Camponotus+vagus#p7864, viewtopic.php?f=46&t=980&p=7299&hilit=Camponotus+vagus#p7299, viewtopic.php?f=50&t=79&p=994&hilit=Camponotus+vagus#p994 (v. Barristan).

C. vagus gilt in Mitteleuropa als seltene Art (12 Fundpunkte in D, SEIFERT S. 264), in Kärnten ist die Art an geeigneten Stellen durchaus zu finden, ich kenne hier weit mehr als 12 von einander weitab liegende Fundorte! Anlässlich unserer Fahrten nach Friaul und Istrien müssen wir immer wieder feststellen, dass diese Art dort schwer zu finden ist. Das mag teilweise am fehlenden Totholz für diese xylobionte Art liegen, mitunter ist C. vagus aber in geradezu typischen Habitaten nur selten zu finden. Weit häufiger sind dort C. aethiops, C. piceus und auch C. lateralis. Sohn Roman hatte auf Cres aber Glück, er fand die Art und noch dazu in voller Aktion! Alle Fotos: Roman Borovsky
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Dateianhänge
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Erdnester v. Camponotus aethiops in der typischen terra rossa
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Crematogaster scutellaris, am Nordrand von Istrien scheint Crematogaster schmidti häufiger zu sein
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Tetramorium sp.
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Auch im Zustand höchster Erregung kann der Tod eintreten, unbek. Geschlechtstiere, viell. Prenolepis nitens
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Crematogaster sordidula mit Brut
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Erstmals entdeckt: Aphaenogaster sp. , viell. vincii
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Das typische Profil einer Aphaenogaster sp. (Mesosoma, Stielchenglieder)
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Messor wasmanni knacken ein altes Maiskorn? Offenbar ja, es stammt von einem nahen Schweinestall
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Erstaunlich! Jeder weiß, wie hart Maiskörner sind.....
Boro
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Re: Krieg und Frieden auf der Insel Cres (HRO)

Beitragvon Boro » Donnerstag 13. April 2017, 16:06

Roman berichtet, dass sich die vagus-Arbeiterinnen regelmäßig aus der Fixierung der zahlreichen kleinen Crematogaster befreien konnten. Es lagen zahllose tote Crematogaster scutellaris herum. Eine Wirkung des scutellaris-Giftes, dieser wehrhaften Art, wurde nicht festgestellt, ob allerdings Spätfolgen eintreten, konnte nicht festgestellt werden. Es wurde keine tote oder sichtbar verletzte Camponotus beobachtet. Laut Schilderung waren an der Auseinandersetzung etwa 300 bis 400 scutellaris und etwa 2 Dutzend vagus beteiligt. Bei den großen Camponotus-Arten ist das soziale Kommunikationssystem im Zuge von Kämpfen unterentwickelt, etwa im Vergleich zu den Lasius- od. Formica-Arten. Das Ausrücken von relativ wenigen Major-Arbeiterinnen kann somit als typisch bezeichnet werden. Gegenseitige Hilfestellung im Falle einer Bedrängnis gibt es nicht.
L.G.
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Krieg zw. Crematogaster scutellaris und Camponotus vagus. Weder durch den Photografen provoziert, noch unabsichtlich herbeigeführt (etwa durch Verrücken eines Holzstammes etc.)
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Die zahlenmäßig weit überlegenen Crematogaster strecken gemeinsam den übermächtigen Feind, dessen Kopf ist bereits vom aufgebrachten Gift verschmiert
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Einzelne, kleine Angreifer haben nicht den Funken einer Chance
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Hier findet der Kampf zwischen etwa 300 Crematogaster und ca. 2-3 Dutzend Camponotus statt
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Wer wird gewinnen: Viele Kleine oder ein Großer?
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Der Kopf der Major-Arbeiterin ist bereits von der schaumartigen Substanz aus der Dufourdrüse von Crematogaster überzogen, scheint aber keine Wirkung zu haben.....
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Üblicherweise müsste die giftige Substanz gerade im Bereich Kopf/Mandibel/Fühlerinsertion Wirkung zeigen
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Die nach vorne gekrümmte Gaster der vagus-Arbeiterin könnte auch auf den Einsatz ihres Giftes hindeuten; in der Regel bevorzugen die großen Camponotus-Arten den Mandibelkampf
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Zwischendurch putzten sich die großen Krieger, dann ging der Kampf weiter.
Boro
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