Camponotus aethiops vs. Pheidole pallidula

Camponotus aethiops vs. Pheidole pallidula

Beitragvon Boro » Freitag 27. April 2018, 11:52

Ameisen sind in der Regel nun einmal Raptoren, Jäger und Räuber. Das inter- und intraspezifische Verhalten ist aber vielgestaltig: Von Flucht, Verstecken, sich totstellen bis zu Angriff, Bildung von Heereszügen und zur schonungslosen Vernichtung der Konkurrenten reicht das Spektrum. Dabei ist die Größe der Individuen oft nicht entscheidend, sehr wohl aber die Volksstärke. Auch Taktik spielt eine Rolle, von der "Überrumpelungstaktik" etwa bei Lasius niger, dem Vorrücken unter Bildung von Brückenköpfen (L. niger) bis zur stetigen Belagerung von Nesteingängen anderer Arten, die schließlich buchstäblich zum Verhungern der Nestinsassen führen kann (z. B. Formica spp. oder Serviformica fuscocinerea gegenüber Manica rubida u. a.)
Vor allem die Verteidiger von Nestern wehren sich gegen Aggressoren einschließlich der Selbstaufopferung, das einzelne Individuum spielt keine Rolle im Vergleich zum Schutz von Königin und Brut und damit dem Staat an sich.
Dabei geht es vorrangig um Schutz oder Eroberung von Lebensraum und den dort vorhandenen Ressourcen bzw. um die Vernichtung von Konkurrenz: Je größer der Lebensraum mit entsprechenden Nahrungsquellen, desto eher ist das Fortkommen und Gedeihen des eigenen Staates zu gewährleisten. Die Tiere folgen aber nur ihren Instinkten, dass es auch Parallelen zum menschlichen Verhalten von der Frühzeit bis heute gibt, ist aber nicht zu leugnen.
Es gibt auch friedliche Koexistenz zwischen einigen Arten, vor allem dann, wenn unterschiedliche Lebensbedürfnisse vorliegen. Zu dieser Thematik habe ich schon einige Berichte geschrieben, Z. B.:
viewtopic.php?f=46&t=1592
viewtopic.php?f=46&t=1434
viewtopic.php?f=46&t=1354
viewtopic.php?f=46&t=1102
viewtopic.php?f=46&t=1073
viewtopic.php?f=46&t=518
viewtopic.php?f=46&t=1001
viewtopic.php?f=46&t=705
viewtopic.php?f=46&t=980
viewtopic.php?f=46&t=544
viewtopic.php?f=46&t=606
viewtopic.php?f=16&t=1717
viewtopic.php?f=46&t=569&p=11616&hilit=Polyergus+rufescens#p11616

Im gegenständlichen Fall handelt es sich um ein Unglück: Anlässlich unserer Pirsch durch die unermessliche Naturlandschaft Istriens, sind beim Abheben eines Steines die Völker zweier unmittelbar benachbarten Arten durcheinander gekommen. Das war in keiner Weise geplant, aber es passiert eben hin und wieder. Auch hier hat sich gezeigt, dass zahlenmäßig stark überlegene kleine Ameisenarten den Großen oft überlegen sind. In unserem Fall Camponotus aethiops vs. Pheidole pallidula. Wir haben mit dem Sohn etliche Jahre Pheidole gehalten, im Terrarium und auch in einem gut verschließbaren Gewächshaus. Dabei hat sich gezeigt, dass die kleinen Arbeiterinnen von Pheidlole weitgehend wehrlos sind, angeblich sollen sie (noch?) etwas Gift auf Feinde abstreifen können, der Giftapparat ist weitgehend reduziert. Dieses Verhalten konnte ich allerdings nie beobachten, ihre Stärke ist aber die Schnelligkeit und das gemeinsame Fixieren eines Gegners, die gleichzeitige Rekrutierung der Soldaten geschieht enorm rasch. Die Soldaten dürften auch keinen Stechapparat mehr besitzen, aber sie verfügen über starke, einer Kneifzange ähnliche Mandibeln. Mit diesen können die Gliedmaßen des Gegners rasch amputiert werden. Gegen Lasius niger hat Pheidole übrigens nicht den Funken einer Chance, da helfen noch so viele Soldaten nicht.
Die Camponotus-Majore können zwar kleine Pheidole zerstückeln, gegen die Soldaten scheinen sie kaum eine Chance zu haben.
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Dateianhänge
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Die kleinen Arbeiterinnen v. Pheidole vermögen die großen Camponotus an den Beinen zu fixieren
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Nach der Fixierung erfolgt die Alarmierung der Soldaten, in diesem Fall waren sie schon vor Ort
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Die Krieger mit den riesigen Köpfen und starken Mandibeln sind da, einer versucht eine Antenne des Gegeners zu kappen
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Im Einzelkampf ist Camponotus überlegen
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Wie stehen die Chancen Media-Arbeiterin gegen Soldat?
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Ein Soldat beißt in das Hinterbein der Camponotus-Arbeiterin
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Sekunden später ist die Tibie abgetrennt
Boro
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